Hallo Celo!
Die Aussicht, Steuern zu sparen, hat schon vielen Leuten den klaren Verstand verkleistert und die Existenz gekostet. Oberstes Ziel muß stets sein, Geld zu verdienen. Nur von Bargeld in der Kasse und Guthaben auf dem Konto kannst Du auf die Dauer leben. Du kannst nicht davon leben, wenn Du das vorhandene Geld einer Leasinggesellschaft überweist. Steuern werden nur fällig, wenn Gewinn erwirtschaftet wird und nur dann kann man daran gehen, Steuern zu sparen. Wenn der Geschäftsverlauf nicht nur Wunschdenken oder kurzfristiges Strohfeuer ist, sondern stabile Realität, kannst Du jederzeit von jetzt auf gleich für das Geschäft sinnvolle Verpflichtungen eingehen.
Ohne Gewinn braucht man über Steuern überhaupt nicht nachzudenken. Grundsätzlich überlebt kein Unternehmen aufgrund hoher Schulden und drückender Verpflichtungen, sondern dadurch, daß es seine Aktivitäten im günstigsten Fall aus eigenen Mitteln finanziert. Liquidität und Unabhängigkeit müssen auf der Prioritätenliste oben stehen. Sparsames Wirtschaften ist angesagt. Das schließt sinnvolle Investitionen nicht aus, ganz im Gegenteil. Aber man muß sich die einmalige Ausgabe oder die laufende Verpflichtung sicher leisten können. Andernfalls kommst Du absehbar in die Bittstellerrolle, sobald es mal finanziell eng wird. Du wirst abhängig von Entscheidungen betriebsfremder Sachbearbeiter, z. B. bei der Bank.
Die Sprüche, wonach man Schulden braucht, sind durchweg dumpfes Geschwafel. Da reden Leute vom „von der Steuer absetzen“, die überhaupt nicht wissen, was das ist. Wenn tüchtig Geld verdient wird, lassen sich mit Freude und Kreativität intelligente Lösungen zum Steuernsparen finden. Es macht aber keinen Spaß, wenn am Monatsende Raten fällig werden und das nötige Bargeld steht nicht zur Verfügung. Wenn Du ein Auto hast, dann benutze es (führe ein Fahrtenbuch). Wenn Du kein Auto hast und Du kannst den Preis für einen Gebrauchten auf den Tisch des Hauses blättern, ohne daß Du hinterher blank bist, dann mach es. Das mag steuerlich alles andere als optimal sein, aber Du hast keine laufende Verpflichtung am Bein. In einem jungen Geschäft würde ich wiederkehrende Verpflichtungen für Jahre nur mit ganz spitzen Fingern anfassen. Wenn man nur Hoffnungen, aber keinerlei Sicherheit hat, wie z. B. das nächste halbe Jahr aussieht, kann man schlecht feste Verpflichtungen für mehrere Jahre eingehen.
Abgesehen von Fällen, bei denen durch laufende Verkürzung/Hinterziehung oder Buchhaltungsrückstände „plötzlich“ Steuerrückstände fällig werden, geht keiner durch Steuern pleite. Aber alljährlich gehen tausende Unternehmen die Wupper herunter, weil sie wie die Geistesgestörten wirtschafteten und zu hohe laufende Verpflichtungen eingegangen sind. Gerade Leasingverträge sind schon etlichen Jungunternehmern über den Kopf gewachsen. Der schicke Neuwagen war angeblich unverzichtbar, um bei der Kundschaft etwas herzuzeigen. Jeder gewerbliche Kunde, der sich die Hose nicht mit der Kneifzange anzieht, läßt sich auf diese Weise nicht blenden, sondern ahnt eher, was da absehbar folgt … Ungezählte Unternehmer wären heilfroh, endlich Steuern bezahlen zu dürfen , weil sie keinen oder viel zu wenig Gewinn erwirtschaften und deshalb auch nie in die Verlegenheit geraten, Steuern sparen zu können.
Es gibt inhabergeführte Unternehmen, die vor Finanzkraft nur so strotzen, während Betriebe der gleichen Branche reihenweise schließen. Ich beobachte seit etlichen Jahren einige dieser florierenden Unternehmen, die vor 10 bis 20 Jahren geradezu bemitleidenswert bescheiden anfingen. Der Erfolg hat durchweg altmodische Ursachen: Halte das Geld zusammen; wirtschafte sparsam; Liquidität steht an erster Stelle; bezahle Deine Lieferanten so schnell wie irgend möglich; sieh zu, daß Du von Vermietern und Banken unabhängig wirst … und weitere Gesichtspunkte, die hier den Rahmen sprengen. Aber das Sparen von Steuern wurde stets erst nach Jahren zum Thema und auch dann nicht durch Verschuldung realisiert.
Damit kein Mißverständnis entsteht: Ein Darlehen kann sinnvoll sein, wenn seine Rückzahlung gesichert ist und mit der Investition mehr Geld verdient wird als Zinsen zu zahlen sind. Steuerliche Gesichtspunkte spielen dabei hinein, aber nicht ausschlaggebend für die Entscheidung. In vielen Fällen sind Unternehmer sogar gut beraten, wenn sie auf steuerliche Vorteile verzichten. Es gibt z. B. Leute, die kaufen oder bauen für einen vielstelligen Betrag ein Gebäude für ihr Unternehmen. Das machen sie aber privat und verzichten u. a. auf erhebliche Abschreibungsmöglichkeiten für ihr Unternehmen. Mit solchem Verzicht hat sich mancher weitblickende Mensch ein im Alter privat frei verfügbares Vermögen geschaffen. Steuern sparen will also wohl überlegt sein.
Gruß
Wolfgang