Vielleicht nur eine Fehleinschätzung
Hallo Ralf,
häufig ist es einfach nur Ignoranz oder Fehleinschätzung.
Ich habe folgende Erfahrungen gemacht. Wenn ein Techniker den Zeitaufwand für eine Tätigkeit einschätzen soll, die er nicht regelmäßig macht, liegt er sehr häufig um 33 bis 50% zu niedrig, d.h. anstatt einer Stunde braucht er 1,5 oder 2 Stunden.
Wenn ein Vorgesetzter den Aufwand einer Tätigkeit abschätzen soll, kommen heftigere Fehleinschätzungen zu Stande ein Faktor 10 oder 20 ist da locker drin. Und fast immer wird der Zeitaufwand geringer eingeschätzt. Woran liegt das?
Ich schätze folgende Gründe spielen eine Rolle. Zunächst einmal messen die wenigsten Leute ihren zeitlichen Aufwand. Im Kopf bleiben dann nur die Kernt.ätigkeiten hängen. Die Rüstzeiten, das Besorgen von Informationen, Material und Werkzeug, Vorarbeiten, Nacharbeiten, Dokumentation, mögliche Schwierigkeiten werden bei der Abschätzung vergessen.
Der Vorgesetzte ist nun von der Arbeitsprozedur noch weiter entfernt. Schlimm wird es, wenn er glaubt die Tätigkeiten zu kennen, weil er vor 10 Jahren was Ähnliches gemacht hat.
Falls man in Argumentationsnot kommt, weil man dafür angegangen wird, eine bestimmte Aufgabe zu langsam gemacht wurde, sollte man Zahlen liefern können, z.B. die Sortierung eines Regals dauert im Schnitt 3,5 Stunden. Falls etwas anderes behauptet wird, kann man nachfragen, ob es andere Messungen gibt oder nur ein Bauchgefühl.
Das der Druck erhöht hat meistens nichts mit dem Arbeitnehmer persönlich zu tun, sondern mit dem Druck der von oben auf dem Chef ausgeübt wird. Ein Schlaumeier hat im Inlandspolitikforum von der jährlicher Produktivitätssteigerung von 5% geschwafelt. Wie erhöht man aber beispielsweise die Produktivität einer Verwaltung?
Man schaut zu, dass die Leute irgendwie mehr Arbeit leisten. (Ob es wirklich produktive Arbeit ist, sei dahin gestellt.) Ein wirksames und altbekanntes Verfahren ist es die Leute unter Zeitdruck zu stellen, bis es nicht mehr geht.
Gruß
Carlos