Am Mittwoch abend lief bei RTL der Film „Schrei - Denn ich werde dich töten!“.
Gegen Ende wurden die Morde so absurd, nach dem Motto „so, und der stich jetzt noch den ab, und dann erschießt der den noch“, also total verworren. Da konnte man sich das Lachen nicht verkneifen, weil es halt total weit hergeholt war.
Meine Frage: Sollte ich mir ernsthafte Gedanken machen, weil ich bei diesen Morden das eine oder andere Mal gelacht habe? Nicht weil ich mich darüber gefreut habe, daß jemand umgebracht wurde, sondern weil es einfach unrealistisch war.
Nö.
Ich nehme an, Du hast über einen wirklich schlechten Film gelacht, nicht über die Tatsache, daß Menschen getötet werden.
Bei einem wirklich schlechten Film ist es auch wesentlich bewußter, daß diese Menschen nicht wirklich sterben, sondern daß dies eben nur ein (schlechter) Film ist - bei einem guten Film vergißt man dies leicht.
Und die Tatsache, daß Du Dich fragst, ob Dein Lachen bedenklich ist, zeigt, daß Du genau das, was Du befürchtest zu sein, eben nicht bist. Denn sonst wäre diese Frage gar nicht bei Dir aufgetaucht.
Bei „Angriff der Killertomaten“ sterben auch viele Menschen, und trotzdem lacht man drüber…
also, hab’ Spaß und sei getrost!
Nun- Fernsehfilme oder Kino sind nun mal nicht real, auch wenn sie manchmal versuchen, der Wahrheit möglichst nah zu kommen. Genauso wie Märchen versuchen Sie eine Geschichte zu erzählen, um den Zuhörer oder -seher zu fesseln oder eine Botschaft zu übermitteln. Und wenn Sie so schlecht gemacht sind, daß es zum Steinerweichen ist, meine ich, es gibt nichts lustigeres als wenn ein Pappmache-Godzilla Tokio platttrampelt.
Mein Rat also: Lach ungehemmt weiter, sonst kannst Du nicht mehr traurig sein, wenn es Du es sein solltest.
Und ein Tip: Wenn Du Dich wiedereinmal fragst, ob Du Dich an den ‚richtigen‘ Dingen erfreust; schließ einfach die Augen, nimm Dir vor, an etwas Schönes zu denken und wenn Du dann Deine/n Liebste/n siehst oder eine knuddelige Schäfchenwolke am blauen Himmel, vielleicht auch eine Blume - und wenn es auch eine auf einem (nicht einer! *g*) kühlen Blonden ist. Dann ist alles in Ordnung…
ich kenne diese Art von Lachen, die Du da beschreibst - allerdings auch aus richtig ernsten Situationen heraus.
Mein erstes Erlebnis in der Richtung war als ich mit der zehnten Klasse einen Schulausflug in das KZ Buchenwald machte. Ein schauerlicher Ort, bei schauerlichem Wetter und ein tief traurig machendes Erlebnis. Sobald der Bus das Gelände verlassen hatte und wir wieder Richtung Weimar fuhren, fingen meine Mitschüler hinten im Bus an, Faschingslieder zu singen - und es war nicht mal Fasching. Das war schon irgendwie absurd.
Dann habe ich schon öfters gehört und erlebt, daß Menschen beim Tod von nahestehenden Personen in Gelächter ausbrechen.
Neulich hat eine Freundin von mir ihren Fötus verloren. Sie erzählte es einer anderen Freundin und diese konnte sich vor Lachen nicht halten.
Ich denke, manchmal ist man nicht in der Lage, etwas sofort zu verarbeiten oder anzunehmen und ist einfach mit einer Situation überfordert. Das Lachen hilft vielleicht dabei, eine schlimme Situation meistern zu können - die schlimme Sache einfach nicht bis ins Gehirn vordrigen zu lassen.
Dir will ich nicht unterstellen, daß du aus diesem Grund bei dem Film gelacht hast, aber achte mal drauf, wenn Du im Kino bist. Da wird ganz häufig an Stellen gelacht, an denen mir einfach nur elend zumute ist. Da fällt mir sogar eine Szene aus Titanic ein. Das Schiff geht unter und hunderte von Menschen treiben noch im Wasser. Einer von denen hat eine Trillerpfeife und pfeift damit. Die Leute im Kino haben darüber gelacht - an einer Stelle wo einem eigentlich das Blut gefrieren müßte.
Ich finde das nicht bedenklich, ich denke das ist normal.
Das Syndrom des Lachens, wenn etwas zu schlimm ist, um zu weinen, ist in der Psychologie bekannt. So wird eben auf Beerdigungs-Kaffeekränzchen viel gelacht.
Wenn das auch wohl nicht der Grund ist, aus dem über den Film gelacht wurde, so denke ich, daß diese Art von Lachen ebenfalls nicht bedenklich ist, sondern ein Schutzmechanismus der Seele. Lachen kann, ebenso wie Weinen, Gefrorenes auftauen und sehr befreiend sein. Und somit ist es völlig ok.
Hi,
Sich Gedanken machen, ist keine Frage, die jemand erlauben oder verbieten kann: Vor der Frz. Revolution hat das einmal einer versucht. Oder andere Diktatoren auch. Geht nicht.
Zu der konkreten Frage: Dieses Lachen hat wohl der Spannungsabfuhr gedient.
Ich habe mich mit Lachen/Weinen lang befaßt und auch dazu geschrieben, weiteres gerne direkt oder aus dem wer-weiss-was-Archiv, doe Frage wurde heuer ähnlich schon gestellt.
v.e.
Ich hab den Film jetzt auch gesehen,
weil ich mir dachte, „das muß ich mir doch auch mal anschauen“… selten so was lächerliches gesehen - und im fernsehen kommt viel lächerliches… angriff der killertomaten ist hohe kunst dagegen. und du bist völlig normal.
nike
Ich dnke nicht, dass Du Dir ernsthafte Gedanken darüber machen sollst, ehr im Gegenteil, Du solltest froh darüber sein, dass Du zu denjenigen gehört, der zu allem was im Fernsehen läuft ja und amen sagt.
-C. Lennartz
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ich kann nicht exakt sagen, wie ich Deine Frage zu deuten habe. Zunächst bin ich natürlich schockiert, daß Du den Film überhaupt länger als fünf, maximal zehn Minuten ertragen konntest. Aber dann wirklich zu fragen, ob es schlimm war, über die Filmmorde zu lachen, ist hart. Es kommt natürlich darauf an, in welchem Unterton Dein Lachanfall stattfand. Wenn Du Dir der mangelnden Realität bewußt warst, dann kannst Du auch getrost über die stümperhafte Arbeit und die Frechheit der RTL-Programmmacher, so einen Mist dem Publikum vorzusetzen, lachen. Wenn Du allerdings Gefallen an der Mordserie gefunden hast und über den rein technischen Vorgang des Abmetzelns lachen mußtest, dann bist Du einer von ca. 10% des Fernsehpublikums, der rein theoretisch gefährlich ist.
Was die Wirkung von Medien auf Deine Einstellung zu bestimmten Themen angeht, so kann ich Dir ein sehr gutes (wenn auch nicht unstrittiges) Buch von Neil Postman empfehlen :„Wir amüsieren uns zu Tode- Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie“.
Guck bessere Sendungen!
mit fundamentalistischen Grüßen
Thomas