'Ist mir egal'

Liebe Leut

Wie geht man mit jemandem um, der auf jegliche Frage, die mit Entscheidungen treffen zu tun hat, mit schulterzucken und „Ist mir egal“ oder „Was auch immer“ antwortet. Es geht hier konkret um eine Freundin von mir, die ich zwar sehr mag, die mich manchmal aber den letzten Nerv kostet wegen ihren totalen Entschlussunlust, vorgegebenen Hilflosigkeit und Nachlauferei. Was auch immer es ist, ich bin diejenige, die vorangehen und handeln muss. Das geht so weit, dass sie vorgibt, noch nicht mal eine PET-Flasche alleine aufschrauben zu können. Sie drückt sie mir in die Hand und wenn ich ihr sage „mach selbst“ schaut sie mich gross an, ist beleidigt und öffnet die Flasche nicht, sondern wirft sie fort. Sie ist total unselbstständig und glücklich, wenn sie jemandem nachlaufen darf.
Das Problem dabei ist, dass ich das Gefühl habe, dass sie denkt, sie sei, wenn sie zu nichts eine Meinung hat, eine angenehme und unkomplizierte Begleitung.
Ich mag sie wirklich, aber ihre totale Selbstaufopferung und Nachlauferei gehen mir auf die Nerven. Einerseits denke ich, muss sie lernen, dass sie sich nicht darauf verlassen kann, dass ihr stets jemand den Weg vortrampelt. Andererseits halte ich es nicht für meinen Job, sie zu erziehen.

Wie würdet ihr in so einer Situation vorgehen?

Sie scheint, solange ich die Spur vorgebe und Entscheidungen treffe, glücklich und zufrieden und da ich sie wirklich mag, möchte ich mich nicht mit ihr verkrachen, sondern ihr auf eine möglichst nette Art beibringen, dass ich es lieber hätte, wenn sie auf eigenen Beinen stehen würde.

Gruss,

Semiramis

hi,

Ich mag sie wirklich, aber ihre totale Selbstaufopferung und
Nachlauferei gehen mir auf die Nerven. Einerseits denke ich,
muss sie lernen, dass sie sich nicht darauf verlassen kann,
dass ihr stets jemand den Weg vortrampelt. Andererseits halte
ich es nicht für meinen Job, sie zu erziehen.

Wie würdet ihr in so einer Situation vorgehen?

ihr genau das sagen.

schöne grüße
ann

Der Artikel enthält kaum eigenen Text. Der zitierte Anteil beträgt 89%. Bitte zitiere nur den Teil, auf den du dich direkt beziehst!

ich denke nicht dran!

dann sag ihr das so wie du es hier geschrieben hast.
dann ist die frage -wie ist es im elternhaus abgelaufen , wurden ihr von kleinauf die entscheidungen abgenommen, weil die eltern es so wollten, oder ist es bequemlichkeit, angst etwas verkehrtes zu tun usw. dann mußt du geduld haben und sie das lernen lassen.
eine falsche entscheidung zu treffen ist besser als gar keine gruß kfm

Hallo!

Bitte erklär das nochmal mit anderen Worten und etwas einfacher. Ich habe es zwar verstanden, aber ich denke, es würde trotzdem allen helfen, wenn du nochmal etwas klarer schreiben würdest, wo eigenlich das Problem liegt. Wo genau? Was ist daran so schlimm, wenn jemand etwas egal ist?

Grüße

Andreas

Hi Andreas

Ich denke, ich habe das Problem doch recht klar beschrieben. Ich mag es nicht, dass eine „Freundin“ mir

a) praktisch nie sagt, was sie will, auch wenn eine Entscheidung dringend ansteht und dies mir überlässt. Ich bin mir nicht sicher, ob sie ihre Meinung einfach nicht kundtun will/kann oder, was ich noch erschreckender fände, gar keine hat.
b) läuft sie mir ständig nach.

Hilft das?

