Ist Sophie's Welt ein Werk zur Einführung?

Hallo!

Ich würde gerne eine Diskussion anregen. Ich habe als junges Mädchen Sofie’s Welt gelesen und dadurch angefangen, mich für Philosophie zu interessieren. Nun möchte ich gerne wissen, ist es generell empfehlenswert, jungen Leuten Sophies Welt zu lesen zu geben, um sie mit der Philosophie bekannt zu machen? Oder gibt es bessere, leicht verständliche und kindgerechte Einsteigerwerke?

Ich bin für jede Antwort dankbar!

Stephanie

Ich hab das Buch zwar erst als Erwachsener gelesen, hab es aber meinen Patenkindern jeweils zum 10. Geburtstag geschenkt.

Gandalf

Jein
Hallo Stephanie,

Du schreibst:

Ich habe als junges
Mädchen Sofie’s Welt gelesen und dadurch angefangen, mich für
Philosophie zu interessieren.

Erinnerst Du Dich noch, womit Du Dich unmittelbar nach „Sofies Welt“ philosophisch beschäftigt hast? Das wäre interessant für mich, um die Wirkung dieses Buchs auf „Neulinge“ besser einschätzen zu können.

Nun möchte ich gerne wissen, ist
es generell empfehlenswert, jungen Leuten Sophies Welt zu
lesen zu geben, um sie mit der Philosophie bekannt zu machen?

Am besten werden Kinder (und überhaupt Menschen) mit der Philosophie dadurch bekannt, dass sie in persönlichen Gesprächen zum Nachdenken über philosophische Fragen angeregt werden. „Sofies Welt“ ist eigentlich vor allem ein empfehlenswertes Buch für Eltern und Lehrer, die wissen wollen, wie man mit Kindern philosophieren kann.

Oder gibt es bessere, leicht verständliche und kindgerechte
Einsteigerwerke?

Wenn schon Lesestoff, dann lieber ein gut ausgewählter Text eines richtigen („großen“) Philosophen, zum Beispiel Platons Höhlengleichnis, Zenons Paradoxien oder ruhig auch kürzere Original-Zitate von Hegel, Wittgenstein usw., über die sich dann trefflich (allein oder gemeinsam) meditieren lässt.

Ich bin für jede Antwort dankbar!

Gern geschehen :smile:

Leo

Selbstverständlich.
Aber Hallo,

Sofie’s Welt ist für alle Altersklassen etwas. Das Buch hat das Zeug zu einem Klassiker. Ich habe Sofie’s Welt vor einigen Jahren einer fünfjährigen vorgelesen. Das Kind war fasziniert. Noch besser kommt wohl nur noch der kleine Prinz an.

Grüße

Mal was ganz anderes… und andere Bücher

Nun möchte ich gerne wissen, ist
es generell empfehlenswert, jungen Leuten Sophies Welt zu
lesen zu geben, um sie mit der Philosophie bekannt zu machen?

Mal ein ganz anderer Denkansatz: Es schadet eigentlich niemals, Kindern oder Jugendlichen irgend etwas zum Lesen zu geben. Literatur kann nicht schaden.

Ein wirklich banales, aber treffendes Beispiel:

Als ich vier war, habe ich mir selber Lesen beigebracht. Meine erste Lektüre war sicher nicht „ideal“ für so ein kleines Kind: Ich habe Comics verschlungen. Noch nicht mal solche für Kinder, sondern Marvel Comics. X-Men waren da ganz weit vorn. :smile:
Irgendwann kam ich zu meiner Mutter und fragte sie: „Ist Rogue so unglücklich, weil sie niemals jemanden berühren darf?“ Da meine Mutter nicht so bewandert im Marvel-Universum war, mußte ich ihr die Frage erst erklären (für alle, die da genau so schlau sind wie meine Mutter: Rogue ist eine Mutantin. Sobald sie jemanden berührt, saugt sie ihm die Kraft aus). Wir diskutierten über eine Stunde über Rogue. Irgendwann kam ich (nicht meine Mutter) zu dem Schluß, daß Rogue sich wohl deshalb mit Wolverine so gut versteht, weil sie beide Angst vor ihren Kräften haben. Da war ich fünf. Und das Gespräch war hochphilosophisch.

