Ist ein Zeugnis wirklich so wichtig?

Hallo,

nur mal so ein Gedanke…
vielleicht für die Personalchefs unter euch… man macht sich über sein Zeugnis natürlich sehr viele Gedanken, da wie sollte es auch anders sein man ja nur im rechtem Licht stehen möchte.
Bekommt man dann ein eher nicht so gutes Zeugnis, bricht für viele die Welt zusammen, dabei ist es nur die Beurteilung eines einzelnen Menschen.Oft ist es doch so, dass wenn die Nase nicht gepasst hat, bekommt man in der Regel auch kein „gutes“ Zeugnis bis zu einer 3 darf ja gegeben werden/wohlwollgrenze.
Was natürlich eine „Sauerei“ ist.
Aber wenn ein Personalchef dann dieses Zeugnis liest, wird ganz ohne Zweifel das angenommen was dort steht,und als Bewerber darf man ja nicht schlecht über den alten AG sprechen.
Mit anderen Worten dieser ist auch nicht so objektiv wie der alte AG, da dieser im voraus sein Urteil gefällt hat.Wenn dann noch Informationen beim alten AG einholt - dieser dann auch bei einem gutem Zeugnis natürlich seine eigene Meinung kund tut.Dann hilft natürlich auch kein verbessertes Zeugnis.Und das Informationen eingeholt worden ist, bekommt ja auch nicht zu wissen.
Kommen eigentlich diese Personalchefs nicht auf die Idee, das der alte AG vielleicht nur „seine ganz persönliche Meinung“ gebildet hat, die er auch ohne zu Zweifeln im Zeugnis kund tun darf?
Ich meine wenn z. B. jemand 8 Jahre in einem Unternehmen gearbeitet hat und bekommt dann nur eine 3 ist doch ziemlich auffällig oder? Denn wenn jemand nicht so gut gewesen wäre, würde doch niemand denjenigen 8 Jahre lang behalten oder?Irgendwie unrealistisch.

Hallo Annika,

leider denke ich schon.
Der AG muss zwar wohlwollend aber auch ehrlich im Zeugnis deine Leistungen darstellen, aber die Geheimsprache ist schwierig.
(Ich bin kein Personaler, dafür arbeitslos und suchend).
Ich selbst habe ein Zeugnis (neben anderen), dass nicht so prall ist, dies gebe ich aber in die Bewerbungsmappe. Einige Angebote werden gleich absagen, aber ich erläutere lieber in einem Gespräch weshalb diese „miese Note“ zustande kam.
Ein Fortlassen ist immer „echt Alarm“.
Auch ein Tipp, den ich immer wieder sage (ich selbst habe in viel zu spät verstanden), in D mußt du für alles einen Schein haben. Also auch Freizeitaktivitäten, z.B. als Jugendleiter etc., bestätigen lassen, Sprachkurse von der VHS.
SAMMELT die Scheine.
Für zwei Wochen Zeitungaustragen, denke ist ein Zeugnis übertrieben.
Annika, viel Glück und viele Grüße

Volker

Hallo Annika,

ja,da wir in Deutschland leben,sind „Papiere“ immer wichtig…

„Die Reiter der Apokalypse haben keine Chance,jemals unser Land zu betreten…Verkehrsunsichere Pferde…nicht genehmigte Waffen…etc.“

Aber jetz mal im Ernst…Wenn Du irgendwo länger eine Arbeitsstelle
hattest,must Du in D ein Zeugnis haben.
Dein zukünftiger Arbeitgeber wird immer „Hellhörig“ werden,wenn Du nach
Jahren einer Tätigkeit kein Arbeitszeugnis hast…es gibt nur wenige
Entschuldigungsgründe für kein Arbeitszeugnis wie das der alleinige
Firmeninhaber plötzlich verstorben ist (Handwerk) oder die Firma
ihrer leitenden Mitarbeiter durch die Staatliche Gewalt beraubt wurde
(Festnahme im Zuge eines Strafverfahrens).

Zum Inhalt des Zeugnisse währe zu sagen,das hier sicher in einer
codierten Form Mitteilungen an den neuen Arbeitgeber weitergegeben werden.Weil was wenige wissen,dein EX-Arbeitgeber ist nämlich dem neuen Arbeitgeber haftungsrechtlich verpflichtet…Er muss ihn über
gravierende Mängel deiner Arbeitsausführung informieren,weil er ansonsten nämlich für Schäden,die du in der neuen Firma verursachst,
haftet.
Sofern du ein Zeugnis mit der „Gesamt-Note 3“ erhalten hast,ist das okay…hast du es denn von einer für deinem Berufszweig zuständigen
Gewerkschaft prüfen lassen??..weil die Formulierungen sind teilweise anders gewertet in den verscheidenen Branchen…
Bei „Zeugnisnoten“ von 3 wird dein neuer Arbeitgeber in der Regel auch nicht Rückfrage bei deinem alten halten,es sei denn,es sind noch andere Umstände „verdächtig“…
Denn dein alter Arbeitgeber ist von deinem neuen genauso weit wech,wie der es mit seinem Arm zu seinem Telefon hat…:smile:

Hier mal so ein paar Ansatzpunkte,wann der neue AG immer beim Alten nachfragt:

  1. Kündigung durch den AG fristlos
  2. „Noten“ 4 und darunter…
  3. Du hast gekündigt und gibst keine plausible Erklärung dafür
    (z.B. Heirat und Umzug…)
  4. häufiger AG-Wechsel in kurzen Zeitabständen

Ansonsten ist es nur eine Frage,wie du dich „verkaufst“…

mfg

Frank

Hallo Annika,

aus meiner Erfahrung sind Zeugnisse nicht wirklich wichtig.

