Hi Helena!
Meine Frage: Gibt es irgendwo auf dieser Welt nen Kurs um
solche Kenntnisse zu lernen oder nachzuweisen das man sie hat?
Klare Antwort: Nein.
Die Tätigkeiten im IT-Bereich sind so vielseitig, daß es keine „so-und-nicht-anders“-Ausbildung gibt. In der IT-Untersuchung der IG Metall von diesem Jahr werden bereits 10 verschiedene Berufsbilder genannt:
- Beratung/Consulting
- Hardware-Entwicklung
- Marketing
- Rechenzentrum
- Service
- Software-Engineering
- Training/Schulung
- Vertrieb
- Verwaltung/Administration
- Technische Dokumentation
Jeder Bereich unterteilt sich dann wieder auf die verschiedenen System-Plattformen (Mainframe, Midframe, PC) sowie die Anwendungsbereiche (Stand-Alone, Netzwerk, Intranet, Internet). Der Berufsbegriff „IT“ potenziert sich damit natürlich.
Mein „Problem“: Ich bin im IT Umfeld zuhause (habe mir das
alles learning by doing angeeignet). Setsamerweise glaubt mir
bei Bewerbungsgesprächen kaum einer das ich das alles auch
kann! Mir wird zwar oft als „Mangel“ ausgelegt das ich weder
„richtig programmieren kann“ (seit wamm programmiert ein
Projektleiter?) oder selbst nen Netzwerkplan „malen“ könnte
(dazu hab ich Techniker…) - aber weit wann muss sowas in
diesem Berufsumfeld gemacht werden?
Die Bemängelung erfolgt (IMHO natürlich) zu recht. Mein derzeitiger Chef programmiert seit über zehn Jahren; er hat sich alles selbst beigebracht. Und genau das merkt man auch:
- strukturierte Programmierung ist ein absolutes Fremdwort!
- konzeptioneller Aufbau von vielschichtigen Dialoganwendungen existiert nicht!
- Beachtung der Normalisierungsregeln bei Datenbanktabellen fand und findet nicht statt. Vielmehr wird fröhlich gegen die erste, zweite und dritte Normalisierungsregel verstoßen
Wenn *mir* jemand sagt, er könne Datenbanktabellen anlegen („habe ich mir selbst beigebracht!“), kann aber die Frage nach der Dritten Normalisierungsregel nicht beantworten - was soll ich von so einem Mitarbeiter halten?
Gleiches bei der Frage nach Programmiertechniken: saubere, strukturierte Programmierung mit klaren definierten Entry- und Exit-Stellen, Kenntnisse über standardisierte Bezeichnungen von Variablen, Datentypen, Schnittstellen (ich kenne Programmierer, die bis heute nicht den Unterschied zwischen einem Integer und einem Long kennen und sich immer wieder wundern, warum es einen Überlauf gibt; oder wie man einen Hex-Dump liest)
Folglich: wer behauptet, bestimmte praxisbezogene Dinge in der IT zu können, muß es beweisen. Entweder durch Schulungsnachweise (Teilnahmebescheinigungen, Zeugnisse) oder durch abgeschlossene Projektaufgaben (Anwendungen, Source-Code)
Und wer sich dezent aus dem Tagesgeschäft heraushalten will, weil man als „IT-Leiter“ weder Programmieren noch die Technologie beherrschen können muß, hat sehr schnell die Achtung seiner Mitarbeiter verloren. Wenn ich feststelle, daß ich meinem Chef jeden Mist verkaufen kann und er es glauben muß, weil er keine Ahnung von der Materie hat, dann wird er ganz schnell zum Gruppen-Außenseiter (ansonsten empfehle ich die Lektüre von Tom de Marcos Buch „Wien wartet auf dich“)
UND: Gibt es WIRKLICH diplomierte Informatiker die solche Jobs
machen für 80.000 DEM im Jahr, dazu noch programmieren, sich
den eigenen Techniker machen UND die eigene
Sekretärin/Schulungsleiter/Customer Care/Marketing und Event
Managerin machen?
Ich habe das Gefühl solche Personen gibt es wirklich! Obwohl
ich es kaum glauben kann.
