Servus,
Vielleicht hat ja jemand ein paar Tips 
(1) Archiv und FAQ zum Thema Paris durchsehen
(2) immermal wieder gern genommen: Das höchstgelegene Hotelchen in Paris, das ich heiß und innig liebe:
http://www.ermitagesacrecoeur.fr/ermitage.swf
(das Haus hat ein paar Jahre auf dem Puckel, ist im Winter etwas klamm. Aber arg schee!)
(3) angesichts der Pressemeldungen der letzten Jahre mal in die Vorstädte schauen, wie sie auch sein können: „la ceinture rouge“ im Süden, vor allem Ivry-sur-Seine, wo man die Architektur sozialen Wohnungsbaus von 1935 bis heute studieren kann, und - das geht allerdings nicht in drei Tagen - sich anschauen kann, wie man junge Arbeitslose in zweiter Generation von der Straße kriegt
(4) meine persönlichen Lieblingsviertel: Der alte Kern des Vième - Paris ist noch stärker als z.B. Berlin in der Hauptsache aus vielen Dörfern zusammengewachsen. Der alte kleinstädtische Kern des fünften Arrondissements geht gerne neben den urbanen Prachtbauten der Hochschulen unter - sehr scharmant. Außerdem das 18ième, die Vorderseite von Montmartre darf man weitgehend knicken, die Rückseite (rue Simplon) ist richtich schee. Nicht versäumen: Restau „Deux Pelles“, 50 rue Mont Cenis: Es ist ein Bretone drauf, Cidre und Crèpes**, außerdem allerlei „à la crème“, was noch keinem geschadet hat. Da gibts ein kleines Regälchen mit Fächern, in denen die Servietten der Stammgäste liegen. Man rechnet eigentlich damit, dass an einem Tisch in der Ecke Janvier sitzt und auf Maigret wartet. Auf der Vorderseite unmittelbar östlich der Montmartretreppe ein riesiger Tuchmarkt, marché St. Etienne, wenn man Textiles mag: Da gibts alles, einschießlich der Händler Diamantstejn und Ben Moussah, die Dir in einträchtiger Konkurrenz den letzten Heller abjagen, als wären sie nie und nirgendwo etwas anderes als ein Herz und eine Seele… Etwas weiter nördlich, Porte Clignancourt, der Flohmarkt: Obwohl er in allen Führern steht, dennoch einen Besuch wert. Man muß bloß zügig durch den Neppgürtel ins Innere vordringen. Dann, relativ frisch kennen gelernt, das 12ième: Erfrischend bürgerlich und „Parisien“ im Vergleich zum Marais, das sich innerhalb von einigen Jahren gänzlich in Fassade verkehrt hat - vgl. Niedeckens „Södstadt“. Das 12ième ist geblieben was es war, von Bastille nach Nation hinüber von großbürgerlich zu kleinbürgerlich sich entwickelnd. Am Anfang der rue du Faubourg St. Antoine, gleich hinter der Bastille, gibts einige völlig abgefahrene Läden, vor allem Möbel und Raumausstattung - nicht zum Kaufen, mehr zum Kucken und Staunen … Im 12ten auch der billigste (und trotzdem hervorragend beschickte) Lebensmittelmarkt von Paris-Stadt, der marché d’Aligre auf der place d’Aligre und daran anschliessend: Eine schöne Markthalle, schätzungsweise 1900 +/- 10, in deren Inneren es die besseren Sachen gibt, und außen auf der Gasse die Gemüse- und Obststände, wo man sehen kann, wie arm eigentlich D beschickt ist: Da steht auf keiner Ananas Dole drauf, aber man hat die Wahl zwischen Ecuador, Venezuela, Kamerun , Côte d’Ivoire etc. Gegen halbzwei, wenn die Händler die Stände leer kriegen wollen, gibts einen Trost für alle Deutschen, die mit den französischen Vokalen Schwierigkeiten haben: Wenn zwanzig Marokkaner/Tunesier/Algerier/Senegalesen „Deye pourre eune! Deye pourre eune!“ schreien, klingt das auch bloß bedingt nach Französisch… Im 12ième auch das Ebauchoir, rue de Citeaux:
http://www.lebauchoir.com/
(ich wiederhole mich, aber das ist wirklich eine Adresse).
(4) Was Rilke vom Jardin de Luxembourg geschrieben hat, findet man heute im Parc des Buttes Chaumont (10ième, Metro Buttes Chaumont): Samt Karussellpferdchen und Kaspertheater, außerdem betagte Herren aus Fernost, bei denen man sich anschauen kann, wie Tai Chi wirklich geht usw.
