Interessanter Artikel in Spiegel-Online

Hallo,

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,220999,00.html

das ist genau meine Meinung. Aber die „Krankheit“ begann m. E. schon mit der unsäglichen Rechtschreibreform. Da liegt m. E. die Wurzel des im Artikel beschriebenen Übels.

Gruß
Uwe

Danke!

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,220999,00.html

Hallo Uwe,

die dort genannte http://vds-ev.de/ ist super ober co’ol. :wink:
„Unter dem Druck des Denglisch der „Sprachschieber“ wird aber auch unsere Muttersprache verfallen. Wenn wir sie nicht schützen, stammeln wir bald nur noch Stummelwörter nach Art von fun & Co. Sie würden unseren Blick auf die Wirklichkeit endgültig cocacolisieren.“ *lach*

Grüße McSofa

Hi,

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,220999,00.html

Aber: eigentlich heißt das doch Spiegel Online :smile:

das ist genau meine Meinung. Aber die „Krankheit“ begann m. E.
schon mit der unsäglichen Rechtschreibreform.

Genau. Die Rechtschreib Reform!

Gruß

J.

Juhu!
Dieser Artikel spendet mir ein innerliches Fichtennadelbad. Letztes Jahr hatte ich eine „kleine“ Auseinandersetzung mit unserer Marketingleiterin, die unsere deutsche Webseite getextet hat und dabei völlig auf zusammengesetzte Hauptworte und Bindestriche verzichtete. Auf meinen Hinweis, dass dies nicht so ganz korrekt sei, folgte Unverständnis. Auf meine folgende Bitte, dies doch bitte zu ändern, da es schlicht lächerlich aussehe, folgte eine Beschwerde bei meinem Vorgesetzten. Grr!

Myriam

Usachen-Irrtum
Hallo,

man mag die Veränderung der Rechtschreib-Sitten, die der Spiegel beschreibt, begrüßen oder verdammen, eins stimmt auf jeden Fall nicht: Dass, wie hier drunter bejubelt, die Rechtschreibreform schuld daran sei.

Die Rechtschreibreform hat den Bindestrich nicht abgeschafft, sondern im Gegenteil: Sie hat ihn vermehrt eingeführt. Durch unsere deutsche Spracheigenheit, Wörter zu ellenlagen Bandwürmern zusammenfügen zu können, wurden sie oft schwer lesbar. Die bekannte Donaudampfschifffahrt schreibt sich jetzt Donau-Dampfschiffahrt, aber eben nicht Donau Dampfschifffahrt.

Wer will, dem schicke ich gerne die Duden-Erläuterungen zum Bindestrich, ich will es hier nicht anfügen, weil es fünf A4-Seiten lang ist.

Dass aber im Alltag entgegen der gültigen neuen Rechtschreibung der Bindestrich vermehrt nicht geschrieben wird, liegt an dem verbreiteten Trend, sich in immer mehr Bereichen an englischsprachige Rede- oder Schreib- Eigenarten anzupassen.

Liebe Grüße
Peggy

Hallo Peggy,

Die Rechtschreibreform hat den Bindestrich nicht abgeschafft,
sondern im Gegenteil: Sie hat ihn vermehrt eingeführt.

sie hat wohl eher VERSUCHT, ihn vermehrt einzuführen. Bewirkt hat sie allerdings eine Annäherung an englische Schreibweisen, die der deutschen Schreibe einen Teil ihrer Leichtlesbarkeit und ihrer Identität raubt.

Gruß
Uwe

Hallo Uwe,

sie hat wohl eher VERSUCHT, ihn vermehrt einzuführen.
Bewirkt hat sie allerdings eine Annäherung an englische Schreibweisen

Was heißt denn „bewirkt“? Die Tendenz bei uns, Anglizismen nicht nur in der Aussprache, sondern auch in der Schreibweise zu übernehmen, liegt nicht im Interesse der Rechtschreibkommission. Sie wird, vielleicht sogar unbewusst von Leuten in Gang gesetzt und gefördert, die viel Englisch lesen und sich an die dortige, vermeintlich übersichtlichere Schreibweise gewöhnt haben.

Hätte Die RS-Reform nicht den Bindestgrich in vielen Fällen eingeführt, wäre die Getrenntschreibungs-Tendenz sicher noch stärker gewesen, weil die alten Wortungetüme ja oft erst nach dritten Anlauf gelesen werden konnten.

Ich hätte mir gewünscht, die RS-Reform wäre noch konsequenter und intensiver gewesen. Je einfacher unsere RS ist, umso weniger Anlass besteht, bei anderen abzugucken.