Gruss,

Andreas

Hi Ann

Ich habe das schon einmal versucht - da ging es um etwas anderes, sie hat mir alle zwei Tage etwas Neues, in meinen Augen relativ Teures (DVDs, Schmuck, etc.) gekauft und geschenkt, bis ich ihr klipp und klar gesagt habe, dass ich das nicht will. Sie hat das schlichtweg nicht akzeptiert und mir weiterhin Dinge aufgedrängt, die ich schnurstracks und ungeöffnet wieder zurückgelegt habe. Direkt zurückgeben ging nicht, sie nahm es schlichtweg nicht an und brachte es ebenfalls umgehend zurück… Siehst Du, wie’s läuft? Sie hatte sich irgendwo ein Spiel daraus gemacht. Schlussendlich, nachdem ich in deutlichen, aber möglichst netten Worten versucht habe, ihr klar zu machen, dass ich keine Geschenke akzeptieren werde, ist sie in Tränen ausgebrochen und die unglücklicherweise anderen anwesenden Personen fanden mich logischerweise ziemlich „rude“, obwohl sie nicht wussten, worum es ging. (Ich befinde mich in England).

Nun wäre es ja nicht derart schwierig, jemandem, den man eigentlich nicht mag, klipp und klar zu sagen, dass man das nicht will. Aber ich mag sie wirklich und möchte eine Tränenflut wenn irgendwie möglich verhindern.

Gibt es nicht irgendwelche Taktiken, die ihr mir anraten könntet?

Gruss,

Semiramis

a) praktisch nie sagt, was sie will, auch wenn eine
Entscheidung dringend ansteht und dies mir überlässt. Ich bin
mir nicht sicher, ob sie ihre Meinung einfach nicht kundtun
will/kann oder, was ich noch erschreckender fände, gar keine
hat.
b) läuft sie mir ständig nach.

Hallo Semiramis!

Ein anderes Problem in deinem Sinne ist außerdem, dass deine Freundin wohl keinen Grund sieht, sich zu ändern, wenn immer alles läuft, auch wenn sie sehr passiv ist.

Was sagt sie denn, wenn du sie darauf ansprichst, dass du mit ihrer Anhänglichkeit ein Problem hast? Was passiert, wenn du dich mal etwas zurückziehst? Und was passiert, wenn du eine Entscheidung auch nicht treffen willst/„kannst“ (angeblich, kommt auf Ausrede und Situation an)?
Und wenn sie nicht in der Lage ist, eine Wasserflasche aufzumachen, muss sie eben die Flasche und damit das Geld wegschmeißen und was anderes trinken, das ist doch nicht dein Problem! Da würd ich einfach mal stur sein, eine Flasche muss jeder erwachsene Mensch aufschrauben können. Das kann nicht deine Aufgabe sein.

Liebe Grüße,
Thorid

Hi!

Ist sie in Dich verliebt?

Gruß

Gibt es nicht irgendwelche Taktiken, die ihr mir anraten
könntet?

Rückzug.

Gruß,

MecFleih

Hi Semiramis

a) praktisch nie sagt, was sie will, auch wenn eine
Entscheidung dringend ansteht und dies mir überlässt.

Also, wenn du fragst, ob sie Milch oder Knochenmehl in den Kaffee will, und sie sagt, ist egal, dann schütte einfach Milch rein. Oder Knochenmehl. Mußt du schon selbst entscheiden. Ist mir egal.

b) läuft sie mir ständig nach.

Das kenne ich. Ich hatte mal einen Mitarbeiter, der immer hinter mir hergedackelt ist. Einmal mußte ich auf einem Autobahnparkplatz dringend zur Toilette, da war aber keine, nur Bäume. Da dachte, ich ich bleibe erstmal eine Minute sitzen, und warte, ob er auch mal raus muß. Er blieb auch sitzen. Also dachte ich, wenn er nicht raus muß, dann gehe ich jetzt, und was macht er? In dem Moment, wo ich aussteige, steigt er auch aus, und zu welchem Baum geht er? Rate mal! Richtig, zu dem, wo ich auch hingehe. Das war dann schon echt lästig.

Was man dagegen tun kann?

Ich denke, nur eins: Es der Person sagen.

Wenn das nicht hilft, mußt du dir überlegen, wieviel eure Freundschaft aushält und wieviel du riskieren willst.

