Ist Schuldenmachen gut?

Hallo!

Man hört oft, es sei gut Schulden zu machen, um steuerliche Vorteile zu erhalten.

Ich brauche für meinen Start in die Selbständigkeit z.B. einen Firmenwagen.
Den kann ich nun leasen ( Anz. ca. 4000Euro, monatl. Rate ca. 270Euro).
Ich könnte mir aber auch für ca. 7000Euro, die ich auf der Bank habe, einen Gebrauchten kaufen. Den fahr ich dann nicht nur 3Jahre sondern vielleicht 5Jahre, und hab keine monatlichen Leasingkosten.
Aber selbst wenn ich mir 7000Euros leihen müsste, währe das doch immer noch günstiger, oder?

Wie seht Ihr das? Was ist im Endeffekt besser!

Diese Frage ist viel zu komplex um sie hier aufgrund dieser Aussagen zu beantworten.
Eigentlich kann sie dir nur ein Steuerberater, der deine Situation kennt, richtig beantworten.

Die Pauschalaussage, dass Schuldenmachen immer gut sei ist jedenfalls falsch.

Gruß Ivo

Man hört oft, es sei gut Schulden zu machen, um steuerliche
Vorteile zu erhalten.

das ist falsch!

Aber Fremdkapital zu nutzen um die Firma in Gang zu bringen, zu erweitern auszubauen und gut am Markt zu plazieren ist gut.

Ich brauche für meinen Start in die Selbständigkeit z.B. einen
Firmenwagen.

wenn du ein Auto hast, behalte das.

Den kann ich nun leasen ( Anz. ca. 4000Euro, monatl. Rate ca.
270Euro).

Normales Leasingangebot.

Ich könnte mir aber auch für ca. 7000Euro, die ich auf der
Bank habe, einen Gebrauchten kaufen.

Damit hast du u.U. aber keine flüssigen Mittel mehr, um z.B. Werbung zu machen oder ware zu kaufen, denn dafür kriegt man z.B. kein Kredit oder Leasing.

einen Gebrauchten zu kaufen ist nicht sinnvoll, da er steuerlich wie ein Neuer behandelt wird.

Den fahr ich dann nicht

nur 3Jahre sondern vielleicht 5Jahre, und hab keine
monatlichen Leasingkosten.

du kannst das Leasingauto auch zum Restwert übernehmen und dann 15 Jahre fahren.

Aber selbst wenn ich mir 7000Euros leihen müsste, währe das
doch immer noch günstiger, oder?

Reich deine BWA und Bilanz rein, dann kann man dazu was sagen.

Wie seht Ihr das? Was ist im Endeffekt besser!

sich von seinem StB beraten zu lassen.

gruss

Hi !

wie du selbst schon erkannt zu haben scheinst, ist nicht alles was nach sich nach „Steuern sparen“ anhört, auch wirklich vernünftig.

Richtig ist, dass je mehr Kosten man seinen Einnahmen gegenüberstellt, der Gewinn umso geringer sein wird und daher auch die Steuer, die darauf zu zahlen sein wird, immer geringer wird.

Was aber häufig übersehen wird, ist, dass das produzieren von (unnötigen) Kosten die Liquidität weit mehr beeinträchtigt als das Zahlen von Steuern. Kleines Beispiel dazu:

Annahme Steuersatz bleibt konstant bei 25%
Alternative 1:
100.000 Einnahmen
-50.000 Kosten (notwendig)
=50.000 Gewinn darauf 25% Steuern = 12.500
es verbleibt an Liquidität 37.500

Alternative 2:
100.000 Einnahmen
-50.000 Kosten (notwendig)
-20.000 Kosten (unnötig)
=30.000 Gewinn darauf 25% Steuern = 7.500
es verbleibt an Liquidität 22.500

Jeder wird wohl zugeben müssen, dass in der Alternative 2 Steuern in Höhe von 5.000 gespart worden sind. Einige „Profis“, die einem unbedingt was vekaufen wollen, sagen sogar, „durch diese Anschaffung können sie 40% der Steuerlast einsparen“. Und haben damit vollkommen Recht. Denn statt dem Staat 5.000 mehr zu geben, schmeißt man lieber einem Anderen 20.000 in den Hals. Klingt absurd, aber viele Menschen fallen immer wieder darauf rein. Das hängt wohl mit der in Deutschland vorherrschenden Mentalität des Steuern sparens zusammen.

FAZIT: nicht jeder, der einem erzählt man könne Steuern sparen, will einem wirklich weiterhelfen. Rechne für dich selbst, wie das vorhandene Geld am sinnvollsten verwendet werden soll.