Liebe Grüße
Peggy

Zusammengesetzte Wörter
Hallo Peggy,

stärker gewesen, weil die alten Wortungetüme ja oft erst nach
dritten Anlauf gelesen werden konnten.

Wie Du vielleicht weißt, lesen Leser keine Buchstaben, sondern Wörter. Bei den ersten drei Anläufen hat man ein solches „Wortungetüm“ wohl durch Buchstabieren lernen müssen; ab dem vierten mal hat man dann aber den Vorteil, es als ein Wort schneller und präziser zu erfassen als es bei einer Kette von (womöglich noch sinnentstellend getrennten) Wortfragmenten möglich wäre.

Wer ausschließlich für Buchstabierer schreibt, gibt ihnen gerne Pausen in der Form von Leerzeichen. Im Japanischen findet man z.B. Wortabstände nur in Lehrmaterial für ausländische Anfänger.
Die Neuschrieb-Reformer haben die Rechtschreibung im gemutmaßten Interesse der buchstabierenden Leser und Schreiber konzipiert. So etwas ist eine sinnvolle Maßnahme in einem Entwicklungsland mit vielen Analphabeten. In Indonesien haben sie z.B. eine sehr einfache Rechtschreibung, mehr noch in Laos, wo es nur Großbuchstaben gibt. Für das deutsche Volk ist sowas (noch) eine Beleidigung.

Gruß,

Wolfgang Berger

Zusammengesetzte Wörter
Hallo Wolfang,

Wie Du vielleicht weißt, lesen Leser keine Buchstaben, sondern Wörter.

Du magst stauen, aber als Deutschlehrerin weiß ich das. :smile:

Aber auch wenn man Wörter ganzheitlich erfasst, was bei uns fast alle Lesekundige tun, ist es halt nicht möglich, ein durch Mehrfachzusammensetzung ungewöhnlich langes Wort auf Anhieb zu lesen, es sei denn, man kennt es schon.

Im Japanischen …

Mir ist bekannt, dass man dort keine Leerzeichen benutzt. Leichter wird es dadurch sicher nicht, aber die Japaner kennen es halt nicht anders.

In Sprachbüchern befinden sich oft Leseübungsspiele, in denen eine kurze Geschichte ohne Leerzeichen geschrieben ist. Das hemmt den Lesefluss ganz erheblich. Ich hatte erst vor, dir diese Antwort ohne Leerzeichen nur in Kleinschreibung zu schreiben, verzichte aber, weil nicht so japanisch-erprobte Leser dann mehr Probleme hätten als du! :smile:

Die Rechtschreibreform hat die Wortungetüme durch Bindestriche einfacher lesbar gemacht, trotzdem bleiben sie als zusammen gesetzte Substantive erkennbar. Das anglizistisch angehauchte totale Getrenntschreiben entgegen der Rechtschreibregeln kann, insoweit stimme ich dir zu, das Lesen erschweren, weil nicht mehr ad hoc erkennbar ist, dass es sich um zusammengehörende Wortteile handelt.

Liebe Grüße
Peggy

Hallo Peggy,

Anhieb zu lesen, es sei denn, man kennt es schon.

Da liegt der Punkt. Fast alle Schreiber sollen aber doch für wortkundige Leser schreiben, für Lernende nur Lehrer.

Die Rechtschreibreform hat die Wortungetüme durch Bindestriche
einfacher lesbar gemacht, trotzdem bleiben sie als zusammen
gesetzte Substantive erkennbar. Das anglizistisch angehauchte
totale Getrenntschreiben entgegen der Rechtschreibregeln kann,
insoweit stimme ich dir zu, das Lesen erschweren, weil nicht
mehr ad hoc erkennbar ist, dass es sich um zusammengehörende
Wortteile handelt.

Die Getrenntschreibung mit Bindestrich ist da sinnvoll, wo sie nach der bewährten Rechtschreibung üblich ist. Die künstliche Getrenntschreibung bekannter zusammengesetzter Substantive wirkt sich oft sinnentstellend aus.

Die bindestrichlose Getrenntschreibung zusammengesetzter Verben („zusammen gesetzt“) ist häufig eine sinnentstellende Wortabschaffung und zählt dadurch zu den häßlichsten Gemeinheiten im ganzen Reformschrieb.

Gruß,

Wolfgang Berger

Hall Wolfgang,

Die Getrenntschreibung mit Bindestrich ist da sinnvoll, wo sie nach der bewährten Rechtschreibung üblich ist.

