Ist Heimweh vermeidbar ?

Hallo Ihr,

mein Vater ist als junger Mann in den Nachbarort gezogen, in das Haus meiner Großeltern (also den Eltern meiner Mutter). Distanz zu seinem Heimatort: ca. 7 km. Er litt immer unter Heimweh, fühlte sich an seinem neuen Wohnort nie „daheim“.

Meine Freundin mußte mit 13 Jahren innerhalb unseres Heimatorts in einen anderen Ortsteil ziehen (Kleinstadt). Wir konnten uns trotzdem zu Fuß besuchen, das war kein Problem, aber sie hatte jahrelang Heimweh nach „unserer“ Straße - übrigens unabhängig von unserer Freundschaft, die nicht so wahnsinnig eng war.

Ich selbst wohne nicht mehr in meinem Heimatort, aber ziemlich in der Nähe, bin allerdings schon mehrfach umgezogen. Ich denke, ich kann überall heimisch werden und gute Kontakte zu den Nachbarn aufbauen - nette und auch weniger nette Menschen gibt es überall.

Nun steht bei uns ein Umzug an, wir brauchen unbedingt mehr Platz. Wir hätten ein Haus gefunden, wir hätten die Finanzierung, rein auf das Haus bezogen ist alles okay, aber… es steht im Nachbarort. Unser jetziger Wohnort ist der Geburtsort meines Mannes, zwar befindet sich sein Elternhaus schon seit Jahren nicht mehr im Eigentum der Familie, aber trotzdem möchte er nicht weg von hier, nicht einmal auf diese lächerliche Entfernung. Erklären kann er es nicht, wie gesagt, es liegt nicht an dem Haus, das überzeugt ihn absolut. Er findet es selbst blöd, es gibt definitiv kein rationales Argument.

Leider ist unser jetziger Wohnort hier etwas teurer als alle Nachbarorte, selbst wenn wir dieses bestimmte Haus nicht nehmen, werden die umliegenden Orte schon aus finanzieller Sicht immer wieder ein Thema sein (Einzugsgebiet Stuttgart… damit Ihr wißt, was ich meine *seufz*). Ich rede übrigens von Kleinstädten, relativ ländliche Gegend, aber nicht so extrem, dass überall Misthäufen sind :wink:

Daher meine Frage: Kann man Heimweh vermeiden ? Vergeht Heimweh wieder, wenn man aktiv daran arbeitet ? Habt Ihr einen Link dazu ? Habe über google leider nichts brauchbares gefunden…

Danke und viele Grüße,

Sylvia - die ihren Mann nicht unglücklich machen möchte

Hallo, Sylvia,
so ganz wird man wohl nie gehen (das meinte jedenfalls Trude Herr http://www.metrolyrics.com/lyrics/95246/Trude_Herr/N…
Aber wenn man so viel wie möglich der bisherigen Heimat mitnehmen kann, wie in Eurem Falle, geht es schon leichter. Man wird immer eine besondere Bindung an den Ort der Kindheit und Jugend haben.
Und dann geht es nur noch darum, sich am neuen Ort heimisch zu machen - einen Bekanntenkreis aufzubauen, vielleicht einem Verein beizutreten etc. Ich weiß allerdings aus eigener Erfahrung, dass dies gerade in kleinen schwäbischen Orten nicht ganz einfach ist. Da bleibt man zeitlebens „Neigschmeckter“, wenn nicht schon drei vorherige Generationen auf dem Friedhof liegen :smile:
Vielleicht mag es auch helfen, die Brücken nicht vollständig hinter sich abzubrechen - Wochenendbesuche in der „alten Heimat“, Treffen mit alten Freunden usw.
Ich finde es sehr lieb von Dir, dass Du Dir um Deinen GöGa so einen Kopf machst - Beruf und wirtschaftliche Zwänge nehmen leider nicht immer so viel Rücksicht auf mensch- und männliche Gefühle.
Wenn das eigene Nest warm ist, ist es nicht so wichtig, auf welchem Baum es angebracht ist :smile:
Lieben Gruß
Eckard.

Hallo Eckard,

Wenn das eigene Nest warm ist, ist es nicht so wichtig, auf
welchem Baum es angebracht ist :smile:

Das hast du schoen gesagt. Ich hatte mich naemlich schon gefragt, warum ich Sylvia so gar keine Hilfe geben kann, weil ich das Phaenomen eigentlich so wenig kenne. Versteh mich nicht falsch, ich denke gerne an unser Staedtchen zurueck, ich pflege den Dialekt, ich freu mich, wenn ich wieder mal hinkomme - aber Heimweh in dem Sinn hab ich nie gehabt. Ein bisschen Wehmut vielleicht, wenn ich grad mal denke: jetzt bluehen die Forsythien … oder wie gross sind die Zitronen dieses Jahr wohl geworden? Aber Heimweh ist glaube ich mehr, und das hab ich bei passender Gelegenheit nach meinem Mann und meiner Familie, nicht nach einem Ort.

GLG Elke