Hallo Martin,
danke Dir für die Erhellung, und bevors gleich wieder duster
wird, noch ergänzende weitere Fragen zu der Thematik:
- Meines Wissens war der ab Herbst 1938 vorgeschriebene
Zusatzvorname für Frauen nicht Sarah, sondern Sara: Ein Name,
der in dieser Schreibweise in D sicherlich sonst nicht vorkam.
In der Schreibweise Sarah dürfte er, wie andere alten Namen
(Deborah, Rahel, Esther, Judith …), mindestens in radikal
protestantischen Kreisen einige Verbreitung gehabt haben. Da
Du die Quellen kennst - kannst Du die eine oder die andere
Schreibweise bestätigen?
Die Schreibweise, die von den Nazis für den Zweitnamen geboten war und wie sie auch aus den Deportationslisten erkennbar ist, war „Sara“
- Ferner waren, meine ich, die zusätzlichen Vornamen formal
bloß für Juden gem. NS-Definition vorgeschrieben, die nicht
bereits einen Vornamen aus einer Liste angeblich jüdischer
Vornamen trugen, und neu geborenen Kindern durften ab 1938
ausschließlich Vornamen aus dieser Liste gegeben werden.
So ist es!
Diese
Liste ist mir nicht bekannt, aber vom Hörensagen
(Reli-Unterricht vor vielen Jahren) glaube ich zu wissen, dass
sie viele Namen nicht enthielt, die auch bei Christen
verbreitet waren, aber als typisch jüdisch galten, wie David,
Jakob, Isaak, Samuel etc. -
für David kann ich zustimmen, bei Isaak, Samuel, Jakob weiß ich es nicht, aber da sind andere jüdische Schreibvarianten üblich:
Jakov, Jizchak, Schmuel - die waren als jüdisch auf der Liste.
„Ruth“ war übrigens auch nicht auf der Liste, aber sehr wohl Namen, wie sie vorwiegend unter den eingewanderten Ostjuden noch üblich waren: Feigel, Bluma, Gittel etc.
:dafür eine große Zahl mehr oder
weniger lächerlich klingender Phantasieprodukte, die vorher
niemandem gegeben wurden. Kannst Du genaueres zu dieser
Namensliste sagen?
Nur, daß ich vor vielen Jahren eine solche gesehen habe. Ich weiß nicht, ob es nun wirklich Fantasienamen waren oder solche, die Dir möglicherweise wegen des ostjüdischen/jiddischen Hintergrunds so vorkamen.
Ich kannte die Namen alle - mir kam da keiner als Phantasieprodukt vor.
Das ist jetzt vielleicht Rosinenpickerei - es ist mir bloß hie
und da aufgefallen, dass heutige Chronisten in diesem
Zusammenhang ganz arglos von „jüdischen Vornamen“ schreiben
Mit den jüdischen Vornamen / Nachnamen ist das so eine Sache. Die meisten deutschen Juden waren assimiliert und hatten entsprechende Namen: Gerhard, Albert etc.
Bei der älteren Generation kann ich ganz eindeutig feststellen, daß da klare Konnotationen da sind. Als eine Bekannte in den späten 70iger Jahren ihr Kind „Elias“ nannte, war die katholische Großtante völlig entsetzt:
„Wenn wieder eine Judenverfolgung ist, dann ist er mit dran. So einen Namen kann man doch einem Kind nicht antun“.
Bei manchen Nachnamen sieht man an der Schreibweise - oder besser gesagt ältere Leute sehen es - dass ein jüdischer Familienhintergrund da ist, z.B.
Groß (nichtjüdisch) und Gross (jüdisch)
Bei meinem Nachnamen ist es ähnlich. Der Standesbeamte, der meine Geburtsurkunde erstellt, hat meinen Nachnamen eigenmächtig in die nichtjüdische Schreibweise umgeändert.
obwohl es - wenn meine vage Erinnerung stimmt - sich dabei
eher um zynische Erfindungen handelte: Wenn dies so ist, dann
würden damit einmal mehr ohne bösen Willen, aber unverändert
wirkungsvoll, Elemente aus der NS-Propaganda weiterleben.
Wie gesagt, das müßte man an konkreten Beispielen anschauen.
Viele Grüße
Iris