Ist das schon Zwanghaft?

Hallo
Ich habe einen Bekannten, der hat „so seine Probleme“ damit irgendwo seine Daten „preiszugeben“. Das bedeutet, das er z.B. keine Updates seiner Programme macht oder des Betriebssystems aus Angst, es könnten „vertrauliche Daten über ihn“ gesendet werden (mittlerweile hat dies aber aufgehört, weil wir ihn davon überzeugen konnten, das sein System bedeutend gefährdeter sei, wenn er keine Updates macht).
Bei Online-Rollenspielen gibt er nur „Fantasy-Adressen“ ein, genau wie bei seinen Emails.
Auch ist er auch nirgends angemeldet im Netz. Also keine Foren, keine Shops, nichts.
Nun wollte wir alle zusammen via eines Online-Dienstes wie Steam und so Online spielen und Kommunizieren. Doch er „schafft“ es nicht, sich anzumelden. Seit 4 Wochen überlegt er hin und her, ob er sich dort anmelden sollte. Er war schon kurz davor sich anzumelden, hatte Email-Adresse eingegeben, hatte noch nicht bestätigt. Verließ dann plötzlich das Zimmer für einige Minuten, kam dann wieder, brach ab und fluchte nur rum, das man dieses Online-Gezocke ohnehin nicht bräuchte.
Früher hatte er sich ja noch bei Diablo 2 und danach bei World of Warcraft angemeldet. Wollte danach auch ein anderes Online-RPG anfangen, aber hat dies „wegen der Anmelderei“ nicht gemacht.
Mir kommt es daher fast so vor, als ob es bei ihm „schlimmer“ wird.

Ich habe ihn mal drauf angesprochen, das sich das bei ihm zu einer Zwangsneurose entwickelt, wenn er so eine Angst hat irgendwo seine persönlichen Daten anzugeben.
Er meinte aber nur, das wäre überhaupt nicht Zwanghaft, wenn man mal „ein bisschen auf seine Datensicherheit achten würde“. Man würde ja schließlich so schrecklich viel von Datenklau hören. Und dieses Payback und Deutschlandcard usw. wäre nur zur Überwachung gedacht.
(Natürlich wissen wir, das dies so ist, aber sicher nicht um zu wissen, das „Hans Meier“ mit 44 Jahren jede Woche eine Flasche Wein und eine Tüte Chips kauft"… sondern eben zu sttistischen Zwecke und natürlich der effektiveren Werbung und den Käufer zu binden).

Naja. Jedenfalls weiß ich jetzt nicht, ob man ihn „einfach machen lassen sollte“, oder ob man mal mit ihm reden sollte (bzw. wie genau, denn „normales zureden“ hat ja bisher nichts geholfen).

Vielleicht weiß ja jemand etwas ob man da irgendwie etwas herausfinden könnte…

Vielen Dank

Scylla und Charybdis oder wie die hießen
Hi
Sagen wir mal so: Ich überlege gerade, was ich pathologischer finde:
An allen möglichen PC- oder Internet-Spielen teilzunehmen oder diese besagte Daten-Phobie da zu entwickeln.
Lass mich noch eine Weile darüber nachsinnen…
Gruß,
Branden

Huhu!

Naja. Jedenfalls weiß ich jetzt nicht, ob man ihn „einfach
machen lassen sollte“, oder ob man mal mit ihm reden sollte
(bzw. wie genau, denn „normales zureden“ hat ja bisher nichts
geholfen).

Naja, hat er einen Leidensdruck? Also, schafft er es wegen seine „Anmeldephobie“ in irgendeiner Art und Weise nicht, am „normalen“ Leben teilzunehmen?
Also: Essen, Trinken, Schlafen, Arbeit/Studium/Schule, Behördenkrams, Sozialkontakte.

Sieht mir nämlich nicht so aus.

Ich persönlich kann verstehen, das er Probleme hat, sich irgendwo mit seinem echten Namen+Kontaktdaten anzumelden.

(Hey, Google weiss, was ich studiere, wo ich wohne, wie ich heiße, wo meine Freundin wohnt, und vermutlich wie sie heißt, wieviel Geld ich im Schnitt verdiene, und wie meine Hauptinteressen aussehen. Google weiss mehr über mich als die engsten meiner Freunde. Ich finde schon alleine das beunruhigend, auch „wenn Google mich nur besser mit Werbung bombardieren will“.)

Und ich sehe ja durchaus auch Möglichkeit, Onlinespiele in sozialem Rahmen zu spielen (indem man sich z.B. trifft, kocht, und dann gemeinsam spielt).
Aber es gibt ja durchaus auch noch andere Möglichkeiten des sozialen Umgangs.

