Liebe Historiker/innen
Ich glaubte, der Kolonialismus sei beendet, stosse aber immer wieder
auf Überbleibsel oder neue kolonialistische Landnahmen. Insbesondere
scheinen die folgenden Länder noch Kolonien zu halten:
- das Vereinigte Königreich
- Frankreich
- die Niederlande
- Spanien
„… Dies gilt z.B. für Neukaledonien, West-Papua, Osterinsel,
Hawai’i und Französisch-Polynesien. (Lit.: Gonschor, S.3) Im Falle
der Westsahara fand zwar eine Beendigung des Status als Kolonie durch
den Rückzug Spaniens statt, bevor die Bevölkerung jedoch das Recht
auf Selbstbestimmung wahrnehmen konnte, besetzte Marokko das
Land. …“
http://de.wikipedia.org/wiki/Kolonie
Über Kolonien scheinen auch die USA zu verfügen.
Mit Gruss & Dank
Rolf
IMHO Nein
Über Kolonien scheinen auch die USA zu verfügen.
Irak, Kuweit, Afghanistan, Ägypten (pro-westliche(s) Minderheiten-Regi…), Korea (40 % der Industrie in US-Besitz) …
Halt nicht juristisch, aber finanziell oder politisch stark vom Weißen Haus abhängig. Fällt halt nicht so auf wie bei anderen Ländern.
Gruß
Stefan
Hallo,
sicher gibt es noch eoin paar Reste alter Kolonialherrlichkeit - aber die werden meist nicht mehr so genannt. Frankreich z.B. spricht von Überseegebieten - und die sind auch kaum als Kolonien im alkten Stil anzusprechen, es gobt auch dort Wahlen, die Gebiete entsenden auch Abgeordnete ins Parlament. Zudem legen viel dieser Gebiete gar keinen Wert auf Souveränität bzw. Angliederung irgendwohin - die Einwohner von Gibraltar wollen meherheitlich keine Spanier werden und die der Falklandinseln auch keine Argentinier.
Schwieriger ist etwas anders - der Neokolonialismus mit der faktischen Abhängigkeit von anderen Ländern - meist ökonomisch. Da liegt noch manches im Argen. Man denke nur an die Erdölförderung in Nigeria, die ja gänzlich in westlicher Hand ist, während das Land an sich im Bürgerkrieg versinkt. Und Beispiele für solche öknomische Ausbeutung gibt es viele.
Zudem hat der Westen im Allgemeinen und haben die USA im besonderen ein gewisses Sendungsbewußtsein, der Welt ihre Überzeugung aufdrücken zu wollen. Allerdings geht das zunehmend schief und wird auch im Irak und in Afghanistan fürchterlich im Desaster enden - diese Regionen lassen sich einfach nicht mehr alles vorschreiben und entwickeln zunehmend auch Solidarität untereinander.
Gernot Geyer
Hallo!
Über Kolonien scheinen auch die USA zu verfügen.
Irak, Kuweit, Afghanistan, Ägypten (pro-westliche(s)
Minderheiten-Regi…), Korea (40 % der Industrie in US-Besitz)
…
Ich glaube, Rolf meinte damit eher Puerto Rico oder Amerikanisch-Samoa.
Im dtv-Lexikon (ja, es gibt nicht nur wikipedia…) lese ich:
" Kolonie [von lat. colonus = ‚Bauer‘] Ausbreitungsfeld eines Volkes in fremden Gebieten[…]"
Da die USA die von Dir genannten Staaten ganz bestimmt nicht als potenzielles Siedlungsgebiet betrachten, kann man meiner Meinung nach den Begriff „Kolonialismus“ hier auch nicht anwenden. Freilich kann man sich trefflich darüber streiten, ob man das Verhalten der USA als „Imperialismus“ oder „Hegemonie-Streben“ bezeichnet, aber Kolonialismus im eigentlichen Sinne des Wortes ist es nicht.
@Rolf: Ja, es gibt noch Überseegebiete, die aus der Kolonialzeit stammen. Weiter oben wurde schon gesagt, dass diese häufig weitgehende Autonomierechte erhalten haben, oder sogar Teil des Staatsgebiets wurden. (Ein Brief in Deinen Nachbarort kostet gleich viel wie nach Martinique, denn Martinique ist französisches Hoheheitsgebiet und Frankreich gehört zur EU).
Wenn man so will, ist Grönland eine dänische Kolonie (und damit die flächenmäßig größte Kolonie der Erde).
