Ist eine solche Verhaltenstherapie normal?

Hallo,
ich habe eine Frage zu meiner Verhaltenstherapie. Ich habe teilweise, nervös bedingt, das Gefühl, ich kann nicht schlucken. Bekam deshalb Tabletten, die auch halfen. Da ich jedoch nicht von Tabletten abhängig sein will riet mir mein Neurologe zur Verhaltenstherapie.Ich habe nun 15 Stunden hinter mir und bin nun froh wenn ich die restlichen 10 hinter mich gebracht habe. Die ersten 5-6 Stunden waren ok. Ich konnte etwas für mich herausziehen was mir auch half. In jeder Stunde wird 1/2 Std. Entspannungsübung nach CD gemacht. Diese Übung mache ich jeden Tag zu Hause ebenfalls, da mir die CD mitgegeben wurde. Diese Entspannungsübung, ich habe mir zwischenzeitlich die von Jacobsen geholt, hilft mir wirklich. Meine Therapeutin legt nun die gesamte restlich halbe Stunde schon von Anfang an auf die Tatsache, dass ich Sport machen soll.Morgens vor der Arbeit, mittags in der Mittagspause und abends nach dem Nachhausekommen. Das nervt dermaßen. Ich bin ein normaler Mensch der mal Rad fährt, spazieren geht usw. aber kein Sportmensch. Die ganze Stunde wird auf diese Tatsache gelegt so dass ich, und damit das eigentliche Problem, jedes Mal wenn ich zu ihr gehe, eigentlich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich nicht weiß, was ich groß sagen soll. Ich gehe 40 Std. die Woche arbeiten und bin froh wenn ich abends mit meinem Mann zusammen bin. Am Wochenende unternimmt man was oder macht es sich zu Hause gemütlich. Seitdem ich Therapie habe heißt es: Waren Sie schwimmen, sind Sie Rad gefahren, die Wege sind ja jetzt wieder frei usw. usw. Es nervt. Dann erklärt sie mir wie wichtig das ist und dann läuft die CD. Eigentlich denke ich, habe ich meinen Beruf verfehlt wenn ich das so sehe. Haben andere denn auch solche Erfahrungen? Ich bin vielleicht etwas ausführlich geworden, aber es hat mich mitgerissen :smile:

Hallo,

eine erfolgreiche therapeutische Beziehung hat auch mit Kommunikation zwischen dem Patienten und dem Therapeuten zu tun. Heißt: Die erste Ansprechpartnerin für deine Unzufriedenheit müsste deine Therapeutin sein.

Sie weiß, warum sie bei dir großen Wert auf sportliche Betätigung legt. Und wenn sie dir das noch nicht begründet hat, dann wäre es wohl an der Zeit, mal nachzufragen. Die Entwicklung eines (neuen) Körpergefühls gehört nicht selten zu Therapien. Sport gehört da durchaus dazu.

Ebenso, wie es sinnvoll wäre, ihr zu sagen, dass dir der Sport zu viel ist und du dich stark unter Druck gesetzt fühlst. Verhaltenstherapien sind keine Gebrauchsanweisungen, die der Therapeut an den Patienten gibt.

Auch das Erkennen und Aufdecken von Widerständen ist durchaus Bestandteil einer Therapie. Ob eine solche dir etwas bringt, entscheidest du durch dein Verhalten wesentlich mit.

Schöne Grüße,
Jule

Ja, das verstehe ich ja auch. Ich habe ihr auch schon gesagt, dass ich kein Sportmensch werde und sie mich unter Druck setzt. Darauf hatte ich 1-2 Std. Ruhe jetzt geht es wieder los. Ich meinte ja auch die ganze Sitzung. Wir setzen uns hin und die erste Frage ist, wie war die Woche. Wenn dann nix war, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil dann gibt es nichts zu reden. Die Zeit zieht sich hin, mir kommt es so vor als ob meine Therapeutin auch nicht weiß was sie sagen soll und endlich kommt der für uns beide erlösende Satz, jetzt kommt die Entspannung, die ich wie gesagt auch jeden Tag selbst mache. In dieser Zeit ist sie aus dem Raum. Und jedes Mal höre ich nur die Sätze Entspannung und Sport das müssen Sie machen und das bringst. Irgendwie hatte ich mir unter einer Verhaltenstherapie mehr versprochen und nicht jedes Mal dieselben Sätze. Es tut sich m.E. überhaupt nichts mehr und ich habe das Gefühl, ich sitze die Stunden nur ab. Aber sagen kann ich ihr sowas natürlich nicht. Deshalb schreibe ich hier ja, um zu erfahren, ob es normal ist, da dies meine erste Therapie ist und ich davon keine Ahnung habe.