Grüße

Andreas

2 „Gefällt mir“

Hallo Semiramis,

mein erster Gedanke war: was für Vorteile bringt ihr dieses Verhalten? Das wären in meinen Augen

  • ohne eine Meinung zu äußern, kann sie nie auf Ablehnung stoßen
  • die „Mühe“, sich eine Meinung bilden zu müssen, entfällt
  • sie muss sich nie preisgeben, solange sie nichts Persönliches äußert
  • nimms im besten Sinne persönlich: sie läuft Dir vielleicht hinterher, weil sie Dich und Deine Gesellschaft schlichtweg mag
  • bisher scheint ihr Verhalten funktioniert zu haben, sprich Du hast ihr bisher die Wege auch vorgetrampelt, wenn ich Dich richtig verstanden hab, und sei es nur, weil Du zu genervt warst von ihrer (vermeintlichen) Hilflosigkeit

wie Du ja schon (wie ich finde richtig) geschrieben hast, ist es nicht Dein Job, sie zu erziehen, ihr Verhalten komplett zu ändern. Aber es ist sehr wohl Dein Job, für Dich zu sorgen, und darum kannst Du ihr Verhalten auch da ansprechen, wo es Dich betrifft.

meine Fantasien darüber, was ihr Verhalten mit Dir macht:

  • es gibt Dir völlige Freiheit, zu entscheiden
  • es macht Dich vielleicht auch unsicher, weil Du nie weißt, woran Du bist
  • die Beziehung wird sehr einseitig, Du offenbarst sehr viel von Dir (so entscheide ich, das würde ich gerne tun, das ist meine Meinung, so ein Mensch bin ich), während sie ebendies nicht tut
  • dadurch, dass sie Dir viel mehr „Macht“ zuspricht als ihr selbst („Ich kann nicht mal eine Flasche aufmachen, mach Du das für mich“), ist es keine Beziehung „auf Augenhöhe“, sie hebt Dich auf einen Sockel
  • Du fühlst Dich übergangen, wenn sie z.B. ein „Nein, ich will die Geschenke von Dir nicht“ nicht akzeptiert
  • Du läufst quasi immer ins „Leere“ - weil aber (Selbst)Erfahrung immer über Grenzen abläuft, ich kann mich also nur an meinen Grenzen erfahren und spüren, erwarte ich genau das von meinen Freunden: mit mir zusammen Grenzen zu erkennen, zu erfahren, manchmal auch zu ändern, mich in meiner Entwicklung zu begleiten. Ohne Eigenerfahrung keine innere Entwicklung.

was tun? ich denke vor allem an zwei Dinge:

  1. ansprechen, eine konstruktive Art könnte sein:
  • beschreib eine Situation, die das widerspiegelt, was Du meinst, noch ohne irgendeine Wertung
  • erzähl ihr Deine Fantasien, warum sie wohl so gehandelt hat (sie wollte es Dir möglichst recht machen, usw.)
  • sag ihr, was das mit Dir macht (z.B. unsicher und Du möchtest Dich zurückziehen)
  • sag ihr, was Du Dir wünschst (z.B. würdest Du ihr gern auch mal eine Freude machen, wenn Du aber gar nicht weißt, welche Blumen sie mag, weil sie immer sagt „mir gefallen die am besten, die Du magst“, dann nimmt sie Dir diese Möglichkeit)
  1. handeln,
    wie Du es ja auch schon getan hast, den Weg eben nicht „vorzutrampeln“, die Flasche nicht zu öffnen, sie mit Entscheidungen allein zu lassen. Das heißt nicht, dass Du sie nicht unterstützen kannst, Du kannst ja für den Anfang z.B. beim Frühstück sagen, es gibt Marmelade, Käse, Müsli, Obst, und was Du essen willst, musst Du selber wissen, so in der Art. Lass Dich nicht weichkochen, sie wird weder vor der zugeschraubten Flasche verdursten noch vorm Buffet verhungern. Lob sie für Entscheidungen, die sie trifft, freu Dich mit ihr und gib ihr auch da das Feedback, dass es z.B. total schön war, heute einen Spazierweg gegangen zu sein, den sie ausgesucht hat.

Ich wünsch Dir viel Durchhaltevermögen, aus eigener Erfahrung (noch immer andauernd, wenn auch mittlerweile besser!) kann ich ein wenig nachvollziehen, dass das manchmal echt Nerven kostet.

Lieben Gruß,
Anna

Hi MecFleih

Rückzug habe ich versucht und versuche ich immer noch, ist allerdings sehr schwierig durchzuführen, weil wir zusammen wohnen.

