Ist Intelligenz messbar?

Hi, ihr!

(Ist übrigens meine Premiere bei wer-weiss-was,…)
Ich habe zum Einstieg eine ziemlich dämliche Frage an Euch: Ich habe letztlich im Internet nach Einstellungs- und Eignungstests gesucht, weil ich das für einen Kurs für Jugendliche brauche. Unter anderem bin ich auf www.testedich.de gekommen, und ich machte, weil mir gerade fad war, dort einen IQ-Test. War so ein Sammelsurium mit den üblichen Logikaufgaben, Zahlenreihen, sich drehende Würfel und so’n Zeug. Was mich beunruhigte: Ich kam in diesem Test auf einen IQ von 141. Weil ich mir dachte, dass der Test den Usern etwas schmeichelt, und weil dabei stand, dass die Auswertung recht ungenau ist, machte ich noch einen anderen Test auf einer anderen Seite, bei dem ich dann auf einen IQ von 147 kam.
Ich bin weder in der Schule noch in meinem weiteren Leben je als außergewöhnlicher Vifzack aufgefallen, ich bin weder Schachweltmeister noch Mathematik-Genie (ganz im Gegenteil!), also denke ich, dass diese Internet-IQ-Tests ein ziemlicher Schwachsinn sind. Hat mich eigentlich geärgert, weil damit den Usern was vorgegaukelt wird, was nicht ist. Warum wird sowas gemacht?
Was haltet ihr von solchen Tests?

Was haltet ihr überhaupt von IQ-Tests? Unter Intelligenz verstehe ich eher Lernfähigkeit, Lebenstüchtigkeit und die Fähigkeit, zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und vielleicht noch ein hohes Maß an sozialem Einfühlungsvermögen. Kann man das mit Logik- und Rechenaufgaben überhaupt messen? (Ich weiß schon, Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst:wink:…).

Was ist Intelligenz wirklich? Was muss jemand haben, damit man ihn für intelligent hält? Und was muss ein Mensch haben, damit er sein Leben im Griff hat, damit er Erfolg hat? Sind das nicht vollkommen unterschiedliche Dinge?
So, und jetzt hoffe ich, dass ich eine Lawine an interessanten Beiträgen lostrete - ich find das Thema nämlich urspannend!
Liebe Grüße
Barbara

Hi Barbara

…machte ich noch einen anderen Test auf
einer anderen Seite, bei dem ich dann auf einen IQ von 147
kam.

Na, da gratuliere ich doch schon mal herzlich! Immerhin!

Ich bin weder in der Schule noch in meinem weiteren Leben je
als außergewöhnlicher Vifzack aufgefallen, ich bin weder
Schachweltmeister noch Mathematik-Genie (ganz im Gegenteil!),
also denke ich, dass diese Internet-IQ-Tests ein ziemlicher
Schwachsinn sind. Hat mich eigentlich geärgert, weil damit den
Usern was vorgegaukelt wird, was nicht ist. Warum wird sowas
gemacht?
Was haltet ihr von solchen Tests?

Ich sehe das ähnlich wie Du. Ich hab neulich mal einen gemacht (nach Jahrzehnten mal wieder) , ließ wie üblich die ganzen Mathe-Aufgaben weg bzw. schrieb irgendwelche Phantasiezahlen hin, die natürlich falsch sind und kam trotzdem noch auf 124 oder sowas. Das kann natürlich kaum sein, denn die Mathe-Aufgaben machen einen zienmlich großen Anteil aus.
Ich weiß auch nicht, warum die Leute slche Tests mit dermaßen überhöhten IQ-Resultaten da rausgeben. Vielleicht wollen sie einfach die Moral der Truppe heben. :wink:
Ich meine, die von ganz good old Germany. :wink:
Gruß,
Branden

Wenn es endlich jemand schafft, Intelligenz ausreichend zu definieren, könnte man sich vielleicht langsam daran machen, es messen zu wollen.

Wenn es endlich jemand schafft, Intelligenz ausreichend zu
definieren, könnte man sich vielleicht langsam daran machen,
es messen zu wollen.

Yep, das wird wohl der Punkt sein! Ist nur spannend, dass wir so viel Wert auf etwas legen, das wir nicht definieren können ((immerhin kann das ja darüber entscheiden, ob man einen Job bekommt oder nicht).

Ich denke schon…
Hallo Barbara!