Solche Einstellung verhindert jeden positiven Fortschrit, ob in der Rechtschreibung oder anderswo.

Übrigens: Auch die dir vertraute Rechtschreibung, die dir deshalb sinnvoll erscheint, ist nur ein Element einer Vielzahl von Rechtschreibreformen, die es durch Jahrhunderte hindurch gegeben hat.

(„zusammen gesetzt“)

-))

Da hast du einen Tippfehler erwischt, das war keine Absicht, wäre auch nach der neuen Rechtchreibung falsch. Habe ich nicht bemerkt, weil es in meinem Textfenster durch den Zeilenumbruch getrennt wurde.

Aber auch sonst übersehe ich manchmal Tippfehler.

Liebe Grüße
Peggy

Hallo Peggy,

Die Getrenntschreibung mit Bindestrich ist da sinnvoll, wo sie nach der bewährten Rechtschreibung üblich ist.

Solche Einstellung verhindert jeden positiven Fortschrit, ob
in der Rechtschreibung oder anderswo.

Ich habe keine „solche Einstellung“ geäußert, und schon gar nichts gegen den Fortschritt in der Entwicklung der Sprache gesagt. Der Fortschritt geht in Richtung der wortbildenden Zusammenschreibung. Der Bindestrich als Vorbereitung einer Wortkombination auf die Wortwerdung ist ein Werkzeug des Fortschrittes. Die Zertrennung eines bestehenden Wortes - sei es nun mit oder ohne Bindestrich - ist Rückschritt.

Übrigens: Auch die dir vertraute Rechtschreibung, die dir
deshalb sinnvoll erscheint, ist nur ein Element einer Vielzahl
von Rechtschreibreformen, die es durch Jahrhunderte hindurch
gegeben hat.

„Ein Element einer Vielzahl von Rechtschreibreformen“… geh komm!
Es ist doch eher so, daß sich über die Jahrhunderte eine Vielzahl von Hausorthographien zuerst aus dem Chaos herausgebildet und sich dann zusammengefunden hat; und daß die letzte große Rechtschreibreform die als gängig erwiesenen Konventionen um die Wende zum 20. Jahrhundert festgeschrieben hat.
Dann hatten wir (zum Wohle aller) ein Jahrhundert lang eine einheitliche Rechtschreibung, die behutsam (insb. im 3. Reich) der Moderne angepaßt wurde.

Die Neuschrieb-Reform steht nicht in dieser Tradition, weil sie aufgrund ihres blödsinnigen Charakters die einheitliche Rechtschreibung wieder zerschlagen hat. Heute gibt es wieder unzählige Hausorthographien, die der Neuschrieb-Reform entweder gar nicht folgen, der einen oder anderen ihrer klammheimlich erfolgten Reform-Reformen folgen, den einen Unsinn daraus mitmachen und den anderen nicht, bzw. sich selber daraus z.B. eigentümliche Großschreibungsregeln extrapolieren usw.

(„zusammen gesetzt“)

Da hast du einen Tippfehler erwischt, das war keine Absicht,
wäre auch nach der neuen Rechtchreibung falsch. Habe ich nicht
bemerkt, weil es in meinem Textfenster durch den Zeilenumbruch
getrennt wurde.

Da bin ich gar nicht so sicher, ob ich Dir das so glauben will. Das könnte auch ein Neuschrieb-induzierter Fehler gewesen sein, wie man sie im W-W-W oft zu sehen bekommt; und das sind empirische Belege gegen die didaktische Begründung der Reform, welche halt leider die einzig verbleibende ist.

Gruß,

Wolfgang Berger

Hallo Wolfgang,

ich glaube, wir werden uns nicht einig. Nach deiner letzten Mail sehe ich dich mehr als zuvor als einen Menschen, der nur das, was er gewohnt ist, für gut rund richtig findet.

Natürlich wäre es einfacher für uns, wenn das, was wir beim Lesen empfinden, bleiben könnte wie es ist. Gerade für mich wäre es beruflich einfacher, wenn ich mich nicht hätte umstellen müssen und mich immer wieder darauf konzentrieren müsste, nicht in alte Gewohnheiten zurückzufallen.

Aber ich sehe es im Interesse der Kinder, der eigenen wie der schulischen. Sie haben es durch die Reform einfacher und die Unterrichtsstunden, die dadurch wegfallen, können für andere Zwecke eingesetzt werden. Ich bin aus diesem Grunde sogar für eine wesentlich radikalere Rechtschreibreform, denn die oft geäußerte Behauptung „Deutsch schreibt man, wie man spricht“ ist meilenweit von der Realität entfernt. Aber die Änderungen, die hierfür notwendig und die durchaus machbar wären, hat die Kommission gar nicht angefasst.

