Nachdem ich vor kurzem im Story-Brett ein paar Auszüge meines Kinderbuches „Gespenster Gold und fliegende Kinder“ gepostet hatte, kamen gleiche mehrere Rückmeldungen, dass Gewalt, Mord, Morddrohungen und Erpressung auf keinen Fall in Kinderbüchern vorkommen dürfen, das sei ein Tabuthema.
Frage: Ist das wirklich so?
Bin ich der einzige, der auf solche Ideen kommt?
Ich habe im Urlaub mal nachgedacht, und da sind mir ein paar Gegenbeispiele eingefallen:
Und das sind nur die, die mir spontan aus meinen eigenen Erinnerungen einfallen, ohne, dass ich recherchiert oder nachgelesen habe.
Zwei Kinder werden von einem Erwachsenen absichtlich in eine laufende Maschine gewor-fen, wo sie grausam ums Leben kommen. Aus Max und Moritz.
Ein junges, hübsches, unschuldiges Kind, dessen Mutter gestorben ist, soll durch eine Art Auftragskiller erschossen werden, klare Anstiftung zum Mord, die aber misslingt, doch es folgen mehrere andere Mordversuche an dem Kind, und jedes Mal wird gezeigt, wie das Kind stirbt und wiederbelebt werden muss. Aus Schneewittchen.
Ein Unschuldiger liegt am Boden, ist kurz davor zu sterben und benötigt dringend Hilfe, doch die Vorbeigehenden verweigern ihre Hilfe ganz bewusst mit der offen geäußerten Absicht, dass der am Boden liegende sterben soll. Aus Biene Maja.
Die Geschichte von einer Mutter und ihrem ganz jungen Kind, die von großer Liebe zwischen Mutter und Kind getragen ist. Der Film endet damit, dass die liebevolle Mutter erschossen wird. Diese Stelle ist für Kinder sehr hart, weil es doch die liebevolle Mutter ist, weil das lie-be Kind seine Mutter verliert, und weil der oder die Killer ohne jeden erkennbaren Grund handeln. Und ausgerechnet dieser Film, der für Kinder besonders grausam ist, wird, weil die Szene mit der erschossenen Mutter nicht direkt gezeigt wird, unsinnigerweise als „gewaltfrei“ bezeichnet. Aus dem Film Bambi.
Ein Kind wird längere Zeit eingesperrt, und ihm wird die ganze Zeit angekündigt, dass es demnächst grausam ermordet werden wird. Später geschieht tatsächlich ein Mord in der Ge-schichte. Aus Hänsel und Gretel
Bei einem heimtückischen Raubüberfall wird eine Person von mehren Männern zusammenge-schlagen, bis sie blutend am Boden liegen bleibt. Aus einer Kinderbibel, die einige wenige ausgewählte Bibelstellen wiedergibt, hier das Gleichnis vom barmherzigen Samariter.
Ein Kind wird von einer Person, die unter Kindern als Respektsperson gilt und auch gelten sollte, einem Lehrer nämlich, mit einem Rohrstock verprügelt, als erzieherische Maßnahme, und dieser sagt dann auch noch, es müsse sein, damit das Kind später nicht kriminell sei. Eine Szene, die ausgerechnet von einer Autorin stammt, welche sich ganz massiv (wenn auch für manche nicht logisch nachvollziehbar) gegen Gewalt ausgesprochen hat. Aus Madita, von Astrid Lindgren
Der als sympathisch dargestellte, liebevolle Vater eines Kindes wird von Schwerkriminellen mit einer Pistole bedroht und erpresst, und ihm wird ein sofortiger Mord durch Kopfschuss angedroht, wenn er nicht tut, was die Erpresser wollen. Ebenfalls von Astrid Lindgren.
Ein Massenmörder versucht, ein unschuldiges, wehrloses Baby zu ermorden, ohne jeden er-sichtlichen Grund, gleich am Anfang der Geschichte. Aus: Harry Potter und der Stein der Weisen.
Also noch mal die Frage: Ist Gewalt in Kinderbüchern wirklich ein Tabuthema und bin ich wirklich der einzige, der solche Ideen hat?
Ich denke, nicht.
Was denkt ihr?