'Inzucht der Eliten'

Dies ist der Titel eines Artikels im Uni Spiegel (April 2010/2).
Knapp gesagt, erklärt der Artikel, dass nur 9% der Stipendiaten aus niedrigen Familien mit niedrigen Sozialstatus stammen (Kriterien: Bildungsabschluss, Beruf, Einkommen, Prestige, Entscheidungsökonomie) und sich das jetzt durch neue Auswahlverfahren ändern soll. Die Elite reproduzierte sich bisher ständig und das wird wohl auch weiterhin so bleiben.

Wenn Intelligenz zu 50 % vererbt wird (wie die Lehrbücher der Psychologie schreiben), dann müssten die Eliten (intelligente Menschen die natürlich gerne unter sich bleiben wollen) folgerichtig mehr intelligente Kinder erzeugen als Menschen aus anderen Schichten. Intelligenz wäre dann keine Frage des Milieus.

Was meint ihr dazu?

Jenna

Hallo Jenna,

Wenn Intelligenz zu 50 % vererbt wird (wie die Lehrbücher der
Psychologie schreiben), dann müssten die Eliten (intelligente
Menschen die natürlich gerne unter sich bleiben wollen)
folgerichtig mehr intelligente Kinder erzeugen als Menschen
aus anderen Schichten. Intelligenz wäre dann keine Frage des
Milieus.

Intelligenz ist eben gerade deshalb (!) auch eine Frage des Milieus.
Überleg mal, was in gebildeteren Familien eher vorhanden ist, worauf die Eltern eher Wert legen… Gebildete Familien, in denen es kaum Bücher gibt, gibt es selten/„nicht“, während dies bei weniger gebildeten Familien häufiger anzutreffen ist (wennauch es da natürlich auch jene mit der „Privatbibliothek“ gibt). Studium erwünscht oder nicht? Ich stamme beispielsweise aus einer wenig gebildeten Familie, ein Studium war nicht erwünscht, ich musste mich dafür sehr (!) einsetzen - ein gleich intelligentes Kind aus gebildeterer Familie muss dies kaum tun, im Gegenteil, ihm wird bei Problemen eher weitergeholfen (Eltern können bei Lernproblemen weiterhelfen - meine Eltern bräuchte ich aber nicht fragen, was der Satz des Pythagoras ist; Eltern organisieren viel mehr fürs Studium etc.).
Dies trägt sehr wohl dazu bei, wie wahrscheinlich ein Studium ist - und dies kommt eben aus dem Milieu.
Auch ein weiterer Punkt: Für ein Stipendium braucht man gute Noten. Das Kind gebildeterer Eltern, dem Zeit gelassen wird zum Lernen, wird diese - bei gleicher Intelligenz - wahrscheinlicher erreichen als das Kind weniger gebildeter Eltern, das während der Schulzeit jobben muss und das evl. auch mal vom Lernen abgehalten wird („leg die Bücher weg, wir müssen noch…“).
Bei Stipendien wird ebenso auf soziales und politisches Engagement geachtet. Gebildetere Eltern, die evl. selbst ein Stipendium hatten, wissen dies und werden ihr Kind tendentiell dabei unterstützen, während weniger gebildete Eltern oft sogar dagegen sind.

Viele Grüße,
Nina *Kind wenig gebildeter Eltern und Partnerin eines Stipendiaten mit ebenfalls wenig gebildeten Eltern*

Hi Nina,

ich bin ganz deiner Meinung, aber in dem Artikel wird ein Wortlaut zitiert, der auf die Vererbbarkeit von Intelligenz eingeht und suggeriert, dass in den Eliten hohe Intelligenz eben auch vererbt wird, mehr als in niedrigen Milieus. Diese Haltung wird von dem Verfasser des Artikels (kann man herauslesen) nicht geteilt. Wie steht es aber mit dieser These? Ist da etwas dran? Was könnte man daraus folgern? Vielleicht sollten Menschen aus niedrigen Sozialschichten künstliche Befruchtung wählen (mit Genen von Menschen nachgewiesen hoher Intelligenz), dann können sie auch ein Stipendium für ihr Kind verlangen…

Hallo Jenna,

ich bin ganz deiner Meinung, aber in dem Artikel wird ein
Wortlaut zitiert, der auf die Vererbbarkeit von Intelligenz
eingeht und suggeriert, dass in den Eliten hohe Intelligenz
eben auch vererbt wird, mehr als in niedrigen Milieus.

ich gehe davon aus, dass Intelligenz auch (!) (genetisch) vererbt wird. Aber, dass eben auch (!) das Milieu eine Rolle spielt, deshalb kann ich dem „Intelligenz wäre dann keine Frage des Milieus“ nicht zustimmen.

Was wichtig zu wissen wäre:
Wie war „wird vererbt“ in dem Artikel genau gemeint? Es muss nicht zwingend als „genetisch vererbt“ gemeint sein, sondern kann schlichtweg „wird weitergegeben“ bedeuten. Man spricht oft ja auch von „Bildung wird weitervererbt“ und meint damit eben nicht die genetische Komponente (denn Bildung hat keine genetische Komponente), sondern schlichtweg, dass gebildetere Eltern mehr Wert darauf legen, dass die Kinder ebenfalls mit viel Bildung in Kontakt kommen.

Klar ist natürlich auch, wenn Intelligenz zum Teil vererbt wird (wovon ich ausgehe), dass diese zu höherem Anteil in „höheren“ Milieus vererbt wird, da dort tendentiell mehr vorhanden.
Ebenso dürfte eine vererbte hohe Intelligenz in gebildeter Familie eher „auf fruchtbaren Boden fallen“ denn in einer weniger gebildeten (mehr vs. weniger Anregungen, mehr vs. weniger Unterstützung bei Problemen in Schule und Studium etc.).

Diese
Haltung wird von dem Verfasser des Artikels (kann man
herauslesen) nicht geteilt.

Welche Haltung teilt der Verfasser nicht?

Wie steht es aber mit dieser
These? Ist da etwas dran? Was könnte man daraus folgern?

Welche These meinst du?

