Ist ultraschall gefährlich in der schwangerschaft

Guten Tag,
wenn sie gesichertes wissen, würde ich mich freuen, sie können mir hier weiterhelfen: mein mann meint, aus vielen seriösen wissenschaftlichen berichten im internet erfahren zu haben, dass es
unverantwortlich sei, besonders in der frühschwangerschaft (2.-5-ssw) ohne absolut triftigen grund
eine vaginale ultraschalluntersuchung vornehmen
zu lassen. in anderen ländern- z.b. der usa wäre es aus gutem grund nicht üblich, so mir nichts dir nichts eine ultraschalluntersuchung machen zu lassen. ich war gestern im krankenhaus, da ich- der apothekenschwangerschaftstest war positiv-
meine schwangerschaft bestätigen lassen wollte. da ich schon 41 bin, eine 3-jährige tochter habe, und mir nicht vorstellen konnte, das glück zu haben wieder schwanger zu sein, wollte ich eine evtll. schwere erkrankung, wo der körper auch hcg produziert- ausschliessen lassen.
mein mann meint, es wäre absolut gefährlich ein so kleines etwas den schallwellen auszusetzen, es führe zu zelltod oder organschäden…
die gynäkologen dieser klinik empfinden jedoch ultraschall immer als unbedenklich und auch in der frühschwangerschaft normal… was meinen sie?? und sollte man, falls es wirklich doch risiken hervorruft, auf zukünftige untersuchungen mit ultraschall verzichten, sofern nichts auffälliges passiert?

Liebe Frau Poethen,

meine Antwort in Kurzform ist:
Eine Ultraschalluntersuchung ist - unter Einhaltung der Durchführungsvorschriften - auch in der Frühschwangerschaft sowohl für Ihr ungeborenes Kind als auch Sie selbst absolut vollkommen unbedenklich.

Eine Durchführung vor der fünften Woche ist jedoch nicht sinnvoll, da die Frucht so klein ist, daß sie eh nicht gesichert beurteilt werden kann. Sie sollten in dieser ersten Zeit nach positivem Schwangerschaftstest einfach so leben als wenn Sie schwanger wären (kein Nikotin und kein Alkohol können ja sowieso nicht schaden). Lediglich falls Sie aus beruflichen Gründen eine extrem frühe exakte Diagnose brauchen, weil Sie z.B. mit ionisierenden Strahlen, giftigen Substanzen oder körperlich sehr schwer arbeiten müssen und dies natürlich während der Schwangerschaft unterbleiben sollte, sollten Sie so früh wie möglich eine Ultraschall-Untersuchung durchführen lassen, da sich hieraus Konsequenzen für ihre Art der Beschäftigung ergeben würden.
Die Wahrscheinlichkeit, daß ein positiver Schwangerschaftstest ein erster Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung ist, ist so gering, daß ich davon nun erst einmal nicht ausgehen würde. Sollte dies doch der (ziemlich unwahrscheinliche) Fall sein, kommt es auf diese paar Wochen bestimmt auch nicht an.
Die Größe einer 4 Wochen + 6 Tage alten Frucht beträgt gerade mal 2 mm. Das würde man mit einer Abdominalsonde wahrscheinlich nicht darstellen können und mit einer Vaginalsonde mit einigem Glück finden. Bei einem Schwangerschaftsalter von 6 Wochen + 0 Tagen haben wir dann 12 mm, bei 7+0 21schon ca. mm. Dann kann man natürlich durch Ultraschall erheblich mehr über den Embryo sagen.
Wenn Sie einen regelmäßigen Zyklus haben, können Sie auf das Alter der wahrscheinlich bestehenden Schwangerschaft rückschließen und dann um die siebte Woche herum ein erstes schönes Bild, vielleicht schon mit Darstellung des Herzschlages (mit M-Mode, nicht Doppler, s.u.) bekommen.

Nun werde ich etwas weiter ausholen:
Grundsätzlich ist Ultraschall eine Methode die Temperaturerhöhungen bewirken oder sogar Zellen und Nierensteine zertrümmern kann. Es kommt auf die Dosierung an. Die Dosierung im diagnostischen Bereich ist eine sehr, sehr geringe. Diagnostisch eingesetzte Systeme wären auch bei kompletter Fehlbedienung gar nicht in der Lage, hohe Dosierungen (wie z.B. zur Nierensteinzertrümmerung) auszusenden, könnten also auch nicht versehentlich so hoch eingestellt werden.

Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten (und einiger Unterarten, auf die ich nur am Rande eingehe) der diagnostischen Ultraschallanwendung:

1.) Die sogenannte 2-dimensionale Sonographie, (zu der auch die 3D- und die sog. 4D-Sonographie und der zur dedizierten Darstellung von Bewegungen verwendete M-Mode zählen), dient zur Darstellung von Strukturen. Dies geschieht, indem vom Schallkopf Schallwellen in Richtung der gesuchten Strukturen entsandt werden, an diesen reflektiert und als Echos zur Schallquelle (Schallkopf) zurückgeworfen werden. Der Ort der Echo-Entstehung (und damit der gesuchten Struktur) wird dann über den Ort der Rückkehr des Echos am Schallkopf und über die Zeit, die zwischen Aussendung der Schallwelle und Ankunft deren Echos vergangen ist, berechnet.
In der Frühschwangerschaft möchte man so z.B. die regelrechte Implantation innerhalb der Gebärmutter, den Ausschluß einer Mehrlingsschwangerschaft nachweisen. Später kämen dann Fragestellungen wie die regelrechte Größen- und Organentwicklung des Feten oder z.B. der Ausschluß einer den Geburtskanal versperrenden und so eine normale Entbindung unmöglich machenden Plazenta (und solch eine Situation möchte man nicht wirklich erst im Kreißsaal bemerken!).

2.) Die Doppler-Sonographie wird zur Darstellung von (Blut-)Flüssen verwendet. Hierbei wird nicht nur der Ort der Zeitpunkt des zurückkehrenden Echos ausgewertet, sondern auch die Frequenz des Echos in die Betrachtung einbezogen. Der nach seinem Entdecker, dem Physiker Christian Doppler, benannte Doppler-Effekt beschreibt eine Frequenzänderung, wenn sich Sender und Empfänger in Relation zueinander bewegen. Bewegen sie sich aufeinander zu steigt die Frequenz der sich zwischen beiden ausbreitenden Schallwellen; bewegen sie sich voneinander weg, sinkt sie. Man erlebt das immer dann, wenn sich bei einem vorbeifahrenden Krankenwagen nicht nur Lautstärke, sondern auch Höhe des Sirenentons scheinbar ändern.
Die Dosierung der Doppler-Schallwellen liegt immer noch niedrig, aber immerhin doch etwas höher als die für die 2-dimensionalen Darstellung notwendige.
Während der späteren Schwangerschaft wird aus gutem Grunde auch die Doppler-Sonographie angewendet werden, wenn es zu verifizieren gilt, daß die Blutversorgung der Plazenta und auch die des Feten ordnungsgemäß ist, er also keinen Mangel leidet, die Entwicklung des Herzens regelrecht ist, also die Blutströme im Herzen mit der richtigen Geschwindigkeit in die richtige Richtung verlaufen. Die vorgeburtliche Erkennung kindlicher Herzfehler (der häufigsten Fehlbildungen des Menschen) ist absolut essentiell für die Auswahl der richtigen Geburtsklinik und das richtige Geburtsmanagement.

Was bedeutet nun „Einhaltung der Durchführungsvorschriften“:
Die wichtigsten sind:
Die Ultraschalluntersuchung sollte nicht länger als notwendig sein (was auch kaum im Interesse Ihres Arztes und der im Wartezimmer befindlichen Patientinnen liegen dürfte).
In der frühschwangerschaftlichen Diagnostik sollte sich der Untersucher auf die 2-dimensionale Darstellung beschränken, solange keine Auffälligkeiten erkennbar sind. Ob hierbei eine Vaginalsonde oder eine Abdominalsonde verwendet wird ist für den Embryonen völlig unerheblich. Es sind vor allem arabische Länder in den Patientinnen - sehr zum Leidwesen der dort tätigen Gynäkologen - die irrationale Angst vor einer Vaginal-Sonographie in der Frühschwangerschaft haben. Die Darstellungsqualität sehr kleiner Strukturen ist mit einer Vaginal-Sonographie deutlich besser als die der Abdominal-Sonographie, was mit der Frequenz der Schallwellen zu tun hat.
Kein gemäß wissenschaftlich gesicherten Leitlinien arbeitender Arzt würde freiwillig in der Früschwangerschgaft die Abdominal-Sonographie der Vaginal-Sonographie vorziehen, obwohl es auch zu diesem Zeitpunkt Gründe geben kann, beides durchzuführen.
Doppler-Verfahren sollten nur angewendet werden, wenn sich eine bestimmte Fragestellung ergeben hat. In der Frühschwangerschaft hätte ihre Anwendung zumeist keine Konsequenz und ist deshalb in der Regel zu unterlassen.
Komplett abzulehnen ist z.B. das mit Hilfe des Doppler-Verfahrens erzeugte Hörbarmachen der kindlichen Herztöne im Raum während der Früschwangerschaft, einfach nur um die anwesenden Eltern zu erfreuen !!! Die Herzaktionen können und sollten mit Hilfe des oben erwähnten M-Mode-Verfahrens dargestellt werden, was wiederum vollkommen okay ist.
Wie immer im Leben: Die Dosierung sollte so hoch wie nötig aber so gering wie möglich sein.
Pauschal von einer Gefahr durch Ultraschall zu reden ist genau so sinnvoll wie zu behaupten, Milch sei ungesund für den Säugling, weil man ihn durch Fütterung von 5 Litern am Tag selbstverständlich schädigen würde.
Jeder Hinweis auf eine durch diagnostischen Ultraschall hervorgerufene Schädigung eines Menschen wird von einer „Watchdog-Gruppe“ wissenschsftlich untersucht. Bislang sind durch diagnostischen Ultraschall keine Schädigungen nachgewiesen geworden, auch nicht bei Feten die aufgrund bestehender Risiko-Schwangerschaften sehr engmaschig untersucht werden müssen.

