Installation einer Blitzschutz Außen Anlage

Hallo zusammen, 

aufgrund der zunehmenden Unwetter und der damit verbundenen Gewitter stelt sich mir die Frage, ob es nicht Sinn macht, einen äußeren Blitzschutz am Haus anzubringen und das Haus so vor einem Blitzschlag zu bewahren.
Da viele Leute auf dem großen Markt auch viel verkaufen wollen, fehlt mir manchmal das Vertauen.

Daher die Frage hier an die Experten:  Ist ein äußerer Blitzschutz sinnvoll?  Kann dadurch ein Schaden am Haus abgewendet / vermieden werden? Muss sowas vom Bauamt genehmigt oder ggf. nur angezeigt werden? Worauf muss man vorgher noch achten ?

Mein Haus steht an einem Hang in freier Lag, nächstes „höheres“ Objekt ist eine Birke. ca 50 m entfernt.

Danke an alle für Eure Infos, natürlich steht einer Beratung vor Ort noch aus.

Gruß

Jürgen

moin moin,

das ist ein äusserst komplexes und vor allem teures Thema.

Du solltest mehrere Fachfirmen konsultieren.

ich setze auf gestaffelten Überspannungsschutz um meine Haushaltsgeräte zu schützen…soweit ich das hier bei mir im Ort überblicke, hat kaum jemand äusseren Blitzschutz…

Gruß Angus

Hallo!
Bei einer äußeren Blitzschutzanlage befindet sich das Gebäude in einem faradayschem Käfig, das heißt, innerhalb ist die Spannung gleich null, was einen gewissen Schutz bietet. Bei einem direkten Einschlag, der von der Blitzschutzanlage nicht mehr abgeleitet werden kann, kann es durchaus zu Gebäudeschäden kommen, aber das Risiko ist wesentlich geringer.
MfG
airblue21

Hallo Angus,

genau das ist es was mich auch wundert. Mit einem relativ kleinen Aufwand ließen sich größere Schäden vermeiden, aber dennoch sind diese Anlagen, zumindest hier in NRW, bei Privatbauten kaum zu finden. Danke für die Tips

Hallo!

Blitzschutzanlage schützt vor den Folgen eines direkten Blitzeinschlags, es entsteht also kein Feuer oder keine Sprengwirkung an Deckung oder Bauteilen.
Sinnvoll ist sie immer, sie schadet nie, nützt aber im Fall der Fälle immer.
Sie „zieht“ also keine Blitze an, im Sinne von, es schlägt nun häufiger ein als ohne !

Ob man sie wegen einer exponierten Lage - alleinstehend, auf Hügel - nachrüsten sollte, wird eine Ortsbesichtigung einer Fachfirma ergeben. Tendenz ja.

Übrigens, wenn man so etwas gleich beim Bau vorsieht, dann fallen dafür i.d.R. nur geringen Kosten an ( ca. 2 % der Bausumme), denn die Erdungsanlage ist sowieso für die Elektrik schon vorhanden.
Man muss „nur“ die Anschlussfahnen an den Hausecken aus dem Fundament herausführen.
Nachrüsten ist deutlich teurer, weil man ja die Erdungsanlage neu machen muss und Erdarbeiten sind teuer. Zwar kann man Tiefenerder an den Hausecken(Ableitungen) einbringen, aber die müssen untereinander verbunden werden. Also muss man doch ringsherum aufgraben und einen Ringerder legen. Nur selten kann man das am Haussockel oder im Keller innen drin machen.

Zu den angesprochenen Überspannungs-Schutzgeräten.
Das ist Teil des innere Blitzschutz, der sogenannte Blitzschutz-Potenzialausgleich.

Hierbei sind nicht nur die leitfähigen Teile der Haustechnik (Rohrleitungen Wasser, Heizung, Gas, Klima,Antennen) mit dem Erder verbunden sondern auch die aktiven Teile = die E-Leitungen einbezogen.
Da man die nicht direkt anschließen kann, wird das über Schutzgeräte gemacht, die erst im Falle der Überspannung die E-Leitungen mit dem Potenzialausgleich verbinden.

Dann ist alles im Haus auf einem Potenzial und es kann keine Spannungsunterschiede geben. Es kommt so nicht zu Schäden durch Spanungsüberschläge.

Und dieser innere Blitzschutz schützt auch in Fällen von Ferneinschlägen, Wolke-Wolke-Blitzen oder auch von anderen Ursache (ohne Gewitter) im Netz, Kurzschluss, Schalthandlung im Umspannwerk usw.