BARUL76

Ich brauche für meinen Start in die Selbständigkeit z.B. einen
Firmenwagen.

Du kannst auch Deinen Privat-PKW benutzen und den mit 0,30 Eur/km ansetzen.

Aber selbst wenn ich mir 7000Euros leihen müsste, wäre das
doch immer noch günstiger, oder?

Du musst dafür Zinsen zahlen und die bekommst Du vom Finanzamt nicht wieder, sondern Du minderst damit nur den Gewinn Deines Gewerbes, den Du dann später versteuerst.

Merksatz (über den dicken Daumen):
Geld nicht ausgeben ist 2 bis 4 mal beser, als es von der Steuer abzusetzen.

Den Gewinn zu mindern und auf andere Jahre zu verschieben, lohnt sich i.d.R. nur in einem Jahr, in dem ein sehr hoher Gewinn anfällt, der Dich hoch in die Progression treiben würde.
So etwas solltest Du in einem Gespräch mit dem STBerater klären.

Hallo Celo!

Die Aussicht, Steuern zu sparen, hat schon vielen Leuten den klaren Verstand verkleistert und die Existenz gekostet. Oberstes Ziel muß stets sein, Geld zu verdienen. Nur von Bargeld in der Kasse und Guthaben auf dem Konto kannst Du auf die Dauer leben. Du kannst nicht davon leben, wenn Du das vorhandene Geld einer Leasinggesellschaft überweist. Steuern werden nur fällig, wenn Gewinn erwirtschaftet wird und nur dann kann man daran gehen, Steuern zu sparen. Wenn der Geschäftsverlauf nicht nur Wunschdenken oder kurzfristiges Strohfeuer ist, sondern stabile Realität, kannst Du jederzeit von jetzt auf gleich für das Geschäft sinnvolle Verpflichtungen eingehen.

Ohne Gewinn braucht man über Steuern überhaupt nicht nachzudenken. Grundsätzlich überlebt kein Unternehmen aufgrund hoher Schulden und drückender Verpflichtungen, sondern dadurch, daß es seine Aktivitäten im günstigsten Fall aus eigenen Mitteln finanziert. Liquidität und Unabhängigkeit müssen auf der Prioritätenliste oben stehen. Sparsames Wirtschaften ist angesagt. Das schließt sinnvolle Investitionen nicht aus, ganz im Gegenteil. Aber man muß sich die einmalige Ausgabe oder die laufende Verpflichtung sicher leisten können. Andernfalls kommst Du absehbar in die Bittstellerrolle, sobald es mal finanziell eng wird. Du wirst abhängig von Entscheidungen betriebsfremder Sachbearbeiter, z. B. bei der Bank.

Die Sprüche, wonach man Schulden braucht, sind durchweg dumpfes Geschwafel. Da reden Leute vom „von der Steuer absetzen“, die überhaupt nicht wissen, was das ist. Wenn tüchtig Geld verdient wird, lassen sich mit Freude und Kreativität intelligente Lösungen zum Steuernsparen finden. Es macht aber keinen Spaß, wenn am Monatsende Raten fällig werden und das nötige Bargeld steht nicht zur Verfügung. Wenn Du ein Auto hast, dann benutze es (führe ein Fahrtenbuch). Wenn Du kein Auto hast und Du kannst den Preis für einen Gebrauchten auf den Tisch des Hauses blättern, ohne daß Du hinterher blank bist, dann mach es. Das mag steuerlich alles andere als optimal sein, aber Du hast keine laufende Verpflichtung am Bein. In einem jungen Geschäft würde ich wiederkehrende Verpflichtungen für Jahre nur mit ganz spitzen Fingern anfassen. Wenn man nur Hoffnungen, aber keinerlei Sicherheit hat, wie z. B. das nächste halbe Jahr aussieht, kann man schlecht feste Verpflichtungen für mehrere Jahre eingehen.

Abgesehen von Fällen, bei denen durch laufende Verkürzung/Hinterziehung oder Buchhaltungsrückstände „plötzlich“ Steuerrückstände fällig werden, geht keiner durch Steuern pleite. Aber alljährlich gehen tausende Unternehmen die Wupper herunter, weil sie wie die Geistesgestörten wirtschafteten und zu hohe laufende Verpflichtungen eingegangen sind. Gerade Leasingverträge sind schon etlichen Jungunternehmern über den Kopf gewachsen. Der schicke Neuwagen war angeblich unverzichtbar, um bei der Kundschaft etwas herzuzeigen. Jeder gewerbliche Kunde, der sich die Hose nicht mit der Kneifzange anzieht, läßt sich auf diese Weise nicht blenden, sondern ahnt eher, was da absehbar folgt … Ungezählte Unternehmer wären heilfroh, endlich Steuern bezahlen zu dürfen , weil sie keinen oder viel zu wenig Gewinn erwirtschaften und deshalb auch nie in die Verlegenheit geraten, Steuern sparen zu können.

