Internet per Sat?

Hallo Experten

Ich hab’ bei ciao.com folgenden Artikel von 22.12.200 ausgegraben
und würde gern Eure Meinungen dazu hören:

Die Zeiten, in denen wir uns ueber terristische Nachkriegskabel ins Internet schieben lassen, sollten eigentlich gezaehlt sein. Alles was man zu hoeren und zu lesen kriegt, sind aber Diskusionen und Kommentare ueber die Flatrates der bestehenden Anbieter. Gaengiges Argument bei der Verteidigung von Flatrates in Hoehe von 60 - 80 DM ist der Hinweis auf die Telefonkosten.

Dabei sollte doch wirklich jedem auffallen, dass zumindest T-Online ein sehr grosses Interesse daran hat, bestehende Telefonnetze zur Datenuebertragung zu nutzen. Wem das nicht klar ist, macht sich sicher auch seine Hosen mit der Kneifzange zu.

Halbherzige Versuche wie die Nutzung der Breitbandleitungen des Kabelfernsehens werden versucht abzublocken mit Super-ISDN- und LAN- Anschluessen. Natuerlich nicht umsonst, dafuer muss erst einmal richtig Geld auf den Tisch. Und danach wird mit Monatspreisen abgerechnet, dass einem die Augen traenen koennen.

Ich habe mich letztes Jahr bei Strato ueber Sattelit ins Netz gebracht und dabei kraeftig gespart. Wer die Hardware bestehend aus Sat- Schuessel, Modem/Reciever und Startdisk fuer DM 300 kauft, zahlt eine monatliche Flatrate in Hoehe von DM 29,–. Anmieten laesst sich die Hardware fuer DM 20,–/mtl. Mindestlaufzeit in dem Fall ist 15 Monate, also ein faires Angebot. Wer sich die Instalation nicht selbst zutraut, kann fuer DM 200,-- einen Fachmann beauftragen.

Was die Leute alles so begeistert ueber Zugangsgeschwindigkeit bei 2-Kanal ISDN und aehnlichen Behelfsmaessigkeiten reden laesst, ist mir nach Sat- Genuss ein Raetsel. In der Flatrate ist eine Zugangsgeschwindigkeit von 4facher ISDN die Norm. Selbst das Zippen durch drei Websites mit staendigem Wechsel in verschiedene Pages machte das Surfen in der Grundstufe nicht langsamer.

Wer sich einen Surround Ton Vidio direkt vom Server des Providers ansehen moechte und nebenbei noch ein paar nette Stuecke nabstern will, schaltet um auf Highspeed. Damit es dem Computer nicht das Hirn wegblaest, ist eine Leistung von 1 Gigaherz allerdings dringend angeraten. An Daten werden dabei 4 Megabit pro Sekunde auf den Arbeitsspeicher geschoben.

Um das zu verdeutlichen: Eine Minute Musik im mp3 Format benoetigt ca 1 MB Speicher, in den Computer werden pro Minute 30 MB geschoben. Daraus laesst sich leicht ableiten, das ich 30mal zu langsam hoere. Wie sich jeder denken kann, wird solch eine flotte Transportierung grosser Datenmengen auch in ferner Zukunft nicht im Telefonnetz zu haben sein.
Wenn ich dieses Wunder der Datenuebertragung wirklich einmal brauchen sollte, werde ich gern bereit sein, dafuer auch extra zu bezahlen. In der Regel reicht mir aber achtfach ISDN mit echter Standleitung aus.

Ich moechte nicht vergessen, ein paar Worte ueber die verwendete Technik zu verlieren. Datenuebertragungen ueber irgendwie geartete Kabel war in den Jahren des vorletzten Jahrhunderts eines der besten Hits, die die Zeit hervorgebracht hat. Und zum Telefonieren reicht es ja auch. Aber mit dem heutigen Angebot an riesigen Datenmengen, die irgendwo auf einen warten, sind andere Transfermoeglichkeiten notwendig. Sat-Telefon sind aus der heutigen Zeit genauso wenig wegzudenken wie Sat-TV, warum also nicht gleich mit dem Computer in den naechsten Sateliten anstatt ueber den Umweg des Telefons?

Waehrend ich fuer das Onlinesein per Telefon tatsaechlich online sein muss, dass heisst es muss eine Standleitung zum Provider aufgebaut und beibehalten werden, sagt der Computer im Sateliten nur kurz Bescheid: „Hallo, hier bin ich, und wenn jemand etwas von mir will, weisst du, wo du mich finden kannst.“ Die Maschine da oben funkt zurueck „Ok“ und jeder wartet auf eine Aktion des anderen, ohne das eine direkte Verbindung bestehen muss. Das kann dauern bis irgendeine mitleidige Kreatur in der Weite des Netzes mir eine Junk- Mail schickt oder bis mir das Warten zu Bloede wird und ich mich verabschiede.

