Invasion England 1940

Hi Ihr Experten,

ich bin keiner, darum verzeiht mir die eine oder andere "Ungereimtheit! :wink:

Habe gerade den Film „Luftschlacht um England“ im WDR gesehen und kam da auf die Frage warum die Nazis nicht gleich nach Dünkirchen eine Invasion in England gestartet haben (nicht das ich mir das wünschte!! :wink:)

Im Film sind einige historische Zitate („wenn nur eine Bombe auf Berlin fällt heisse ich Meier“ H. Göring bzw. Meier) Aber die „Nichtinvasion“ wird mit der Luftüberlegenheit Englands begründet am Ende. Ist zwar für einen Film ganz nett aber es müssen wohl auch andere Gründe gegeben haben. Es wird auch gesagt dass Hitler lieber „Urlaub in Paris“ mache, als die Invasion voranzutreiben.

Ein paar historische Geschehnisse sind auch drin (die versehentliche Bombardierung von London, da fällt mir gleich eine weitere Frage ein, wurde Berlin tatsächlich nach dem 1. Bombardement auf London gleich auch bombardiert??)

Ich habe meine eigene Theorie:

Hitler wollte GB wohl nicht als Feind (das ist ja auch belegt: J. Ribbentrop der 2 Jahre in England lebte). Es scheint mir, dass zuerst eine Eskalation verhindert werden sollte und England ggfs. als Verbündeter, bzw. „Stillhalter in Europa“ gewonnen werden sollte! Könnte, nebenbei, auch R. Hess’ „Englandflug“ erklären, wobei die Nazi-Führung bereits mit diesem Thema abgeschlossen hatte.

Was meint Ihr???

Viele Grüsse
Fronk

Hi!

Habe gerade den Film „Luftschlacht um England“ im WDR gesehen
und kam da auf die Frage warum die Nazis nicht gleich nach
Dünkirchen eine Invasion in England gestartet haben (nicht das
ich mir das wünschte!! :wink:)

Die Verlagerung von mehreren hunderttausend Mann von einer Seite des Ärmelkanals auf die andere verlangt eine enorme Logistik. Die Truppen müssen koordiniert zusammengezogen werden, da notwendige Kampfmaterial wie Panzer, Artillerie und Munition muß bereitstehen, dazu der gesamte Verwaltungsapparat von Führungsstellen über Lazarette bis hin zum Landtransport. Einfach so hopp-hopp über die Straße von Dover geht da nicht.

Ein paar historische Geschehnisse sind auch drin (die
versehentliche Bombardierung von London, da fällt mir gleich
eine weitere Frage ein, wurde Berlin tatsächlich nach dem 1.
Bombardement auf London gleich auch bombardiert??)

Dies ist historisch korrekt. Der versehentlichen Bombardierung Londons (es war den deutschen Bombern strikt untersagt, London anzugreifen; durch einen Navigationsfehler passierte es dennoch) folgte umgehend ein Luftangriff auf Berlin. Dies brachte die deutsche Führung so in Rage, daß sie einen Wechsel der Strategie befahlen: statt der Flugplätze wurden jetzt die Großstädte bombardiert - was die RAF schließlich rettete.

Ich habe meine eigene Theorie:

Hitler wollte GB wohl nicht als Feind (das ist ja auch belegt:
J. Ribbentrop der 2 Jahre in England lebte). Es scheint mir,
dass zuerst eine Eskalation verhindert werden sollte und
England ggfs. als Verbündeter, bzw. „Stillhalter in Europa“
gewonnen werden sollte! Könnte, nebenbei, auch R. Hess’
„Englandflug“ erklären, wobei die Nazi-Führung bereits mit
diesem Thema abgeschlossen hatte.

Hitler hat die Haltung Englands nie verstanden. Er selbst wollte eine Aufteilung der Welt in verschiedene Machtsphären (Deutschland den Osten Europas, Italien den Mittelmeerraum, Japan Ost- und Südostasien, Großbritannien die Überseekolonien). Daß die Briten sich wegen Polen in einen Krieg gegen Deutschland begeben, war für Hitler unverständlich. Das im Film gemachte Zitat Hitlers „England sei nicht der von der Vorsehung gegebene Feind Deutschlands“ ist historisch korrekt.