Du könntest entgegnen, dass japanische Kinder weitaus mehr als deutsche pauken müssen. Richtg, aber die Gründe, dass Japan im Pisa-Test vorne liegt, liegt ganz woanders als darin, dass man in Japan zehn Jahre braucht um lesekundig zu werden, während man dieses Ziel in Deutschland nach vier Jahren erreicht sieht.

Liebe Grüße
Peggy

Kampf für die Alphabetisierung
Hallo Peggy,

ich glaube, wir werden uns nicht einig. Nach deiner letzten
Mail sehe ich dich mehr als zuvor als einen Menschen, der nur
das, was er gewohnt ist, fE gut rund richtig findet.

Das ist kein Argument.

NatElich wäre es einfacher fE uns, wenn das, was wir beim
Lesen empfinden, bleiben könnte wie es ist. Gerade fE mich
wäre es beruflich einfacher, wenn ich mich nicht hätte
umstellen mEsen und mich immer wieder darauf konzentrieren
mEste, nicht in alte Gewohnheiten zurEkzufallen.

Veränderung ist kein Wert an sich.

Aber hier kommt starker Tobak:

Aber ich sehe es im Interesse der Kinder, der eigenen wie der
schulischen. Sie haben es durch die Reform einfacher und die
Unterrichtsstunden, die dadurch wegfallen, können fE andere
Zwecke eingesetzt werden. Ich bin aus diesem Grunde sogar fE
eine wesentlich radikalere Rechtschreibreform, denn die oft
geäußerte Behauptung „Deutsch schreibt man, wie man spricht“
ist meilenweit von der Realität entfernt. Aber die Änderungen,
die hierfE notwendig und die durchaus machbar wären, hat die
Kommission gar nicht angefasst.

Du meinst also tatsächlich, daß die Alphabetisierung der Bevölkerung auf eine massive Versimpelung der Schriftsprache angewiesen sei, und daß hierfür die in der Verständigung der Kundigen liegenden Vorteile für das Volk preisgegeben werden sollten - unsere Vorbilder hierfür wären also tatsächlich Indonesien, Laos u. dgl.

Du könntest entgegnen, dass japanische Kinder weitaus mehr als
deutsche pauken mEsen. Richtg, aber die GrEde, dass Japan im
Pisa-Test vorne liegt, liegt ganz woanders als darin, dass man
in Japan zehn Jahre braucht um lesekundig zu werden, während
man dieses Ziel in Deutschland nach vier Jahren erreicht
sieht.

Lesekundig? Was meinst Du damit? Die paartausend Schriftzeichen zu lernen ist für die Kinder absolut nicht das Problem. Die FAZ oder deren japanisches Äquivalent sinnentnehmend zu lesen, ist allerdings weder Viert-, noch Achtkläßlern möglich.

Gruß,

Wolfgang Berger

Kampf für die Alphabetisierung
Hallo Wolfgang,

dass wir uns einig werden glaube ich weniger als zuvor. :smile:

Wenn wir die Diskussion aber trotzdem weiterführen wollen, ist dies, glaube ich, nicht der richtige Ort. Wir haben uns vom Ausgangsthema, dem Bindestrich, weit entfernt.

Ist das Thema „Sinn oder Unsinn der Rechtschreibreform“ hier nicht schon diskutiert worden? Ich habe mal unter dem Stichwort „Rechtschreibreform“ im Archiv nachgeguckt, daraufhin stieß ich aber nur auf Fragen, wie das eine oder andere nun geschrieben wird.

Falls wir die Diskussion mit dem Ziel weiterführen wollen, das sich jetzt zwischen uns entwickelt hat, und dies nicht schon da war, sollten wir einen neuen Thread beginnen. Denn hier guckt uns kaum noch jemand zu. Das Thema sollte dann aber von mehr Leuten wahrgenommen werden und sollten auch andere die Chance bekommen, ihre Meinung dazu zusagen.

Liebe Grüße
Peggy

Hallo,

das ist genau meine Meinung. Aber die „Krankheit“ begann m. E.
schon mit der unsäglichen Rechtschreibreform.

Genau. Die Rechtschreib Reform!

…und du sprichst dich hinfort „Dschous“ aus und nicht mehr „Chosee“ und schreibst Deine Domain „harvey net“. Toll. ganz toll! :smile:

Gruß
Uwe