Vielleicht sollten Menschen aus niedrigen Sozialschichten
künstliche Befruchtung wählen (mit Genen von Menschen
nachgewiesen hoher Intelligenz), dann können sie auch ein
Stipendium für ihr Kind verlangen…

Was soll das bringen?
Und wieso Stipendium _verlangen_?
Ein Stipendium wird meist nach Leistung vergeben. Leistung wird hierbei meist nach Noten bewertet. Für Kinder aus weniger gebildeten Familien ist es jedoch bei selber Intelligenz oft um einiges schwieriger, die selbe Leistung zu erzielen.
Vgl. das Kind, das nachmittags seine Ruhe zum Lernen hat, auf dessen Lernzeiten man Rücksicht nimmt, das als Student auch mal Geld von den Eltern bekommt etc. mit dem Kind, auf dessen Lernzeiten weniger Rücksicht genommen wird („wozu musst du zwei Fremdsprachen in der Schule lernen?“), das als Student die Semesterferien durcharbeitet um finanziell über die Runden zu kommen weil die Eltern trotz finanzieller Möglichkeiten nie etwas beisteuern („Wozu denn studieren? Und ich hab’ mit 17 schon mein ganz eigenes Geld verdient, in der Fabrik!“) etc.

Ich kenne sehr intelligente Kinder aus niedrigen sozialen Schichten, die z.B. von den Eltern nie beim Englischlernen (5. Klasse…) abgefragt wurden und dann bei der ersten 5 vom Gymnasium genommen wurden. Ich denke, in einer Familie mit gebildeteren Eltern wäre dies anders verlaufen.
Ich kenne Kinder, die trotz guter Noten und gutem Arbeitsverhalten auf eine niedrigere Schule gegangen sind als eigentlich passend wäre - Grund der Eltern: „Realschule dauert weniger lang als Gymnasium“ bzw. „Hauptschule dauert weniger lang als Realschule“.
Ich kenne Kinder, denen der Wunsch, ein Musikinstrument zu erlernen, ausgeschlagen wurde weil das „ein Unfug, den man nicht fürs Leben braucht“ sei (nein, um Kosten kann es nicht gegangen sein, da das Musikinstrument billig und der Unterricht kostenlos gewesen wäre) und die von ihren Eltern aus dem selben Grund häufig vom Lesen oder Lernen abgehalten wurden.

Da ist dann doch deutlich das Umfeld der hemmende Faktor gewesen, nicht die genetischen Anlagen (denn die können nicht so schlecht gewesen sein bei den trotzdem erzielten Leistungen).

Viele Grüße,
Nina

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Hallo Nina

Was wichtig zu wissen wäre:
Wie war „wird vererbt“ in dem Artikel genau gemeint? Es muss
nicht zwingend als „genetisch vererbt“ gemeint sein, sondern
kann schlichtweg „wird weitergegeben“ bedeuten. Man spricht
oft ja auch von „Bildung wird weitervererbt“ und meint damit
eben nicht die genetische Komponente (denn Bildung hat keine
genetische Komponente), sondern schlichtweg, dass gebildetere
Eltern mehr Wert darauf legen, dass die Kinder ebenfalls mit
viel Bildung in Kontakt kommen.

die genetische Vererbung ist gemeint " Die Stiftung [Studienstiftung des deutschen Volkes] sieht ihre Aufgabe darin, die herausragenden Talente aus den Heerscharen deutscher Studenten herauszufiltern. Und dabei hat sich immer wieder aufs Neue gezeigt: Wer nach den Besten sucht, der wird am schnellsten unter den Gebildeten fündig. Darauf könne und wolle die Studienstiftung keinen Enfluss nehmen, hatte der Stiftungspräsident (…) im Vorwort zum Tätigkeitsbericht 2008 verkündet. Intelligenz sei nun einmal ‚dasjenige Persönlichkeitsmerkmal, das am deutlichsten vererbt wird.‘ (…) Im Bewerbungsverfahren irgendwelche Bonuspunkte für Arme zu vergeben sei ‚nur schwer vorstellbar‘.

Klar ist natürlich auch, wenn Intelligenz zum Teil vererbt
wird (wovon ich ausgehe), dass diese zu höherem Anteil in
„höheren“ Milieus vererbt wird, da dort tendentiell mehr
vorhanden.
Ebenso dürfte eine vererbte hohe Intelligenz in gebildeter
Familie eher „auf fruchtbaren Boden fallen“ denn in einer
weniger gebildeten (mehr vs. weniger Anregungen, mehr vs.
weniger Unterstützung bei Problemen in Schule und Studium
etc.).

Diese
Haltung wird von dem Verfasser des Artikels (kann man
herauslesen) nicht geteilt.

Welche Haltung teilt der Verfasser nicht?

Wie steht es aber mit dieser
These? Ist da etwas dran? Was könnte man daraus folgern?

Welche These meinst du?

Das in höheren sozialen Milieus eine höhere Intelligenz vererbt wird.

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Hallo Jenna,

die genetische Vererbung ist gemeint " Die Stiftung
[Studienstiftung des deutschen Volkes] sieht ihre Aufgabe
darin, die herausragenden Talente aus den Heerscharen
deutscher Studenten herauszufiltern. Und dabei hat sich immer
wieder aufs Neue gezeigt: Wer nach den Besten sucht, der wird
am schnellsten unter den Gebildeten fündig. Darauf könne und
wolle die Studienstiftung keinen Enfluss nehmen, hatte der
Stiftungspräsident (…) im Vorwort zum Tätigkeitsbericht 2008
verkündet. Intelligenz sei nun einmal ‚dasjenige
Persönlichkeitsmerkmal, das am deutlichsten vererbt wird.‘
(…) Im Bewerbungsverfahren irgendwelche Bonuspunkte für Arme
zu vergeben sei ‚nur schwer vorstellbar‘.

ob hier wirklich die genetische Vererbung gemeint ist oder nicht, geht daraus nicht klar hervor. „Dasjenige Persönlichkeitsmerkmal, das am deutlichsten vererbt wird“ - nun, „vererbt“ muss eben nicht genetisch heißen.

