Hallo,
nochmal aus der Sicht eines ehemaligen Insiders (habe meinen Zivildienst in einem Wohnheim für geistig Behinderte geleistet, damals noch die vollen 21 Monate).
Ja, das Jammern war immer groß, wenn es mal wieder an die Sparkonten gehen sollte, und es setzte dann regelmäßig ein Weihnachtsfieber ein, vergelichbar zu öffentlichen Haushalten, die noch schnell ihre Etats verschleuderten, nur um nicht im nächsten Jahr heruntergestuft zu werden. Natürlich hatte ich einerseits immer Verständnis für die Betroffenen, die ja nicht „auf eigenen Wunsch“ behindert waren und eben nur einen WfB-Job gegen Taschengeld machen konnten, und gerne mehr verdient hätten. Aber auf der anderen Seite muss man sich eben auch die Kosten ansehen, die von der Gemeinschaft (also von uns allen) für eine anständige Unterbringung, Betreuung und Pflege aufgebracht werden. Da sind Heimkosten von teilweise einigen TEUR pro Monat. Damit sind die Versorgung mit Essen und Trinken, Wohnung, Wäsche, Pflege und Betreuung abgedeckt. Dazu kommen dann die üblichen vom Sozialleistungsträger angebotenen „Extras“ wie z.B. ein Bekleidungsgeld. Das waren damals AFAIR schon DM 500,-- p.a., und ich gebe selbst heute als nicht ganz schlecht gestellter Akademiker bei Einrechnung der gestiegenen Lebenshaltungskosten wohl kaum mehr aus.
Die Arbeit in den WfBs ist üblicherweise kaum kostendeckend, d.h. selbst das hierüber finanzierte Taschengeld ist eigentlich nur deshalb drin, weil die sonstigen Kosten der Einrichtungen nicht aus dem Erlös der Waren und Dienstleistungen, sondern über Zuschüsse bestritten werden.
Natürlich wird dieses Taschengeld auch nach Möglichkeit gebraucht und umgesetzt. Selbstverständlich hatte jeder seine Stereoanlage und seinen Fernseher auf dem Zimmer, reichte das Geld für alle angebotenen Aktivitäten, die ja auch ganz wichtig sind, musste niemand darauf verzichten, sind mal etwas Geld für ein neues Möbelstück, ein besseren Kleidunsstück anzusparen, … Aber wenn darüber hinaus sich dann noch Geld angesammelt hat, hatte ich überhaupt kein Verständnis dafür, dass man dann von Seiten der Betreuer oft Zeter und Mordio schrie, wenn das Sozialamt hiervon wenigstens einen klitzekleinen Teil seiner Kosten wieder decken wollte, und es dann oft genug dazu kam, dass eine Stereoanlage schon wieder ersetzt, oder nur deshalb erweitert wurde.
Jeder, der sein Geld selbst verdient, weiß, wieviel Abgaben ihn drücken, und dass man eben nicht auf einen Schlag mal eben ein Bekleidungsgeld zusätzlich zur Hand hat, … Ich denke, es liegt im Interesse aller Steuerzahler, hier sehr genau zu sein, und nach großzügigem Geben auch hin und wieder mal wieder offensichtlich nicht unbedingt nötiges Geld wieder abzuschöpfen.
Gruß vom Wiz
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