Ist der Aschermittwoch 'systemwidrig'

Hallo zusammen!

Gestern abend gab es im Freundeskreis eine Diskussion darüber, welchen Sinn eigentlich das Aschenkreuz macht.

Klar, mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. So weit so gut. Als Erinnerung an die 40 Tage in der Wüste leuchtet Aschermittwoch schon ein.

Aber das Aschenkreuz soll doch an die Vergänglichkeit des Menschen erinnern. Ist das nicht irgendwie „systemwidrig“? Der christliche Glaube besteht doch nicht unwesentlich in dem Glauben an ein Leben nach dem Tod. Wieso dann diese starke Betonung des Todes und der Vergänglichkeit am Aschermittwoch?

Viele Grüße

Christoph

Hallo Christoph,

viell. sollte man erst einmal mit Karneval anfangen - es dient zur Geister - und Dämonenaustreibung u ist heidnischen Ursprungs.

Hat also nichts mit dem Christentum zu tun - sondern eher die gegenteilige Absicht ist hier zu erkennen.

LG

Andrea

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Hallo Andrea!

Der Aschermittwoch ist aber trotz des vorhergehenden Karnevals ein christlicher Feiertag. Eher ist der Karneval eine Reaktion auf Aschermittwoch als umgekehrt. Einen Feiertag zum Beginn der Fastenzeit würde es wohl auch geben, wenn es keinen Karneval gäbe.

Karneval ist aus dem lateinischen abgeleitet und bedeutet „Fleisch ade“.

Viele Grüße

Christoph

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Herkunft Karneval
Hallo Christoph,

ich hab das dazu gefunden:

Eine andere Bedeutung des Namens „Karneval“

Es ist interessant, festzustellen, daß in einigen Nachschlagewerken das Wort „Karneval“ noch anders abgeleitet wird. So wird in dem Werk Standard Dictionary of Folklore, Mythology and Legend von Funk & Wagnalls gesagt: „Karneval soll von . . . carrus navalis hergeleitet sein, Wagen des Meeres, einem schifförmigen Fahrzeug auf Rädern, das man bei den Umzügen zu Ehren des Dionysos (später bei anderen Festzügen) verwendete und von dem aus alle möglichen Spottlieder gesungen wurden.“

Kann es sein, daß die Ableitung des Wortes „Karneval“ von carrus navalis richtiger ist? Karl Rademacher kam zu dem Schluß, daß diese Ableitung sehr viel für sich habe, wenn man daran denke, daß die Feste vieler Völker des Altertums durch Schiffswagen, Gemeinschaftstänze und Maskentreiben gekennzeichnet gewesen seien.

Wurzelt im Heidentum

Aber ganz gleich, von welchen Wörtern der Name „Karneval“ abgeleitet ist, so lassen die Zeugnisse doch klar erkennen, daß dieses Fest vor der österlichen Fastenzeit heidnischen Ursprungs ist. In dem Werk Encyclopædia of Religion and Ethics, herausgegeben von James Hastings, wird gesagt:

„Die athenischen Umzüge mit dem Schiffswagen wurden zu Ehren des Gottes Dionysos veranstaltet. Der Verehrung des Dionysos dienten bei den Römern die Bacchanalien, die Saturnalien und die Luperkalien — Feste, die in der späteren Römerzeit durch übermütige Neckereien und zügellose Freiheit gekennzeichnet waren; während dieser Feste war die bürgerliche Ordnung vorübergehend aufgehoben. Dieser allgemeine Geist sowie gewisse Merkmale wurden besonders auf den Karneval übertragen, und das erklärt, warum dieses Fest in Gegenden, in denen die römische Kultur vorherrschte, seinen besonderen Charakter erhalten hat“ (Bd. 3, S. 226).