Persönlich denke ich, dass es schon „relativ“ gute Tests bezüglich „Intelligenzmessung“ gibt. Die meisten findet man natürlich nicht im Internet, und wenn man einen „richtig guten Test“ kaufen möchte, dann kostet das auch gleich richtig viel Geld.

Natürlich ist das, was der Test misst nicht automatisch ein Abbild für die Wirklichkeit, will sagen: das eine beschäftigt sich mit abstrakten Problemen, das andere sind die Probleme des Alltags und des wahren Lebens.

Aber die Forscher sind doch nicht dumm oder weltfremd (also nicht alle…). Die ganz enorme Zahl an Menschen, welche tagtäglich diese Tests anwenden oder entwickeln würden dies sehr wahrscheinlich nicht tun, „nur weil sie den Knall nicht gehört haben“. Zumindest würde sie doch dann keiner bezahlen.

Auf die Idee, dass es so einfach nicht ist, sind die selber schon gekommen (und haben u.U. ihr ganzes Leben darauf verwendet, dies zu ändern), mindestens hat sich Kritik aber bis zu Ihnen herumgesprochen…

Ziel der Forschung ist es natürlich, den ganzen Rattenschwanz an Gefühlen und emotionalen Entscheidungen, an Phantasie und Kreativität (stark unterschätzte Teilbereiche der „Intelligenz“, wie ich finde), aber auch Wahrnehmung, Beherrschtheit etc. in diesen Tests zu berücksichtigen.

Und was soll ich sagen: es funktioniert.

Zur Kontrolle kann man den Erfolg auf verschiedenen Gebieten des Lebens innerhalb der Versuchspersonen zu messen versuchen (Beruf, Partnerschaft, besondere Fähigeiten, Einkommen, Bildung, Lebensumstände, etc.), und dabei auch die Subjektiven Eindrucke (haben sie das Gefühl, dass sie erfolgreich sind; ihr Leben geordnet ist; sie erreichen können, was sie sich vornbehmen, sie Probleme gut bewältigen können; ihr Leben selbst gestalten; etc.) mit berücksichtigen.

Diese Ergebnisse werden dann mit den Ergebnissen eines „guten Tests“ verglichen/korreliert, und nicht selten stellt man fest, dass es hier einen Zusammenhang gibt, d.h. hohes Testergebnis = hohe soziale Kompetenz & Erfolg, niedriges Testergebnis = ausbaufähig.

Deswegen benutzt man übrigens immer noch solche Tests - aber wie gesagt, die guten sind teuer und gibt es nicht im Internet.

Denn bevor der Test dann (hauptsächlich für die Forschung) auf den Markt kommt, wird er an vielen hundert Probanden ausprobiert und eben mit relevanten Bereichen aus dem echten Leben verglichen.

Dir aber trotzdem herzlichen Glückwunsch zu Deinem Ergenbnis; falls Du Dich versucht fühlst, kannst Du auch einen der guten Tests für relativ kleines Geld bei einem Psychologen an der Uni machen lassen - und dann siehst Du, ob Du Dich nicht vielleicht die ganze Zeit bezüglich Deiner Positionierung unterschätzt hast?

Lieben Gruß
Patrick

Hi babaluna,

also denke ich, dass diese Internet-IQ-Tests ein ziemlicher
Schwachsinn sind.
Was haltet ihr von solchen Tests?

ich glaube auch, dass Internet-IQ-Tests nicht gut sind, weil ich auch so Erfahrungen wie du und Branden gemacht habe. Das kann man sich auch so denken, dass die Tests im Internet nicht gut sind. Wer würde schon einen guten IQ-Test für lau ins Netz stellen? Die Dinger im Netz sind zum Spasshaben da und nicht fürs richtige Intelligenzmessen.

Was haltet ihr überhaupt von IQ-Tests?

Hast du schon mal ne richtige Testung mitgemacht? Ich ja! Die Aufgaben sehen so ähnlich aus wie die im Netz. Aber da kommt kein Blödsinn bei rum. Die Tests helfen den Psychologen dabei, Leute richtig einzuschätzen. Zum Beispiel, wenn jemand schlecht in der Schule ist und man nicht weiss, worans liegt, kann man zum Psychologen gehen und kucken, ob das Kind in der Schule überfordert ist, weil es nicht so intelligent ist wie die anderen Kinder in der Klasse. Oder auch anders: Das Kind ist intelligenter als die anderen in der Klasse und langweilt sich deshalb und macht Blödsinn. IQ-Tests können helfen, das herauszufinden.