Interessant finde ich (vielleicht kennt sich ja jemand aus): Worin besteht der völkerrechtliche Unterschied zwischen einer Annexion und dem Erwerb einer Kolonie? Warum konnten sich die USA so ungehemmt nach Westen und Russland so ungehemmt nach Osten ausdehnen und man betrachtet die erworbenen Gebiete zweifelsfrei als Teil der jeweiligen Staaten, während z. B. Indien nie zum englischen Mutterland gerechnet wurde? Wie verhält es sich eigentlich mit Tibet? Könnte man das als chinesische Kolonie bezeichnen - auch wenn „man“ das aus Gründen der Oportunität nicht will.
Michael
Hallo,
und genau diese Definition ist das Problem.
Die mag bei den alten Römern gestimmt haben - da war eine Kolonie wirklich eine Ansiedlung römischer Bürger in einem eroberten Gebiet.
Aber danach haut das nicht mehr hin - keine Kolonialmacht hat ernstlich versucht, ihre Kolonien in Afrika oder Indien dauerhaft in Größenordnungen mit Einwanderern zu besiedeln. Und auch die heutigen Bewohner Grönlands sind in der Mehrheit Ureinwohner und keine eingewanderten Dänen.
Irgendwie muß es da eine Bedeutungsverschiebeung gegeben haben, die Dein Lexikon nicht mitgemacht hat. Denn im gegenzug zählen ja gerade die durch Einwanderer besiedelten Länder NICHT als Kolonien, wie zum beispiel die ganzen russischen Eroberungen im Zuge der Ostexpansion, weil es dabei in Größernordnungen russische Ansiedlungen gab.
Tibet ist in dem Zusammenhang wohl ein Sonderfall - das erscheint eigentlich selbst in alten Karten entweder als Teil Chinas bzw. als von China abhängiges Gebiet. Und sicher ist auch da die genaue Siedlungsgrenze der Tibeter und Chinesen heute nur noch schwer zu bestimmen - mit Sicherheit entspricht sie nicht den administrativen Gebietsgrenzen.
Gernot Geyer
Hallo Gernot,
Aber danach haut das nicht mehr hin - keine Kolonialmacht hat
ernstlich versucht, ihre Kolonien in Afrika oder Indien
dauerhaft in Größenordnungen mit Einwanderern zu besiedeln.
Und auch die heutigen Bewohner Grönlands sind in der Mehrheit
Ureinwohner und keine eingewanderten Dänen.
Das kannst Du so nicht sagen: der Zeitraum zw. Erwerb und Unabhängigkeit war meistens nur zu kurz, so daß die Zahl der Einwanderer die der Einheimischen nicht überflügeln konnte. Bei Nordamerika und Australien hat es noch geklappt, aber dann gingen Europa (u.a. kriegsbedingt) die Auswanderer aus.
Gruß
Hallo,
Das kannst Du so nicht sagen: der Zeitraum zw. Erwerb und
Unabhängigkeit war meistens nur zu kurz, so daß die Zahl der
Einwanderer die der Einheimischen nicht überflügeln konnte.
Bei Nordamerika und Australien hat es noch geklappt, aber dann
gingen Europa (u.a. kriegsbedingt) die Auswanderer aus.
Nun ja, manche Kolonien in Afrika haben es aber auch locker auf ein paar Hundert Jahre gebrtacht - das war noch länger als Nordamerika.
Und trotzdem ist es da nicht zu Ansiedlungen im großen Stil gekommen, überwiegend waren da versetzungen auf Zeit üblich.
Das hing wohl immer sehr von den einzelnen Bedingungen ab, die da vorlagen. Fakt ist jedenfalls, daß in jedem Fall der Gedanke an eine wirtschaftliche Ausbeutung für die Eroberung ausschlaggebend war. Die erfolgte dann je nach Lage der Dinge entweder durch Einheimische oder Einwanderer. In Afrika war es ja oft der Handel mit den Eingeborenen, der den Profit brachte - da genügten dann ein paar Handelsstationen. In Amerika klappte es mit der Ausbeutung der Indianer nicht so recht - da mußten dann weiße Einwanderer und importierte Neger als Sklaven her. Australien war schlichtweg zu dünn besiedelt - das lief mit Eingeborenen nicht, also wurden da dann die Sträflinge entsorgt und angesiedelt (die wurde man auf diese Art auch gleich mit los).