Hallo Ingrid,

hier ein paar Gedanken, die ich beim Lesen deines Postings hatte. Man kann natürlich nie auschließen, daß ein Therapeut schlecht ist, ich denke, es gibt hier aber auch Erklärungen im Rahmen der Therapie.

Wir setzen uns hin
und die erste Frage ist, wie war die Woche. Wenn dann nix war

Nichts? So rein gar nichts? Überhaupt - nichts? Ich kann mich nicht erinnern, daß ich jemals eine Woche hatte, die völlig harmonisch, konfliktfrei, sorgenlos und ohne jedes Problem verlaufen wäre. Du erlebst wirklich solche Wochen?

habe ich ein schlechtes Gewissen, weil dann gibt es nichts zu
reden. Die Zeit zieht sich hin, mir kommt es so vor als ob
meine Therapeutin auch nicht weiß was sie sagen soll

Möglicherweise wartet sie darauf, daß bei Dir irgendwann der Knoten platzt, der in Deinem Hals sitzt und Dich schweigen lässt.

Und jedes Mal höre
ich nur die Sätze Entspannung und Sport das müssen Sie machen
und das bringst.

Das mit dem Sport finde ich so, wie Du es erzählst, auch merkwürdig - möglicherweise geht es der Therapeutin aber auch nicht um den Sport, sondern um Deine Reaktion darauf. Vielleicht möchte sie dich auch provozieren, damit Du Sie anbrüllst und eine dumme Kuh nennst.

Es tut sich m.E. überhaupt nichts mehr

Dann tu Du was - es ist Deine Therapie. Der Therpeut ist nur Dein Begleiter.

Aber sagen
kann ich ihr sowas natürlich nicht.

Das setzte ich ein ganz großes Warum? in den Raum. Vielleicht ist ja das, was Dich daran hindert, so etwas zu sagen, daß gleiche, was Dich am Schlucken hindert?

Gruß,
Max

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PS:

habe ich ein schlechtes Gewissen

Du hast ein schlechtes Gewissen einer Frau gegenüber, die für Dich eigentlich eine Fremde ist? Glaubst Du denn, daß Du dich irgendwie rechtfertigen musst, weil Du ihre Erwartungen nicht erfüllst? Warum sagst Du ihr nicht einfach, daß sie Dich nervt mit ihrem Gerede von Sport? Warum streitest Du nicht einfach mit Ihr? Kann es sein, daß Du das ihr gegenüber einfach - herunterschluckst?

War nur so eine Idee …

Lg,
Max

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Du hast da schon Recht mit gewissen Sätzen, die ich mir überlegen werde. Ich werde auf jeden Fall schon das nächste Mal zu ihr sagen, dass ich das Problem habe über die Woche zu erzählen, wenn sich m.E. eigentlich nichts problematisches getan hat. Ich meine, wenn mein Sohn Knatsch mit seiner Freundin hat, oder ich ein kurzes ‚Geplänkel‘ mit meinem Mann, so ist das für mich nichts was ich einem Therapeuten erzählen muss. Ich denke dann eigentlich auch nicht mehr dran wenn sowas war. Und dass ich damit ein Problem habe, werde ich ihr wie gesagt erzählen, mal schauen wie sie reagiert. Deine anderen Tipps merke ich mir und mache mir meine Überlegung dazu. Danke.

Hallo Ingrid,

noch bevor ich Max´ Zeilen las, hatte ich die gleichen Gedanken im Kopf! (Sorry, Max, wenn ich deinen Inhalt wiederhole, aber ich muss jetzt mal die Samthandschuhe ausziehen! :wink: )

Wenn du die Therapie machst, weil du keine Tabletten nehmen willst, dann heißt dies doch, dass du den psychosomatischen Zusammenhang durchaus erkennst.
Aber im Leben besser mit dem zurechtzukommen, was wir bisweilen schlucken müssen (oder auch nicht müssen, es jedoch tun), da ist es mit ein paar Entspannungsübungen sowie sportlicher Betätigung nicht getan. Da geht es ganz konkret um eine Verhaltensänderung - daher ja auch eine Verhaltenstherapie.