„Bonuspunkte für Arme“: Dagegen bin ich auch. Wofür ich aber bin:

  • Auswahlkriterien, die Akademikerkinder nicht aufgrund ihrer Herkunft bevorzugen

  • es sollten nicht nur Noten, Auslandsaufenthalte, Engagement in politischen oder sozialen Gruppierungen etc. zur Entscheidung herangezogen werden, sondern allgemein über Kriterien, die auf einen hohen Leistungswillen und Begabung hindeuten; dies muss nicht nur das 1,0-Abi mit 18 Jahren und die Teilnahme an gymnasiumsüblichen Wettbewerben sein, das kann ebenso sein, sich nachgeholtes Abitur (nachgeholt nicht zwingend wegen schlechter Noten, sondern weil z.B. die Eltern gegen einen Gymnasiumsbesuch waren) und das Studium bislang selbst finanziert zu haben, nebenbei in Eigenregie das Latinum nachgeholt zu haben und dabei im Abitur zwar nicht den 1,0-Schnitt aber dennoch einen (sehr) guten Schnitt erzielt zu haben

  • es sollte mehr über Stipendien informiert werden (Akademikerkinder erfahren davon zumeist von ihren Eltern, werden motiviert - Arbeiterkindern reden die Eltern oft die Bewerbung aus)

  • etc.

Das in höheren sozialen Milieus eine höhere Intelligenz
vererbt wird.

Sicherlich ist an dieser These etwas dran - wenn Intelligenz (genetisch) zu einem gewissen Teil vererbt wird, bekommen Kinder einen Teil der Intelligenz von ihren Eltern mit. Die Intelligenz der Eltern ist aber tendentiell in höheren Milieus höher als in niedrigeren.
Hinzu kommt aber nochmal die „soziale Vererbung“.

Da ich selbst etliche Menschen aus eher bildungsferner Herkunft kenne, sowie auch etliche aus bildungsbürgerlichen Kreisen, fällt mir dies eben deutlich auf:
Mit einer bestimmten Intelligenz genetisch ausgestattet ist man tendentiell in höherem sozialen Milieu besser dran hinsichtlich Nutzung eben dieser - einerseits die Ausnutzung einer hohen Intelligenz, wie auch das Zurechtkommen mit durchschnittlicher bis unterdurchschnittlicher Intelligenz und z.B. wenig Eigenmotivation.

Kurz und gut: Alles aufs Milieu schieben würde ich auch nicht - aber eben auch keinesfalls alles auf genetische Vererbung.

Viele Grüße,
Nina

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Kurz und gut: Alles aufs Milieu schieben würde ich auch nicht

  • aber eben auch keinesfalls alles auf genetische Vererbung.

50% Gene 50% Umwelt hört sich für mich nach nicht viel mehr als einem Kompromiss zwischen zwei ideologischen Lagern an. Mit wissenschaftlicher Wahrheit hat so etwas nicht viel zu tun.

Niemand kann nachweisen, ob Menschen aus höheren sozialen Milieus tatsächlich intelligenter sind, weil sie die besseren Gene haben.

Die Umwelteinflüsse werden heutzutage heruntergespielt. Es gehört auch nicht zu den populären Medienthemen unserer Zeit. Überall fehlt es an Geld und gehandelt wird nach dem Motto: „wozu in bestimmte Schichten noch finanz. Mittel hereinpumpen“.

Angeborene Hochbegabung ist im übrigens etwas völlig anderes als eine überdurchschnittlich hohe Intelligenz. Gesellschaftlicher Erfolg benötigt keine Hochbegabung sondern eine intelligente Denkfähigkeit und die ist durch die Umwelt erlernbar

Hallo Jenna,

Kurz und gut: Alles aufs Milieu schieben würde ich auch nicht

  • aber eben auch keinesfalls alles auf genetische Vererbung.

50% Gene 50% Umwelt hört sich für mich nach nicht viel mehr
als einem Kompromiss zwischen zwei ideologischen Lagern an.
Mit wissenschaftlicher Wahrheit hat so etwas nicht viel zu
tun.

ob genau 50/50, kann ich natürlich nicht wissen.
Und, dass ich Milieu wie auch Gene einbeziehe, hat für mich nichts mit einem Kompromiss zu tun - Einflüsse aus beiden Richtungen fallen durchaus auf.

Niemand kann nachweisen, ob Menschen aus höheren sozialen
Milieus tatsächlich intelligenter sind, weil sie die besseren
Gene haben.

Natürlich nicht.
Jegliche Vererbung ganz von der Hand zu weisen wäre aber auch „etwas gewagt“.

Die Umwelteinflüsse werden heutzutage heruntergespielt. Es
gehört auch nicht zu den populären Medienthemen unserer Zeit.
Überall fehlt es an Geld und gehandelt wird nach dem Motto:
„wozu in bestimmte Schichten noch finanz. Mittel
hereinpumpen“.

Wieso werden die Umwelteinflüsse heruntergespielt?
Wäre dem so, wäre niemand für

  • Sprachtests, Sprachförderung im Kindergartenalter
  • Ganztagesschulen
  • Vergünstigungen bzgl. Bildung für Kinder aus sozial schwächerem Milieu
  • etc.

Angeborene Hochbegabung ist im übrigens etwas völlig anderes
als eine überdurchschnittlich hohe Intelligenz.

Wieso ist dies etwas völlig anderes? Das ist für mich nun schon verwirrend, da ich mit diesem Gebiet zu tun habe (Vereinsarbeit).

Jedenfalls:
Nicht jede überdurchschnittliche Intelligenz ist gleich Hochbegabung, aber Hochbegabung ist eine Teilmenge dessen, eine „besonders überdurchschnittliche Intelligenz“, sprich: die 3 % intelligentesten.

Hochbegabung wird, genauso wenig wie allgemein überdurchschnittliche Intelligenz, erlernt. Aber sie kann gefördert werden oder auch verkümmern - wie meinetwegen Sportlichkeit, die lässt sich auch nicht mit Training erzwingen, aber auch ein Top-Sportler kann nicht aufs Training verzichten bzw. ist erst durch Training wirklich zum Top-Sportler geworden.
Das hochbegabte Kind, das meinetwegen in einem Haushalt aufwächst, in dem Bücher Mangelware sind, Fragen abgewimmelt werden und man nicht ins Museum geht oder interessiert die Umwelt betrachtet sondern stattdessen wahllose Fernsehsendungen ansieht (alles mal überspitzt gesagt, aber auch das kommt vor), wird seine Begabung kaum nutzen können. Es wird schon einiges mit dieser Begabung erreichen können, aber sicherlich über etliche Zeit hinweg weniger als so manches „nur“ überdurchschnittlich oder durchschnittliche Kind, das Förderung (nicht Überforderung) erfährt.