Anders als bei Telefonleitungen, die staendig mit Spannung versorgt werden muessen und damit Kosten verursachen, sind Verbindungen, die ueber Sateliten aufgebaut werden, nur dann kostenverursachend und damit kostenpflichtig, wenn sie tatsaechlich zur Datenuebertragung genutzt werden. Je groesser die Transfer- Geschwindigkeit, und damit auch die Leistung des Sateliten, umso hoeher die Kosten des Transfers. Gemessen an den Kosten pro Bite/Geschwindigkeit ist aber die schnellere Uebertragung die kostenguenstigere.

Pay-TV ueber das Netz ist technisch kein Problem. Das Problem ist die eigenartige Scheu der Deutschen, T-Online und AOL die rote Karte zu zeigen. Mag das bei T-Online daran liegen, dass sie und mehr noch ihre Mutter eine Volksaktie geworden ist?

Werbung fuer den Anbieter des Sateliten- Providers habe ich genug gelesen und auch jede Menge Surfer getroffen, die sich ueber die hohen Preise der bekannten Marken aufgeregt haben, aber nie jemand, der diesen Weg ins Netz gewaehlt haben.

Wobei sich doch wieder einmal der Spruch bewiesen hat, wir Deutschen seien ein traeges Volk. Selbst heute noch werden in unzaehligen Zeitschriften, die auch nur entfernt etwas mit Internet zu tun haben, regelmaessig CDs mit der Zugangssoftware incl. Freistunden einer der beiden Giganten beigelegt und instaliert.

Die Grosszuegigkeit ist schnell erklaert: Die Software instaliert ein Programm, dass den Computer immer wieder auf den Provider einloggt. Angenommen, ich lasse mich von einem Billigprovider ins Netz bringen und rufe dann meine Mails bei T-Online auf, schiebt sich die Einwahl in deren Netz vor und stellt eine neue Verbindung her, ohne das der User das ueberhaupt mitkriegt; selbstverstaendlich ohne die alte Verbindung wieder aufzubauen, wenn ich mich bei T-Online auslogge. Wer da glaubt, er koenne die 10 Stunden frei absurfen und alles ist geklaert, hat sich gewaltig geschnitten.

Das Widerliche an der Software ist, dass es mit dem Loeschen der Programmfiles nicht getan ist. Um die letzten Hinweise von der ehemaligen Existenz dieses Missgriffs zu beseitigen, muss der User tief in die Registry eindringen. Ungeuebten Nutzern muss davor aber dringend abgeraten werden. Ein Absturz in der Registry ohne vorherige Sicherung kann einen totalen Datenverlust auf der Festplatte bedeuten!
Der Stundensatz eines Hobby- Spezialisten ist immer noch guenstiger als der Zeitaufwand des Neuformatierens und Bestueckens der Festplatte.

Pro:* Billigste und Schnellste Art des Surfens
Kontra:* Sat- Schuessel erforderlich
Häufigkeit der Nutzung:
Ladezeit:* sehr schnell
Bedienung:* ausgezeichnet
Design:* mittelmäßig
Nutzwert* ausgezeichnet
Empfehlenswert: ja

Hallo zurück

Ich hab’ bei ciao.com folgenden Artikel von 22.12.200
ausgegraben

Meine Meinung

  1. Die Polemik gegen die Telekom ist ja richtig.
  2. Mit den Sat-Internet hatte ich was anderes in Erinnerung.
    Ich habe mir gemerkt (Quelle ct-Artikel April/Juni 2000),dasz es zwei Versionen gibt.
    a) mit einer handelsueblichen Schuessel und einem Zusatz-Receiver/Splitter wurde auf der Download Seite gearbeitet. Kosten ca. 300 DM und auf derUpload- Seite musste auf Telefon zurueckgegriffen werden. Es gab/gibt wohl einen Telekom- Tarif, bei dem der ISDN B- Kanal (=geringe Durchsaetze) kostenlos genutzt werden kann/konnte. In dieser Kombination war es fuer Home-User finanziell attraktiv.
    b) Wenn beide Richtungen per Satellite angesprochen werden, war meines Wissens die Technik (v.a. Sender) wesentlich teurer in der Anschaffung.

Da ich den Artikel eher nur ueberflogen habe, suchst Du am besten im Jahresarchiv der ct (www.heise.de) nach ‚Flatrate‘ und ‚Satellit‘ oder ‚alternative Internetprovider‘ o.s.ae.
und schaust zu, dasz Du jemanden findest, der diese Zeitung haelt.

Tschuess Marco.