Interne Uni-Rankings

Hallo zusammen,

in diesen Tagen sind die Uni-Rankings in aller Muende. Habe gehoert, dass bestimmte Firmen interne Rankings haben. Weisst jemand, wie wichtig diese Rankings sind? Ich meine, bisher dachte ich, dass bestimmte Kriterien (Berufserfahrung, Noten, Sprachen…) viel wichtiger als der Name der Hochschule sind. Wie werden denn solche Rankings ueberhaupt aufgestellt?

Vielen Dank und viele Gruesse
Luigi

Auch hallo.

in diesen Tagen sind die Uni-Rankings in aller Muende. Habe
gehoert, dass bestimmte Firmen interne Rankings haben. Weiss
jemand, wie wichtig diese Rankings sind?

Da man nicht weiss, WIE dieses Ranking zustande kommt, ist immer
vom Schlimmsten auszugehen. Sprich die Leute der Personal- und Fachabteilung bewerten die bisherigen Absolventen der jeweiligen Fakultät anhand der eigens gemachten Erfahrung in Vorstellungsgesprächen oder anhand der Leistungen als Mitarbeiter.
Dementsprechend (positiv oder negativ) kann das Gewicht des jeweiligen Studienorts und des Abschlusses ausfallen.

Ich meine, bisher
dachte ich, dass bestimmte Kriterien (Berufserfahrung, Noten,
Sprachen…) viel wichtiger als der Name der Hochschule sind.

Sicher. Aber auch Berufserfahrung will erworben werden.
Und einem erfolgreichen Absolventen einer theologischen Fakultät aus Hintertupfing wird man wohl kaum abkaufen, dass dieser so nebenbei Biochemie studiert (wenn die Nachweise in Form des offen einsehbaren Lehrplans oder Prüfungsergebnisse dazu fehlen).

Wie werden denn solche Rankings ueberhaupt aufgestellt?

S.oben. Aber die gerade aktuelle Debatte um die Exzellenzinitiative zeigt, dass die Qualität der Lehre und Ausbildung auch von subjektiven Kriterien abhängt :frowning:

HTH
mfg M.L.

Hallo!

Aber die gerade aktuelle Debatte um die
Exzellenzinitiative zeigt, dass die Qualität der Lehre und
Ausbildung…

Ging es bei dieser Initiative überhaupt um Lehre oder um Forschung?
Ich sehe kommen, daß Erstsemester massenhaft in Münschen oder Karlsruhe Schlange stehen, weil den Leuten nicht klar ist, daß sie mindestens bis zum Vordiplom von irgendwelchen Forschungen an der Uni rein gar nichts haben. Ein Sitzplatz in möglichst nicht zu riesigen Seminarräumen (Bildschirmübertragung für die hinteren billigen Plätze ist nicht unbedingt das Gelbe), engagierte Tutoren, eine anständige Mensa, bezahlbare Unterkünfte in Uninähe u. v. m. sind für den Studenten im Grundstudium viel wichtiger als Forschung.

Bis zum Vordiplom fehlt Studenten i. d. R. jegliche Urteilsfähigkeit für Aussagen über die Qualität der Lehre. Auch der später gewählte Studienschwerpunkt liegt oft noch nicht fest. Wer nicht ausgerechnet den Schwerpunkt wählt, der z. B. an der Maximilian-Uni besonders gefördert wird und nicht genau an diesem Institut promovieren möchte, hat von dem Brimborium um Elite-Uni nichts. Ich bin auch nicht sicher, ob es so besonders klug ist, sich dort in die Schlange zu stellen, wo alle hin wollen.