Es gibt inhabergeführte Unternehmen, die vor Finanzkraft nur so strotzen, während Betriebe der gleichen Branche reihenweise schließen. Ich beobachte seit etlichen Jahren einige dieser florierenden Unternehmen, die vor 10 bis 20 Jahren geradezu bemitleidenswert bescheiden anfingen. Der Erfolg hat durchweg altmodische Ursachen: Halte das Geld zusammen; wirtschafte sparsam; Liquidität steht an erster Stelle; bezahle Deine Lieferanten so schnell wie irgend möglich; sieh zu, daß Du von Vermietern und Banken unabhängig wirst … und weitere Gesichtspunkte, die hier den Rahmen sprengen. Aber das Sparen von Steuern wurde stets erst nach Jahren zum Thema und auch dann nicht durch Verschuldung realisiert.

Damit kein Mißverständnis entsteht: Ein Darlehen kann sinnvoll sein, wenn seine Rückzahlung gesichert ist und mit der Investition mehr Geld verdient wird als Zinsen zu zahlen sind. Steuerliche Gesichtspunkte spielen dabei hinein, aber nicht ausschlaggebend für die Entscheidung. In vielen Fällen sind Unternehmer sogar gut beraten, wenn sie auf steuerliche Vorteile verzichten. Es gibt z. B. Leute, die kaufen oder bauen für einen vielstelligen Betrag ein Gebäude für ihr Unternehmen. Das machen sie aber privat und verzichten u. a. auf erhebliche Abschreibungsmöglichkeiten für ihr Unternehmen. Mit solchem Verzicht hat sich mancher weitblickende Mensch ein im Alter privat frei verfügbares Vermögen geschaffen. Steuern sparen will also wohl überlegt sein.

Gruß
Wolfgang

Das kommt drauf an ! (Leverage-Effekt)
Hallo …

die Antwort ist relativ einfach, die Lösung heißt Leverage-Effekt !

Kurz gesagt… die Aufnahme von Fremdkapital ist solange sinnvoll, wie die Gesamtkapitalrentabilität über dem Fremdkapital-Zinssatz liegt, denn hierdurch wir die Eigenkapitalrentabilität erhöht und diese Erhöhung wird als Hebel- (Leverage-) Effekt bezeichnet.

Da es bei einer jeden Investition problematisch ist, den prognostizierten Erfolg sicherzustellen, steht dem theoretischen Vorteil das praktische Risiko in der Umsetzung gegenüber.

MfG
http://www.1-2-3-Businessplan.de

Hallo Wolfgang!

Man soll sich doch mehr auf die eigene Intuition verlassen!
Mir ist nicht wohl dabei wenn ich wegen eines Firmenwagens jeden Monat einen Batzen Geld auf den Thresen des Autohändlers legen muß.
Da fahr ich am Anfang lieber eine Alten.
Dazu kommt ja auch noch Vollkasko und die Kundendienste, sie man pünktlich wegen der Garantie einhalten muß!
Und der Steuerberater braucht ja auch seine Existenzberechtigung. :smile:

Vielen Dank für Deine umfangreichen Ausführungen!

Gruß und eine schöne Woche,
celo

Hi BARUL76!

Annahme Steuersatz bleibt konstant bei 25%
Alternative 1:
100.000 Einnahmen
-50.000 Kosten (notwendig)
=50.000 Gewinn darauf 25% Steuern = 12.500
es verbleibt an Liquidität 37.500

Alternative 2:
100.000 Einnahmen
-50.000 Kosten (notwendig)
-20.000 Kosten (unnötig)
=30.000 Gewinn darauf 25% Steuern = 7.500
es verbleibt an Liquidität 22.500

FAZIT: nicht jeder, der einem erzählt man könne Steuern
sparen, will einem wirklich weiterhelfen. Rechne für dich
selbst, wie das vorhandene Geld am sinnvollsten verwendet
werden soll.

BARUL76

Vielen Dank für Deine Beispielrechnung! So ähnlich habe ich mir das schon gedacht!

Gruß und eine schöne Woche,
celo