Hallo Anna
Erstmal herzlichen Dank für Deine Antwort!
mein erster Gedanke war: was für Vorteile bringt ihr dieses
Verhalten? Das wären in meinen Augen
- ohne eine Meinung zu äußern, kann sie nie auf Ablehnung
stoßen
Richtig, ich glaube, sie kann mit Meinungsverschiedenheiten, auch wenn diese von äusserst unwichtiger Natur sind, nicht sehr gut umgehen.
- die „Mühe“, sich eine Meinung bilden zu müssen, entfällt
Das ist auch ein gutes Argument, vorausgesetzt, sie hat wirklich keine eigene Meinung.
- sie muss sich nie preisgeben, solange sie nichts
Persönliches äußert
Ebenfalls sehr richtig.
- nimms im besten Sinne persönlich: sie läuft Dir vielleicht
hinterher, weil sie Dich und Deine Gesellschaft schlichtweg
mag
Ja, das sagt sie auch genau so. Ich mag ihre Gesellschaft ja auch, würde es aber mehr schätzen, wenn sie sich als absolut gleichwertig einschätzen und sich auch danach verhalten würde.
- bisher scheint ihr Verhalten funktioniert zu haben, sprich
Du hast ihr bisher die Wege auch vorgetrampelt, wenn ich Dich
richtig verstanden hab, und sei es nur, weil Du zu genervt
warst von ihrer (vermeintlichen) Hilflosigkeit
Mehr oder weniger, auch wenn ich ab und an „rebelliere“ - wobei das aber unglaublich zeit- und nervenintensiv ist. Auf derart kindische Spielchen habe ich aber eben keine Lust.
meine Fantasien darüber, was ihr Verhalten mit Dir macht:
- es gibt Dir völlige Freiheit, zu entscheiden
Jein - einerseits schon, andererseits fühle ich mich sehr verantwortlich für sie. Ist so in etwas, wie wenn man ein kleines Kind an der Hand hat, für das man auch sorgen muss.
- es macht Dich vielleicht auch unsicher, weil Du nie weißt,
woran Du bist
Nicht wirklich, ich beginne ganz einfach sehr egoistisch zu handeln, weil ich mich gezwungen fühle, eine Entscheidung zu treffen und das dann auch tue, weil ihre Antwort, egal wie oft oder ernsthaft ich sie Frage „Willst Du x oder y?“ stets als „mir egal“ oder „was auch immer du möchtest“ ausfällt.
- die Beziehung wird sehr einseitig, Du offenbarst sehr viel
von Dir (so entscheide ich, das würde ich gerne tun, das ist
meine Meinung, so ein Mensch bin ich), während sie ebendies
nicht tut
Das sehe ich hingegen nicht so. Sie überhäuft mich mit materiellen Dingen und tut in dem Sinn „ihre freundschaftliche Pflicht“. Ich hingegen, und das habe ich ihr schon mehrmals gesagt, würde mich mehr über eine angeregte Diskussion, einen Spaziergang, etc. freuen.
- dadurch, dass sie Dir viel mehr „Macht“ zuspricht als ihr
selbst („Ich kann nicht mal eine Flasche aufmachen, mach Du
das für mich“), ist es keine Beziehung „auf Augenhöhe“, sie
hebt Dich auf einen Sockel
Richtig, und das will ich ganz und gar nicht. Ich fühle mich so nicht wohl und sehe das nicht als echte Freundschaft an.
- Du fühlst Dich übergangen, wenn sie z.B. ein „Nein, ich will
die Geschenke von Dir nicht“ nicht akzeptiert
Nein, das nicht.
- Du läufst quasi immer ins „Leere“ - weil aber
(Selbst)Erfahrung immer über Grenzen abläuft, ich kann mich
also nur an meinen Grenzen erfahren und spüren, erwarte ich
genau das von meinen Freunden: mit mir zusammen Grenzen zu
erkennen, zu erfahren, manchmal auch zu ändern, mich in meiner
Entwicklung zu begleiten. Ohne Eigenerfahrung keine innere
Entwicklung.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das verstehe.
was tun? ich denke vor allem an zwei Dinge:
- ansprechen, eine konstruktive Art könnte sein:
- beschreib eine Situation, die das widerspiegelt, was Du
meinst, noch ohne irgendeine Wertung
- erzähl ihr Deine Fantasien, warum sie wohl so gehandelt hat
(sie wollte es Dir möglichst recht machen, usw.)
- sag ihr, was das mit Dir macht (z.B. unsicher und Du
möchtest Dich zurückziehen)
- sag ihr, was Du Dir wünschst (z.B. würdest Du ihr gern auch
mal eine Freude machen, wenn Du aber gar nicht weißt, welche
Blumen sie mag, weil sie immer sagt „mir gefallen die am
besten, die Du magst“, dann nimmt sie Dir diese Möglichkeit)
Ich finde die Ideen sehr gut und werde sie mir merken und versuchen danach zu handeln. Die letzte Idee kann ich aber so ganz und gar nicht teilen, weil es da schon wieder um materielle Dinge handelt.
- handeln,
wie Du es ja auch schon getan hast, den Weg eben nicht
„vorzutrampeln“, die Flasche nicht zu öffnen, sie mit
Entscheidungen allein zu lassen. Das heißt nicht, dass Du sie
nicht unterstützen kannst, Du kannst ja für den Anfang z.B.
beim Frühstück sagen, es gibt Marmelade, Käse, Müsli, Obst,
und was Du essen willst, musst Du selber wissen, so in der
Art. Lass Dich nicht weichkochen, sie wird weder vor der
zugeschraubten Flasche verdursten noch vorm Buffet verhungern.
Lob sie für Entscheidungen, die sie trifft, freu Dich mit ihr
und gib ihr auch da das Feedback, dass es z.B. total schön
war, heute einen Spazierweg gegangen zu sein, den sie
ausgesucht hat.
Theoretisch klingt das ja alles sehr schön - aber weisst Du, was das für eine Riesenmühe ist? Ich kann und will ehrlich gesagt nicht die Erziehungsarbeit übernehmen, die andere nicht gemacht haben. Von ihr kommt ja nichts, sie ist zufrieden mit der Situation. Ich bin es, die das Problem hat.
Herzlichsten Dank für die tolle Antwort,
Semiramis