Anmerkungen
H wie Hola.
Dennoch muß irgendwo Evolution beginnen, wenn keiner im
politischen System in der Lage ist, einen durchdachten,harten
Schnitt durchzuziehen.
Imho ist es sinnlos, auf andere mit dem Finger zu zeigen und
zu behaupten, weil es bei ihnen besser sei, müssten wir unser
ganzes System umschmeißen. Dass das skandinavische System
funktioniert, bedeutet nicht, dass das deutsche nicht
funktionieren KANN.
Inspiration und Quelle eines der skandinavischen Systeme war einst ein deutsches System.
Natürlich kann man das aktuelle System weiterentwickeln, indem man eklatante Mängel rigoros abschafft und neue Strukturen etabliert. So wie sich das System gegenwärtig präsentiert, dauert es viel zulange, es in kleinen Schritten weiterzuentwickeln. Maßnahmen wären bspw.
* Abschaffung der Frühselektion
* weitestgehende Abschaffung das Kurssystems während des Abiturs
* deutliche Stärkung der Position des Lehrers
* jährliche Prüfungszeit
* Zwang zu kontinuierlichem Lern- bzw. Arbeitsrhythmus des Schülers
* Verschiebung der Mehrgliedrigkeit in höhere Klassenstufen
* starke Zulassungsbeschränkungen zum Gymnasium
(ausführliche Empfehlung des Lehrers, Mindestnotenschnitt, Aufnahmeprüfung)
* massive Verbesserung der nachmittäglichen Betreuungsangebote mit Erziehungsfunktion (Hort, kontrollierte Hausaufgabenerledigung)
* Bildung und Erziehung bereits im Kleinkindes- und Kindesalter
(Kindergarten)
et cetera et cetera et cetera
So oder so sind Investitionen und Reformen
notwendig, aber anstatt populistisch alles umzuschmeißen und
anderen Modellen blind nachzurennen…
Erstens renne ich keinen Systemen hinterher, sondern nur einzelnen Strukturen. Es ist eine Binsenweisheit, daß man das System eines Landes nicht eins zu eins auf ein anderes übertragen kann. Finnland hat das DDR-System auch nicht „einfach so“ übernommen, sondern ihren kulturellen, weltanschaulichen und vor allem geographischen Gegebenheiten angepaßt.
Es ist eben gerade diese irrige Methode, immer den „deutschen Weg“ zu gehen und dabei schlicht Unmengen Geld und Zeit in fragwürdige Versuche zu pulvern. Kleine Schritte werden das Ruder nicht herumreißen, denn Allgemeinbildung und Qualität der Ausbildung befinden sich gegenwärtig auf einem ziemlich stark absteigenden Ast in diesem Land.
Man müßte nur ein einziges Mal über den Tellerand Deutschlands hinausblicken und sich die guten Ideen der anderen klauen und in einen modernen Rahmen durchdacht einbauen.
Gerade der Fingerzeig auf andere Länder tut Deutschland gut, weil es komischerweise bei vielen Nachbarn und befreundeten Nationen klappt - Stuerpolitik, Wirtschaftspolitik, Gesundheitspolitik, Arbeitslosenpolitik - nur angeblich bei uns geht das nicht.
Vielleicht doch einmal darüber nachdenken, daß Evolution eines Systems nur etwas bringt, wenn das System an sich schon Potential besitzt. Unser Bildugnssystem in der jetzigen Form besitzt aber das notwendige Potential nicht mehr, sondern es muß grundlegend reformiert werden.
Langsam sollte man begriffen haben, daß die „ruhige Hand“ oder die „kleinen Schritte“ nichts bringen, während andere Länder mit radikalen Schritten Erfolge erzielen.
Hingegen bedeutet der Übergang zu einer Gesamtschule bei
weitem nicht zwangsläufig eine Verbesserung der
Bildungssituation.
Niemand hat behauptet, die Gesamtschule wäre der Wahrheit letzter Schluß, ganz im Gegenteil.
Das Schulsystem muss sich doch aber an der Gesellschaft
orientieren und die Kinder dort abholen, wo sie stehen!
Eine der dümmsten Phrasen der Bildungspolitik der letzten Jahre.