Unter Intelligenz
verstehe ich eher Lernfähigkeit, Lebenstüchtigkeit und die
Fähigkeit, zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen zu
treffen. Und vielleicht noch ein hohes Maß an sozialem
Einfühlungsvermögen.

Das finde ich eine gute Theorie, was Intelligenz ist.

Was ist Intelligenz wirklich? Was muss jemand haben, damit man
ihn für intelligent hält? Und was muss ein Mensch haben, damit
er sein Leben im Griff hat, damit er Erfolg hat? Sind das
nicht vollkommen unterschiedliche Dinge?

Komische Fragen stellst du. Du schreibst in deine Vika, du bist Psychologin, fragst aber uns, was Intelligenz ist??? Meinst du im ernst, dass Intelligenz nichts mit Erfolg im Leben zu tun hat??? Haben alle gleich gute Noten und machen alle den gleichen Schulabschluss, egal wie intelligent sie sind??? Nee, glaube ich dir nicht.

Herbert

Hallo Babaluna11,

als Psychologin fragst Du das? -

Es gibt sicher seriösere Tests als die im Internet oder in irgendeiner Zeitung. Und die kosten. Ziemlich billig es kommt noch, sich bei Mensa testen zu lassen (die haben auch einen seriösen Test), es kostet dort 44 Euro, glaube ich. Du erfährst aber nur den IQ, nichts wird aufgeschlüsselt. Die Schwankungsbreite dürfte eh +/- 10 Punkte oder so sein (je nach Verfassung).

Bisher hat noch keiner eine brauchbare Definition gefunden. Ich stelle mir vor, es müßte theoretisch möglich, die Intelligenz von Menschen, von Tieren, von technischen Produkten mit künstlicher Intelligenz, von Insektenstaaten, vielleicht sogar von Institutionen etc. zu messen und sogar zu vergleichen, wenn es einmal gelingen sollte, eine brauchbare Definition zu finden. Der so verstandene Intelligenzbegriff wäre vielleicht etwas Abstrakteres als das, was wir bis jetzt mehr intuitiv darunter verstehen.

Liebe Grüße,

I.

ja, ist sie
hallo, interessante fragen! erst mal glückwunsch zu deinem hohen ergebnis. und was machst du jetzt damit?

ich teste gelegentlich selbst kinder und jugendliche auf intelligenz und finde das profil der ergebnisse viel interessanter als das gesamtpunkteergebnis. im profil sehe ich, wo stärken und wo schwächen/ herausforderungen liegen. da kann man mehr informationen für die testkandidaten herausziehen als aus einem punktewert von 99 oder 114…

was intelligenz eigentlich ist, hast du schon selbst gut beantwortet finde ich.

falls du in der tat einen IQ von über 140 haben solltest, hättest du doch schon gemerkt, wie einfach du dir dinge merken kannst, wie du anderen voraus bist, wie du auf ganz vielen gebieten deutlich andere hinter dir lässt…oder wie vielleicht großes durcheinander in deiner biographie passiert ist.

ich habe so einen test auch mal gemacht, mit übrigens wunderbarem punkte-score. der tatsächliche wert dürfte aber bei mir deutlich dümmer liegen.

die statistische wahrscheinlichkeit für einen IQ über 140 liegt bei 2,7%.

Hallo Alpha,

die statistische wahrscheinlichkeit für einen IQ über 140
liegt bei 2,7%.

Du meinst sicher 0.27 %. Das könnte bei fast drei Standardabweichungen über dem Durchschnitt hinkommen.

Grüße,

I.

Hallo
Wir hatten vor Kurzem erst eine Diskussion zur Intelligenz:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Gruss, Tychi

Hallo Babaluna11,

als Psychologin fragst Du das?

Ja, eben deswegen. Weil ich natürlich in meinem Studium schon einige Tests ausgewertet habe von verschiedenen Leuten zu verschiedenen Zeitpunkten mit teilweise ganz unterschiedlichen Ergebnissen, je nach Verfassung und Teilleistungen (die Testwerte schwankten teilweise um +/- 20 Punkte).
Und ich weiß natürlich, dass die Tests mit größtmöglicher Sorgfalt und testtheoretisch vollkommen korrekt entwickelt wurden. Nur: Was messen sie wirklich?