Hätte Deine Frage gelautet „Ist X-Men eine gute Einsteigerlektüre für Kids“? hätte wohl fast jeder NEIN geschrien. Und trotzdem habe ich nach einer Comiclektüre meine erste philosophische Frage gestellt.
Wenn man seinen Kindern beibringt, zu fragen und zu hinterfragen, wenn man ihnen den Mut läßt, ihre Gedanken vagabundieren zu lassen, Sprünge, auch Gedankensprünge, zu wagen - dann wird kein Buch falsch sein.
Viel wichtiger als die Buchauswahl erscheint mir, mit den Kindern über das, was sie lesen, zu reden.

Sophie’s Welt ist da so gut und schlecht wie viele andere Bücher. Gerade im Jugendbuchbereich gibt es vieles, was sich mit den Problemen und Gedanken unserer Zeit auseinandersetzt.

Da Du aber noch nach weiteren Buchtips suchst, will ich sie Dir trotzdem nicht vorenthalten. :smile: Bei Amazon habe ich ein paar gefunden unter „Jugendbücher / Philosophie“:

Ragnar Ohlsson. Der Sinn des Lebens?
ISBN:3446197486 Buch anschauen

Markus Tiedemann. Prinzessin Metaphysika. Eine fantastische Reise durch die Philosophie.
ISBN:3487084120 Buch anschauen

Fernando Savater. Die Fragen des Lebens. Fernando Salvater lädt ein in die Welt der Philosophie.
ISBN:3593364026 Buch anschauen

Roland Simon-Schaefer. Kleine Philosophie für Berenike.
ISBN:3150294665 Buch anschauen

John Farman. Eine schräge Geschichte der Philosophie, Ohne den lahmen Kram.
ISBN:3570203778 Buch anschauen

Jeremy Weate, Peter Lawman. Das illustrierte Buch der Philosophie. ‚Ich denke, also bin ich‘.
ISBN:3800015226 Buch anschauen

Viel Spaß beim Philosophieren! :smile:
Nike

Erinnerst Du Dich noch, womit Du Dich unmittelbar nach „Sofies
Welt“ philosophisch beschäftigt hast? Das wäre interessant für
mich, um die Wirkung dieses Buchs auf „Neulinge“ besser
einschätzen zu können.

Ich habe angefangen mich für die verschiedenen Denkrichtungen zu interessieren und eigene zu entwickeln. Ausserdem fand ich die Kommunikation eines kleinen Mädchens mit einem „weisen“ Mann schön. Ich kannte solche Leute nicht, die viel Wissen haben.

Am besten werden Kinder (und überhaupt Menschen) mit der
Philosophie dadurch bekannt, dass sie in persönlichen
Gesprächen zum Nachdenken über philosophische Fragen angeregt
werden. „Sofies Welt“ ist eigentlich vor allem ein
empfehlenswertes Buch für Eltern und Lehrer, die wissen
wollen, wie man mit Kindern philosophieren kann.

Ich hätte es meiner Mutter oder meinem Vater geben könne, aber die hätten wohl die erste Hälfte nicht verstanden und die zweite dann nicht mehr gelesen. Nicht das ihr etwas falsches denkt: Ich liebe meine Eltern, aber, na ja, sie sind nicht gerade mit Intelligenz reich bestückt worden. Trotzdem sind sie liebenswerte Menschen, von denen man viel lernen kann.

Wenn schon Lesestoff, dann lieber ein gut ausgewählter Text
eines richtigen („großen“) Philosophen, zum Beispiel Platons
Höhlengleichnis, Zenons Paradoxien oder ruhig auch kürzere
Original-Zitate von Hegel, Wittgenstein usw., über die sich
dann trefflich (allein oder gemeinsam) meditieren lässt.