Wenn nichts vorwärts geht, muß von irgendeiner Seite her Druck und Zwang aufgebaut werden, damit wenigstens eine Entwicklung in Gang kommt. Weder Elternschaft noch Wirtschaft zeigen entsprechende Anstrengungen, endlich von Grund auf etwas im Breitenbildungssektor zu ändern. Also kann nur der Staat mit Systemumbau und Reform eine Initialzündung geben. Und wenn anfangs diese Maßnahmen und Ideen gegen die Eltern laufen, dann ist es eben so.
Wohin diese Mentalität des ewigen Redens führt, sieht man an der BRD seit 40 Jahren sehr gut und hat man besonders die letzten 10 Jahre mitbekommen.
„Am Anfang war die Tat!“
(FAUST erster Teil, J.W.v. Goethe)
„Es gibt Augenblicke, in denen es nicht auf die Worte ankommt,
sondern darauf, daß man einfach hingeht und etwas tut.“
(Juri Tritenow)
so darf man bei der Konzeption eines Schulsystems nicht vom
Idealzustand ausgehen…
Eben das ist ein Fehler von Realpolitik. Um wirklich etwas zu ändern, braucht man immer idealistische Konzepte in der Hand, die man anstreben kann.
Die Triebfeder menschlicher Fortentwicklung ist zu keiner Zeit die Realität gewesen, sondern immer Idealismus.
sondern sollte schon die realen
Gegebenheiten berücksichtigen und daraus das Beste machen.
Rekordverdächtig: pessimistisch, resignativ und zynisch zugleich.
Würde das irgendetwas an den enormen (und mit der Zeit
wachsenden) Wissens- und Leistungsunterschieden ändern? Würde
das etwas daran ändern, dass ursprünglich hochmotivierte
Kindern neben Kindern sitzen, die nicht bereit sind, auch nur
fünf Minuten ihrer Freizeit in die Unterrichtsvorbereitung zu
investieren?
Du malst Dir wohl auch immer ein hübsches Bild vom Gymnasium aus, oder wie? Als ob es diese Konstellation „Wißbegieriger neben faulem Hund“ nicht am Gymnasium auch gäbe…
Und „enorm“ schlägt schon wieder in diese Vorurteilskerbe. Wir sprechen hier von der Mittelstufe - also Klasse 5 bis 10. Dort gibt es zwischen einem normalen Gymnasium und einer ordentlich aufgestellten Realschule nicht „enorme“ Wissens- und Leistungsunterschiede. Wenn das so ist, stimmt etwas beim System und/oder den konkreten Schulen nicht.
Mit dem Gymnasium stehen dem Kind alle Möglichkeiten zur
Verfügung. Jedenfalls bereitet das Gymnasium die Kinder viel
besser auf die gymnasiale Oberstufe vor als die Realschule,
während der handwerkliche Teil, den du als Vorteil der
Realschule angeführt hattest, heute nur in wenigen
Ausbildungsberufen von Bedeutung ist.
Spätestens das ist absolut falsch.
Ich sprach erstens nie ausschließlich von „handwerklichen“ Fertigkeiten, sondern allgemeiner von „fachpraktischen“ Aspekten.
Zweitens sieht es vielmehr so aus: Es gibt ***jede Menge*** Studenten (vom Regelgymnasium kommend) bspw. in der Elektrotechnik, die noch nie einen Lötkolben in der Hand gehabt haben, die noch nie eine einzige technische Zeichung im Leben angefertigt haben, die von den Grundzügen der Betriebswirtschaftslehre keine Ahnung haben et cetera et cetera.
(die Tatsache, daß über viele Studiengänge an den Schulen falsch informiert wird, lassen wir an dieser Stelle 'mal außen vor)
Drittens ist es einmal mehr eine Binsenweisheit von Dir, daß eine gymnasiale Mittelstufe **in der jetzigen Konstellation** besser auf eine gymnasiale Oberstufe vorbereitet, als ein Standardrealschulabschluß dies tut.
Genau das tue ich. Ich sehe ganz klar, dass Abiturienten auch
in Ausbildungsberufen willkommener sind, ganz abgesehen davon,
dass ihnen die Studiumchancen offen stehen.
