Hallo Jenna,
ich lese aus deinen Beiträgen heraus, dass du 1. Förderung mit
Hausaufgabenhilfe und Büchern gleichsetzt.
nein, das tue ich nicht.
Es ist aber _ein Element_ davon (nicht mehr), aber auch ein wichtiges.
Ich finde es sogar sehr wichtig, dass Kinder ihre Hausaufgaben so selbstständig wie möglich erledigen (Übungseffekt!).
Ich spreche da eben nicht von „Hausaufgabenhilfe“ im Sinne von „die Eltern machen die Hausaufgaben“, sondern schlichtweg mal eine Anregung geben, eine Hilfestellung im Sinne von Abfragen, eine Zusatzinformation, Tipps bzgl. Lernstrategien, dem Kind überhaupt Zeit für ungestörte Hausaufgaben lassen… Vokabelabfragen bei einem Fünftklässler finde ich nicht übertrieben, ebenso nicht vernünftige Hausaufgabenzeiten (sondern notwendig), und wenn die Eltern dies nicht leisten können, ist das Kind definitiv im Nachteil.
Das ist nur eingeschränkt haltbar. Es werden viele andere
Informationen von den Eltern weitergegeben, die evtl. nichts
mit deinem Bereich zu tun haben, auch emotionale Komponenten
(Emotionale Stabilität, Verhältnis zum Kind und zig andere
Dinge), Werte usw
Definitiv! Diese Dinge sind sogar sehr wichtig.
Auch wenig gebildete Eltern können ihrem Kind Dinge vermitteln wie „Anstrengung lohnt sich“, saubere Arbeitsweise, Verlässlichkeit etc. und können ihnen eine emotionale Stabilität mitgeben.
Wäre ja auch seltsam, wenn dies nur gebildete Eltern könnten.
Ich bezog mich aber auf Dinge, die von gebildeten Eltern tendentiell _mehr_ weitergegeben/geleistet werden können.
Und das sind eben die genannten Dinge: Wissen vermitteln, (Schul-)Bildung einen hohen Wert zumessen (und somit: Hausaufgaben nd Lernen in Ruhe erledigen lassen, eine geeignete Schulform wählen und nicht mit „Hauptschule geht am schnellsten und mit weniger Anstrengung“ argumentieren, bei „Durchhängern“ ermutigen und an Lösungen arbeiten statt vorschnell das Kind an einer niedrigeren Schulform anzumelden).
Das sind alles Dinge, die - bei gleicher Intelligenz - die Chance auf einen Gymnasiumsbesuch, ein gutes Abitur, ein Stipendium… erhöhen.
Bücher setze ich auch nicht mit Förderung gleich - aber es ist schon sehr sinnvoll und hilfreich, Kontakt zu Büchern zu haben, zu wissen was man daraus lernen kann etc.
Spätestens im Studium wird es der (egal aus welcher Schicht kommende) „Büchermeider“ schwer haben,
und anders herum wird ein Kind, das Bücher liebt, damit kompensieren können, was die Eltern einem an Wissen nicht vermitteln können.
- du glaubst, dass du eine hohe angeborene Intelligenz hast
und übersiehst die Komplexität von Bedingungen des
Aufwachsens.
Nein, das übersehe ich gar nicht. Sorry, wenn das so rüberkam.
Mir ist sehr bewusst, was wozu einen gewissen Anteil hatte:
Meine Eltern sind nicht sonderlich gebildet (was sie aber zu keinen schlechten Eltern macht!), zu den „Bedingungen des Aufwachsens“ gehörte aber auch, dass es zu Hause viele Bücher gab (zwar eher Unterhaltungsliteratur und ein paar Nachschlagewerke, aber ich lernte so früh: Es gibt Nachschlagewerke, und wenn einem die Eltern etwas nicht erklären können, kann man Bücher zu Rate ziehen! Sein Taschengeld in Bücher zu investieren lohnt sich!), dass mir Dinge wie „Anstrengung lohnt sich“, sauberes Arbeiten etc. vermittelt wurden.
Das half mir natürlich weiter, ich habe mir Bücher gekauft etc.
Aber: Vieles, etliches, das man sich dann aus Büchern anliest, bekommt ein Kind von Eltern, die selbst viel Wert auf Bildung legen, eher nebenbei mit oder kann auch mal nachfragen. Ich hab’ z.B. oft x (selbstgekaufte) Bücher wälzen müssen, um zu verstehen, wozu ein bestimmtes mathematisches Symbol bedeutet, hab’ mich oft gefragt was ein in einem Buch auftauchender lateinischer Spruch bedeutet… ein Kind gebildeter Eltern hätte einfach nachfragen können.
Auch Interessensgebiete, die einen guten Eindruck machen können, werden so eher vermittelt (teils auch aufgezwungen, das ist mir bewusst).
Ist es nicht vielleicht dein ganz persönlicher Stolz dies zu
glauben, der vielleicht daraus resultiert, dass du weniger
hattest (aus deiner Sicht) aber genauso weit gekommen bist?
Verstehe mich nicht falsch, aber viele Menschen sind wie du
und glauben das.
Es ist nichts, worauf ich mir etwas einbilde.
Ich bin auch den paar Leuten, die mich unterstützt haben, _sehr_ (!) dankbar. Ich bin auch den Leuten, die mich zwar in großen Teilen nicht unterstützt haben, aber in gewissen Teilen schon, dafür dankbar.
Ich sag’ nur klipp und klar, dass man mit weniger Bildungshintergrund des Umfelds (v.a. Eltern) oft deutlich mehr fürs gleiche Ziel leisten muss und - um dies leisten zu können - häufig mehr an Intelligenz mitbringen muss. An Durchhaltewillen, Fleiß etc. sicher auch, nur reicht dies allein nicht.
Viele Grüße,
Nina