Das finde ich nur für Eltern gut, die selbst mit der Philosphie vertraut sind. Ansonsten könnte man ein Kind überfordern und das kann auch negative Folgen haben…

Danke!

und beliebige Bücher
Das trifft voll ins Schwarze:

Irgendwann kam ich zu meiner Mutter und fragte sie…

…denn mit dem Fragen fängt auch das Philosophieren an… und mit fertigen Antworten hörts dann leider meistens auf…

Philosophie ist eben die Kunst des Fragestellens und nicht des Antwortfindens…

Antworten sind wie Nadelspitzen für aufgeblasene Luftballons :frowning:

Hätte Deine Frage gelautet „Ist X-Men eine gute Einsteigerlektüre für Kids“? hätte wohl fast jeder NEIN geschrien.

Genau! Jeder, der glaubt zu wissen, was Kinder (und wissbegierige Menschen überhaupt) wünschen…

Viel wichtiger als die Buchauswahl erscheint mir, mit den
Kindern über das, was sie lesen, zu reden.

…und sich nach und nach von ihnen erklären zu lassen, wonach sie eigentlich fragen… es ist ungeheuer spannend und lehrreich…

Grüße
Metapher

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Pardon, Stephanie, ich hatte vergessen …
… eigens zu betonen, dass an Philosophie uninteressierte Eltern und Lehrer natürlich für ein Philosophieren mit Kindern nicht in Frage kommen. Wenn sich dazu also partout niemand anbietet, dann in Gottes Namen „Sofies Welt“ für die ca. 13-Jährigen - und für die ca. 7-Jährigen „Hallo, ist da jemand?“ vom selben Autor.

Leo

Fragen und Antworten

…denn mit dem Fragen fängt auch das Philosophieren
an… und mit fertigen Antworten hörts dann leider meistens
auf…
Philosophie ist eben die Kunst des Fragestellens und nicht des
Antwortfindens…
Antworten sind wie Nadelspitzen für aufgeblasene Luftballons

-(

Wie oh so recht Du hast, Metapher. Ich bewundere Menschen, die gute Fragen stellen. Fragen, die mich nachdenken lassen. Das ist nicht leicht.
Natürlich bin ich manchmal auch für Antworten dankbar. Aber bei Antworten gibt es auch eine Kehrseite. Meine sehr kluge Mama pflegte immer zu sagen: „Hüte Dich vor denen, die eindeutige Antworten haben“.
Das bezieht sich natürlich nur auf die tiefgehenderen Fragen, klar. Aber in dem Bereich mußte ich feststellen, daß sie recht hat: Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die, die mit einer schnellen Antwort bei der hand sind, die, die meinen, sie hätten die Wahrheit verstanden, meist mit Vorsicht zu genießen sind.
Die Frager und Fragen sind es, die mich reizen.

Und ich bin immer dankbar, wenn ich Menschen finde, die gute Fragen stellen können. :smile:

Hätte Deine Frage gelautet „Ist X-Men eine gute Einsteigerlektüre für Kids“? hätte wohl fast jeder NEIN geschrien.

Genau! Jeder, der glaubt zu wissen, was Kinder (und
wissbegierige Menschen überhaupt) wünschen…

Viel wichtiger als die Buchauswahl erscheint mir, mit den
Kindern über das, was sie lesen, zu reden.

…und sich nach und nach von ihnen erklären zu lassen, wonach
sie eigentlich fragen… es ist ungeheuer spannend und
lehrreich…

Offenheit, darum geht es, nicht wahr? Wer sich einschränken läßt von vorgefertigten Ansichten, wird viel verpassen. Auch die guten Fragen der Kinder. Unschuld kann sehr schwierige Fragen stellen. Sich darauf einzulassen,erfordert Offenheit. Und Mut. Dann wird man feststellen, wie viel man lernen kann. Nicht nur, aber auch von Kindern.
Mein Patenkind fragte mich vor drei Jahren auf einem Spaziergang mal: „Woher weiß ich, daß da wirklich ein Baum steht, und da Blumen wachsen?“

Die Welt als Wille und Vorstellung. Die Kleine war vier.

Liebe Grüße, Nike

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