Irre Viecher

Hi Stefan,

vielen Dank für Deine interessanten Korrekturen. Ich kam darauf, weil ich im Fernsehen mal eine eindrückliche Sendung zum Wasser gesehen habe und dort genau dieses Phänomen aufgeführt wurde. Ich bin selbst kein Physiker oder Chemiker und war entsprechend beeindruckt, ohne dem ganzen etwas kritisch entgegensetzen zu können.

Hier würde ich statt „glatten“ Flächen, „wasserliebende“ oder
wissenschaftlicher „hydrophile“ Flächen schreiben.

Es war das Beispiel einer Glasfläche genannt. Würde man Glas tatsächlich als hydrophil bezeichnen? Kommt mir komisch vor.

Das ganze hat letztlich weniger mit dem Wasser zu tun, sondern
mit der Benetzbarkeit der Oberfläche, da sich das von dir
angesprochene Phänomen bei nichtwäßrigen Flüssigkeiten, wie
Öl, Alkohol oder Salzschmelzen genauso zeigt.

Das kann natürlich sein.

Interessant an der Sendung (sie war Teil eines vier(?)teiligen Zyklus über die Elemente anläßlich irgendeines Welt-Dingenskirchen-Tages) war, dass behauptet wurde, Wasser habe tatsächlich besondere Eigenschaften, die kein anderes Material habe. Dann wurden Leute vorgestellt, die sich auf „andere“ Art mit Wasser beschäftigen. So gab es Leute, die Flußläufe begradigen und dabei z.B. kleine Hindernisse einbauen, damit das Wasser seine innere Energie daran abarbeitet und nicht an den Uferbänken.

Aus Stuttgart wurden Untersuchungen berichtet (das war sogar ein naturwissenschaftlich-technisches Institut), in denen Wasser mit Glycerin versetzt wurde und dann Tropfen reinfallen gelassen werden. Durch das Glycerin bleibt das Tropfmuster erhalten, das man dann untersuchen kann. Bei unverschmutzten Wasser entstehen feinste Verästelungen, bei verschmutztem Wasser nur konzentrische Kreise. etc. etc.

Liebe Grüße
Burkhard

Hallo Burkhard

ich kam
darauf, weil ich im Fernsehen mal eine eindrückliche Sendung
zum Wasser gesehen habe und dort genau dieses Phänomen
aufgeführt wurde.

Naja, das ist halt oft ein Problem mit populärwissenschaftlichen Beiträgen in den Medien, dass zwar interessante Themen bzw. Phänomene angeschnitten werden, aber dabei oft etwas zu stark vereinfacht dargestellt werden. Sowas ist natürlich auch immer eine Gratwanderung zwischen Interesse wecken auf der einen Seite und mit Details langweilen auf der anderen Seite.

Es war das Beispiel einer Glasfläche genannt. Würde man Glas
tatsächlich als hydrophil bezeichnen? Kommt mir komisch vor.

Also ich würde sogar behaupten, dass Glas eine der hydrophilsten Oberflächen ist, die uns so im Alltag begegnen, wobei ich da jetzt nur die harten, also massiven Oberflächen (im Gegensatz beispielsweise zu Textiloberflächen) im Sinn habe.

Dass Glas hydrophil ist, kannst du an zwei einfachen Experimenten nachvollziehen: Nimm eine saubere Glasoberfläche, halte sie waagerecht und gib einen kleinen Tropfen Wasser darauf. Wenn du den Tropfen nun von der Seite betrachtest, wirst du feststellen, dass er relativ flach aussieht.
Das gleiche machst du jetzt mal mit verschiedenen Kunststoffen, einem Stück Kerzenwachs oder anderen Stoffen die ins Visier deines wissenschaftlichen Interesses geraten. Bei hydrophoben Stoffen wirst du feststellen, dass die Tropfen gar nicht mehr so flach aussehen, sondern eher halbkugelförmig, bei sehr hydrophoben Stoffen vielleicht sogar schon so kugelförmig, dass der Tropfen an der Auflagefläche viel schmaler ist als in der Mitte.