Also, falls er tatsächlich Schwierigkeiten im RL hat, dann sollte er sich helfen lassen. Ansonsten ist es nicht verboten, freiwilliger Onlineeremit zu sein, und schon gar nicht pathologisch.

Viele Grüße!
Ph.

Es ging hier eigentlich weniger um die Sache, das wir einen „Online-Spielpartner“ finden, als mehr darum, ob man einfach machen lassen soll.
Einfach so treffen ist leider nicht mehr so ohne weiteres möglich, weil wir alle mittlerweile sehr weit auseinander wohnen.

Es geht hier ja nicht drum, das wir uns in seiner „Lebensweise einmischen“ sollten. Nur denke ich, das Freundschaft bedeutet sich auch mal mit Problemen zu beschäftigen. Kenne genug, denen es Scheiss egal ist, wie sich „ein Freund“ fühlt, oder was er gerade durchmacht. Am besten alles Totschweigen und gar nicht weiter beachten.
Probleme sind nur was für Daily-Soaps um die Zuschauerzahlen anzuheben. Im Realen Leben möchte man diese nicht haben. Also warum darauf eingehen.

Nun gut. Dann lassen wir ihn so wie er ist und wenn er dann in 10 Jahren vielleicht nicht mal mehr das Haus verlassen will, weil er Angst hat es könnte ihn jemand sehen, dann kann ich ihm ja sagen „Hab ich dir doch schon vor Zehn Jahren gesagt, dass das mal soweit kommt“…

Naja. War ja auch nur ne Frage

Bis denn

Es geht hier sicher nicht um „alle möglichen Internet-Sachen“… Ich selbst halte auch nix von Facebook und diesen ganzen „Social Networks“.
Es geht hier nur um EIN PAAR Sachen. Wie z.B. Steam, Skype, Teamspeak oder einfach mit einer Spielkonsole ins Netz zu gehen.

Von so Sachen wie Ebay oder so kann ich ja verstehen das er da die Finger von lässt. Würde ich auch niemanden zu raten, wenn er da bedenken hat.

Also nicht „überall anmelden und gut is“… Nur mal so als „Denkstütze“.

Wie ich auch schon dem andeen antworter geschrieben habe gehts mir nicht darum ihn zu irgendwas zu zwingen, sondern ob man hier schon mal „Beistand“ leisten sollte und das ganze „beobachten“, oder ob man es einfach sein lassen soll, weil Freunde einem generell egal sein sollten.

Hallo,
dass es zwanghaft ist, steht ja offenbar außer Frage, denn der
Leidensdruck ist da und der Kumpel kann eben nicht anders.

Ich würde aber auch sagen, dieses Verhalten zumindest
teilweise durchaus sinnvoll ist. Nur wenn es dazu führt, das
man aus Angst mehr Lebensqualität verliert, als durch die
Gefahren überhaupt zu befürchten sind, dann wird es problematisch.

Ich würde in Internetforen auch niemals meinen Namen und
Adresse sowie meine Haupt-Emailadresse benutzen.
Für Ebay und Internet wird also eine Wegwerfadresse benutzt
und anmelden nur dort sein, wo es unbedingt nötig ist.
Gruß Uwi

Ich habe einen Bekannten, der hat „so seine Probleme“ damit
irgendwo seine Daten „preiszugeben“. Das bedeutet, das er z.B.
keine Updates seiner Programme macht oder des Betriebssystems
aus Angst, es könnten „vertrauliche Daten über ihn“ gesendet
werden (mittlerweile hat dies aber aufgehört, weil wir ihn
davon überzeugen konnten, das sein System bedeutend
gefährdeter sei, wenn er keine Updates macht).
Bei Online-Rollenspielen gibt er nur „Fantasy-Adressen“ ein,
genau wie bei seinen Emails.
Auch ist er auch nirgends angemeldet im Netz. Also keine
Foren, keine Shops, nichts.
Nun wollte wir alle zusammen via eines Online-Dienstes wie
Steam und so Online spielen und Kommunizieren. Doch er
„schafft“ es nicht, sich anzumelden. Seit 4 Wochen überlegt er
hin und her, ob er sich dort anmelden sollte. Er war schon
kurz davor sich anzumelden, hatte Email-Adresse eingegeben,
hatte noch nicht bestätigt. Verließ dann plötzlich das Zimmer
für einige Minuten, kam dann wieder, brach ab und fluchte nur
rum, das man dieses Online-Gezocke ohnehin nicht bräuchte.
Früher hatte er sich ja noch bei Diablo 2 und danach bei World
of Warcraft angemeldet. Wollte danach auch ein anderes
Online-RPG anfangen, aber hat dies „wegen der Anmelderei“
nicht gemacht.
Mir kommt es daher fast so vor, als ob es bei ihm „schlimmer“
wird.