Ausser man macht sie wichtig, wie meine geschätzten Mitantworter.

Ich kenne beide Seiten.

Erstmal die Arbeitnehmerseite…mein Werdegang ist bestimmt nicht alltäglich und es kommen die verschiedensten Berufe und Branchen darin vor…kein Abi, kein Studium, Malermeister, Farbenvertrieb, Assistent der GL im Küchenhandel, Software Configuration- and Changemanager, Software Quality Management Engineer. Jedenfalls habe ich immer die Stelle bekommen die ich wollte und ich habe nie ein Schulzeugnis oder Arbeitszeugnis mitgeschickt. Nicht weil die schlecht waren, sondern weil ich nicht wollte, dass erste aufkommende Fragen dadurch beantwortet werden. Ausserdem will ich in einer Firma die einen Prinzipienreiter und Halbbeamten als Personalverantwortlichen beschäftigt gar nicht arbeiten.

Dann die Arbeitgeberseite, als Assi im Küchenhandel war ich für Personalentscheidungen in mehreren Filialen zuständig und habe in der Zeit hunderte Bewerbungen angesehen. Eins mal grundsätzlich, wenn ein AG eine Stellenanzeige schaltet, beschreibt er sein absolutes Idealbild, d.h. er beschreibt eine Person die möglichst etwas studiert hat das zur Branche passt, die so jung, günstig wie möglich ist und gleichzeitig 20 Jahre Berufserfahrung hat. Aber eingestellt wird der Bewerber der den besten Gesamteindruck macht. Das Anschreiben ist dabei das Wichtigste, da muss man schon das Gefühl 'rüber bringen, dass man richtig Lust hat diese Arbeit zu tun und begeistert wäre ausgerechnet in diesem Unternehmen zu arbeiten. Wenn der Lebenslauf Fragen aufwirft ist das nicht wirklich ein Problem weil es eher die Neugier weckt. Zeugnisse werden aus Zeitgründen erst dann gelesen wenn im Kopf des Personalers schon mal ein „Interessanter Bewerber“ durchgehuscht war. Doch wenn keins da ist, ist man trotzdem noch interessant, oder?

Ich denke du brauchst ja eh keine Hilfe, aber meinen Mitantwortern möchte ich sagen, baut euer Selbstvertrauen auf, denkt dran was ihr alles drauf habt, was nie in einem Zeugnis stehen wird und was scheinbar nicht wichtig für einen Job ist, aber trotzdem euch ausmacht, euern Humor, eure Art mit Menschen umzugehen, eure Gelassenheit, eure Erfahrung aus jedem Job den ihr bis jetzt gemacht habt. Versucht dies in Worte zu fassen und schreibt diese Worte in das Anschreiben, denn das ist der Schlüssel. Und keine Angst vor hochqualifizierten Stellenangeboten - trotzdem bewerben. Bsp: Wir haben im Küchenhandel auch immer den „Dipl. Holztechniker“ gesucht und dann einen ehemaligen Bäcker oder ähnliches eingestellt. Ruhig etwas frecher sein.

Gruss D.K.

Hi,

ich würde sagen, das „Vorhandensein“ eines Zeugnisses ist durchaus wichtig.
Die Wichtigkeit der Inhalte ist ein anderes Thema. Das hängt sehr stark von der Unternehmenskultur bei der beworbenen Firma ab.
Tendenziell würde ich sagen, je mehr Freiheitsgrade die Stelle hat und je unkonkreter die Vorstellungen des neuen AG sind, desto unwichtiger sind die Zeugnisinhalte.
Gruss,

Hallo Annika,

das Zeugnis des vorletzten(!) Arbeitgebers von vor Jahren ist meist das einzige, was an halbwegs objektiver Bewertung da ist.
Jeder, der jemals Personal eingestellt hat, weiß, wie trügerisch der persönliche Eindruck hierbei ist. Da Personalentscheidungen langfristige Entscheidungen sind (als Unternehmen wird man Mitarbeiter schließlich nicht beliebig los, was Deine 8 Jahres-Annahme relativiert), sucht man halt objektivierbare Bewertungsmaßstäbe und bleibt am Zeugnis hängen.

Was ich damit meine:
Wer einen HiPot sucht, der erwartet im Lebenslauf HiPot-Qualitäten. Anzunehmen, dass bei bisher erkennbarer mittelmäßger Begabung und -m Engagement ausgerechnet hier ein HiPot erwächst, ist töricht.
Will ich aber eine netten, normalen Mitarbeiter, dann werde ich deutlich niedrigere Anforderungen an Lebenslauf und Zeugnisse legen. Einen HiPot kann ich dann nämlich nicht brauchen:wink:

Gerade großen Unternehmen legen viel Wert auf „runde“ Lebensläufe. Warum? Weil sie es sich leisten können bei der Bewerberanzahl. Hier mit einem krummen Lebenslauf zu landen, ist def. nicht einfach (und das weiß ich aus eigener Erfahrung).

Trotzdem stimmt es natürlich: Bei krummen Lebensläufen ist Ehrlichkeit das a und o. Wenn ich als Arbeitgeber den Eindruck bekomme, dass die Bewerbung bzw. der Lebenslauf unplausibel, lückenhaft oder geschönt ist, dann werde ich diesen Bewerber nicht einladen. Warum? Weil ich Ehrlichkeit erwarte. Ich kann Missgriffe im Leben verzeihen (ebenfalls aus eigener Erfahrung), aber nicht Feigheit, Unreflektiertheit oder Unehrlichkeit, denn das würde ich dann bei dem Bewerber später im Job erwarten…

Grüße
Jürgen