Hallo,
Schon wenn ich das höre: Sie weiss es nicht, aber sie wird
diskriminiert; wir müssen sie befreien, sie will es aber
nicht! Aber du weichst aus: Wir können gemeinsam gegen
Geschlechterbenachteiligung kämpfen, wenn wir eine gemeinsame
Grundlage haben; aber für mich ist dieser Artikel sowieso
jetzt relativ zu sehen, da die Religionsfreiheit auch nicht so
eng genommen wird…
Ein Moslemischer Mann wird seine Frau bestimmt genau so
lieben, wie ein Christ oder Jude.Außerdem will ich keine
Moslemischen Frauen befreien, ich wollte nur einer anderen
Gegenaussage dires
kt entgegentreten.
Die gemeinsame Grundlage würde mich brennend interessieren.
Die gemeinsame Grundlage kann schon beim „leben und leben lassen“ anfangen, muss aber dort nicht aufhören, die Religionsfreiheit ist eine Grundlage, die man nicht beiseite legen sollten.
Ich hatte dir schon gleich bei der ersten Antwort gesagt, dass Muslime eigentlich nur normal leben und ihre Religion ausleben wollen. Wenn das „gestattet“ ist, dann müssen wir uns noch nicht einmal als fremde Parteien miteinander unterhalten, sondern können als normale Menschen (Nachbarn, Mitstudenten, Mitarbeiter usw…) unterhalten. Ein interreligiöser Dialog ist trotzdem sinnvoll, aber das sollten einige machen, nicht die Allgemeinheit. Dann ist unsere Grundlage unsere Menschlichkeit (die bei Muslimen in Frage gestellt wird…)
In Ruhe (Frieden) gelassen werden wollen wir alle (denke ich).
Was das mit Parallelwelten zu tun hat, weiss ich auch nicht.
Ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl werden Muslime immer
haben, denn es verbindet sie etwas, was sie mit anderen nicht
verbindet… Aber genauso gibt es auch Parallelwelten von
Studenten, Russen, Bauarbeitern, Bayern usw… Wer glaubt, dass
Deutschland ein homogenes Gebilde ist, der irrt sich. Was es
aber aus islamischer Sicht nicht geben muss und darf, sind
Aufstachelungen (oder Hetze) gegen eine Gruppe, die einem
nichts getan hat. Einfach ausgedrückt: Muslime dürfen ihres
Glaubens wegen keinen Streit vom Zaun brechen (das ist
auch Bestandteil der Scharia!). Das muss aber auf beiden
Seiten gelten: Hetzprediger und Boulevardpresse, die u.a.
Muslime und den Islam in den Dreck ziehen und damit ein
obskures Bild von deinen Nachbarn zeichnen sollte Einhalt
geboten werden.
Also nochmal in Kürze (damit man nicht von mir behauptet, ich
beantworte keine direkten Fragen): Ja, Muslime und selbst der
Islam sind integrationsfähig, man kann aber nicht erwarten,
dass sie sich assimilieren lassen.
Ich glaube das wollen auch nur wenige.Was die Presse betrifft,
hast du 100% recht, siehe unten.
Ich glaube nicht, dass das nur wenige wollen! Sehr viele kommen mit dem Konzept Anderssein nicht zurecht. Was die Presse macht, ist dass sie auch noch suggeriert, das Anderssein wäre gefährlich (Identitätsverluste ja selbst Terrorismus entstünden aus dem „Anderen“). Die HAZ schreibt letztens, dass der schulische Islamunterricht die Schüler aus dem Sumpf der Koranschulen retten soll. Ich schätze die HAZ sehr, weil sie normalerweise wirklich ausgewogene Artikel haben, allerdings, wenn es um den Islam geht, gibt es keine einzige Zeitung oder Zeitschrift, die objektiv berichtet (fear sells). Es sind zwei Fehler in der Aussage der HAZ: Der Islamunterricht an den Schulen soll die Koranschulen nicht ersetzen, denn auch der Konfirmantenunterricht läuft weiterhin neben dem Religionsunterricht. Auf der anderen Seite könnte ich jede Wette eingehen, dass dieser Journalist noch nie eine sog. „Koranschule“ besucht hat. Wir haben in unserer Moschee einen Koranunterricht und ich kann dir versichern, er ist harmlos: es wird den Kindern das Koranlesen beigebracht! Aber schon die Ausdrucksweise: „der Sumpf der Koranschulen“, das bringt mich um den Verstand - und genau das kommt beim Ottonormalängstlichen (entschuldige den Ausdruck) Deutschen an…
Nein! man wird nicht intolleranter, wenn man den Koran streng
nimmt. Im islamischen Reich hat sich denke ich erwiesen, dass
diejenigen Herrscher, die den Koran beim Wort nahmen, die
tollerantesten waren, während diejenigen, die sich von ihm
abwandten, Christen und Juden mit Intolleranz begegnet sind.
Als Beispiel dafür will ich hier die Ausnahme, die vor den
Kreuzzügen die angebliche Regel für die europäischen Christen
bestätigt hat, vorbringen: Es wird berichtet, dass im Jahr
1009n.Chr. der damalige Herrscher „Al-Hakim“ zum ersten Mal in
der islamischen Geschichte eine Kirche abreissen liess. Dies
wurde später als Vorwand genommen, um die Kreuzzüge
anzustacheln, obwohl die Kirche von seinem Nachfolger
wiedererbaut wurde. Soweit die Geschichte, wie sie Europäern
wenn überhaupt genannt wird. Ich habe Al-Hakim nachgeschlagen
in einem islamischen historischen Buch („Albidaya wa’nnihaya“
oder „Der Beginn und das Ende“). Offensichtlich hat er auch
Muslime davon abgehalten, in Richtung Mekka zu beten und hat
gefordert, dass man sich ihm unterwirft. Seine Geschichte wird
auf drei Seiten (das Ganze ist eine Zusammenfassung) erzählt
und wird mit einem Bittgebet, dass er für seine Taten bestraft
werden solle beendet.