Und Du übersiehst, daß dies nur der Fall ist, weil die Bildungsqualität allgemein stark im Sinken begriffen ist.
Zu gut Deutsch: Eigentor.
Dem Realschüler stehen trotzdem mehr Optionen offen. Ihm wird ein viel breiteres Angebot an möglichen Lebenswegen aufgezeigt UND die Chance offengelassen, eine Allgemeine Hochschulreife zu erwerben.
Dem Gymnasiasten, vor allem wenn dieser bereits nach der vierten Klasse auf diesen Pfad geschickt wurde, ist der unmittelbare Lebensweg regelrecht beschränkt vorgegeben. Abitur - Punkt.
Erfahrungen haben den Vorteil, dass man damit seinem Kind den
Fehler ersparen kann, der einem selbst unterlaufen ist.
Und? Damit umgehst Du einfach nur meinen Einwand, daß das immer noch Deine Interpretation ist und ganz und gar nicht für das Kind zutreffen muß. Was Du Fehler nennst, kann für Dein Kind genau der richtige Weg sein, weil es einfach diese oder jene Interessen hat oder einfach nicht besser ist.
Wenn das Kind nun mal nicht für das Gymnasium geeignet
ist, dann bringt es doch auch nichts, es dort
„hineinzuzwängen“.
So desinformiert, mutmaßend und bisweilen abfällig wie Du über das Verhältnis Realschule-Gymnasium redest, ist diese Bemerkung nicht besonders glaubwürdig.
Aber wenn die Eltern den Eindruck haben,
das Kind würde den Anforderungen am Gymnasium gerecht werden,
würde ich dem Kind diese Chance nicht verbauen.
Wie man hier im Forum immer wieder sieht, ist dieser Gedankengang aber schlicht unvollständig.
Schon die Formulierung „Wenn die Eltern den Eindruck haben…“ - verzeih die Ironie aber - heutzutage haben dreiviertel der Eltern den Eindruck, daß ihr Kind für das Gymnasium geeignet ist.
Dazu kommt wieder die Torschlußpanik und diese diffuse, eingeredete Angst, daß alles außer einem Besuch eines Gymnasiums den Weltuntergang bedeutete.
Wenn, dann wohl nur für den übersteigerten Ehrgeiz der Eltern.
Charakterlich entwickelt sich das Kind nicht dank eines
Lehrplanes…
Wortwörtlich behauptet das keiner.
sondern dank seiner gesamten Umgebung
(Freundeskreis) und der Unterstützung/Förderung seiner
Interessen seitens der Eltern.
Auch.
Was ich aber stets sage, verstehst Du von vorne bis hinten nicht.
Ob Technik oder Mathe auf dem
Stundenplan stehen, ist für die charakterliche Entwicklung nun
wirklich nicht entscheidend.
Nur zwei Worte: schlichtweg falsch.
Aber dort war es auch so, dass
die Eltern und Lehrer eben nicht in Sentimentalitäten à
la „charakterliche Entwicklung“ aufgingen, sondern pure
Leistung einforderten.
Spätestens hier zeigst Du erneut, daß Du gar nicht verstehst, was mit dem Problem der charakterlichen Entwicklung gemeint war. Brett vorm Kopf?
Das fand ich persönlich übrigens gut,
nur ist das hier in Deutschland nicht durchsetzbar.
Sagt wer?
Wie gesagt, ein System ist nicht 1:1 von einem Land auf ein
anderes übertragbar. Es wäre besser, man würde sich in
Deutschland auf die eigenen Randbedingungen besinnen und das
eigene System sinnvol verbessern.
Das Problem der falschen oder fehlenden Randbedingungen ist selbstverschuldet. Also kann man auch ruhig an dieser Schraube ordentlich drehen.
Wenn ein Kind bis Klasse 9 nicht gelernt hat, warum es sich
anstrengen und ehrgeizig sein muss, wenn es nicht gelernt hat,
wie man überhaupt lernt, dann ist es da schon viel zu spät.
Ist kein Gegenargument, sondern nur weiteres Wasser auf meine Mühle,
den Eltern endlich auch etwas abzufordern.
MfG