Auch in der elften Ausgabe des Werkes The Encyclopædia Britannica wird erwähnt, daß der Karneval, so wie er in katholischen Ländern gefeiert wird, in alten heidnischen Festen wurzelt. In diesem Werk wird auch erklärt, wie die Päpste diesem Fest gegenüber eingestellt waren. Wir lesen:

„Früher begann der Karneval am letzten Tag der Zwölf Nächte (6. Januar) und endete um Mitternacht am Fastnachtsdienstag. Es kann kaum bezweifelt werden, daß diese Zeit der Zügellosigkeit das Ergebnis von Zugeständnissen ist, wie sie die Kirche häufig in Verbindung mit heidnischen Festen gemacht hat. Tatsächlich hängt der Karneval mit den römischen Saturnalien zusammen. Rom ist immer die Hauptstütze des Karnevals gewesen, wohl bemühten sich einige Päpste — so Klemens IX. und XI. sowie Benedikt XIII. —, die bacchantischen Lustbarkeiten einzudämmen, aber viele Päpste begünstigten und befürworteten auch die Beibehaltung des Karnevals“ (Bd. 5, S. 366).

Vielleicht fragst du nun: „Warum haben religiöse Führer, die sich als Christen ausgegeben haben, ein Fest, das im Heidentum wurzelt, geduldet und sogar gefördert?“

Das geschah, weil das Volk mit allen Fasern seines Herzens an diesen heidnischen Festen hing. Sie waren so populär, daß die Menschen nicht bereit waren, darauf zu verzichten. Die Kirche machte daher einen Kompromiß, indem sie dem Volk erlaubte, diese Feste beizubehalten, ihnen aber eine andere Bedeutung gab, indem sie sie mit den Lehren der Kirche in Verbindung brachte, zum Beispiel mit der vierzigtägigen Fastenzeit. In dem Werk Encyclopædia of Religion and Ethics von James Hastings wird erklärt:

„Die Kirche vermochte Feste, die das Volk schon lange gefeiert hatte, nicht zu verbannen, daher war sie bestrebt, sie zu verändern und ihnen eine christliche Bedeutung zu geben — das trifft in großem Maße auf das Fastnachtsbrauchtum zu.“

Hallo auch,

Hallo zusammen!

Gestern abend gab es im Freundeskreis eine Diskussion darüber,
welchen Sinn eigentlich das Aschenkreuz macht.

Klar, mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. So weit
so gut. Als Erinnerung an die 40 Tage in der Wüste leuchtet
Aschermittwoch schon ein.

Aber das Aschenkreuz soll doch an die Vergänglichkeit des
Menschen erinnern. Ist das nicht irgendwie „systemwidrig“? Der
christliche Glaube besteht doch nicht unwesentlich in dem
Glauben an ein Leben nach dem Tod. Wieso dann diese starke
Betonung des Todes und der Vergänglichkeit am Aschermittwoch?

Mit dem Aschekreuz wird natürlich die Vergänglichkeit des Leibes symbolisiert, wie eigentlich die Vergänglichkeit allen Irdischens. Deutlich wird dies auch im Spruch, den der Priester beim Aufbringen des Aschekreuzes spricht:
„Gedenke Mensch, dass du aus Staub bist, und zum Staub wirst du zurückkehren“,

siehe auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Aschermittwoch

Gerhard

Hallo Andrea

Die Volksetymologie meint:
„Carne vale“ = Fleisch, lebe wohl. Wohl im Hinblick auf die beginnende Fastenzeit.

Gruss
Mäni

Hallo auch,

Hallo zusammen!

Gestern abend gab es im Freundeskreis eine Diskussion darüber,
welchen Sinn eigentlich das Aschenkreuz macht.

Das Aschenkreuz ist deshalb oft schwer verständlich, weil es ein „Zwitter“ ist: die Asche symbolisiert die Vergänglichkeit alles Irdischen, das Kreuz die Hoffnung, die über all dasa hinausgeht.

Hallo Andrea!

Auch wenn mir Bernd schon beigepflichtet hat, möchte ich doch gerne zugeben, dass mir auch die von dir genannte Interpretation bekannt ist. Ich habe nur die mehr oder weniger offizielle Sicht der Kirche auf den Karneval wiedergegeben.

@ Gerd: Genau nach dem Zitat habe ich gesucht. Ich wusste nicht mehr genau, was der Priester beim Auftragen des Aschenkreuzes sagt. Aber genau das ist es eigentlich, was mich nachfragen lässt, wie gut der Aschermittwoch ins Christentum passt.

Interessant zu lesen übrigens, dass das noch mehrere Leser so empfinden.

Oder kann es sein, dass auch der Aschermittwoch an ursprünglich heidnische Rituale angelehnt ist, die die von Andrea genannten Festlichkeiten in der Antike beendeten?

Viele fragende Grüße

Christoph

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