Hallo,
dann sind diese beiden Modell doch entweder identisch oder
eines reproduziert mehr oder hat überflüssigen Ballast?!?
nein, wie das Beispiel der unterschiedlichen Interpretationen der QM oder die Geometrisierung der Maxwell-Theorie zeigen.
Das Problem an Ockhams Skalpell ist, dass schöner' und einfacher’ durchaus subjektiv sind und daher nicht immer
eindeutig ein Modell ausgewählt wird.
In gewissen Grenzen: ja, nimmt man den Alltagsverstand dazu,
dann schon wieder eher nein.
Das Problem ist, dass man mit dem `Alltagsverstand’ bei einigen Dingen, die zur Beschreibung der Welt unabdingbar erscheinen, nicht viel hilft. Objekte beispielsweise, die man zweimal um 360° drehen muss, damit sie wieder in der ursprünglichen Lage sind (SU(2)-Symmetrie).
- klassische Maxwell- und Einstein-Theorie 4D mit
elektrischem und magnetischem Feld
- Kaluza-Klein-Theorie in 5D (eine kompakt)
Wo willst du jetzt Ockhams Rasiermesser ansetzen? Wiegt eine
kompaktifizierte Raumdimension schwerer oder ein Feld?
Ja, natürlich;
Das ist IMHO keinesfalls `natürlich’.
mir sind 4 RaumZeitDims schon mehr als ich morgens auf
nüchternen Magen vertrage. Wieso 5? Was ist daran schöner?
Es gibt keine ad-hoc eingeführten Vektorfelder - was ist das eigentlich (auf nüchternen Magen)? Es gibt nur eine Wechselwirkung.
Aber: Es gibt hier m.M.n. auch so etwas wie common sense (ohne
neues auszuschliessen), und da ists nunmal so, dass man in den
Unis auf der Welt in den Physics Dept. eher auf Leute stösst
die den 4 Dim-Maxwell kennen als Kaluza-Klein; mit kennen
meine ich können im Sinne von anwenden.
Für die Anwendung sind häufig längst `überholte’ Modelle in Verwendung.
Kein Mensch würde auf die Idee kommen, die Flugbahn eines Balls im Sport mit Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie zu berechnen. Dennoch ist die newtonsche Theorie als Grundlage für ein umfassendes Weltbild dieser dramatisch unterlegen.
Und genauso wie bei richtiger Kunst gebe ich gerne auch etwas
auf die Meinung des Otto Normaldingens.
Man muss aber den lieben Otto nicht anschwindeln, indem man so tut, als sei das Standardmodell eine unumstößliche Tatsache, statt zu erklären, dass man die Welt momentan - sehr erfolgreich - so beschreibt. Zumal sich die Physik ja praktisch sicher ist, dass diese Beschreibung nur `effektiv’ ist.
Und da unterstelle ich mal, dass auch hier eine
Kaluza-Klein-Theorie höchstens einem profilneurotischen PM
Leser a la ‚Materialismus is wenns klappert‘ als das schönere
vermittelt werden kann (klar spielt auch Psychologie eine
Rolle, Unverständlichkeit ist ja erst mal auch sehr elitär und
abgehoben), der Normalbürger / Abtiturient im Zweifelsfall
ersterem zugeneigt wäre.
Ich habe die KK-Theorie erwähnt, um meine Aussage zu verdeutlichen, dass es zwei Modelle der Welt geben kann, die aus völlig unterschiedlichen Grundbausteinen zusammengesetzt sind, aber dennoch nicht unterschieden werden können. Ich wollte Maxwell nicht abgelöst sehen.
Vor dem Hintergrund der einsteinschen Relativitätstheorie
stellt sich ohnehin dar, dass Galilei Unrecht hatte. Den
Kardinälen ist daher nicht vorzuwerfen, dass sie die Meinung
dieses sturen Bocks für falsch hielten, sondern `lediglich’
die Mittel, mit denen sie seine abweichende Meinung
unterdrücken wollten.
Ich gehe davon aus, dass Du das nicht ernst meinst und ich nur
zu doof bin die Ironie zu erkennen?
Galilei hat AFAIK sein Weltbild teilweise an seinen Idealvostellungen (z.B. Kreisbahnen) statt an experimentellen Fakten (z.B. Marsbahn, Kometen) orientiert und ist damit an dieser Stelle desselben `Vergehens’ schuldig wie die Kardinäle.
Ohne den Herrn Kant über die massen strapazieren zu wollen,
aber dann darf in der Deutschen Physik auch die
Relativitätstheorie abgelehnt werden weil wir wissen, dass
auch diese nicht in alle Ewigkeit als die letztgültige
Beschreibung gelten wird?!?
Wie soll ich das verstehen? Jedem steht es frei eine Theorie unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt abzulehnen und zu glauben. Inakzeptabel ist lediglich, wenn dies zur Verfolgung Andersgläubiger führt.
Darüberhinaus besteht ein qualitativer Unterschied zwischen dem galileischen Weltbild und der speziellen Relativitätstheorie. Es existierte weder zur Nazi-Zeit noch existiert jetzt ein Experiment, das auch nur andeutet, die SR könne falsch sein.
Ein Feld weist jedem Punkt im Raum einen Wert zu. Eine Welle
ist eine sich ausbreitende (periodische) Auslenkung eines
Feldes.
Der Seidenschal Deiner Süssen / Deines Süssen, wenn der Wind
durchfährt?
Das ist - etwas blumiger ausgedrückt - eben das was ich schrieb: ein Feld (Seidenschal), das (periodisch) ausgelenkt wird. Diese Umschreibung setzt allerdings bereits voraus, dass du weißt, was ein Seidenschal (bzw. ein Teilchen, um den Seidenschal daraus aufzubauen) ist.
Ein Teilchen ist ein Klick in einem irgendwie gearteten
Messgerät.
Ein Apfel?
Wenn du dein Weltbild auf diesem Teilchenbegriff aufbauen willst, so fällst du aber bei Herrn Ockham sofort durch.
Aber kannst Du Dir das von Dir beschrieben Feld ‚vorstellen‘,
ein etwas das in einem Raum (Welchen?) jedem Punkt einen Wert
zuweist, wo dieser Wert zugewiesen ist…gehört dies zu Deiner
Alltags-Vorstellung von Raum?
Geh doch mal zum Bergsteigen: jedem Punkt auf der Erdoberfläche, die einen zweidimensionalen - sogar gekrümmten (aber das tut hier nichts zur Sache) - Raum darstellt, wird eine Höhe zugewiesen. Geh ans Meer und du kannst auch Wellen beobachten.
An jedem Punkt gibt es eine Temperatur, einen Druck, eine Windgeschwindigkeit… Felder sind etwas alltägliches - man betrachtet es nur oft nicht aus diesem Blickwinkel.
Ich glaube dass u.a. die QM zeigt, dass sich die Welt nicht
(nur) auf derlei abstrakte Konstrukte zurückführen lässt
sondern dass da etwas ist, was dann auftritt wenn man dies
Alles versucht zusammen zu denken und was dann ausserhalb von
jeder Beschreibbarkeit liegt.
Dazu muss man nicht auf die QM schauen, es kann schon passiert in der klassischen Statistik passieren, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile.
–
PHvL