Herzlichen Dank trotzdem,

Semiramis

Hallo Andreas

Ja, ich denke, Du hast das Ausmass des Ganzen verstanden… genau so benimmt sie sich auch.

a) praktisch nie sagt, was sie will, auch wenn eine
Entscheidung dringend ansteht und dies mir überlässt.

Also, wenn du fragst, ob sie Milch oder Knochenmehl in den
Kaffee will, und sie sagt, ist egal, dann schütte einfach
Milch rein. Oder Knochenmehl. Mußt du schon selbst
entscheiden. Ist mir egal.

Das tue ich ja, aber sie scheint dabei eben glücklich zu sein. Ihr Argument ist immer „solange ich mit Dir zusammen bin, bin ich glücklich“ - ja, sie ist im Kopf noch sehr jung und in Jahren auch noch ein sehr unerfahrener Spross.

Das kenne ich. Ich hatte mal einen Mitarbeiter, der immer
hinter mir hergedackelt ist. Einmal mußte ich auf einem
Autobahnparkplatz dringend zur Toilette, da war aber keine,
nur Bäume. Da dachte, ich ich bleibe erstmal eine Minute
sitzen, und warte, ob er auch mal raus muß. Er blieb auch
sitzen. Also dachte ich, wenn er nicht raus muß, dann gehe ich
jetzt, und was macht er? In dem Moment, wo ich aussteige,
steigt er auch aus, und zu welchem Baum geht er? Rate mal!
Richtig, zu dem, wo ich auch hingehe. Das war dann schon echt
lästig.

Das ist aber 100% was hier gerade abläuft. Ein Freund von mir, der mich besucht hat, meinte nach einem einzigen Tag schon, dass er das keine Woche aushalten würde… nun, ich erlebe das seit Monaten!

Ich denke, nur eins: Es der Person sagen.

Das habe ich versucht, aber ich sollte wohl nochmal einen Versuch wagen.

Wenn das nicht hilft, mußt du dir überlegen, wieviel eure
Freundschaft aushält und wieviel du riskieren willst.

Herzlichen Dank für Deine sehr hilfreiche Antwort,

Gruss,

Semiramis

Hallo Siân

Ich glaube eher nicht - ich schiebe ihr Verhalten auf ihr sehr junges Alter und ihre Erziehung. Ich habe ihre Eltern kennengelernt und deshalb wundert es mich nicht sehr, dass sie sich so benimmt.

Gruss,

Semiramis

Hallo Semiramis,

was deiner Freundin fehlt ist ein gesundes Selbstbewusstsein, sie hat kein vertrauen zu sich selbst und immense angst die falsche Entscheidung zu treffen. Damit sie nicht in verzwickte Situationen gerät, die sie nicht mehr kontrollieren kann überlässt sie es lieber dir und gibt ihr Leben in deine Hände.

Es bringt nichts, wenn du sie unter Druck setzt, dann würde sie sofort wieder dicht machen.

Setze dich mit ihr zusammen und hilf ihr, sich selber zu finden. Erzähle ihr alles was du an ihr magst und mache ihr ihre positiven Charaktereigenschaften klar. Schreibt es auf ein Zettel mit zB der Überschrift „Das bin ich“ und hängt es an den Kühlschrank, so das sie es immer wieder lesen kann.

Frag sie ständig nach ihrer Meinung zum Beispiel - was wollen wir essen-, - welchen Film sehen wir uns an -, welche Farbe steht mir besser -. Am Anfang wird sie immer wieder mit den Schultern zucken. Aber irgendwann (wenn sie zB Heißhunger auf Erdbeeren hat)macht sie einen Vorschlag. Dann setzt du ihn ohne weiteres in die Tat um und DANACH sagst du ihr, das die Idee genial war. So, führst du sie Schritt für Schritt zur eigenen Meinungsäußerung, spielerisch und ohne zwang.

Du musst die Sache sehr subtil angehen mit kleinen Schritten, ob es Erfolg bringt ist zwar nicht sicher aber ein Versuch ist es allemal wert.

Viel Glück
Medusa

Hallo Anna

Erstmal herzlichen Dank für Deine Antwort!

mein erster Gedanke war: was für Vorteile bringt ihr dieses
Verhalten? Das wären in meinen Augen

  • ohne eine Meinung zu äußern, kann sie nie auf Ablehnung
    stoßen

Richtig, ich glaube, sie kann mit Meinungsverschiedenheiten, auch wenn diese von äusserst unwichtiger Natur sind, nicht sehr gut umgehen.