Im übrigen reichte die Zahl der Siedler ja auch in Nordamerika nicht - jedenfalls nicht während der Kolonialzeit. Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeitskriege bestanden die USA ja nur aus einem recht schmalen Küstenstreifen. Die Masse des Hinterlandes wurde erst später besiedelt und das teilweise mit Einwanderern aus ganz Europa.
Viel anders sah es in Südamerika aber auch nicht aus - faktisch erschlossen waren die riesigen Gebiete des Hinterlandes in Venezuela, Brasilien usw. auch längst noch nicht zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit.
Gernot Geyer
Hallo!
Aber danach haut das nicht mehr hin - keine Kolonialmacht hat
ernstlich versucht, ihre Kolonien in Afrika oder Indien
dauerhaft in Größenordnungen mit Einwanderern zu besiedeln.
Vielleicht wollten die Kolonialmächte die erworbenen Gebiete nicht flächendeckend besiedeln, aber es war definitiv so gedacht, dass sich eine dominierende Oberschicht dort ansiedelt.
Mariental, Lüderitz, Wilhelmstal, Friedrichsfelde, Steinhausen, Hochfeld, Grasplatz, Warmbad, …
Das sind alles Ortschaften in Namibia, die bestimmt nicht von den Ureinwohnern so benannt wurden.
Michael
Betreiben IWF, WB und WTO ‚Neokolonialismus‘?
Hallo, Gernot
Danke. Du erwähnst richtigerweise den Neokolonialismus:
„… Der Begriff des „Neokolonialismus“ dient als Beschreibung für
die Bestrebungen von Regierungen und Unternehmen der reichen
Industrienationen - vor allem der USA und der EU - Kontrolle über die
Ressourcen, Finanz- und Warenmärkte ärmerer Länder zu sichern. Als
Werkzeuge dieses Systems dienen demnach beispielsweise Entscheidungen
über die Vergabe bzw. Nicht-Vergabe von Krediten, oder die Gewährung
von Schuldennachlässen. In der Kritik stehen dabei insbesondere der
Internationale Währungsfond (IWF), die Weltbank (WB) und die
Welthandelsorganisation (WTO). …“
http://de.wikipedia.org/wiki/Neokolonialismus
Betreiben IWF, WB und WTO ‚Neokolonialismus‘?
Gruss
Rolf
Betreiben IWF, WB und WTO ‚Neokolonialismus‘?
Sie unterstützen ihn, geben den Machern sozusagen Werkzeug in die Hände, aber Neokolonialismus wird von Wirtschaftsverbänden bzw. Regierungen im großen Stil geführt.
Solche staatenübergreifenden Institutionen, die nach außen hin völlig integer und „wohlstandsfördernd“ wirken, hätten selbst keine großen Vorteile von der Steuerung der Kreditvergabe und Schuldenerlassen, gäbe es nicht Geldgeber, die derlei Dinge diktieren. Man muss sich also fragen, wer von dieser Steuerung profitieren würde und warum. Ein Beispiel: China ist seit Jahren bekannt dafür, auf dem Weltmarkt im großen Stil Stahl und Aluminium aufzukaufen - ein an sich legitimes Vorhaben. Interessenverbände, wie die EU, sehen natürlich ihre Märkte gefährdet und wollen einschreiten, nur wie? Eine Möglichkeit: Sanktionen und Druck gegenüber China, von der Öffentlichkeit blöderweise nicht besonders positiv bewertet. Zweite Möglichkeit: Einflusssphären sichern, die die langfristige Zulieferung mit Metallen sichert. Egal wie man sich entscheidet, zu beiden Möglichkeiten sind IWF, WB und WTO bedeutend besser geeignet, als es Waffen oder eine Abstimmung im Kreisamt von Buxdehude wären. Es liefert jeder Schulatlas Auskunft über die Verteilung der Rohstoffe auf der Erde, von da an ist es nur noch ein kurzer gedanklicher Weg zur Bestimmung der „Lieblinge“ oben genannter Institutionen. Wer betreibt hier den Neokolonialismus? Diese Institutionen sind doch nur Instrumente, die den Geldgebern dankend jeden Wunsch von den Lippen ablesen. Polemisch, aber wahr.
alles nur meine Meinung
the_digger
Ich danke für eure Beiträge.
Ich danke für eure Beiträge. Von mir aus können wir die Diskussion
beenden.
Mit freundlichen Grüssen
Rolf