Wenn man nach den ersten Studienjahren sein Interessengebiet findet und sich um einen Überblick bemüht, an welchem Institut und bei welchen Profs genau auf diesem Interessengebiet Hervorragendes geleistet wird, kann durchaus Karlsruhe heraus kommen, vielleicht auch Braunschweig, Hannover oder Berlin, aber nur zufällig das, was irgendwelche Politiker oder Zeitschriftenredakteure in ihren Rankings favorisierten. Überhaupt ist es Unfug, wenn z. B. eine Hochschule in Bremen heruntergemacht und Rostock in den Himmel gehoben wird (willkürlich gegriffene Hochschulstandorte). Die Situation innerhalb einer Hochschule kann von Fachbereich zu Fachbereich völlig unterschiedlich sein. Was noch vor wenigen Jahren galt, kann schon morgen Makulatur sein. Die Qualität von Forschung und Lehre an jedem einzelnen Fachbereich wird letztlich von nur wenigen Leuten geprägt, von wenigen Profs und ein paar guten Assistenten, von zur Verfügung stehenden Mitteln aus dem Haushalt der Hochschule (kann sich von Jahr zu Jahr ändern), von eingeworbenen Drittmitteln (kann sich von Jahr zu Jahr ändern) und zuweilen von Sponsoren und Stiftern (unterliegt ebenfalls ständiger Veränderung).

Wenn mir ein Absolvent einer Hamburger Hochschule gegenüber sitzt, der bei einem bestimmten Prof aus dem Bereich Nachrichtentechnik sein Diplom machte, werde ich diesen Bewerber zu schätzen wissen, weil ich weiß, wie hoch der Brotkorb bei diesem Prof zu hängen pflegt. Ein früherer Chef von mir bekam bei Bewerbern eines bestimmten Braunschweiger Instituts glänzende Augen, weil er selbst aus dem gleichen Stall kam. Dabei leidet jeder unter dem persönlichen Tunnelblick, denn mehr als 2, 3 Hochschulen kann doch kaum jemand selbst beurteilen und dieses Urteil ist zumeist auch noch viele Jahre alt. So halte ich Rankings bei die Wahl des Studienorts für Erstsemester für nutzlos.

Auch Aussagen von Studenten der ersten Semester, die über die Qualität der Mensa, den Zustand der Toiletten und das Preisniveau auf dem Markt für Studentenbuden hinaus gehen, sind mit größter Vorsicht zu genießen. Gelegentlich stolpere ich in Foren, in denen sich Studis über die saumäßige Lehre beschweren, aber tatsächlich nur beklagen, daß in den Mathe-Klausuren 75% durchfallen. Sie hätten es lieber ein bißchen gemütlicher. Die Urteile der gleichen Studenten werden ein paar Jahre später ganz anders aussehen.

Gruß
Wolfgang

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Hallo nochmal.

Ging es bei dieser Initiative überhaupt um Lehre oder um
Forschung?

Eigentlich ging es nur um ein (x-beliebiges) Ranking an sich.

Ich sehe kommen, daß Erstsemester massenhaft in Münschen oder
Karlsruhe Schlange stehen, (…)

Spieltheoretisch gesehen ist dieses Verhalten gefährlich: jetzt
streiten sich mehr Leute um einen nicht gleichermassen grösser werdenden Kuchen in Form von Platz, Betreuung der Studenten,…
An einer Wurstbude eines Kirmesplatzes (sofern es nicht die einzigste ist) dagegen signalisiert eine Warteschlange, dass das Essen hier besser schmeckt als bei der Konkurrenz.

sind für den Studenten im
Grundstudium viel wichtiger als Forschung.

Sicher. Eine solide Ausbildung sollte deswegen aber nicht vergessen werden.

Bis zum Vordiplom fehlt Studenten i. d. R. jegliche
Urteilsfähigkeit für Aussagen über die Qualität der Lehre.

Man kann ja ältere Semester befragen.

Auch der später gewählte Studienschwerpunkt liegt oft noch
nicht fest.

Tatsächlich nicht in jedem Fall. Und manch einer verwählt sich dennoch
:frowning: (gehört aber nicht hierher…)

Die Situation
innerhalb einer Hochschule kann von Fachbereich zu Fachbereich
völlig unterschiedlich sein. Was noch vor wenigen Jahren galt,
kann schon morgen Makulatur sein.

Volle Zustimmung.

Die Qualität (…) ständiger Veränderung).

Ebenso.

Wenn mir ein Absolvent einer Hamburger Hochschule gegenüber
sitzt, der bei einem bestimmten Prof aus dem Bereich
Nachrichtentechnik sein Diplom machte, werde ich diesen
Bewerber zu schätzen wissen, weil ich weiß, wie hoch der
Brotkorb bei diesem Prof zu hängen pflegt.