Der militärstrategische Plan zur Invasion Englands ist in sich schlüssig und korrekt. Die deutsche Marine konnte weder den Schutz der Landungsflotte garantieren noch die Royal Navy in einer direkten Auseinandersetzung besiegen (z.B. war fast die gesamte Zerstörerflotte der deutschen Marine bei der Landung in Norwegen zusammengeschossen worden). Daher würde die Luftwaffe die britischen Kriegsschiffe im Falle einer Landung angreifen müssen. Gleichzeitig würden die deutschen Truppen während des Übersetzens und der Anlandung unter das Feuer der Royal Air Force geraten. Schlußfolgerung: Für eine Landung ist die absolute Lufthoheit erforderlich (siehe auch alle alliierten amphibischen Landungen in Europa und im Pazifik). Für eine entsprechende Luftoperation war die Luftwaffe aber nicht ausgerichtet: die Jäger hatten entweder zu geringe Reichweite bzw. Flugdauer (Me109) oder waren den britischen Jägern im Luftkampf unterlegen (Me110); die Bomber waren zu schwach in der Defensive (Ju87) oder von ihrer Konstruktion her nicht auf strategisches Bombardement ausgerichtet (He111, Do17, Ju88). Es muß angezweifelt werden, ob die Luftwaffe überhaupt eine Chance hatte, die Luftherrschaft zu erringen. Selbst eine erfolgreiche Fortsetzung der massiven Angriffe auf britische Flugplätze - was bekanntlich zur schärfsten Krise der Royal Air Force führte - hätte wohl kaum ausgereicht, um eine Landung zu begünstigen.

Die deutschen Verluste waren enorm hoch. Die Luftwaffe verlor fast 2.300 Maschinen und über 4.500 Mann fliegendes Personal. Auf Seiten der RAF kämpften 2353 Briten und 574 Alliierte bei 544 Toten.

Grüße
Heinrich

Hallo Heinrich,

Prima. Alles total richtig. Allerdings muss ich eines hinzufuegen. Ich selbst bin ein Englaender und es war,
ganz unabhaengig von Deinen unbestritten richtigen
Bewertungen, leide so, dass GB zu jenem Zeitpunkt
vielleicht noch einen ersten Invasionsanlauf haette
abwehren koennen, aber das haette uns aufgefressen.
Es war fuer uns eigentlich kein Krieg mehr, sondern
nur noch der pure Kampf ums ueberleben, was auch Churchill immerwieder bestaetigt (quasi als indirekter Hilfeschrei an die USA: „and even if, which I do not for a moment believe, this Island or a large part of it were subjugated and starving, then our Empire beyond the seas, armed and guarded by the Royal British Fleet, would carry on the struggle, until, in God’s good time, the New World, with all its power and might, steps forth to the rescue and the liberation of the old.“), als er sagte, es gaebe fuer uns keine andere Chance, als mit allem zu kaempfen, was wir haben. Dort zu kaempfen, wo wir kaempfen muessen; koste es, was es wolle. [„We Shall Fight on the Beaches“-Speech]. Es gaebe nur einen Weg, um zu ueberleben. Die Rede enthaelt dann den wichtigen Satz „for without victory there is no survival“ [„I have nothing to offer but blood, toil, tears and sweat“-Speech]. Wir waren ziemlich am Ende angekommen. Ohne die RAF haetten wir schon eine erste Invasion nicht ueberlebt. Deutschland haette uns zerlegt. Und ob die RAF zu einem solchen Zeitpunkt auf bereit gewesen waere, war nicht klar, da zwar Flugzeuge vorhanden waren, aber keine Pilots mehr. Auch hier wusste man ja nicht, wie die Luftschlacht ausgehen wuerde. Es war ein trauriges Glueck fuer uns, dass Deutschland sich nach den von Dir beschriebenen Umstaenden, zum Bombardement gegen unsere Staedte richtete. Das hat der RAF im Prinzip das Leben gerettet.

Viele Gruesse,

tigger

Danke, Thanks :wink:
Danke Euch beiden,

da zeigt sich wieder, das Zufälle (hier: versehentliche Bombardierung Londons) die Weltgeschichte derartig beeinflussen können. Das unvorhersehbare Schicksal halt!!!

Thats Life!! :wink:

Gruss
Fronk

Hmm… also ich denek mal das so dumm die Deutschen nicht gewesen sein können…wir ändern den Plan aus reinen Rachegefühlen… es gab da genug Strategen die damals noch das Sagen hatten… und man ging erst zu einer Bombardierung der Städte über, als man dachte das die Flugplätze einen Zerstörungsgrad erreicht haben, der es der RAF nicht mehr erlaubte eine entsprechnd hohe Luftabwehr aufrechtzuerhalten… sagen wir so… ich kann es mir nciht vorstellen…

Robby

ach und noch was zum Film… leider wieder einer dieser Übertreib-dummdoofDeutsche-Film im Stile von „Stosstrupp Gold“… und dem sollte man nicht allzusehr Glauben schenken…

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]