Gerüchte darüber, daß Ultraschall in der Gebärmutter Geräusche verursacht, die der einer vorbeifahrenden Straßenbahn entspricht, erfreuen sich bester Gesundheit, sind jedoch unsinnig. Die Frequenz liegt im Mega-Hertz-Bereich und ist damit weit entfernt, auch von einem ungeborenen Kind gehört werden zu können.
Ich habe tausende Feten während Ultraschalluntersuchungen friedlich schlummern sehen und die waren wahrscheinlich nicht alle taub :wink:

Lassen Sie die Ultraschalluntersuchungen zu den geeigneten Zeitpunkten durchführen. Sie sind zum Besten Ihres Kindes und für Sie selbst.
Es ist nicht verantwortungslos, ein solch kleines Wesen dem Ultraschall auszusetzen, sondern, die durch Ultraschall gebotene diagnostische Sicherheit zu verzichten und es damit unnötigen Gefahren auszusetzen, einfach weil seine Situation nicht umfassend bekannt war so Möglichkeiten, eine evtl. bestehende Mangel- oder Notsituation abzustellen nicht genutzt wurden.

Viele Grüße vom hexxchen

Hallo Nina,
da gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen.
Leider kenne ich keine Website mit passender Antwort.
Das Problem ist die Leistung. Nach der Devise schneller-höher-weiter haben Hersteller die Geräte immer leistungsstärker gemacht. Das führte dann zu Überstrahlungen in den Bildern (Informationsverlust) bis hin zu Schwangerschaftsabbrüchen durch zu hohe Ultraschall-Leistung.
Ein schöner Hinweis ist vielleicht: http://www.zeitenschrift.com/magazin/51-ultraschall… .
Dein Mann hat auch Recht, die WHO sieht die Ultraschalluntersuchung während der Schwangerschaft nicht als Standard vor. Warum auch immer! (Geräteverfügbarkeit weltweit, Risikoabschätzung, …)
Andererseits sollte man die 2 oder 3 Vorsorgen, soweit „gesetzlich“ angesetzt, machen. Vielleicht lässt Dein Frauenarzt auch eine Absprache hinsichtlich der Reduktion der Leistung zu. Nimm ihm doch mal einen Ausdruck der Zeitung mit! Aber der wöchentlich produzierte Abendfilm des heranwachsenden Menschen scheint sicherlich nicht förderlich für die Gesundheit des Menschen. Und vom Geschlecht lass Dich doch mal überraschen!
Gute Schwangerschaft und gesunden Nachwuchs!
Stefan

mit grosser Wahrscheinlichkeit ist der Ultraschall unbedenklich. man braucht deutlich mehr Energie und Fokusierung um Schäden hervorzurufen.

halo herr hoffmann,
danke für ihre meldung auf meine frage.
sie war zwar schon 2 jahre jung, meine frage, aber
es ist nett, noch eine antwort zu erhalten!
mfg, nina poethen

mit grosser Wahrscheinlichkeit ist der Ultraschall
unbedenklich. man braucht deutlich mehr Energie und
Fokusierung um Schäden hervorzurufen.

hoffentlich ist ihr Kind mittlerweile ohne Ultraschallschaden auf die Welt gekommen.
Mit freundlichen Grüßen R.Hoffmann
Siehe auch Benutzer:Rho in wikibooks

ja, lieber herr hoffmann!
sie ist jetzt 9 1/2 monate jung und trotz einem monat früherer ankunft sehr aktiv!

gr, nina poethen

hoffentlich ist ihr Kind mittlerweile ohne Ultraschallschaden
auf die Welt gekommen.
Mit freundlichen Grüßen R.Hoffmann
Siehe auch Benutzer:Rho in wikibooks