Inside Schwarzes Loch - 7 Fragen

Hallo, ich hätte ein paar Fragen zu Schwarzen Löchern (SL) aus der Innenperspektive…

  1. Der Ereignishorizont wirkt für die Beobachtung abschirmend - in beide Richtungen. Für eine in einem sehr großen SL (ohne Singularität) sitzende Person X ist also ein ‚Außen‘ nicht wahrnehmbar.
    Hätte X dennoch eine Chance zu bemerken, dass er sich in einem SL befindet (von außen wäre das SL ja indirekt nachweisbar, aber von innen?).

  2. Wie nimmt X (der sich evtl. gar nicht bewusst ist, dass er sich innerhalb eines Ereignishorizontes befindet) eine neu ins SL stürzende Materie wahr, als eine mysteriöse Materieentstehung quasi aus dem Nichts oder wäre sie aus seiner Sicht physikalisch erklärbar?

  3. Wo ist aus der Innenperspektive die von außen einstürzende Materie zu lokalisieren (an jedem Punkt? an keinem?).

  4. Unser Universum enthält SLs. Ein Universum, das stets nur mit c expandiert hätte, wäre aber selbst ein (gigantisches) SL. Sind also SLs kaskadierbar, d.h. ein SL kann ein SL enthalten, dass ein SL enthält?

  5. Verweisen evtl. Singularitäten der Sub-SLs auf den gleichen Raumzeitpunkt?

  6. Wohin stürzt denn eigentlich die einfallende Materie in einem SL, das gar keine Singularität enthält?

  7. Entspricht nicht ein singularitätsloses, sehr großes, aktives, fressendes, und damit in seinem Inneren Raum und Materie vermehrendes SL von innen gesehen quasi ununterscheidbar einem expandierendem Universum?

Ralf

Hallo!

  1. Der Ereignishorizont wirkt für die Beobachtung abschirmend
  • in beide Richtungen. Für eine in einem sehr großen SL (ohne
    Singularität) sitzende Person X ist also ein ‚Außen‘ nicht
    wahrnehmbar.

Warum sollte das so sein? Wir sehen nicht nach innen, weil kein Licht heraus kommt. Hinein gelangt aber genügend Licht. Also sieht man auch heraus.

  1. Unser Universum enthält SLs. Ein Universum, das stets nur
    mit c expandiert hätte, wäre aber selbst ein (gigantisches)
    SL.

Warum?

  1. Verweisen evtl. Singularitäten der Sub-SLs auf den gleichen
    Raumzeitpunkt?

Was meinst Du damit?

  1. Wohin stürzt denn eigentlich die einfallende Materie in
    einem SL, das gar keine Singularität enthält?

Es wäre mir neu, dass es Schwarze Löcher ohne Singularitäten gibt.

  1. Entspricht nicht ein singularitätsloses, sehr großes,
    aktives, fressendes, und damit in seinem Inneren Raum und
    Materie vermehrendes SL von innen gesehen quasi
    ununterscheidbar einem expandierendem Universum?

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Du uns unterjubeln möchtest, wir wären in einem schwarzen Loch. Das glaube ich jedoch nicht.

Michael

Hallo,

Schwarzen Löchern (SL) aus der Innenperspektive…

Schwarze Löcher sind vom Standpunkt eines äußeren Beobachters definiert als isolierte Objekte - eine reine `Innenperspektive’ ergibt daher wenig Sinn. Außerdem ist die Lebenserwartung innerer Beobachter i.d.R. sehr gering.

  1. Der Ereignishorizont wirkt für die Beobachtung abschirmend
  • in beide Richtungen.

Der Horizont eines Schwarzschild-Lochs kann in einer Richtung (nach `Innen’) - und nur in dieser - passiert werden.

Für eine in einem sehr großen SL (ohne Singularität)

Wie verhinderst du die Bildung der Singularität, die in der Einstein-Hilbert-Theorie praktisch unausweichlich ist?

  1. Wie nimmt X (der sich evtl. gar nicht bewusst ist, dass er
    sich innerhalb eines Ereignishorizontes befindet) eine neu ins
    SL stürzende Materie wahr, als eine mysteriöse
    Materieentstehung quasi aus dem Nichts oder wäre sie aus
    seiner Sicht physikalisch erklärbar?
  2. Wo ist aus der Innenperspektive die von außen einstürzende
    Materie zu lokalisieren (an jedem Punkt? an keinem?).

Licht kann den Ereignishorizont wie alles andere auch von außen nach innen passieren, man sieht also grundsätzlich `nach draußen’. Es kommt natürlich zu Verzerrungen durch gekrümmten Lichtwege.

  1. Unser Universum enthält SLs. Ein Universum, das stets nur
    mit c expandiert hätte, wäre aber selbst ein (gigantisches)
    SL.

Was verstehst du unter Expansion mit c'? Was verstehst du darunter dass ein Universum ein SL ist’?

  1. Verweisen evtl. Singularitäten der Sub-SLs auf den gleichen
    Raumzeitpunkt?

Eine Singularität ist kein Punkt der Raumzeit, sondern ein Punkt am Rand bzw. außerhalb. Die Raumzeit ist über/in eine Singularität nicht fortsetzbar. Ich sehe daher keinen Grund, zwei Singularitäten zu identifizieren.

  1. Wohin stürzt denn eigentlich die einfallende Materie in
    einem SL, das gar keine Singularität enthält?

In der einsteinschen Theorie gibt es sowas nicht. In erweiterten Modellen könnte sich im Inneren ein Baby-Universum bilden. Ansonsten verdampft das SL ja durch Hawking-Strahlung (möglicherweise mit einem Überrest) und verteilt die Energie/Materie somit wieder im ursprünglichen Universum.

  1. Entspricht nicht ein singularitätsloses, sehr großes,
    aktives, fressendes, und damit in seinem Inneren Raum und
    Materie vermehrendes SL von innen gesehen quasi
    ununterscheidbar einem expandierendem Universum?

Das Innere eines SL ist zunächst ein kollabierendes Universum. Ein die Singularität vermeidender quantenmechanischer Prozess könnte dazu führen, dass das Baby-Universum wieder expandiert.


Philipp

Das mit der Singularität widerspricht aber dem Pauli-Prinzip der Quantenmechanik! Es kann also erst dann genau geklärt werden was genau in einem Schwarzen Loch passiert wenn die Quantenmechanik mit der Gravitationstheorie vereint ist.

Es wäre mir neu, dass es Schwarze Löcher ohne Singularitäten
gibt.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Du uns unterjubeln
möchtest, wir wären in einem schwarzen Loch.

Hi,

einfach die geschätzte Masse unseres Universums in die Schwarzschildformel einsetzen…
(das Ergebnis liegt im Bereich von 13 Mrd. Lj)

Evtl.(?) könnte sich ein SL ohne Singularität auch bei Interferenz entsprechend gewaltiger Gravitationswellen ergeben…

Ralf