Insolvenz bei Rainbow Tours

Hallo an alle,

ich habe gehört, dass Rainbow Tours jetzt plötzlich insolvent sein soll, dabei bin ich mit denen letztes Jahr noch ganz normal verreist…

Stimmt es, dass die Firma insolvent ist? Oder wird sie nur übernommen und existiert weiter?

Danke an alle, die etwas wissen!

Hallo, Yaschar! Ich Grüße Sie
Ihre Bedenken sind nicht unbegründet, denn…

Bei Rainbow-Tours in Wilhelmsburg gehen die Lichter aus: Das Unternehmen wurde vor einigen Tagen an einen Investor verkauft. Der bisherige Geschäftsführer Mathias D. Kampmann war zuvor massiv in die Schusslinie geraten.
Foto: Marius Roeer Bei Rainbow-Tours in Wilhelmsburg gehen die Lichter aus: Das Unternehmen wurde vor einigen Tagen an einen Investor verkauft. Der bisherige Geschäftsführer Mathias D. Kampmann war zuvor massiv in die Schusslinie geraten.
Foto: Marius Roeer
Immer mehr Beschwerden von Kunden. Immer mehr eingeschaltete Anwälte. Immer mehr Probleme. Auch nach der Übernahme durch den Unternehmenssanierer Jörg Grützner (52) aus Brandenburg kehrt bei der maroden Reisefirma Rainbow-Tours keine Ruhe ein. Wie geht es jetzt bloß weiter?

„Herzlich Willkommen im Land der unbegrenzten Reisemöglichkeiten“, hieß es auf dem ersten Werbeplakat. Heute, rund 30 Jahre später, steckt Rainbow-Tours in einer wirtschaftlichen Krise. Zahlreiche kurzfristig abgesagte Reisen, nicht überwiesene Gehälter, viele unbezahlte Rechnungen. Vor knapp zwei Wochen dann die Überraschung: Der Laden wurde verkauft. Für einen sechsstelligen Betrag.

Und der neue Chef, der Unternehmenssanierer Jörg Grützner (52), hat viel vor, wie er der MOPO verriet: Erst mal will er die Firmen „entflechten“, das Unternehmen wieder zahlungsfähig machen. Und im nächsten Jahr mit neuen Gesellschaftern wieder an den Markt gehen. Wie hoch die Verbindlichkeiten tatsächlich sind, weiß der neue Inhaber aber abschließend noch nicht. „Da fische ich ein bisschen im Trüben, bis ich mir einen Überblick verschafft habe“, sagt er. Auch die Zahl der betroffenen Kunden ist noch nicht klar. Grützner: „Das sind um die 800 bis 1000…“

Und fast täglich werden es mehr. Auf der Facebook-Fanpage häufen sich negative Kommentare, viele Reiseleiter vernetzen sich in einer Facebook-Gruppe mit dem Titel „Danke Rainbow Danke … für nichts!“. Viele Kunden, Reiseunternehmen und Hoteliers haben ihre Anwälte eingeschaltet. Claudius Finkbeiner (32), Rechtsanwalt mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Insolvenzrecht beispielsweise. Er vertritt zahlreiche Reiseleiter, die freiberuflich für Rainbow-Tours tätig waren – und insgesamt Forderungen in fünfstelliger Höhe haben. „Bislang habe ich keine Nachricht über Zahlungseingänge“, sagt der Anwalt. Wenn auf seine Zahlungsaufforderung nichts passiert, werde er im Notfall auch den Weg des Mahnverfahrens bis hin zur Klage bestreiten.

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Rainbow Tours-Chaos: Jetzt redet der neue Chef Das will Jörg Grützner verhindern, wie er sagt: „Wenn die Leute das erreichen würden, was sie androhen, treiben sie die Firma ja in die Insolvenz. Damit wäre keiner glücklich.“ Vor allem nicht der bisherige Geschäftsführer Mathias D. Kampmann (49). Da er mit „vielen privaten Bürgschaften“ in der Firma steckt, muss er ein „tiefes wirtschaftliches Interesse haben“, so Grützner, dass „das was ich tue, erfolgreich ist“.

Überhaupt seien, so der neue Chef, in der Vergangenheit Fehler gemacht worden. „Es ist ja so, dass die Erträge jahrelang geflossen sind, das war alles in Ordnung. Aber man hat den Trend verpasst, rechtzeitig gegenzusteuern und dann ein Jahr einfach weitergemacht. Die sind mit dem Tagwerk so beschäftigt gewesen, dass sie vielleicht keinen ausreichenden Überblick mehr hatten.“

Das will Grützner jetzt richten. Und damit kennt er sich aus: Laut eigener Aussage hat er als Unternehmenssanierer bisher „15 bis 20 Projekte unterschiedlichen Ausmaßes abgewickelt“. Acht davon endeten in der Insolvenz, wie aus dem Handelsregister zu entnehmen ist. Für mindestens eine seiner aktuellen Firmen gibt es deshalb auch bei der „Creditreform“, einer Wirtschaftsauskunft, Einträge wie „Eine Geschäftsverbindung gilt als riskant.“

Zeitgleich brodelt es in der Branche: Dort wird über eine sogenannte Firmenbestattung spekuliert. Die geplante Verlegung des Firmensitzes nach Neustrelitz, die geplante Umbenennung der „A.S. Reiseveranstaltungsgesellschaft mbH“ zur „Müritz-Strelitzer Reiseunternehmen GmbH“ und die neue Geschäftsführung – das alles seien Schritte zur Verhinderung eines Insolvenzverfahrens mangels Masse. Die Gläubiger würden dann die Zeche bezahlen. Damit konfrontiert sagt Jörg Grützner: „Das ist auf keinen Fall meine Arbeitsweise oder mein Ziel. Das passt nicht, sonst würde ich auch keine Aufträge kriegen.“ Mathias D. Kampmann lässt über seinen Anwalt auch mitteilen, dass der Vorwurf „unbegründet“ sei.

André Schlatermund (53), der Rainbow-Tours gründete und derzeit seine Ansprüche an der Marke geltend macht, hat sich inzwischen auch gemeldet. Doch Grützner strebt die Verlängerung der Lizenz an. Mit der „Müritz-Strelitzer Reiseunternehmen GmbH“ will er unter der bekannten Marke „Rainbow Tours“ Anfang 2012 richtig durchstarten. „Dann werden wir auch Flugreisen machen. In das Segment müssen wir reinkommen und dafür gibt es auch einen Kontakt