Gesellschaftlicher Erfolg benötigt keine Hochbegabung sondern
eine intelligente Denkfähigkeit und die ist durch die Umwelt
erlernbar

Selbstverständlich gehört zum gesellschaftlichen Erfolg mehr dazu als nur besonders intelligent (bis hin zu hochbegabt) zu sein - Durchhaltewillen, Interesse etc. halte ich da für sehr wichtig.
Ein gewisses Maß an Intelligenz erleichert dies aber ungemein bzw. ist bei bestimmten Zielen fast unabdingbar.
Selbstverständlich kann gesellschaftlicher Erfolg auf vielerlei Ebenen stattfinden.

Viele Grüße,
Nina

Hallo Jenna,

Wenn Intelligenz zu 50 % vererbt wird (wie die Lehrbücher der
Psychologie schreiben), dann müssten die Eliten (intelligente
Menschen die natürlich gerne unter sich bleiben wollen)
folgerichtig mehr intelligente Kinder erzeugen als Menschen
aus anderen Schichten. Intelligenz wäre dann keine Frage des
Milieus.

Du schmeißt hier mehrere Aspekte durcheinander.

  • die genetische Vererbung von Intelligenz
  • der Bildungserfolg in Abhängigkeit von der soziale Herkunft.
  • der Bildungserfolg in unserem System.
  • Intelligenz und sozialer Status

Ich will auf den schwierigsten Punkt, die genetische Vererbung von Intelligenz.

Die menschliche Intelligenz ist das Ergebnis des menschlichen Erbguts. Das beinhaltet solche Fähigkeiten wie die Sprache, das Zeichen lesen, die Mimik usw…
Wenn man sich mit dem Thema Intelligenz beschäftigt, merkt man, dass sie sehr vielschichtig und alles andere als eindimensional ist. Je komplexer etwas ist, desto weniger kann es das Ergebnis einiger weniger individuellen Gene sein.

Ich habe mal gelesen, dass es sich bei der Untersuchung der Abhängigkeit der Intelligenz (gemessen in IQ-Tests) von Kinder im Verhältnis zu ihren Eltern Folgendes ergab.
Die Intelligenz verteilte sich über eine Gauskurve (erst mal nicht überraschend). Dabei war lag der Schwerpunkt bei Kindern von hoch intelligenten Eltern unterhalb der Intelligenz ihrer Eltern. Bei sehr dummen Eltern lag der Schwerpunkt der Kinder überhalb der Intelligenz der Eltern.
Von der Tendenz her waren zwar die Kinder intelligenter Eltern klüger als der Durchnitt und die Kinder dummer Eltern dümmer als der Durschnitt. Aber die Gesamttendenz geht in Richtung Durchschnitt.
Irgendwie setzt sich das allgemein menschliche Erbgut durch.

Dabei darf man nicht vergessen, dass die Förderung durch das Elternhaus das Ergebnis „verfälscht“. Der Anteil der Vererbung liegt damit letzendlich niedriger, als es zunächst scheint.

Der wichtigste Fehler bei deinem Ansatz liegt darin, dass du davon Ausgeht, dass Intelligenz eine Eigenschaft von Eliten ist.
Der Status in menschlichen Gesellschaften wird vorzugsweise vererbt.
Bei durchlässsigen Gesellschaften spielen folgende Aspekte eine Rolle:

  • Position in Hierarchien (Befehlsgewalt über andere Menschen)
  • Eigentum/Reichtum/Einkommen
  • Prominenz

Intelligenz spielt dabei keine direkte Rolle. Auch bei der Wahl der Partnerin spielt sie keine Rolle. Es findet keine Zucht nach dem Faktor Intelligenz statt. Dementsprechend spielt sie bei den Kindern von Eliten keine überragende Rolle.

Gruß
Carlos

Hallo!

Da kommen wir doch zu der alten Frage: Wäre Albert Einstein denn DAS geworden, wenn er in einer Familie gross geworden wäre, die sozial schwach war und in der es keinerlei Chance auf Weiterbildung gegeben hätte??

Ich bin davon überzeugt, daß ein riesiger Anteil in der Förderung der Kinder liegt!

Akademikerfamilien legen einen grossen Wert darauf, daß die Kinder möglichst denselben Weg gehen wie die Eltern es taten.
Dazu gehört dann notfalls Förderung ohne Ende.
Schon aus finanzieller Sicht kann eine reichere Familie da einem Kind mehr bieten.

Ich kenne Familien, da bekommen die Kinder Tennisstunden, Reitstunden- Klavierunterricht…und wenn es sein muss Nachhilfestunden.
Das alles- muss bezahlt werden und es muss schlicht auch die Zeit und Energie dasein, damit das Kind da gefördert wird solche Familien haben dann Aupair oder die Frau muss aus finanziellen Gründen nicht arbeiten)

Wenn man im Gegenzug dann Familien sieht, wo der Vater weniger Geld nachhause bringt- die Frau noch mitarbeiten muss…- und ein Kind normal so gestrickt ist, daß es nur das Allernötigste tut ( Schule)- dann wird klar, daß natürlich der Weg für Kinder von Eltern, die mehr fördern- ganz anders geprägt ist.

Fakt bleibt ja auch- man muss ein Kind an die Hand nehmen-- es braucht Führung und auch den Druck von den Eltern, damit „getan“ wird.

Aussen vor möchte ich jetzt mal die Kinder lassen, die von sich aus lernen- von sich aus ans Klavier gehen…- das sind schlicht Ausnahmen.

Noch erzählen möchte in dazu von Bekannten, deren Sohn nicht so intelligent ist (nachgewiesen) und schon zur EInschulung in die Förderschule musste.
Bei vielen Familien- hätte dieser Junge mit Ach und Krach die Hauptschule geschafft…jeder wäre froh gewesen, wenn er dann eine Ausbildung hätte machen können.

Die Eltern- sind aber sher wohlhabend- und es war wirklich JEDEN Nachmittag eine Person zuhause, die Hausaufgaben mit dem Kind gemacht hat und geübt.
Mit dieser extremen Förderung- hat dieser Junge sogar die Realschule am Ende bestanden und ist inzwischen in einem Beruf.