Unter allen anderen Herrschern - die meisten haben den Koran
sehr ernst genommen - galt eine Tolleranz gegenüber
andersgläubigen, die so noch nicht einmal in Deutschland zu
finden ist: Sie durften explizit Parallelgesellschaften
aufbauen. Soll heissen: Wenn sich vermehrt Christen irgendwo
ansiedelten, dann durften sie ihre eigene Gerichtsbarkeit
aufbauen und durften sich entscheiden, ob sie in christlichen
Schiedgerichten oder in islamischen klagen wollten, es sei
denn, die beiden Parteien einer Klage waren aus zwei
unterschiedlichen Religionen.
Das ist bekannt, wie kommen wir wieder zu einer solchen
Toleranz?
Einen persönlichen Rat an dich oder deine umgebenden Muslime kann ich dir leider nicht geben. Aber insgesamt sollten wir uns doch einig sein, dass man von niemandem Toleranz erwarten kann, der unterdrückt wird. Oder glaubst du, dass Iraker nun tolerant gegenüber Amis sein sollen? Ausserdem sollte man sich Gedanken machen, wie mit Pressemeldungen umzugehen ist, die Muslime derartig angreifen. Wenn erstmal solche Ansätze da sind, dann kann man in Ruhe über fehlende Toleranz diskutieren. Was glaubst du, wie froh Muslime waren, als der jüdische Kulturverein in Berlin sich gegen die Islamophobie ausgesprochen hat. Leider ist es „nur“ ein kleiner Verein, der soweit ich weiss nichts mit dem Zentralrat der Juden zu tun hat, aber trotzdem ist es ein Schritt in die richtige Richtung, Vielleicht tun das auch mal Christen…
Es wäre falsch, die Muslime ständig die Bringschuld zuzuschieben!
Hallo Omar,(erst mal etwas privates)
bist du mit dem Imam aus NY verwandt? oder hast du nur einen
Sohn Namens Namous.
Nein weder noch! Wir haben beide denselben Namen (ich glaube, unsere beiden Väter haben denselben Vornamen) aber ich kenne ihn nicht und er mich denke ich auch nicht! Ich bin bei der Suche nach mir selbst
(im Internet) auf ihn gestossen und hab mich ne Zeitlang nicht ins Ausland getraut, da ich befürchtet hatte, dass er sich irgendwie komisch äussert und mich mit meinem Namen da hineinzieht…
Ich glaube mittlerweile das es bei der Frage die ich
aufgeworfen habe und den Antworten es ,zumeist, wirklich an
Kommunikation und Pressearbeit mangelt. Die öffentliche
Darstellung, zumindest was dies Thema betrifft, wird nicht
objektiv geführt.
Da geb’ ich dir absolut recht. Das hört sich erst einmal nicht sehr schlimm an, aber es ist wichtig, dass das ein Ende hat (obwohl nicht einsehbar).
Der Diskussionskreis bei der diese These aufgeworfen wurde,
befasste sich eigentlich mit der Ökumene der drei
Monotheistischen Religionen.
Unser Problem ist und war, das wir keinen einheitlichen
Ansprechpartner auf der Seite des Islam finden (Es gibt
keinen)Darum habe ich es mal ins Netz gestellt.
Habt ihr gesucht? Ich würde es an eurer Stelle bei den lokalen Moscheeverbänden versuchen. Geht einfach hin, versucht einen Termin zu bekommen, am besten um euch die Moschee und den Verein anzuschauen. Dann könnt ihr euer Vorhaben mal erklären. Ich würde empfehlen, dass ihr euch eine grössere Moschee aussucht. Die DITIB bspw. hat fast in jeder zweiten Stadt eine Moschee und stellt auch m.E. sehr gerne einen kompetenten Ansprechpartner zur Verfügung. Auch studentische Vereine können Wunder wirken. Der Vorteil bei denen ist, dass sie auch intellektuell mitkommen und engagiert sind. Aber sei mal ehrlich: In welchem Ausmass habt ihr bis jetzt nach einem solchen Ansprechpartner gesucht?
Ich habe in dir zwar nur eine Stimme, aber ich habe die
Hoffnung das wenn von der Islamseite eine bessere Aufklärung
und ein offener Dialog geführt wird ( da bin ich zb. anderer
Meinung als Lehmann)zumindest die das Bild und die Meinung in
der Öffentlichkeit über den Islam verbessert werden kann.
Schaun wir mal was wir da so hinbekommen.
Die Diskussion ist überall im Gange. Ich wünsche mir aber keine Fernseh-talkshows, sondern menschennahe Foren, in denen man sich austauschen kann. Ein erster Anhaltspunkt kann bspw. der KCID sein (Koordinierungsrat der Vereinigungen des christlich-islamischen Dialoges in Deutschland). Sie können euch vielleicht sagen, ob in eurer Nähe es schon einen islamischen Verein gibt, der den Dialog sucht. Hier der Link:
http://www.kcid.de/
Gruss, Omar Abo-Namous