Ist eine Luft-Gas Wärmepunpe im Neubau sinnvoll?

Hallo

Für ein Neubau Reihenmittelhaus wird eine Luft-Gas Wärmepunpe in Kombination mit Fußbodenheizung angeboten.
Standort Rhein-Main (also eine wärmere Gegend in Deutschland).

Ich habe bedenken, dass der Strombedarf fürs erwärmen des Brauchwassers (und im Winter auch für Zuheizen des Heizungswassers) recht immens ist.

Liege ich da falsch oder ist das ein plausibles Argument?
Hat vielleicht jemand eigene Erfahrung oder einen Link wo ich mich objektiv (keine Propaganda pro/contra) zu diesem Thema schlaumachen kann?
Alles was ich bisher gefunden habe ist entweder extrem pro oder extrem contra formuliert.

Herzlichen Dank.

Hallo!

Eine Wärmepumpe braucht eine möglichst geringe Temperaturdifferenz zwischen Vorlauftemperatur der Heizung und dem Medium, dem Wärme entzogen wird. Um dieses Ziel zu erreichen, wählt man großflächige Heizkörper (Fußboden- oder Wandheizung), die mit niedriger Vorlauftemperatur auskommen sowie ein möglichst warmes Medium, dem man die Wärme entzieht. Dafür ausgerechnet die Außenluft zu verwenden, ist die ungünstigste aller Methoden.

1 kWh el. Strom kostet rund 22 Cent. 1 kWh aus Erdgas kostet ca. 6-7 Cent, also 1/3 des Arbeitspreises von el. Strom. Die Wärmepumpe muss deshalb einen Gewinn von mindestens 300% bringen. Das aber schafft eine mit Außenluft betriebene Wärmepumpe an kalten Tagen nicht. Mit anderen Worten: Ich halte eine Außenluft-Wärmepumpe für keine gute Idee.

Dies ist kein Statement generell gegen Wärmepumpen. Ganz und gar nicht, wenn man ein geeignetes Medium wählt! Tief und feucht im Boden liegende Wärmetauscher können geeignet sein, auch in eine tiefe Bohrung geleitetes Wasser taugt als wirtschaftlicher Energielieferant, aber nicht die Außenluft. Will man trotzdem Außenluft verwenden, kann man die Luft durch lange, tief liegende Rohre leiten und anwärmen. Das kommt den Betriebskosten der Wärmepumpe entgegen, treibt aber für einen eher geringen Effekt die Baukosten in die Höhe. Im Ergebnis arbeiten Luft-Wärmepumpen nur in der Übergangszeit wirtschaftlich und für kalte Tage braucht man eine weitere Heizung. Aber dieser Aufwand rechnet sich nie und nimmer. Wenn ein Haus thermisch gut isoliert ist, braucht es ohnehin nur wenige kWh pro m² und Jahr. Dafür lohnt sich eine zu aufwendige Heizanlage nicht. Mit Strom zu heizen, ist so gut wie immer ökonomischer und ökologischer Unfug, aber ein gut isoliertes Haus kann man mit geringen Betriebskosten mit Erdgas heizen. Oder mit einer Wärmepumpe und einem Medium, das auch an den kältesten Tagen Temperaturen deutlich über Null Grad hat.

Gruß
Wolfgang

Hallo,

wir haben in unserem Haus (DHH Bj 2005, KEIN Niedrigenergiehaus) auch eine Luft/Wasser WP.
Unser Verbrauch bei 2 Erwachsenen auf 210 qm WNFL bzw. 142 qm beheizte Fläche (Niedertemp. Fussbodenhzg) für Heizen und Warmwasser beläuft sich auf ca 6500 kwh Strom im Jahr.

Das wären pro beheizten qm etwa 42 kwh Strom, umgerechnet dann 4,2 l Öl.
Mit mehr Dämmunmg und besseren Fenstern wäre bestimmt mehr drin gewesen.

An Tagen mit 20 Grad brauche ich bei ausgeschalteter Heizung so ca 5 kwh (entspr. 0.5 l Öl) fürs Warmwasser. An kälteren Tagen habe ich die Heizung an und kann somit keine Aussage über die Brauchwassererwärmung machen.

Wir hatten uns für die Luft/Wasser WP entschieden wegen der geringeren Investitionskosten.

Wir haben zwei Stromzähler im Haus, einen für den Haushaltsstrom und einen für den Heizstrom, der ca 23 % billiger ist als der Haushaltsstrom

Grüße
dragonkidd