Ich finde ein schönes Beispiel!
Kaum eine Familie könnte so etwas finanzieren-- und da wurde dann damit alles rausgeholt, was möglich ist.

kitty

Hi Carlos,

mein Beitrag sollte eine Provokation sein und nicht einen „Ansatz“ von mir darstellen. Ich habe hier eine Aussage aus der Studienstiftung des deutschen Volkes aufgegriffen, die mich empört, weil sie Gene als Elitenfaktor ausmacht. Ich finde es jedoch interessant zu sehen, was passieren könnte, wenn man deren Auffassung weiterdenkt. Und das war pure Ironie von mir aus.
Die Wissenschaft noch lange nicht in der Lage solche Aussagen über die Vererbung von Intelligenz zu machen. Bei keinem Menschen (außer bei solchen die tatsächlich nachweisbar vorgeburtliche Hirnschädigungen, Unfälle…) kann man eine angeborene Intelligenz irgendwie nachweisen/messen.
Es handelt sich bei Aussagen wie von dieser Studienstiftung einfach um Versuche angeblich möglichst wissenschaftlicher Begründungen, warum die Elite unter sich bleiben soll. Da geht es nicht um Wissenschaftlichkeit sondern um Durchsetzung eigener Interessen.

Lg
Jenna

Lg,

Jenna

ob genau 50/50, kann ich natürlich nicht wissen

diese Aussage ist nutzlos, denn sie sagt nicht wirklich etwas über die angeborene individuelle Intelligenz aus. Ich sehe das eher als ein „wissenschaftlichen“ Kompromiss zweier ideolog. Lager an, nicht mehr und nicht weniger.

Jegliche Vererbung ganz von der Hand zu weisen wäre aber auch
„etwas gewagt“.

Der Mensch hat natürlich menschliches Erbgut, um denken zu können wie ein Mensch und nicht wie ein anderes Lebewesen. Mir ging es um die individuelle Intelligenz.

Wieso werden die Umwelteinflüsse heruntergespielt?
Wäre dem so, wäre niemand für

  • Sprachtests, Sprachförderung im Kindergartenalter
  • Ganztagesschulen
  • Vergünstigungen bzgl. Bildung für Kinder aus sozial
    schwächerem Milieu
  • etc.

Tja, das sehe ich als Kompromiss der Politik an. Irgendetwas muss ja für die Menschen getan werden, sonst geht eine Gesellschaft den Bach herunter. Natürlich möchte man das verhindern. Sie muss ja konkurrenzfähig bleiben.

In den 60er Jahren öffnete man die Hochschulen und Gymnasien, da der Staat mehr qualifizierte Menschen brauchte, um auf dem internationalen Markt konkurrieren zu können. An der Verteilung der sozialen Chancengleichheit hat sich jedoch kaum etwas geändert.

Diese Fördermaßnahmen verhindern also nur das Schlimmste und sind nicht mehr alos nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Sie ändern nicht wirklich viel an der sozialen Verteilung beim Zugang zur Bildung. Für weitere Fördermittel fehlt dem Staat das Geld.

Hochbegabung wird, genauso wenig wie allgemein
überdurchschnittliche Intelligenz, erlernt.

wir sind wieder beim Thema: Ob jemand angeboren hochbegabt ist, lässt sich nicht einfach nachweisen. Das Gehirn wird in den ersten Jahren des Lebens enorm von der Umwelt beeinflusst. Gelingt es einem Kind aufgrund seiner Umgebung einen speziellen Bereich auf hohem Niveau zu nutzen und darauf weiter aufzubauen (jahrelang) wird es sehr begabt werden.
Vielen anderen Kindern kann dies gar nicht gelingen, weil die Umwelt dafür nicht konstruiert ist.
Vielleicht hat jeder Mensch eine Hochbegabung, nur liegt sie in einem unterschiedlichen Bereich. Dann käme es NUR auf die Umwelt an ob sie genutzt und gefördert wird. Dann sind wir alle hochbegabt, nur keiner weiß es, weil die Begabung bei einigen verkümmert ist, bei anderen nicht…

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Hi
Es ist auch ein gegenläufiger Vektor zu beachten: Die verswöhnten Kinder der Elite versanden oftmals viel schneller, weil ihnen alles hinterher getragen wurde und sie nie den Ehrgeiz entwickeln mussten, aus ihrem Milieu raus zu kommen.
Ein intelligenter Bursche wie z.B. Ex-Kanzler G. Schröder kam aus einfachsten Verhältnissen, und hat einfach den Ehrgeiz u n d eben die Intelligenz gehabt, hoch zu kommen.
Wenn es auch zuweilen etwas unpopulär erscheint, aber: Intelligenz ist vererbbar. Natürlich nicht zwingend, sondern nach dem üblichen genetischen Würfelspiel.
Gruß,
Branden

Hallo von Branden,

nur weil jemand aus einfachen Verhältnissen stammt und aufsteigt, sagt das nichts über vererbte Intelligenz aus: Motivation und Aufstiegswille können Faktoren sein. Selbstbild und Entfaltungsmöglichkeiten innerhalb seines Umfelds, emotionale Belastungen ja/nein.
Gerade bei den ‚klassischen‘ Studiengängen (Jura, Medizin, Literatur/Kunst)
ist ein enormes Wissen Voraussetzung. In dem Artikel aus dem Uni Spiegel wird darauf eingegangen. Kinder die diese Studiengänge wählen, bringen entsprechende Wissensvoraussetzungen schon aus dem Elternhaus mit.
In den technischen/wirtschaftlichen Berufen ist es etwas anders. Ein Kind eines Elternteils mit technischer Ausbildung studiert heute oftmals.
Ob dies ein Aufstieg ist, sei mal dahingestellt. Heutzutage machen mehr Menschen ihr Abitur als jemals zuvor.
Aber die Eliten bleiben eh und je unter sich. An dieser Verteilung hat sich nichts verändert. Eliten machen vielleicht 15 Prozent der Bevölkerung aus. Und folgt man der Vererbungsthese - diese können nicht alle angeboren ‚hochbegabt‘ sein(die 3 % die Nina unten aufgeführt hat).
Die Leistungsfähigkeit, um Politiker, Arzt, Jurist, Professor der Literaturwissenschaft zu werden, braucht also keine Hochbegabung sondern einen Menschen der in seinem Umfeld frühzeitig gefördert wird.
Entscheidend ist vielmehr: verkümmert die angeborene, jedem Menschen eigene Denkfähigkeit oder wird sie befördert. Allein dadurch entsteht schon ein unermässlicher Graben.