  • die „Mühe“, sich eine Meinung bilden zu müssen, entfällt

Das ist auch ein gutes Argument, vorausgesetzt, sie hat wirklich keine eigene Meinung.

  • sie muss sich nie preisgeben, solange sie nichts
    Persönliches äußert

Ebenfalls sehr richtig.

  • nimms im besten Sinne persönlich: sie läuft Dir vielleicht
    hinterher, weil sie Dich und Deine Gesellschaft schlichtweg
    mag

Ja, das sagt sie auch genau so. Ich mag ihre Gesellschaft ja auch, würde es aber mehr schätzen, wenn sie sich als absolut gleichwertig einschätzen und sich auch danach verhalten würde.

  • bisher scheint ihr Verhalten funktioniert zu haben, sprich
    Du hast ihr bisher die Wege auch vorgetrampelt, wenn ich Dich
    richtig verstanden hab, und sei es nur, weil Du zu genervt
    warst von ihrer (vermeintlichen) Hilflosigkeit

Mehr oder weniger, auch wenn ich ab und an „rebelliere“ - wobei das aber unglaublich zeit- und nervenintensiv ist. Auf derart kindische Spielchen habe ich aber eben keine Lust.

meine Fantasien darüber, was ihr Verhalten mit Dir macht:

  • es gibt Dir völlige Freiheit, zu entscheiden

Jein - einerseits schon, andererseits fühle ich mich sehr verantwortlich für sie. Ist so in etwas, wie wenn man ein kleines Kind an der Hand hat, für das man auch sorgen muss.

  • es macht Dich vielleicht auch unsicher, weil Du nie weißt,
    woran Du bist

Nicht wirklich, ich beginne ganz einfach sehr egoistisch zu handeln, weil ich mich gezwungen fühle, eine Entscheidung zu treffen und das dann auch tue, weil ihre Antwort, egal wie oft oder ernsthaft ich sie Frage „Willst Du x oder y?“ stets als „mir egal“ oder „was auch immer du möchtest“ ausfällt.

  • die Beziehung wird sehr einseitig, Du offenbarst sehr viel
    von Dir (so entscheide ich, das würde ich gerne tun, das ist
    meine Meinung, so ein Mensch bin ich), während sie ebendies
    nicht tut

Das sehe ich hingegen nicht so. Sie überhäuft mich mit materiellen Dingen und tut in dem Sinn „ihre freundschaftliche Pflicht“. Ich hingegen, und das habe ich ihr schon mehrmals gesagt, würde mich mehr über eine angeregte Diskussion, einen Spaziergang, etc. freuen.

  • dadurch, dass sie Dir viel mehr „Macht“ zuspricht als ihr
    selbst („Ich kann nicht mal eine Flasche aufmachen, mach Du
    das für mich“), ist es keine Beziehung „auf Augenhöhe“, sie
    hebt Dich auf einen Sockel

Richtig, und das will ich ganz und gar nicht. Ich fühle mich so nicht wohl und sehe das nicht als echte Freundschaft an.

  • Du fühlst Dich übergangen, wenn sie z.B. ein „Nein, ich will
    die Geschenke von Dir nicht“ nicht akzeptiert

Nein, das nicht.

  • Du läufst quasi immer ins „Leere“ - weil aber
    (Selbst)Erfahrung immer über Grenzen abläuft, ich kann mich
    also nur an meinen Grenzen erfahren und spüren, erwarte ich
    genau das von meinen Freunden: mit mir zusammen Grenzen zu
    erkennen, zu erfahren, manchmal auch zu ändern, mich in meiner
    Entwicklung zu begleiten. Ohne Eigenerfahrung keine innere
    Entwicklung.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das verstehe.

was tun? ich denke vor allem an zwei Dinge:

  1. ansprechen, eine konstruktive Art könnte sein:
  • beschreib eine Situation, die das widerspiegelt, was Du
    meinst, noch ohne irgendeine Wertung
  • erzähl ihr Deine Fantasien, warum sie wohl so gehandelt hat
    (sie wollte es Dir möglichst recht machen, usw.)
  • sag ihr, was das mit Dir macht (z.B. unsicher und Du
    möchtest Dich zurückziehen)
  • sag ihr, was Du Dir wünschst (z.B. würdest Du ihr gern auch
    mal eine Freude machen, wenn Du aber gar nicht weißt, welche
    Blumen sie mag, weil sie immer sagt „mir gefallen die am
    besten, die Du magst“, dann nimmt sie Dir diese Möglichkeit)

Ich finde die Ideen sehr gut und werde sie mir merken und versuchen danach zu handeln. Die letzte Idee kann ich aber so ganz und gar nicht teilen, weil es da schon wieder um materielle Dinge handelt.