Meine Erfahrungen zu diplomierten Informatikern:
Da kommen so junge Schnösel von der Uni, der Kopf voller professoralen Ideen, haben von der Arbeitswelt keine Ahnung und erzählen einem von Anfang an, was alles falsch ist und um wieviel besser sie es selbst machen können. Beim ersten Problem stellen sie dann aber plötzlich fest, daß der IT-Job in einem Unternehmen sich gewaltig von den Aufgaben im Informatik-Studium unterscheidet (allein schon der Zeitdruck und der Umgang mit renitenten Kunden/Auftraggebern/Vorgesetzten). Von den Uni-Frischlingen können wir bei uns (ca. 350 DV-Mitarbeiter) so gut wie keinen direkt und sofort einsetzen - die werden für ein Jahr (!!!) erstmal durch die Abteilungen geschickt, damit sie ihre Flausen aus dem Kopf kriegen und sich zu nützlichen Mitarbeitern entwickeln (einige erleben in dieser Zeit eine derartige Ernüchterung, daß sie den Job schmeißen).
Zum Thema Gehalt:
Das Gehalt ist abhängig von Komponenten wie Aufgabenbereich (s.o.), Größe des Unternehmens, Bedeutung der EDV in der Firma, demographische Faktoren (Geographie, Ortsgröße, lokale Lebenshaltungskosten usw.), Lebensalter, Berufserfahrung, Ausbildung.
Ich habe aus dem IG Metall Bericht zwei Blöcke herausgesucht:
- Beratung/Consulting
1a) Berater
Aufgaben mittleren Schwierigkeitsgrades, selbständiges Arbeiten, mehrjährige Berufserfahrung, Fachhochschulabschluß, keine Projektleitung
individuelle Gehaltsbandbreite: 49.000 bis 210.000 DM
Gehaltsbandbreite in Unternehmen: 64.000 bis 132.000 DM
Schnittgehalt des Berufsbildes: 93.000 DM
1b) Senior-Berater
wie 1a) plus Aufgaben komplexen Schwierigkeitsgrades, selbständiges Arbeiten, langjährige Berufserfahrung, Hochschulabschluß, Projektleitung mit 5 bis 7 Mitarbeitern
individuelle Gehaltsbandbreite: 46.000 bis 193.000 DM
Gehaltsbandbreite in Unternehmen: 63.000 bis 154.000 DM
Schnittgehalt des Berufsbildes: 109.000 DM
- Software-Engineering
2a) SW-Ingenieur I
einfache DV-Aufgaben, vier Semester Fachschule, Fachhochschul- oder Hochschulabschluß
individuelle Gehaltsbandbreite: 41.000 bis 131.000 DM
Gehaltsbandbreite in Unternehmen: 47.000 bis 92.000 DM
Schnittgehalt des Berufsbildes: 70.000 DM
2b) SW-Ingenieur II
wie 2a) plus mittlere DV-Aufgaben, selbständiges Arbeiten, mehrjährige Erfahrungen
individuelle Gehaltsbandbreite: 49.000 bis 198.000 DM
Gehaltsbandbreite in Unternehmen: 64.000 bis 138.000 DM
Schnittgehalt des Berufsbildes: 88.000 DM
2c) SW-Ingenieur III
wie 2b) plus komplexe DV-Aufgaben, Projektleitung, langjährige Erfahrungen
individuelle Gehaltsbandbreite: 62.000 bis 217.000 DM
Gehaltsbandbreite in Unternehmen: 75.000 bis 130.000 DM
Schnittgehalt des Berufsbildes: 101.000 DM
Zur Erläuterung:
Der IG Metall Bericht zu Aufgaben und Gehälter im IT Bereich basiert auf einer Untersuchung von 35 Unternehmen: Ausrüster, Software-Anbieter, IT-Services, Consultings; sowohl große IT-Firmen als auch reichlich mittelständische Unternehmen wurden befragt. In den Bericht flossen Rückmeldungen von 20.000 IT-Mitarbeitern ein.
Die „individuelle Gehaltsbandbreite“ umfaßt je Berufsbild das niedrigste und das höchste genannte Gehalt. Die „Gehaltsbandbreite in Unternehmen“ nennt den niedrigsten und höchsten Gehaltsschnitt je Berufsbild und Unternehmen. Das „Schnittgehalt des Berufsbildes“ ist der Schnitt aller Nennungen des jeweiligen Berufsbildes.
So, das wär’s!
Nun sollten alle Klarheiten beseitigt sein… 
Falls noch es noch Fragen gibt - fragen!
Grüße
Siegfried
[seit 15 Jahren im IT-Bereich tätig: Rechenzentrum, Softwareentwickler für Host und PC (OS/2, Windows); habe gearbeitet bzw. arbeite bei DV-Kleinunternehmen (7 MA), bei Großunternehmen (1200 MA), bei Consulting (120 MA) für Drittfirmen]