Ich habe ihn mal drauf angesprochen, das sich das bei ihm zu
einer Zwangsneurose entwickelt, wenn er so eine Angst hat
irgendwo seine persönlichen Daten anzugeben.
Er meinte aber nur, das wäre überhaupt nicht Zwanghaft, wenn
man mal „ein bisschen auf seine Datensicherheit achten würde“.
Man würde ja schließlich so schrecklich viel von Datenklau
hören. Und dieses Payback und Deutschlandcard usw. wäre nur
zur Überwachung gedacht.
(Natürlich wissen wir, das dies so ist, aber sicher nicht um
zu wissen, das „Hans Meier“ mit 44 Jahren jede Woche eine
Flasche Wein und eine Tüte Chips kauft"… sondern eben zu
sttistischen Zwecke und natürlich der effektiveren Werbung und
den Käufer zu binden).

Naja. Jedenfalls weiß ich jetzt nicht, ob man ihn „einfach
machen lassen sollte“, oder ob man mal mit ihm reden sollte
(bzw. wie genau, denn „normales zureden“ hat ja bisher nichts
geholfen).

Vielleicht weiß ja jemand etwas ob man da irgendwie etwas
herausfinden könnte…

Vielen Dank

Hi

oder ob man es einfach sein lassen soll, weil
Freunde einem generell egal sein sollten.

Ersten Satzteil würde ich bejahen, zweiten Satzteil verneinen.
Solche (Satzteil-)Kombinationen würde ich pesrönlich auch vermeiden, weil sie zu offensichtlich unsachlich sind.

Huhu!

Nun gut. Dann lassen wir ihn so wie er ist und wenn er dann in
10 Jahren vielleicht nicht mal mehr das Haus verlassen will,
weil er Angst hat es könnte ihn jemand sehen, dann kann ich
ihm ja sagen „Hab ich dir doch schon vor Zehn Jahren gesagt,
dass das mal soweit kommt“…

Das klingt sehr verbittert.
Falls meine Antwort nach diesem Tenor klang, tut mir das leid.
Ich wollte nur davor warnen, mehr oder weniger harmlose Symptome zu pathologisieren.

Klar, man sollte seinen Freunden helfen. Dafür sind Freunde da.
(Naja, nicht nur dafür.)

Ich erkenne aus deiner Schilderung eine Tendenz zur Online-Paraonia. Allerdings ist ein wichtiges Kriterium (evtl. sogar das wichtigste Kriterium) für eine ernsthafte Störung, das ein Leidensdruck besteht - der Betroffene ist nicht mehr dazu in der Lage, sein Leben vernünftig zu führen.
Danach las sich dein Bericht nicht. Es kann sein, das ich ihn da zu konservativ lese.

Im deinem ersten Posting schreibst du:

Naja. Jedenfalls weiß ich jetzt nicht, ob man ihn „einfach machen lassen
sollte“, oder ob man mal mit ihm reden sollte (bzw. wie genau, denn „normales
zureden“ hat ja bisher nichts geholfen).

Das Problem ist, das es keinen „magischen“ Weg gibt, jemandem zu vermitteln, das er ein (psychisches) Problem hat, und er sich besser Hilfe suchen sollte.
Du (bzw. der Freundeskreis) sind diejenigen, die ihn am besten kennen.
Und diejenigen, die ihm am besten sagen können, das er da auf dem falschen Weg ist. Mehr als ihm das zu sagen, ist nicht möglich. Ihr könnt ihn nicht zu einem
Arzt schleppen, wenn er sich selbst und andere nicht massiv gefährdet.

Das, was man wirklich tun kann, und m.E. ein echter Freundesdienst ist ihm vorbehaltlos zu helfen, wenn er um Hilfe bittet.

Probleme sind nur was für Daily-Soaps um die Zuschauerzahlen
anzuheben. Im Realen Leben möchte man diese nicht haben. Also
warum darauf eingehen.

Naja, ich habe Freunde, die an Bulemie gelitten habe, andere, die depressiv sind/waren, oder an wirklich bedrohlicher Prüfungsangst gelitten haben.
Und ich habe selber lange an Depressionen gelitten.

Dabei haben wir uns gegenseitig unterstützt. Wir haben geredet, uns in den Arm genommen, gestritten, einander um Hilfe gebeten.
Sind Eis essen und ins Kino gegangen.
Und auch mal über ganz, ganz andere Sachen geredet.
Vor allem haben wir uns gegenseitig ernst genommen und waren füreinander da.
Wie Freunde halt.

(Und, ja, ich habe wirklich viel Glück mit meinem Freundeskreis.)

Aber wir haben uns nicht gegenseitig an den Kopf geschmissen „Ey, du hast einen anner Klatsche. Geh zum Physichater, damit der dich wieder hinbiegt.“

Viele Grüße!
Ph.

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