Ich habe mich dabei nie wohl gefühlt, weil den getesteten Menschen suggeriert wird, dass hier mit größtmöglicher wissenschaftlicher Genauigkeit ein Wert gemessen wurde, der offensichtlich für sie unheimlich wichtig ist („krieg ich einen Job?“, „kann ich diese oder jene Ausbildung machen?“ „Bin ich blöd/debil/geistig behindert?“), der aber nicht ausdefiniert ist.

Ist irgendwie so wie Heisenbergsche Unschärferelation: Je genauer ich diesen Wert definiere, desto weniger kann ich ihn erfassen - irgendwie entwischt er mir ständig und wird größer und größer. „Intelligenz“ hat einen unheimlichen Bedeutungshof, ist eines der wichtigsten gesellschaftlichen Auswahlkriterien, schafft eine soziale Identität.

Interessant wird der IQ ja eigentlich erst am oberen und unteren Ende der Skala (und gottseidank weiß ich, dass ich mich genau in der Mitte befinde und daher ganz „normal“ bin): Wenn es darum geht, Menschen, die gewissen Anforderungen nicht entsprechen, auszu"sondern" („Menschen mit besonderen Bedürfnissen“, die nach dem Lehrplan der "Allgemeinen "Sonder"schule unterrichtet werden), oder am anderen Ende Eliten der Nation zu finden, die konkurrenzfähige Spitzenleistungen bringen.
Es geht also ganz klar um Leistungsfähigkeit, die Menschen zu wertvollen/ weniger wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft macht.

Es gibt sicher seriösere Tests als die im Internet oder in
irgendeiner Zeitung.

Und die kosten.

Ja. Und ich ärgere mich darüber, dass (kosten-,aber wertlose) „Intelligenztests“ ins Netz gestellt werden, die von den Aufgaben her den „wissenschaftlichen“ Tests ja nicht unähnlich sind, nur stimmt halt die Auswertung nicht. Soll mich das motivieren, es ganz genau wissen zu wollen und mir meinen IQ - dann nicht mehr kostenlos - "wissenschaftlich"bestätigen zu lassen?

Bisher hat noch keiner eine brauchbare Definition gefunden.
Ich stelle mir vor, es müßte theoretisch möglich, die
Intelligenz von Menschen, von Tieren, von technischen
Produkten mit künstlicher Intelligenz, von Insektenstaaten,
vielleicht sogar von Institutionen etc. zu messen und sogar zu
vergleichen, wenn es einmal gelingen sollte, eine brauchbare
Definition zu finden. Der so verstandene Intelligenzbegriff
wäre vielleicht etwas Abstrakteres als das, was wir bis jetzt
mehr intuitiv darunter verstehen.

Find ich sehr spannend! Vielleicht sollte man aber auch den Intelligenzbegriff gänzlich aufgeben zugunsten von Werten wie „Anpassungsfähigkeit“, „Problemlösungskompetenz“, „Empathie, Kommunikationsfähigkeit und soziale Intelligenz“, „Fähigkeit, sich zu organisieren“…

Liebe Grüße
Barbara

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Interessant.
Sämtliche Antwortschreiber kommen nicht daran vorbei, dezent auf ihren selbst bei einem Test erzielten, überdurchschnittlich hohen(„aber da geb ich ja nichts drauf - wie bescheiden…“) Intelligenzfaktor hinzuweisen.
Abgesehen davon, daß man durch nüchterne Deduktion(mit den von Ihnen angelegten Kriterien durchaus legitim) zu dem erschreckenden Resultat gelangt, daß der größte Teil der Menschheit zunehmend der Verblödung anheimfällt.
Ausreichende Beweise dafür finden sich in den Unterhaltungsmedien, den Nachrichten, der Pervertierung von Religionen, der Qualität pädagogischer Einrichtungen, der Vernachlässigung sozialer und damit emotionaler Intelligenz schon in frühester Entwicklungsphase (Außerdem z.B. bei meiner Arbeit, die ebenfalls häufigen Umgang mit Menschen bedingt).
Der größte Feind der eigenen Intelligenz scheint mir die Eitelkeit zu sein. Mir schwant, das dieser Aspekt oftmals eine wesentliche Rolle beim Absolvieren eines sog. IQ Tests spielt. Jene Tests sind meiner Ansicht nach durchaus repräsentativ, könnten aber, bei Ausschluß des oben genannten Handicaps, wesentlich besser ausfallen.
In diesem Sinne: Auf die Zukunft.
Gruß Thanatos

Hallo Barbara,

Und ich weiß natürlich, dass die Tests mit größtmöglicher
Sorgfalt und testtheoretisch vollkommen korrekt entwickelt
wurden. Nur: Was messen sie wirklich?