Sicher. Aber hier hat man die Erfahrung mit dem Bewerber und dem zugehörigen Professor schon gemacht. Ein jüngeres Unternehmen sammelt solche Erfahrungen aber erst noch.

So halte ich Rankings bei die Wahl des
Studienorts für Erstsemester für nutzlos.

S. oben den Vergleich mit der Wurstbude. Die aktuelle Ausgabe des Hochschulanzeigers befasst sich übrigens auch mit diesem Thema: http://www.hochschulanzeiger.de. Kurz zusammengefasst: man studiert nach Karrierechancen und nicht nach persönlichem Können. So sehen die Durchfall- und Abbrecherquoten aber auch aus:

in denen sich Studis über die saumäßige Lehre
beschweren, aber tatsächlich nur beklagen, daß in den
Mathe-Klausuren 75% durchfallen. Sie hätten es lieber ein
bißchen gemütlicher. Die Urteile der gleichen Studenten werden
ein paar Jahre später ganz anders aussehen.

Es vergehen bekannterweise viele Jahre, ehe man weise wird :wink:

In dem Zusammenhang erscheint dieser Bericht auch noch interessant zu sein: http://www.faz.net/s/RubC52E801ADECC4116B72CA91CC875…

mfg M.L.

Hallo Luigi,

welches Fach?

In der Chemie hab ich so was noch nicht gehört.
Bei den meisten Firmen spielen (mittlerweile) andere Kriterien zumindestens eine nicht untergeordnete Rolle.

Bei uns laufen Bewerbungen grob so ab.

Aufgrund des Anschreibens und des Lebenslaufs wird mehr oder weniger grob die formale Eignung der/des KandidatIn geprüft.
Daraus werden ca. 10 - 15 KandidatInen zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, bei denen auch die späteren Fachvorgesetzten anwesend sind. Dort werden dann neben der Fachqualifikation hauptsächlich persönliche Faktoren ‚geprüft‘, also wie er wirkt, auftritt, ob die Chemie stimmt. Dauer etwa 2 h pro Nase.

Aus diesem Kreis werden 3 - 5 Leutchen zu einem zweiten Vorstellungsgespräch geladen, wo den KandidatInen u.a. auch ihr zukünftiger Arbeitsplatz gezeigt wird und sie auch mit den zukünftigen Kollegen und Untergebenen sprechen. Die haben in diesem Prozess (bei uns) ein Rede- wenn auch kein Entscheidungsrecht.
–> Die Person ist spätestens im 2. Gespräch wichtiger als der Stall, aus dem sie kommen. Aus einer Eliteuni kann genauso eine Knalltüte kommen wie aus einer ‚Kelleruni‘ ein passender Kandidat.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, daß das in anderen Unternehmen deutlich anders gehandhabt wird.

Gandalf

Hallo Gandalf,

habe von jemandem gehoert, dass bei ihm in der Firma (ein sehr grosser Konzern) interne Rankings kursieren, demnach gibt es eine kleine Zahl von 1a-Hochschulen (etwa 5), die bevorzugt werden. Das gilt fuer das Fach Maschinenbau. Inwieweit das wichtig ist kann ich nicht sagen, das Ranking existiert aber und wird auch benutzt. Weiss auch nicht, wie das zustande kommt (welche Kriterien).

Viele Gruesse
Luigi

Hallo Luigi,

wenn dem so ist, was ich mal nicht in Zweifel ziehen möchte, tut mir diese Firma leid.
Wir sind auch ein nicht kleines Unternehmen und solche Rankings sind uns völlig fremd.
Die Person muß passen.
Was nutzt mir das Diplom einer Topuni, wenn der Typ ne Knalltüte ist, oder von der Persönlichkeit überhaupt nicht ins Team passt?

Was ich mir vorstellen kann ist folgendes:

Für die Selektion zum ersten Vorstellungsgespräch kann! die Uni einen gewissen Einfluss haben, aber spätestens mit dem ersten Vorstellungsgespräch treten andere Schwerpunkte in den Vordergrund.

Ist das nicht so, hat die Firma eine schlechte Personalpolitik.

Meine Erfahrung

Gandalf