  1. handeln,
    wie Du es ja auch schon getan hast, den Weg eben nicht
    „vorzutrampeln“, die Flasche nicht zu öffnen, sie mit
    Entscheidungen allein zu lassen. Das heißt nicht, dass Du sie
    nicht unterstützen kannst, Du kannst ja für den Anfang z.B.
    beim Frühstück sagen, es gibt Marmelade, Käse, Müsli, Obst,
    und was Du essen willst, musst Du selber wissen, so in der
    Art. Lass Dich nicht weichkochen, sie wird weder vor der
    zugeschraubten Flasche verdursten noch vorm Buffet verhungern.
    Lob sie für Entscheidungen, die sie trifft, freu Dich mit ihr
    und gib ihr auch da das Feedback, dass es z.B. total schön
    war, heute einen Spazierweg gegangen zu sein, den sie
    ausgesucht hat.

Theoretisch klingt das ja alles sehr schön - aber weisst Du, was das für eine Riesenmühe ist? Ich kann und will ehrlich gesagt nicht die Erziehungsarbeit übernehmen, die andere nicht gemacht haben. Von ihr kommt ja nichts, sie ist zufrieden mit der Situation. Ich bin es, die das Problem hat.

Herzlichsten Dank für die tolle Antwort,

Semiramis

Vielleicht so…
… behutsam und mit viel Nerven :wink:
Akzeptieren.
Situationen schaffen, in denen sie ihre Möglichkeiten erkennt und Lust hat, sie zu nutzen.

Das geht so weit, dass sie vorgibt, noch nicht
mal eine PET-Flasche alleine aufschrauben zu können. Sie
drückt sie mir in die Hand und wenn ich ihr sage „mach selbst“
schaut sie mich gross an, ist beleidigt und öffnet die Flasche
nicht, sondern wirft sie fort.

Flasche nehmen, anschrauben, ihr geben mit der Bitte, den Rest für Dich zu erledigen…

Sie ist total unselbstständig
und glücklich, wenn sie jemandem nachlaufen darf.

Borderline?

Das Problem dabei ist, dass ich das Gefühl habe, dass sie
denkt, sie sei, wenn sie zu nichts eine Meinung hat, eine
angenehme und unkomplizierte Begleitung.

Aus ihrer Sicht doch ok. Also erst einmal akzeptieren, ihr Zeit geben.

Ich mag sie wirklich, aber ihre totale Selbstaufopferung und
Nachlauferei gehen mir auf die Nerven. Einerseits denke ich,
muss sie lernen, dass sie sich nicht darauf verlassen kann,
dass ihr stets jemand den Weg vortrampelt. Andererseits halte
ich es nicht für meinen Job, sie zu erziehen.

Das Letztere ist mehr als ok! Aber wenn Du sie ein Stück begleiten möchtest, dann haste halt Arbeit; leider.

Sie scheint, solange ich die Spur vorgebe und Entscheidungen
treffe, glücklich und zufrieden und da ich sie wirklich mag,
möchte ich mich nicht mit ihr verkrachen, sondern ihr auf eine
möglichst nette Art beibringen, dass ich es lieber hätte, wenn
sie auf eigenen Beinen stehen würde.

Bleibt also nur, ihr Gegebenheiten zu schaffen, bei denen sie sich „bewähren“ kann. Und zu unterstützen und zu hoffen, dass sie Lust daran gewinnt, etwas selbst, aus eigenem Antrieb zu tun. Und wenn es damit beginnt, dass sie das Cafe, in welchem man gemeinsam einen Capuccino schlürfen möchte, auszusuchen …

Ich segne Dich und wünsche Dir die Kraft dazu!

LG
Dieter