Also, ich behaupte, die Therapeutin taugt entweder nichts (außer dir die Entspannungsmusik vorzuspielen und dich nach dem Sport zu fragen, tut sie anscheinend nichts?!?)
allerdings glaube ich dies weniger, sondern vielmehr dass sie dich provozieren will.
Aus dem Bauch heraus sehe ich in deinem Fall Sport einzig und allein als die Möglichkeit, das Adrenalin, das sich aufstaut aufgrund der Wut über das, was du wieder mal geschluckt hast nicht schlucken wolltest, gesund abzubauen.
Letztlich sollte es aber darum gehen, dass du Alternativen findest, d.h. so zu reagieren, dass du eben nichts nicht schlucken musst, was du nicht schlucken willst.

Hau auf den Putz! Raus aus den alten Verhaltensmustern! Raus aus der Sprachlosigkeit, aus dem „Etwas-nicht-schlucken-wollen“! Zeige ihr, dass die Therapie erfolgreich war! Und sprich mit ihr!
Wenn die Therapie nicht erfolgreich war, dann wäre vielleicht eine Gesprächstherapie erfolgversprechender? Vielleicht musst du erst die Hintergründe des Schluckens aufarbeiten, um es erfolgreich verändern zu können?

Alles Gute für dich,
lieben Gruß,
jeanne

Hallo!

wenn sich m.E. eigentlich nichts problematisches
getan hat.

Mein Psychologiedozent fragte an dieser Stelle dann immer: Und uneigentlich? :smile:

oder ich ein kurzes ‚Geplänkel‘ mit meinem Mann,
so ist das für mich nichts was ich einem Therapeuten erzählen
muss.

Davor ist die Therapie aber da. Wenn Du schon im vorhinein filterst, dann ist es kein Wunder, wenn sich nichts mehr bewegt. Manchmal kommt man beim Reden ja auch vom Einem zum Anderen, und was mit der Erzählung eines „Geplänkels“ angefangen hat, führt auf einmal zum Kern des Problems. Wenn man das alles vorher genau wüsste, bräuchte man keine Therapeuten.

Und dass ich damit ein Problem habe, werde ich ihr
wie gesagt erzählen

Ich halte das für sehr wichtig.

Lg,
Max

Hi!

Hast Du denn Deine probatorischen Sitzungen bei 5 verschiedenen „Fachleuten“ genutzt?

http://flexikon.doccheck.com/Probatorisch

Wenn ja, weshalb hast du Dich denn ausgerechnet für diese Dame entschieden?

Gruß

Um Missverständnissen vorzubeugen: die bis zu 5 probatorischen Sitzungen gelten grundsätzlich je Therapeut.

Klar, da hätte sie doch 5 „Fachleute“ testen können.

Oder was verstehst Du an meiner Frage nicht?

Du verstehst nicht! Sie könnte auch 6 Fachleute testen oder 7.

Ich schrieb anfangs, dass ich neu bin, was Therapien angeht. Ich hatte keine Ahnung, dass ich ‚testen‘ kann. Ich hatte mir in dem Ort wo ich arbeite eine Verhaltenstherapeutin aus dem Telefonbuch gesucht, so dicht sind die auch nicht gesät, und diese habe ich dann genommen. Da ich wie gesagt keien Ahnung von Therapien habe, habe ich ja auch meine 1. Frage gestellt. Ich hatte mir halt unter einer Verhaltenstherapie etwas anderes vorgestellt. So wie es jetzt ist, ist es eine reine Gesprächtherapie in der gebetsartig jedes Mal dasselbe gesagt wird und dann 20 Min. Entspannung, die ich, wie gesagt jeden Abend auch zuhause mache.Die ganze Sache dauert dann ca.40 Min. und das wars. Aber ich werde sie am Donnerstag mal darauf hin ansprechen, mal schauen was sie sagt. Und dass sie mich provozieren will, dass könnte sie mir vielleicht mal irgendwie zeigen, so schwer ist das ja wohl nicht. Na ja, mal schauen. Trotzdem schon mal vielen Dank für euren regen Zuspruch, ich kann doch immer mal das eine oder andere dabei für mich rausholen.

Hi!

Ich schrieb anfangs, dass ich neu bin, was Therapien angeht.
Ich hatte keine Ahnung, dass ich ‚testen‘ kann.

Deswegen hatte ich Dir geantwortet. Wenn Du mit ihr nicht weiterkommst, kannst Du ja andere „testen“.

(Meine private Meinung)
Ich finde es gut dass Du es ansprechen willst. Da kannst Du ja direkt sehen wie sie reagiert und dann weiterschauen, was für Dich am besten ist.

Viel Glück und liebe Grüße
Sin