Ein schwer definierbares Konglomerat:
Bei den einzelnen Aufgabengruppen eines Tests sollen Fähigkeiten wie räumliches Vorstellungsvermögen, Schlußrechnen, Zuordnen von Begriffen in Kategorien usw. erfaßt werden, die alle als Oberbegriff das Etikett „Intelligenz“ bekommen, diese Aufgaben entsprechen dann womöglich noch einem bestimmten kulturellen Hintergrund.

Hinzu kommt noch die momentane Verfassung, also das Ausmaß an Aufmerksamkeit, das der Proband gerade aufbringt, die Wachheit oder Vigilanz.

Also mißt der Test ein etwas willkürliches Sammelsurium von Einzelfähigkeiten, kontaminiert mindestens noch mit dem momentanen Wachheitsgrad. Dazu noch der Bildungshintergrund des Probanden. Und seine Motivation für den Test.

Es gibt noch diese figuralen Matrizentests, die von kulturellem und Bildungshintergrund unabhängiger sein sollen, und da scheint es schlicht um Mustererkennung zu gehen.

Intelligenz (lat. intellego, ich verstehe) ist ein schlecht definierter Begriff, so unscharf wie die Aussage, jemand ist mehr oder weniger hell im Kopf.

Stell Dir mal vorher, man wollte die Körpergröße von Menschen messen, hätte aber keine Vorstellung von „Zentimetern“ oder dgl. und hätte nur ein statistisches Vergleichsmaß, z. B. Perzentilen. Also jemand der ziemlich groß ist, würde dann vielleicht sagen, „ich bin 97. Perzentile groß“.

Und so ist es mit der Intelligenz. Da haben wir tatsächlich keine Vorstellung von „Zentimetern“ oder was dem hier entsprechen würde. Der IQ ist auch nur ein statistisches Vergleichsmaß, ausgedrückt in Standardabweichungen vom Median. +/- 20 Punkte, schreibst Du. Also mehr als +/- 1 Std.-Abweichung! Und das ist die „größtmögliche wissenschaftliche Genauigkeit“.

Ist irgendwie so wie Heisenbergsche Unschärferelation: Je
genauer ich diesen Wert definiere, desto weniger kann ich ihn
erfassen - irgendwie entwischt er mir ständig und wird größer
und größer.

So kommt es mir auch vor.

Find ich sehr spannend! Vielleicht sollte man aber auch den
Intelligenzbegriff gänzlich aufgeben zugunsten von Werten wie
„Anpassungsfähigkeit“, „Problemlösungskompetenz“, „Empathie,
Kommunikationsfähigkeit und soziale Intelligenz“, „Fähigkeit,
sich zu organisieren“…

Vielleicht geht es in zwei Richtungen:

ein sehr abstrakter und nicht intuitiver Begriff, in dem Fähigkeiten der Mustererkennung und die Effektivität von Lernmechanismen enthalten sind , und der vielleicht so ein „Zentimetermaß“ ermöglicht, und der dann auf alle möglichen Gebilde anwendbar ist, wie z. B. Ameisenhaufen oder auch Organisationen. Spannend wäre es dann z. B., die „Intelligenz“ von diversen Institutionen zu messen und dabei vielleicht manche mächtige als saublöde zu entlarven.

Und eben eine Aufschlüsselung von menschlichem „Hell im Kopf“-Sein a la Empathie, Problemlösungskompetenz usw.

Liebe Grüße,

I.

Hi Barbara,

Was ist Intelligenz wirklich?

das ist eigentlich die bessere Frage!
Bisher hat noch niemand eine umfassende Definition von I. geben können.
Was getestet und betrachtet wird, sind (bestenfalls) Teilaspekte von dem, was man mit I. umschreiben kann.

Ist jemand intelligent, wenn er mit Holz die dollsten Möbel bauen kann, aber des Lesens und Schreibens nicht mächtig ist, oder umgekehrt, wenn jemand im Kopf die dollsten Gleichungen lösen kann, aber unfähig ist, sich die Schnürsenkel zu binden?

Das Thema ist sicher interessant aber auch sehr komplex.

