Hallo Pietro,
(kath.=Einheitsübersetzung, ev=Lutherbibel)
die Einheitsübersetzung ist für das NT und die Psalmen
ökumenisch erarbeitet und herausgegeben worden!
Es stimmt, dass die Übersetzung von Bibelwiss. beider
Konfessionen gemacht wurde. Meines Wissens war die
Endredaktion in Zweifewlsfällen eher kath.
Dieses Wissen ist falsch. Die Einheitsübersetzung wurde nur
darum nicht in den ev. liturg. Gebrauch übernommen, weil der
vertraute Luthertext nicht verdrängt werden sollte.
Thema: Frauen in der Kirche, es gibt da in den Briefen eine
Stelle wo Frauen als Gemeindeleiter beschrieben sind. Luther
hat dies wohl falsch mit Diakonisse (=Helferin) übersetzt. Die
konkurrierende (und wahrscheinlich richtigere) Übersetzung mit
Gemeindeleiterin stellt natürlich eine kath. Lehrmeinung in
Frage.
Diese „Lehrmeinung“ war bis vor 50 Jahren auch noch die
protestantische.
Und heute soll sie ein zentraler Unterschied sein?
natürlich kein zentraler Unterschied aber doch ein nicht unbedeutender
Jungfrauengeburt Maria, Aufnahme der unbefleckten Maria in den
Himmel, Rechtfertigungslehre, Zölibat, Kirchenfrage
(Sukzession vs. Volk Gottes), Männer als alleinige Verkünder
sind nur 5 % ?
Ich denke im Bezug auf den Volksglauben hast Du vielleicht
recht, aber in Bezug auf unumstössliche LLehrmeinungen nicht.
Von dem, was du da aufzählst, ist ein Teil gemeinsamer Glaube,
ein anderer überhaupt keine Glaubensfrage, sondern Frage der
Kirchenordnung. Bleiben ca. 5% 
mal aufgedröselt
Jungfrauengeburt Maria, Aufnahme der unbefleckten Maria in den
Himmel
ad 1) falscher Ausdruck meinerseits, ich meinte ‚unbefleckte Empfängnis Marias‘
ad 2) Wie Du in einem anderen Thread zum Thema ‚Protest.‘ richtig bemerktes: Heiligen und Marienverehrungen sind Protestantten suspekt, ich kann damit null anfangen. Beide Sachen sind wie Du auch schon richtig erwähntest kath. Dogmen. Der Unterschied Dogma - in der Glaubensausübung quasi unbekannt, würde ich durchaus als Glaubensunterschied sehen, nicht als Diff. der Kirchenordnung. Unabhängig davon ist die Bandbreite innerhalb der kath. Gläubigen immens: hier fast protest. denkende Kath. vs. marian. Bewegungen.
Rechtfertigungslehre
Im Volksglauben und in der prakt. Theologie sind die Unterschiede marginal/verschwimmend. Das unabgesprochene Zusatzprotokoll des Vatikans zur Erklärung zur Rechtfertigungslehre hat das Trennende betont. Hier könnte man davon sprechen, dass es ein Problem der Kirchenordnung ist.
Zölibat,
Kann ich im Moment nicht einschätzen, ob dieser Fakt im Kirchenvolk eine Bedeutung hat. Eventuell bei Negativbeisp. (wilde Ehen). Die theol. Begründung dürfte bei dem Kirchenvolk kaum präsent sein. OK, schlagen wir das Thema deder Kirchenordnung zu.
Kirchenfrage(Sukzession vs. Volk Gottes),
Ich glaube hier ist es durchaus ein Unterschied ob man vom Priestertum aller Gläubigen ausgeht, mit der Folge, dass Pfarrer und Bischöfe gewählt werden oder ob man an einer Sukzession ausgeht. Für die 3-Sonntage-Christen ist der Unterschied sicher nicht wahrnehmbar. Sobald es um Engagement geht, wird diese Frage eminent wichtig.
Wertung: für 90 % des Kirchenvolkes total unwichtig, 5 % tangiert es, 5 % halten es für eminent wichtig
Aus meiner Warte (ich kenne engag. kath. Christen) eher wichtig.
Männer als alleinige Verkünder
Hier geht es mir ähnlich wie beim Kirchenfrage, mit dem Unterschied, dass ich als Mann eher Aussenseiter bei demThema bin…
In 50 Jahren gibt es vielleicht katholische Bischöfinnen. Wirst
du dann katholisch?
Im Moment ist eh eine Art ‚Katholisierung‘ der ev. Kirche zu beobachten: mehr Sinnenfreude, mehr Symbole, beim Abendmahl wird das Hochgebet ausgebaut.
Im übrigen werden die tradierten Glaubensinhalte
von keiner einigermaßen sinngemäßen Übersetzung in Frage
gestellt, sondern von der historisch-kritischen
Texterforschung unserer Tage, die uns lehrt, das Erzählte als
„Tiefendeutung“ von Ereignissen zu verstehen (wenn man will).
Das ändert am Wortlaut nichts.
Nun, z. B. die Geschichte vom Besuch des Engels Gabriel bei
Maria kann man historisch zerlegen und hinterfragen. Das
stellt den überlieferten Glauben in Frage, ändert aber nichts
am Wortlaut der Erzählung.
Ich denke, diesen Punkt kann man nicht ‚trocken‘ ausdiskutieren.
Das Problem ist das Wort ‚einigermaßen sinngemäßen Übersetzung‘.
Nehmen wir mal an, wir versteh den gleichen Kanon darunter: EinheitsÜ, Eberfelder, Zürcher, Luther.
Hier aller zwei Monate durchlaufenden Auslegungsdiskussionen zu best. Texten haben gezeigt, dass die Wortwahl das Textverständnis beeinflusst. Nun kommt die Korinthenkackerei, ist der Wortlaut sinnentstellend verändert oder bezeichnet man es nur als Meinung, die best. Interpretationen bevorzugen ?
Am besten sind nat. wiss. Übersetzungen wie die neue Münchener, die viele Übersetzungsmglk. aufzeigt, dafür aber nicht lesbar ist. Meiner Ansicht nach sind Exegesen verschieden ‚Standpunkte‘, wodurch jeweils ein best. Aspekt deutlicher hervortritt, dies geht i.dR. auf Kosten der anderen Aspekte.
Lieber Marco, du definierst deine religiöse Identität offenbar
wesentlich antikatholisch. Was würde passsieren, wenn dir
dieses Feindbild (z.B. durch genauere Kenntnis) verloren
ginge?
Ich glaube Du liest aus meinen zwei Postings zuviel heraus. Ich hatte bei dem Posting in diesen Thread eher den Eindruck, es wird zu sehr vermanscht, was getrennt gehört, dementsprechend scharf habe ich reagiert. Dein Posting in dem Thread ev./kath. fand ich dagegen rel. ausgewogen.
Meine christl. Identität definiere ich positiv, d.h. mit ‚Ich glaube‘ und nicht mit ‚*ich bin dagegen,dass‘
Tschuess Marco.