– Und, ganz wichtig: Traue den Reiseführern: Paris hat einige architektonischen Schätze, die genau da drin stehen und auch da drin gefunden werden können. Für weitere Einzelheiten kauf Dir am ersten Kiosk den Veranstaltungsführer „Pariscope“, sonst vielleicht auch den „Petit Futé“ für Paris in der Buchhandlung. Interessant übrigens La Defense: Man kann dort beobachten, wie Baudenkmäler entstehen - ein gewaltiges Monument der Moderne des XX. Jahrhunderts, das aus dieser Epoche seinesgleichen sucht (nagutt, in NY war ich noch nie). Gleiches gilt für die „Fabrik“ Centre Pompidou, das jetzt schon anfängt, Geschichte zu sein, und dem ich 1976, als ich das, was da aus der Baustelle wuchs, ungeheuer hässlich fand, nie zugetraut hätte, dass es einmal als Baudenkmal so wichtig würde.
Reiseführer-Sehenswürdigkeiten: Versailles und auch Vincennes im Winter sind wunderschön zum Schauen und Verweilen. Vorher Öffnungszeiten klarmachen.
(5) Paris ist klein: Seh zu, dass Du viel zu Fuß unterwegs bist. Mal durchs Haussmann-Viertel, mal den Canal St. Martin entlang, mal durch Ménilmontant. Vor langer Zeit hab ich einmal eine Pariser Handschuhmacherin (wenn man Villon folgen darf) gekannt, die behauptete, Paris hätte einen anderen Hall als alle anderen Städte, wegen der unterirdischen Steinbrüche.
A propos Handschuhmacherinnen: Wenn Du Zeit hast, geh mal von der Gare de l’Est nicht die Hauptachse Bd. de Strasbourg entlang, sondern die rue du Faubourg St. Denis. Ich weiß nicht, ob das heute noch so ist, aber vor einigen Jahren konnte man da noch mitten in der Metropole einen auf seine Weise fast scharmanten Straßenstrich sehen. Mitsamt den Fassaden, die in einem katholisch-doppelbödigen Land dazu gehören: An jedem Treppenaufgang hängen zich Firmenschilder von „Textilfabrikanten“ …
(6) Bildende Kunst ist bekanntlich Geschmackssache. Wenn Euch das hervorragende Impressionistenmuseum in der Gare d’Orsay, der Louvre selber (mitsamt einer Abteilung „ägyptisches Kunsthandwerk“, die für sich allein schon die Reise wert ist) und das Centre Pompidou zu viel sind, gehts halt in das kleinere Musée Picasso: Ein Schatz, hervorragend gehängt! - ich hab keine Ahnung, ob ich Picasso verstanden habe, aber dort hatte ich das Gefühl jedenfalls. Gleiches gilt für das musée Rodin, jardin de Luxembourg: Der Genius loci lässt Rodins Sachen in ein neues Licht treten. Und vor allem auch in das städtische musée d’Art Moderne im Trocadéro, vor allem wegen der „Fée Electricité“ von Raoul Dufy. Für dieses Werk allein würde ich wenigstens zwei bis drei Stunden rechnen.
(7) Métro: Mal die Ringbahnlinien 2 und 6 ausprobieren: Die sind streckenweise als Hochbahn mit Aussicht geführt. Oder auf dem ebenfalls hochgelegten ehemaligen Bahndamm entlang, der zum dito Bastillebahnhof geführt hat: Ein hochgelegter sehr schön angelegter Park, der Einstieg (bissel suchen, der Treppenaufgang ist unauffällig) ist gleich auf der Rückseite der Bastilleoper Rue de Lyon, Ecke Avenue Daumesnil. Man kommt auf diesem schmalen länglichen Park, der gleichzeitig eine Art architekturhistorischer Parcours ist (ohne Autos kann man besser kucken), fast bis an den Bois den Vincennes hinaus).
(8) Friedhöfe: Wenn mans mag, Père Lachaise; aber der ist durch den Jim-Morrison-Kult und den Oscar-Wilde-Kult nicht unbedingt reizvoller geworden. Schöner sind, finde ich persönlich, der kleine heimelige Montmartrefriedhof (Grüße bitte an Henri Heine) und der große Montparnassefriedhof.
(9) Für Freunde von Essen und Trinken lohnt es sich, mal früh aufzustehen und nach Rungis hinauszufahren (die Hauptsache läuft da morgens um fünfe ab). Ich glaube, die Höllenstrafe für Genusssüchtige ist, dass sie mit zugewachsenen Lippen eine Ewigkeit lang jeden Tag durch die Neuen Hallen in Rungis gehen müssen.
(10) Im Pariscope nachschauen, ob um diese Winterzeit vielleicht eine oder zwei der Guingettes in Marne-la-Valée und Nachbarorten offen haben: Dort sind Musette und Java urplötzlich genießbar …
(11) Zum Thema Kino: Programmkinos heißen „Cinéma Art et Essai“. Mein persönliches Lieblingskino aus dieser Kante:
http://www.lelatina.com/
Zò - reichts für drei-vier Tage schon?
Wenn Du mir mehr über Interessen und Gelüste verrätst, fällt mir vielleicht noch dieses oder jenes ein.
Schöne Grüße
MM