Gandalf

Hallo Barbara,

Weil ich natürlich in meinem Studium schon
einige Tests ausgewertet habe von verschiedenen Leuten zu
verschiedenen Zeitpunkten mit teilweise ganz unterschiedlichen
Ergebnissen, je nach Verfassung und Teilleistungen (die
Testwerte schwankten teilweise um +/- 20 Punkte).

das ist klar: Selbst bei hoch reliablen Tests betragen die Vertrauensintervalle 8 Punkte und mehr auf der IQ-Skala. Bei Extremgruppen kann man von noch größerer Meßwertevarianz ausgehen, weil die Annahme der KTT der über die Skala gleichmäßig verteilten Meßwertevarianzen unrealistisch ist. Insofern gaukelt die IQ-Skala in der Tat eine zu große Genauigkeit wieder. Dieses Interpretations-„Problem“ läßt sich leicht über eine Skalentransformation oder die Berechnung von kritischen Differenzen beheben.

Nur: Was messen sie wirklich?

Das hat mit der Meßwertevarianz nichts zu tun, sondern zielt auf die Validität der Tests. Wie die Validität der Tests aussieht und was die Testergebnisse gut prognostizieren können, wissen wir schon ganz gut.

Ich habe mich dabei nie wohl gefühlt, weil den getesteten
Menschen suggeriert wird, dass hier mit größtmöglicher
wissenschaftlicher Genauigkeit ein Wert gemessen wurde, der
offensichtlich für sie unheimlich wichtig ist („krieg ich
einen Job?“, „kann ich diese oder jene Ausbildung machen?“
„Bin ich blöd/debil/geistig behindert?“), der aber nicht
ausdefiniert ist.

Auch meiner Meinung nach wird der IQ in der Allgemeinbevölkerung in seiner Bedeutung überschätzt. Definiert ist der IQ aber schon hinreichend genau.

Find ich sehr spannend! Vielleicht sollte man aber auch den
Intelligenzbegriff gänzlich aufgeben zugunsten von Werten wie
„Anpassungsfähigkeit“, „Problemlösungskompetenz“, „Empathie,
Kommunikationsfähigkeit und soziale Intelligenz“, „Fähigkeit,
sich zu organisieren“…

Bei einem Begriff „soziale Intelligenz“ steht man natürlich wieder vor dem „Problem“ der Intelligenzdefinition. Und die anderen Begriffe dürften auch nicht viel leichter als Intelligenz zu definieren sein.

Hinsichtlich der Problemlösekompetenz möchte ich abschließend darauf hinweisen, daß diese Kompetenz PISA 2003 zufolge zu 0,72 mit Intelligenz korreliert. Das läßt darauf schließen, daß beide Konstrukte ziemlich viel miteinander zu tun haben.

Beste Grüße,

Oliver Walter

1 „Gefällt mir“

Hallo babaluna,

üblichen Logikaufgaben, Zahlenreihen, sich drehende Würfel und
so’n Zeug. Was mich beunruhigte: Ich kam in diesem Test auf
einen IQ von 141.

und

recht ungenau ist, machte ich noch einen anderen Test auf
einer anderen Seite, bei dem ich dann auf einen IQ von 147

Uuups, naja, wenn Du noch ein wenig übst, kommst
Du vielleicht auf einen Wert, der Dein Selbstbild
besser widerspiegelt :wink:

6 Punkte pro Testwiederholung lassen doch hoffen - hehe :wink:

also denke ich, dass diese Internet-IQ-Tests ein ziemlicher
Schwachsinn sind. Hat mich eigentlich geärgert, weil damit den
Usern was vorgegaukelt wird, was nicht ist. Warum wird sowas
gemacht? Was haltet ihr von solchen Tests?

Genau das.
Anhand der Reaktion der Menschen auf die sog. IQ-Tests,
ihre Hoffnungen, ihre „Befürchtungen“, ihre Eitelkeiten -
erfährt man „menschliches, allzumenschliches“ über diese …

Das ist der „Sinn von Intelligenztests“. Wie reagiert das
„nicht-aufgeklärte Individuum“ auf solche Klingelworte -
wie arrangiert es sich mit dem „Resultat“.

Grüße

CMБ

sehr gut messbar, wenn…
Hi,

…es sich um einen wissenschaftlichen Intelligenzbegriff handelt.
Das ist ja auch trivial, denn wissenschaftliche Intelligenzbegriffe sind ja so geartet, dass sie messbar sind.