Für das andere Experiment brauchst du ein (Glas-)Gefäß, in das du das Wasser hineingießen kannst. Wenn du genau auf den Rand der Wasseroberfläche schaust, wirst du sehen, dass sich die Oberfläche ein wenig am Glas hochzieht. Es wird also vom Glas angezogen und festgehalten (natürlich erst dann, wenn erstmal Kontakt zwischen Oberfläche und Flüssigkeit da ist)
Wenn du das mit Gefäßen aus anderen Materialien wiederholst, wirst du auch hier eine unterschiedlich starke Krümmung der Oberfläche am Rand feststellen. Dies ist eben ein Maß für die Hydrophilie bzw. -phobie des Gefäßmaterials

Welt-Dingenskirchen-Tages) war, dass behauptet wurde, Wasser
habe tatsächlich besondere Eigenschaften, die kein anderes
Material habe.

Das ist grundsätzlich richtig.
Ich denke da spontan an die Dichteanomalie, ohne die es kein Schlittschuhlaufen gäbe aber auch keine frostbedingten Wasserrohrbrüche und an die Wärmekapazität, die bei Wasser höher ist als bei allen anderen bekannten Stoffen. Wegen dieser Wärmekapazität ist Wasser auch so ein beliebtes Kühlmedium z.B. in Verbrennungsmotoren.
(Wobei ich bei der Dichteanomalie nicht die Hand dafür ins Feuer legen würde, dass es nicht noch andere Substanzen gibt, bei der eine Dichteanomalie auftreten kann)

Wasser mit Glycerin versetzt wurde und dann Tropfen reinfallen
gelassen werden. Durch das Glycerin bleibt das Tropfmuster
erhalten, das man dann untersuchen kann. Bei unverschmutzten
Wasser entstehen feinste Verästelungen, bei verschmutztem
Wasser nur konzentrische Kreise. etc. etc.

Hmm, das kann ich mir jetzt irgendwie gar nicht vorstellen. Weder wie der Versuch durchzuführen ist, noch was man da genau sehen kann, geschweige denn, warum das so ist.
Hast du vielleicht noch im Kopf ob der Versuch einen bestimmten Namen hatte, oder wo mann eventuell was darüber nachlesen kann?

Gruß

Stefan

Hi Stefan,

ich werde mal sehen, ob ich den VDO in meinem Wust zu hause finde und gucke nochmal rein. Dann kann ich Dir mehr sagen.

Liebe Grüße
Burkhard

Hab’s gefunden!
Hallo Stefan,

ich habe gestern abend nochmal schnell den VDO eingeschmissen und gesucht. Leider
ist das bestellte Band vom ZDF etwas reduzierter als die SEndung selbst war. Aus
welchem Grund auch immer… Auf alle Fälle war das mit der inneren Energie des
Wassers (schlängeln beim Glasscheiben runterlaufen) im gekauften Film nicht drin.
Auch die Glycerin-Wasser-Tropfen-Geschichte fand sich nicht. Schade!

Aber es gab andere Versuche und ich weiß, dass die vom selben Institut
vorgenommen wurden: Institut für Statik und Dynamik der Luft- und
Raumfahrtkonstruktionen, Stuttgart. Interviewt wurde ein Prof. Bernd Kröplin.
Gezeigt wurden Versuche mit eingetrockneten Wassertropfen, die eine je eigene
Struktur aufweisen. Interessanterweise scheint diese Struktur unterschiedlich
zwischen verschiedenen Personen zu sein. Es wurde das selbe Wasser von zwei
unterschiedlichen Personen auf Glasträger aufgetropft und die Tropfen trockneten
mit verschiedenen Strukturen ein. Das gleiche passierte mit Speicheltropfen ein
und derselben Person. Die Struktur zeigte sich verändert, nachdem die Person mit
einem Handy telefoniert hatte.

Erklärt wurde dies damit, dass die Menschen aus 70% Wasser bestehen und das
Wasser quasi kommuniziert.

Zu den besonderen Eigenschaften von Wasser gehörte im übrigen, dass es mehr
Mineralien lösen kann als irgendeine andere Substanz und dass es länger im
flüssigen Aggregatzustand verbleibt als anderes.

Liebe Grüße
Burkhard