Der innere Blitzschutz ist generell sehr sinnvoll. Heute ist viel mehr empfindliche Technik im Haus vorhanden als früher, die auf Überspannungen kritisch reagiert und ausfällt.
Er wirkt also auch ohne äußeren Blitzschutz.
Kosten hierfür ca. 800 -1.200 € im Einfamilienhaus.
Montage im Hauptverteiler und/oder ggf. auch in Unterverteilern, wenn E-Anlage weitverzweigt ist (Mehrfamilienhaus). Vor besonders empfindlichen Endgeräten Zusatzschutz durch „Feinschutz“ als Steckergerät.

Eine vollwertige Blitzschutzanlage besteht immer aus beiden Teilen, äußerem und innerem Blitzschutz.
Und sie unterscheidet sich noch im Schutzgrad, es gibt 4 Blitzschutzklassen. Äußerlich erkennbar daran, wie dicht die Auffangleitungen auf dem Dach verlegt sind.

MfG
duck313

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Hallo duck,

vielen Dank für die ausführliche Darstellung, immer 100 mal besser als irgendwelche Prospekte oder Verkaufsgespräche, vor allem Deine klaren Definitionen und nicht nur den Verweis auf DIN xyz. Supi !

Installation einer Blitzschutz: Geürst notwendig ??
Hallo zusammen,

Ich würde gerne die Experten fragen, ob es notwendig ist, das Haus vorne und hinten dazu komplett einzurüsten ? Nicht falsch verstehen, die Sicherheit der Leute hat natürlich oberste Priorität.

Läßt sich so etwas heute nicht mit einer Hebebühne ausführen / montieren? Die Arbeitsbühnen haben doch meist lange Ausleger, da sollten doch zwei Etagen plus DG kein Problem sein, oder? Noch eine Frage vom Laien: muss man diese „Fangseile“ auf beiden Dachflächen montieren? Reicht es da nicht aus, eine Seite plus First zu „verdrahten“ ?

Danke an alle für die Hinweise vorab

Jürgen

Hallo!

Gerüst ? Hubbühne?

Je nach Dachneigung/Höhe kann es nötig werden. Ist das Dach nicht sehr steil und hoch, dann kann man sicherlich auch so drauf. Anseilen kann sich der Handwerker ja immer (oder gerade trotzdem).

Nein, das geht nicht nur am First und auf einer Dachhälfte !

Eine Blitzschutzanlage an einem einfachen Haus, also rechteckig mit Satteldach etwa, bildet alle Dachkanten mit Auffangleitungen nach (keine Seile, das sind feste massive Drähte 8-10 mm Alu oder Stahl verzkt.).

Alle Kanten sind besonders einschlaggefährdet.

je Dachhälfte bildet man eine geschlosse Masche aus Fangleitungen, oben Firstleitung mit Fangspitzen an den Enden, unten Traufe (das kann die Metalldachrinne sein) und dann je Ortgang eine weitere Leitung, die die Masche schließt. Ortgangleitung ist mit Firstltg. und Dachrinne verbunden.
Die Ortgangleitungen führen dann an Fassade herab zur Erdungsanlage. Das sind die Ableitungen.

Das auf beiden Dachhälften, ganz symetrisch. Auch dort dann 2 Ableitungen zum Erder.

Haus hat also 4 Ableitungen. Sehr kleines Haus käme mit weniger aus(2 Stück), macht man aber eher nicht. es kostet wenig, der Schutzeffekt ist höher.
Die genaue Zahl der benötigten Ableitungen je nach Schutzklasse wird berechnet.

Ragen nun Bauteile aus der Schutzebene „Masche“ = Dachfläche heraus, dann müssen die extra geschützt werden, sie sind sonst einschlaggefährdet.
Schornstein (Fangstange, 1 oder 2 Stück), Lüfterhauben von Dunstrohren wenn > 30 cm, Dachgauben (First), Metallrahmen von Veluxfenstern (bei best. Fläche).

Antennen sind gesondert zu betrachten. Die ist ja schon vorher allein geerdet (16 mm²) nach Elektronorm.
Die verbindet man nun nicht mit der Blitzschutzanlage. Hier wendet man die „isolierte Fangeinrichtung“ an. Und vermeidet so, dass Teilblitzströme über die nicht stromtragfähigen Koaxkabel ins Haus gelangen und zerstörend wirken.

MfG
duck313

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nochmals Danke für die vielen ausführlichen Details * garantiert !!