Hallo Jenna,

Eliten machen vielleicht
15 Prozent der Bevölkerung aus. Und folgt man der
Vererbungsthese - diese können nicht alle angeboren
‚hochbegabt‘ sein(die 3 % die Nina unten aufgeführt hat).

wieso muss man dazu zwingend hochbegabt (die 3 % entsprechen einem IQ ab exakt 130) sein um zur „Elite“ zu gehören? Geht das mit einem IQ von 129 (per Definition nicht hochbegabt) nicht?
Natürlich. Es wird nur, mit sinkendem IQ, immer unwahrscheinlicher.
Aber die 15 % und 3 % sind kein Widerspruch.
Die 15 % sind übrigens _überhaupt nicht_ allesamt hochbegabt, weder „angeboren hochbegabt“ noch „gefördert hochbegabt“. Denn, wie gesagt, hb sind die 3 % besten im IQ-Test fürs jeweilige Alter.

Die Leistungsfähigkeit, um Politiker, Arzt, Jurist, Professor
der Literaturwissenschaft zu werden, braucht also keine
Hochbegabung sondern einen Menschen der in seinem Umfeld
frühzeitig gefördert wird.

Nicht unbedingt.
Ich kenne jemanden, der Politikwissenschaften studiert, von der Studienstiftung gefördert wird, aus einem sehr einfachen Umfeld kommt (beide Eltern haben Hauptschulabschluss, nur der Vater hat eine Ausbildung gemacht) und der in seinem Umfeld wenig gefördert wurde.
Oft blieb sogar wenig Zeit für die Hausaufgaben, weil die Eltern es sinnvoller fanden, dass er sehr häufig z.B. beim Holzmachen, beim Tiere ausmisten etc. hilft; Hausaufgaben wurden dann spätabends gemacht, oder gar nicht. Angedacht war von den Eltern eine einfache handwerkliche Ausbildung, keinesfalls ein Studium.
Derjenige hat seine knappe Freizeit aus eigenem Antrieb fürs Lesen genutzt, sich Bücher selber gekauft und, sobald 18 geworden und die Eltern ihm nichts mehr dreinreden konnten, so richtig durchgestartet.
Man kann das auch aus eigenem Antrieb packen - wennauch dies natürlich schwieriger ist.

Da du schreibst:

In den technischen/wirtschaftlichen Berufen ist es etwas anders.

Ich selbst studiere übrigens Physik. Hier ist
dies

Gerade bei den ‚klassischen‘ Studiengängen (Jura, Medizin, :Literatur/Kunst)
ist ein enormes Wissen Voraussetzung. In dem Artikel aus dem Uni :Spiegel wird darauf eingegangen. Kinder die diese Studiengänge :wählen, bringen entsprechende Wissensvoraussetzungen schon aus dem :Elternhaus mit.

(Vorwissen vorm Studium) geradezu typisch und wichtig.

Von vielen meiner Kommilitonen weiß ich, dass ihre Eltern Naturwissenschaftler sind oder zumindest einem anspruchsvolleren technischen Beruf nachgehen (Programmierer, Physiklaborant). Hier wird schon häufig Wissen aus dem Elternhaus mitgebracht.
Aus einem Gespräch mit einer Kommilitonin, sie: „Ich fand das immer ganz toll, was mein Vater mir über Physik erzählen konnte - wie eine Glühbirne funktioniert, wie ein Radio funktioniert, und später auch andere Dinge. Er hat mich immer unglaublich gefördert. Ich wusste zunächst nicht, ob ich nicht Kunst studieren sollte [Anmerkung: sie ist auch künstlerisch sehr begabt], aber mein Vater hat mich schließlich überzeugt, dass es mehr Sinn macht, Physik zu studieren und hobbymäßig einem Künstlerverein beizutreten.“
–> das war doch ein großer Einfluss der Eltern!

Andersherum, ich: Meine Eltern haben Realschulabschluss und Berufsausbildung (Mutter) bzw. keinen Schulabschluss und keine Ausbildung (Vater). Physik war in meiner Familie nie ein Thema.
Ich habe mir sehr viel privat angelesen. Das erwies sich im Nachhinein auch als sehr sinnvoll bis nötig:
Um meinen Studienplatz zu bekommen, musste ich z.B. in einem mündlichen Auswahlverfahren überzeugen. Nur mit Schulwissen wäre dies viel schwieriger bis unmöglich gewesen.

Kurz und gut: Je weniger Förderung, desto mehr schlägt wieder die angeborene Intelligenz durch (mit der man sich u. U. „selbst fördern“ kann im Sinne von: sich Bücher kaufen, sich bei einem passenden Verein anmelden…).
Um obiges zu schaffen - trotz wenig Förderung und Eltern, die gegen eine höhere Bildung sind, trotzdem Abitur, Stipendium und Studium - ist schon 'ne Portion mehr angeborene Intelligenz nötig, als erhielte man dabei optimale Förderung. Obige Situation bedeutet ja unter anderem, in selber Zeit mehr leisten zu müssen (Abi und nebenbei alleine wohnen und arbeiten weil einen die Eltern nicht unterstützen vs. jemand, dem in der Abiturphase von den Eltern alles abgenommen wird damit sich Sohn/Tochter perfekt aufs Abi vorbereiten kann), weniger „Mit-Leistung“ anderer dabei zu haben (die Facharbeiten anderer wurden in der Oberstufe oft von Eltern Korrektur gelesen - das gab’s bei ihm nicht) etc.

Entscheidend ist vielmehr: verkümmert die angeborene, jedem
Menschen eigene Denkfähigkeit oder wird sie befördert. Allein
dadurch entsteht schon ein unermässlicher Graben.

Definitiv!

Viele Grüße,
Nina

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Hallo,

irgendwie generalisierst du hier sehr eindeutig in eine Richtung, so dass manch richtige Aussagen eine doch schon beinahe befremdliche Tendenz bekommen.

Ich bin davon überzeugt, daß ein riesiger Anteil in der
Förderung der Kinder liegt!

Ja. Unterschrieben.

Akademikerfamilien legen einen grossen Wert darauf, daß die
Kinder möglichst denselben Weg gehen wie die Eltern es taten.
Dazu gehört dann notfalls Förderung ohne Ende.

Schon das kann man nicht pauschalisieren. Mir fallen aus meinem persönlichen Umfeld genügend Beispiele ein, wo das nicht so ist. Das schließt Erfahrungen in der Elternarbeit eines Gymnasiasten mit ein. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich sogar eher das Gegenteil berichten. Es ist erschreckend gewesen, wie egal vielen Akademikerfamilien bzw. wohlhabenden Familien (nicht deckungsgleich! s.u.) die Förderung ihrer Kinder war. Die sind dann vielleicht wach geworden, wenn es um Kloppe gegen die Lehrer ging. Aber selbst fördern oder aktiv gestalten? Oft Fehlanzeige.

