Hallo,
irgendwie generalisierst du hier sehr eindeutig in eine Richtung, so dass manch richtige Aussagen eine doch schon beinahe befremdliche Tendenz bekommen.
Ich bin davon überzeugt, daß ein riesiger Anteil in der
Förderung der Kinder liegt!
Ja. Unterschrieben.
Akademikerfamilien legen einen grossen Wert darauf, daß die
Kinder möglichst denselben Weg gehen wie die Eltern es taten.
Dazu gehört dann notfalls Förderung ohne Ende.
Schon das kann man nicht pauschalisieren. Mir fallen aus meinem persönlichen Umfeld genügend Beispiele ein, wo das nicht so ist. Das schließt Erfahrungen in der Elternarbeit eines Gymnasiasten mit ein. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich sogar eher das Gegenteil berichten. Es ist erschreckend gewesen, wie egal vielen Akademikerfamilien bzw. wohlhabenden Familien (nicht deckungsgleich! s.u.) die Förderung ihrer Kinder war. Die sind dann vielleicht wach geworden, wenn es um Kloppe gegen die Lehrer ging. Aber selbst fördern oder aktiv gestalten? Oft Fehlanzeige.
Schon aus finanzieller Sicht kann eine reichere Familie da
einem Kind mehr bieten.
Kann. Wobei dann aber auch geguckt werden muss, was davon wirklich Förderung im Sinne einer (geistigen) „Elite“ ist. Auch hier wieder die eigene Erfahrung: Wenn sich die vorhandene finanzielle Kapazität darin äußert, dass den Kindern aufwändige, sehr teure Sportgeschichten finanziert werden, ist das zwar immer noch besser, als ein Couchpotato, aber doch wohl nicht das, was man unter echter Förderung versteht.
Ich kenne Familien, da bekommen die Kinder Tennisstunden,
Reitstunden-
…die nix mit Bildung zu tun haben
Das alles- muss bezahlt werden und es muss schlicht auch die
Zeit und Energie dasein, damit das Kind da gefördert wird
solche Familien haben dann Aupair oder die Frau muss aus
finanziellen Gründen nicht arbeiten)
Und auch hier eigene Erfahrung, in dem Fall ausnahmslos: Die (heute noch) zu Hause bleibende Mutter ist gerade die, die Bildungsmäßig eher weniger für die Kinder tut. Wenn ich Revue passieren lassen, wer bspw. mit seinen Kindern Ausflüge macht, die unter das Stichwort „Bildung“ passen (Museen, Kirchen, etc.) oder wer mit seinen Kindern „anspruchsvoll“, politisch etc. diskutiert - dann sind es eher nicht die Mütter, die zu Hause geblieben sind, weil sie sich das aufgrund des besser verdienenden Mannes leisten konnten.
Wenn man im Gegenzug dann Familien sieht, wo der Vater weniger
Geld nachhause bringt- die Frau noch mitarbeiten muss…- und
ein Kind normal so gestrickt ist,
Soweit, so gut. Aber:
daß es nur das Allernötigste tut ( Schule)-
Diese Kausalität ist jetzt schon beinahe dreist. Wie kommst du zu diesem Automatismus? Du unterstellst hier recht eindeutig, dass in Familien mit geringem Einkommen es nur vom Ehrgeiz des Kindes abhängt, was aus ihm wird. Das ist nicht beinahe dreist, das ist es - und nebenbei auch noch falsch.
Fakt bleibt ja auch- man muss ein Kind an die Hand nehmen-- es
braucht Führung und auch den Druck von den Eltern, damit
„getan“ wird.
Richtig. Und der ist überhaupt nicht abhängig vom Einkommen der Eltern. Auch sozial schwächere Eltern können genau das tun und tun es auch.
Du argumentierst genau so, wie es in das Thema dieses Artikels hinein passt:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-04/hartz…
Diesen Zustand, der dort beschrieben wird, empfinde ich auch schon seit Jahren zunehmend beklemmend. Ich bin aufgewachsen in einer Schicht, die man wohl als Bildungsbürgertum bezeichnen kann. Interessanterweise aber ein selbst erarbeitetes. D.h. die Eltern meiner Eltern waren Arbeiter! Auf beiden Seiten. In unserer Familie wurde sehr viel Wert auf Bildung gelegt und darauf, diese selbst den Kinder auf ganz unterschiedliche Art zu vermitteln. Bildungsbügertum, das war vor 30 Jahren noch etwas Positives. Da wurde sich nicht abgegrenzt. Ich kann mich an zahlreiche Bemühungen erinnern, wo die Eltern aus dieser Schicht bspw. (finanziell und / oder leistungsmäßig) schwächeren Kindern wie selbstverständlich ein wenig unter die Arme gegriffen haben, in welcher Form auch immer.
Was es nicht gegeben hat: Dieses 1:1 Übereinanderlegen von Unterschicht = kein Geld = keine Bildung und (das Gefährlichste, was du hier im Grund auch machst) = keine Perspektive da rauszukommen, weil sie es eh nicht können. (Das ist der deutlichste Vorwurf, den ich so jemandem wie Sarazzin mache) Und dieses Übereinanderlegen führt dann zu absurder Wertung in beide Richtungen: Hat jemand Kohle, ist er automatisch auch gebildet?! Es gibt immer mehr, die hier nicht mehr differenzieren. (Wie du in deinen Antworten hier.)
Diverse Studien belegen, dass Deutschland, was die Durchlässigkeit der Schichten von unten nach oben angeht, immer schlechter im internationalen Vergleich wird. DAS ist unser wahres Problem. Und das wird von denen „da oben“ verursacht und nicht von denen „da unten“. Denn - wir sind hier im Brett Psychologie: Wenn ich jemandem mantramäßig eintrichtere, dass er quasi der Abschaum der Gesellschaft ist und eh da nicht rauskommt, womöglich noch begründet mit den Genen, wie hier geschehen, dann fällt es besonders schwer, sich dagegen zu stemmen. Wenn sich aufgrund dieser erhöhten Widerstände die Misserfolge häufen, die man bei sich und seinem Umfeld erlebt, dann geht die Spirale weiter nach unten. Und plötzlich fühlen sich dann alle bestätigt: Der „Looser“, dem man lang genug glaubhaft gemacht hat, dass er einer ist - und „die da oben“, die sich bestätigt sehen, übersehend, dass sie die maßgebliche Ursache selbst gesetzt haben.
Elite zu sein heißt, Verantwortung zu tragen, auch und gerade gesellschaftliche. Und es ist ein Privilieg. Beides sollte man sich immer vor Augen führen, wenn man zu ihr gehört. Es gibt zum Glück jetzt wieder etwas mehr Vertreter der Elite, die sich hier kritisch, mahnend äußern. Ich wünsche mir, dass das in nächster Zeit mehr wird.
LG Petra