Japan im 2. WK: Kamikaze, Widerstand, etc

Hallo!

In Dokumentationen über den Pazifik-Krieg darf nie eine Sequenz fehlen, in der Kamikaze-Flieger ihren letzten Schnaps trinken, bevor sie sich auf amerikanische Flugzeugträger stürzten.

Gab es in diesen Geschwadern eigentlich keine Desserteure?

Und wenn wir schon dabei sind: Gab es in Japan im 2. WK eigentlich keine Widerstandsgruppen? (Ich habe jedenfalls noch nie von japanischen Kriegsgegnern gehört).

Michael

Hallo Michael,

die Kamikaze-Geschwader waren Freiwillige. Der soziale Druck dahinter war allerdings auch enorm. Wäre ein Kamikaze desertiert, hätte seine Familie die Folgen zu tragen gehabt und das wäre keine „Rechtsfolgen“ gewesen.
Es gab Kriegsgegner, aber die taten andere Dinge als zu sabotieren oder hier und da Bomben zu schmeißen. Der bekannteste Kriegsgegner war wahrscheinlich Admiral Yamamoto, der bis zum letzten Tag noch versuchte, den Tenno umzustimmen. Aber der Tenno gab dem größeren Druck der Armee, die das Land de facto regierte, nach. Admiral Nagumo setzte sich für Verhandlungen mit den Amerikanern ein (während er gleichzeitig hart und fähig für sein Land kämpfte). Am nähesten kommt Deiner Vorstellung von einem Kriegsgegner wahrscheinlich Fregattenkapitän Furuka der, angeblich im Auftrag Nagumos, versuchte, während seiner Zeit in Deutschland über die Schweizer Botschaft Verhandlungskontakte mit Amerika und England herzustellen. Wahrscheinlich war es auch Furuka über den dem japanischen Marinegeheimdienst bekannt wurde, das Canaris auf beiden Schultern trug, aber dieses kleine Geheimnis hat die japanische Marine für sich behalten.
Um das zu verstehen muss man die Verhältnisse sehen, die in Japan ganz anders waren als in Deutschland. Offiziere konnten sich durchaus gegen den Krieg aussprechen und auch politischen Einfluß ausüben, solange sie sich nicht der Pflichtverletzung schuldig machten. Gegen den Krieg zu sein war eine Sache der Meinung und man konnte sich auch politisch dagegen einsetzen. Aber Verrat gegenüber dem Tenno war dennoch undenkbar.

Gruß
Peter B.

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Lieber Michael Bauer

In Dokumentationen über den Pazifik-Krieg darf nie eine
Sequenz fehlen, in der Kamikaze-Flieger ihren letzten Schnaps
trinken, bevor sie sich auf amerikanische Flugzeugträger
stürzten.

Ich habe leider keine Quellenangabe, habe aber gelesen und gehört, dass die wenigsten sich darum rissen, auf solche Art und Weise im Krieg verheizt zu werden. Eine Weigerung war allerdings undenkbar, wenn man dafür ausgesucht wurde. Gelesen habe ich einen Bericht eines Kamikaze, der seinen Flug überlebt hat, weil er vorher abgeschossen wurde. Er kehrte zurück in sein Land und war sozial geächtet.

Gab es in diesen Geschwadern eigentlich keine Desserteure?

Ist mir nicht bekannt, wahrscheinlich aber schon.

Und wenn wir schon dabei sind: Gab es in Japan im 2. WK
eigentlich keine Widerstandsgruppen? (Ich habe jedenfalls noch
nie von japanischen Kriegsgegnern gehört).

Von organisiertem japanischem Widerstand habe ich noch nie etwas gehört, gesehen oder gelesen.
Viele Grüße
Voltaire

Hi

nie von japanischen Kriegsgegnern gehört).

Von organisiertem japanischem Widerstand habe ich noch nie
etwas gehört, gesehen oder gelesen.

ich schon, es gab kommunistische Gruppen die ziemlich unter Druck waren da ziemlich kurzer Prozess mit Ihnen gemacht wurde. hab letztens nen Roman gelesen in dem das thematisiert wurde.

B

und zwar war das:

Martin Cruz Smith - Countdown

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Gab es in diesen Geschwadern eigentlich keine Desserteure?

Doch, manche aßen auch ein Stück Kirschwälder Schwarzkuchen, statt Schnaps zu trinken … *SCNR*