Schon aus finanzieller Sicht kann eine reichere Familie da
einem Kind mehr bieten.

Kann. Wobei dann aber auch geguckt werden muss, was davon wirklich Förderung im Sinne einer (geistigen) „Elite“ ist. Auch hier wieder die eigene Erfahrung: Wenn sich die vorhandene finanzielle Kapazität darin äußert, dass den Kindern aufwändige, sehr teure Sportgeschichten finanziert werden, ist das zwar immer noch besser, als ein Couchpotato, aber doch wohl nicht das, was man unter echter Förderung versteht.

Ich kenne Familien, da bekommen die Kinder Tennisstunden,
Reitstunden-

…die nix mit Bildung zu tun haben

Das alles- muss bezahlt werden und es muss schlicht auch die
Zeit und Energie dasein, damit das Kind da gefördert wird
solche Familien haben dann Aupair oder die Frau muss aus
finanziellen Gründen nicht arbeiten)

Und auch hier eigene Erfahrung, in dem Fall ausnahmslos: Die (heute noch) zu Hause bleibende Mutter ist gerade die, die Bildungsmäßig eher weniger für die Kinder tut. Wenn ich Revue passieren lassen, wer bspw. mit seinen Kindern Ausflüge macht, die unter das Stichwort „Bildung“ passen (Museen, Kirchen, etc.) oder wer mit seinen Kindern „anspruchsvoll“, politisch etc. diskutiert - dann sind es eher nicht die Mütter, die zu Hause geblieben sind, weil sie sich das aufgrund des besser verdienenden Mannes leisten konnten.

Wenn man im Gegenzug dann Familien sieht, wo der Vater weniger
Geld nachhause bringt- die Frau noch mitarbeiten muss…- und
ein Kind normal so gestrickt ist,

Soweit, so gut. Aber:

daß es nur das Allernötigste tut ( Schule)-

Diese Kausalität ist jetzt schon beinahe dreist. Wie kommst du zu diesem Automatismus? Du unterstellst hier recht eindeutig, dass in Familien mit geringem Einkommen es nur vom Ehrgeiz des Kindes abhängt, was aus ihm wird. Das ist nicht beinahe dreist, das ist es - und nebenbei auch noch falsch.

Fakt bleibt ja auch- man muss ein Kind an die Hand nehmen-- es
braucht Führung und auch den Druck von den Eltern, damit
„getan“ wird.

Richtig. Und der ist überhaupt nicht abhängig vom Einkommen der Eltern. Auch sozial schwächere Eltern können genau das tun und tun es auch.

Du argumentierst genau so, wie es in das Thema dieses Artikels hinein passt:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-04/hartz…

Diesen Zustand, der dort beschrieben wird, empfinde ich auch schon seit Jahren zunehmend beklemmend. Ich bin aufgewachsen in einer Schicht, die man wohl als Bildungsbürgertum bezeichnen kann. Interessanterweise aber ein selbst erarbeitetes. D.h. die Eltern meiner Eltern waren Arbeiter! Auf beiden Seiten. In unserer Familie wurde sehr viel Wert auf Bildung gelegt und darauf, diese selbst den Kinder auf ganz unterschiedliche Art zu vermitteln. Bildungsbügertum, das war vor 30 Jahren noch etwas Positives. Da wurde sich nicht abgegrenzt. Ich kann mich an zahlreiche Bemühungen erinnern, wo die Eltern aus dieser Schicht bspw. (finanziell und / oder leistungsmäßig) schwächeren Kindern wie selbstverständlich ein wenig unter die Arme gegriffen haben, in welcher Form auch immer.

Was es nicht gegeben hat: Dieses 1:1 Übereinanderlegen von Unterschicht = kein Geld = keine Bildung und (das Gefährlichste, was du hier im Grund auch machst) = keine Perspektive da rauszukommen, weil sie es eh nicht können. (Das ist der deutlichste Vorwurf, den ich so jemandem wie Sarazzin mache) Und dieses Übereinanderlegen führt dann zu absurder Wertung in beide Richtungen: Hat jemand Kohle, ist er automatisch auch gebildet?! Es gibt immer mehr, die hier nicht mehr differenzieren. (Wie du in deinen Antworten hier.)

Diverse Studien belegen, dass Deutschland, was die Durchlässigkeit der Schichten von unten nach oben angeht, immer schlechter im internationalen Vergleich wird. DAS ist unser wahres Problem. Und das wird von denen „da oben“ verursacht und nicht von denen „da unten“. Denn - wir sind hier im Brett Psychologie: Wenn ich jemandem mantramäßig eintrichtere, dass er quasi der Abschaum der Gesellschaft ist und eh da nicht rauskommt, womöglich noch begründet mit den Genen, wie hier geschehen, dann fällt es besonders schwer, sich dagegen zu stemmen. Wenn sich aufgrund dieser erhöhten Widerstände die Misserfolge häufen, die man bei sich und seinem Umfeld erlebt, dann geht die Spirale weiter nach unten. Und plötzlich fühlen sich dann alle bestätigt: Der „Looser“, dem man lang genug glaubhaft gemacht hat, dass er einer ist - und „die da oben“, die sich bestätigt sehen, übersehend, dass sie die maßgebliche Ursache selbst gesetzt haben.

Elite zu sein heißt, Verantwortung zu tragen, auch und gerade gesellschaftliche. Und es ist ein Privilieg. Beides sollte man sich immer vor Augen führen, wenn man zu ihr gehört. Es gibt zum Glück jetzt wieder etwas mehr Vertreter der Elite, die sich hier kritisch, mahnend äußern. Ich wünsche mir, dass das in nächster Zeit mehr wird.

LG Petra

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Hallo Nina,

ich lese aus deinen Beiträgen heraus, dass du 1. Förderung mit Hausaufgabenhilfe und Büchern gleichsetzt.

Das ist nur eingeschränkt haltbar. Es werden viele andere Informationen von den Eltern weitergegeben, die evtl. nichts mit deinem Bereich zu tun haben, auch emotionale Komponenten (Emotionale Stabilität, Verhältnis zum Kind und zig andere Dinge), Werte usw

Kurz und gut: Je weniger Förderung, desto mehr schlägt wieder
die angeborene Intelligenz durch (mit der man sich u. U.
„selbst fördern“ kann im Sinne von: sich Bücher kaufen, sich
bei einem passenden Verein anmelden…).