Wenn wir aber von dem reden, was man (egal wer) unter Intelligenz versteht, dann ist mit Messen nichts mehr drin.
Das Problem ist naemlich, dass man sich ausserhalb des engen Rahmens der Wissenschaft kaum auf etwas einigen koennte, was man gemeinsam unter „Intelligenz“ versteht.
Probier das mal mit jemandem aus. Man verstrickt sich unweigerlich in Widersprueche.

Solche ergeben nur dann ein vernuenftiges Ergebnis- wie alle Tests- , wenn die Vorraussetzungen erfuellt sind.
Wenn Irgendwer irgendwann irgendeinen Intelligenztest macht, dann kann eigentlich nur Mist rauskommen.

Gruss,

Ja (im Rahmen der Definition).

also denke ich, dass diese Internet-IQ-Tests ein ziemlicher
Schwachsinn sind.

Nein.
Konkrete Werte stimmen sicher nicht, aber die Richtung. Und die scheint ja eindeutig. Vielleicht wolltest du nur etwas kokettieren, dein schriftlicher Ausdruck bestätigt aber die Tendenz der Testergebnise.

Dass Lebenserfolg etc. nicht (nur) auf dem IQ basiert ist eine Binsenweisheit. Das spricht in keinster Weise gegen das Konzept Intelligenz (was du in der Form auch nie behauptet hättest).

Tipp: Schleunigst bei Mensa anmelden. Dort wirst du noch mehr außergewöhnliche Vifzacke finden, die sich nicht als außergewöhnliche Vifzacke empfinden.

Ralf

Hi, Thanatos!

Auch wenn dich der Thanatos treibt - siehs mal ein wenig positiver!

daß der größte Teil der

Menschheit zunehmend der Verblödung anheimfällt.
Ausreichende Beweise dafür finden sich in den
Unterhaltungsmedien, den Nachrichten, der Pervertierung von
Religionen, der Qualität pädagogischer Einrichtungen, der
Vernachlässigung sozialer und damit emotionaler Intelligenz

Naja, vielleicht sollte man von der Blödheit der Medien nicht unbedingt auf die Verblödung der Zuschauer schließen. Was solln se denn anderes tun als entweder die Glotze abdrehen (neiin!) oder den Schwachsinn über sich ergehen lassen? Ist nach einem harten Arbeitstag halt bequemer als ein Buch…

Und die Pervertierung der Religion zieht sich durch die gesamte Geschichte des christlichen Abendlandes, ist also auch nix Neues.
Und vor 200 Jahren gab es noch zwei Drittel Analphabeten, heute gibt zwar genügend Leute, die den Trend zum Zweitbuch noch nicht erkannt haben, aber immerhin das Chatten und SMSen perfekt beherrschen…:wink:.
Und noch vor gar nicht allzu langer Zeit haben die Leute die Frauen verkauft (okay, das tun sie heute auch noch…), Sklaven gehalten und die Feinde aufgehängt. Die waren sozial auch nicht gerade Intelligenzbestien. Fazit: hat sich irgendwas geändert?!

Ich seh das nicht so negativ, solange unsere Kinder wenigstens einen Zugang zu Bildung haben (ist ja in manchen Teilen der Welt nicht selbstverständlich!).

Der größte Feind der eigenen Intelligenz scheint mir die

Eitelkeit zu sein. Mir schwant, das dieser Aspekt oftmals eine
wesentliche Rolle beim Absolvieren eines sog. IQ Tests spielt.

Na klar - ist doch jeder unsicher, wenns um die eigene Schlauheit geht (vor allem dann, wenn man sich irgendwie im Geheimen denkt, dass die anderen immer eine Spur schneller sind…). Und klar schmeichelt es dem Ego, wenn man bestätigt kriegt, dass man der Dümmste nicht ist (hat man aber doch eigentlich immer schon geahnt, dass das eigene Chaos ein signifikanter Hinweis auf das verkannte Genie ist…).

In diesem Sinn: Auf die Zukunft und liebe Grüße!
Barbara

Danke, Tychi, hab ich gelesen. Hat sich aber speziell um Testtheorie gedreht. Mir gehts weniger um die Genauigkeit der Messung als um die Validität eines Tests. Also, misst der Intelligenztest tatsächlich „Intelligenz“?

Liebe Grüße
Barbara

Hallo
Wir hatten vor Kurzem erst eine Diskussion zur Intelligenz:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Gruss, Tychi