  1. du glaubst, dass du eine hohe angeborene Intelligenz hast und übersiehst die Komplexität von Bedingungen des Aufwachsens.
    Ist es nicht vielleicht dein ganz persönlicher Stolz dies zu glauben, der vielleicht daraus resultiert, dass du weniger hattest (aus deiner Sicht) aber genauso weit gekommen bist? Verstehe mich nicht falsch, aber viele Menschen sind wie du und glauben das.
    Am Ende gehen sie diesen falschen Vorstellungen von der Macht der Gene auf den Leim.

Das kann ich alles nur unterschreiben und hätte es nicht besser ausdrücken können! Danke!!!

Grüße,
Jenna

Hallo Jenna,

vielleicht müsstest du mal deine Bezugsgrößen relativieren. Und dann ist mir überhaupt nicht klar, worauf du jetzt eigentlich hinaus willst.

Eliten machen vielleicht 15 Prozent der Bevölkerung aus.

Was erwartest du? Eine Elite ist eine Gruppe überdurchschnittlich qualifizierter Menschen. (überdurchschnittlich qualifiziert ist nicht gleich bedeutend mit Intelligenz!) Wenn es überdurchschnittlich gibt, muss es unterdurchschnittlich geben. Und damit sind wir wieder beim ollen Gauß und seiner Kurve. Demnach sind 70% der Menschen eh zum Durchschnitt zu zählen, 15 drüber, 15 drunter. Passt also. Es können nicht alle zur Elite gehören, dann wäre es keine Elite mehr.

Worum es hier doch geht ist: produziert (beinahe) nur Elite Elite? Und lässt die Elite als gesellschaftliche Gruppe zu, dass auch andere zu ihr aufrücken? Und was passiert mit Kindern der Elite, die eigentlich selbst nicht zur Elite zählen? Wird hier lieber krampfhaft so hingebogen und umformuliert, dass es dann doch passt - zu Lasten von Kindern, die nicht aus der Schicht kommen und denen der „Eintritt“ in die Schicht dann verwehrt wird?

Die Krux ist doch etwas anderes. Wenn Elite die 15 % qualifiziertesten Menschen wären - dann wäre alles in Ordnung. Das ist es aber nicht. Das Attribut „Elite“ wird gefühlt mit vererbt. Das bedeutet: Das Kind von Elite ist automatisch auch Elite - zunächst einmal. Es muss schon sehr unterdurchschnittlich drauf sein und sich ggf. recht hartnäckiger Förderungen „widersetzen“, um da rauszufliegen. Da die Größe der Gruppe mit 15 % aber beschränkt ist (s.o.), geht dieses Abschotten der Eliteeltern zwangsläufig zu Lasten von Nachrückern aus vorher nicht Elite-Schichten.

Das hat dann noch nichts damit zu tun, ob und vor allem wie viele Nachrücker es möglicherweise gibt. Bei den Stipendienstiftungen gibt es mehrere Untersuchungen, die belegen, dass die Auswahlkriterien eben nicht so sind, dass sie die beste Eignung abfragen, sondern so gewählt sind, dass (Elite-)gruppenspezifische Kriterien abgefragt werden, die Kinder aus „normalem“ Elternhaus weniger wahrscheinlich beantworten können. Wie gesagt - diese Kriterien haben aber dann nichts damit zu tun, was wirklich qualitativ überdurchschnittlich (im Sinne der Elitedefinition) ist, sondern dienen einzig und alleine zur Erhaltung und Abgrenzung der Gruppe.

LG Petra

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Hallo Pomeranze

vielleicht müsstest du mal deine Bezugsgrößen relativieren.
Und dann ist mir überhaupt nicht klar, worauf du jetzt
eigentlich hinaus willst.

Eliten machen vielleicht 15 Prozent der Bevölkerung aus.

Was erwartest du? Eine Elite ist eine Gruppe
überdurchschnittlich qualifizierter Menschen.

Da widerspreche ich nicht. Die Frage ist, wie die Elite zur ihrer ‚überdurchschnittlichen Qualifikation‘ kommt. Müsste doch eigentlich aus meinen Antworten hier ersichtlich sein. Der Eingangsbeitrag war als Provokation gedacht. Erstmal wollte ich einige Meinungen zu der Vererbungsthese der besagten Studienstiftung einsammeln.
Wie bereits mehrfach geschrieben habe, die Intelligenz, um in die Elite aufzusteigen, ist nicht ererbt sondern ergibt sich aus den sozialen Bedingungen.

(überdurchschnittlich qualifiziert ist nicht gleich bedeutend
mit Intelligenz!)

Habe ich auch nicht behauptet. Das behauptet, wie oben erwähnt die Studienstiftung die in dem Uni Spiegel zitiert wurde.

Wenn es überdurchschnittlich gibt, muss es

unterdurchschnittlich geben. Und damit sind wir wieder beim
ollen Gauß und seiner Kurve. Demnach sind 70% der Menschen eh
zum Durchschnitt zu zählen, 15 drüber, 15 drunter. Passt also.
Es können nicht alle zur Elite gehören, dann wäre es keine
Elite mehr.

klingt logisch. Habe nie etwas anderers behauptet.

Worum es hier doch geht ist: produziert (beinahe) nur Elite
Elite?

Leider ist das hauptsächlich der Fall, wie Studien nachgewiesen haben.
Ein gutes Beispiel sind auch die Grandes Ecoles in Frankreich.

Das hat dann noch nichts damit zu tun, ob und vor allem wie
viele Nachrücker es möglicherweise gibt. Bei den
Stipendienstiftungen gibt es mehrere Untersuchungen, die
belegen, dass die Auswahlkriterien eben nicht so sind, dass
sie die beste Eignung abfragen, sondern so gewählt sind, dass
(Elite-)gruppenspezifische Kriterien abgefragt werden, die
Kinder aus „normalem“ Elternhaus weniger wahrscheinlich
beantworten können. Wie gesagt - diese Kriterien haben aber
dann nichts damit zu tun, was wirklich qualitativ
überdurchschnittlich (im Sinne der Elitedefinition) ist,
sondern dienen einzig und alleine zur Erhaltung und Abgrenzung
der Gruppe.

das sehe ich auch so. Das sind die institutionellen Exklusionsmechanismen

Lg,
Jenna