Hm, ich dachte, die Idee einer solchen Sache sei die Zuordnung
eines konstitutiven Wesensmerkmals - man könnte doch auch den
anderen abrahamitischen Religionen schlecht diesen Status
wieder aberkennen.
Natürlich kann man das auch so sehen, aber die Interessen der Muslime und eben die Reflektionen in der muslimischen Bevölkerung ändern sich auch mit der Zeit wobei es dann notwendig wird ein konstitutives Wesensmerkmal fallen zu lassen oder zu mindest einzuschränken.
Dazu ist es natürlich auch seltsam, über ein „nicht mehr“ zu
argumentieren, da es ja einerseits um die abstrakte Definition
einer Religion geht und andererseits um konkrete Umsetzungen.
So ist es. Das geschieht so überall auf der Welt. Ich kann ja auch das Christentum nicht mit der christlichen Population in Pakistan vergleichen, oder so 
Bei den Ahmadiyya-Gemeinden dachte ich, die Probleme lägen
daran, dass man sie als Apostaten versteht, und daher auch mit
der Situation der Hindus schlecht zu vergleichen sind. (?)
Nein, ganz im Gegenteil! Würde man die Ahmadis als Apostaten verstehen, hätte man ja noch Interesse diese wieder auf den „geraden Weg“ zu bringen, durch Missonierung etc. Damit hätten sie dann aber einen positiven Sonderstatus. Aber wenn wir uns das mal näher betrachten, sehen wir das die Ahmadis vom Großteil der muslimischen Bevölkerung als nicht einmal islamisch angesehen wird. Dies liegt daran, dass man dort Allah menschliche Fähigkeiten zuschreibt und somit Shirk (die größte Sünde im Islam) begeht. Sinngemäß steht in einer Schrift von/über ihren Religionsstifter drin, dass eher Geschlechtsverkehr mit Gott hatte und du kannst dir sicherlich vorstellen, wie das besonders im islamischen Raum klingt.
Übrigens finde ich deine Hinduismusargumentation sehr spannend
und ich habe das Gefühl, dass sich in ihr ein Teil dieser
Problematik wiederspiegelt.
Ich schließe einerseits daraus, dass die Pakistanische Seite
Interesse hat, diese Anerkennung hinwegzureden und sich hier
genau wieder politische und religiöse Gründe vermischen,und
Religion zur Legitimation eines gewalttätigen Konfliktes dient
. Umso mehr noch, da sich die Geschichte des Hinduismus
schließlich umgekehrt entwickelt hat und der Monotheismus eine
jüngere Entwicklung darstellt und die ältesten Schriften eben
gerade (soweit man das von heute aus beurteilen kann)
polytheistisch sind und der krasse Monotheistische Turn in
jüngster Zeit mit eine der Folgen der Kolonisation und dem
erwachenden Nationalbewußtsein ist. In der Indologie spricht
man im ürbigen auch des öfteren von den Indischen
monotheistischen Religionen Shivaismus/Vishnuismus usf. Das
Selbstverständnis der Hindus und die Beurteilung von
pakistanischer Seite kann wohl kaum weiter auseinanderfallen!
Ja, an diesem Konflikt spiegelt sich wirklich die geballte Macht von Religion, Politik, Ökologie und was noch dazu gehört wieder. Die pakistanische Regierung steht in einem gewaltigen Zwiespalt. Zum einen will sie die Extremisten in Griff bekommen wobei man zuerst einmal feststellen muss dass der Übergang (besonders in Pakistan) von „sehr gläubig“ zu extremistisch stufenlos ist. Löscht man alle Extremisten aus, kann man die Folgen in der sehr gläubigen Bevölkerung, von der man nicht einmal genau weiss wie groß sie ist, nicht berechnen. Der Durschnitts-Pakistaner (einigermaßen landesverhältnismäßiger Wohlstand, Kontakt zu Medien, geregelter Job und eine Bildung die wenigstens fürs Lesen und Schreiben ausreicht) der sich privat sehr religiös gibt und nach aussen hin wirklich bemüht ist sich nach westlichem Standard zu richten, hat Anschauungen die durch viele Faktoren beeinflusst werden. Zum einen Teil haben die Verständnis gegenüber den Extremisten zum anderen wollen sie aber auch Nähe und die Möglichkeit ein selbsbestimmtes Leben zu führen, auch wenn sich für sie praktisch nichts ändern würde, weil sie so einigermaßen glücklich sind. Dann noch der Teil der Bevölkerung der Wohlstand genießt (auch nach westlichen Standards). Die scheren sich nur relativ wenig um Religion und haben kein Verständnis für den Konflikt und wollen, dass er so schnell wie möglich aufhört. Auch wenn dieser Teil verhältnismäßig klein ist, muss man feststellen dass der finanzielle Halt bei ihnen liegt. Man erkannt, wie schwer es für eine pakistanische Regierung ist hier eine Position zu beziehen. Ich würde nicht einmal sagen, dass die pakistanische Regierung wirklich so scharf ist diese Anerkennung abzuerkennen. Somal man ja in letzter Zeit wirklich ernstgemeinte Anerkennungen beiderseiten verbuchen konnte.
Wie wird hier eigentlich in der islamischen Welt über die
Instrumentalisierung von Religion eigentlich reflektiert ?
Sehr gemischt. Man will natürlich Ziele erreichen, und wenn man es dann mit der Religion erreicht, so hat man das Ziel trotzdem erreicht. Bei den wirklich Gläubigen und gelehrten Menschen, ist man völlig dagegen.
Ach so, weißt du eigentlich halbwegs auswendig welche Sure
sich mit den Zoroastriern befasst ?
Rein aus dem Kopf heraus und auch frei übersetzt:
Sure 22 Vers 17:
Diejenigen die glauben und diejenigen die dem Judentum angehören, Sabäer, Christen und Magus (Zoroastrier) sind, sowie die Götzendiener - Allah wird am Jüngsten Tag unter ihnen richten, denn Allah allein ist Zeuge über alles.
Allein die Differenzierung zwischen Götzendienern und Zoroastriern war der ausschlaggebende Punkt. Man muss aber aufpassen denn der arabische Begriff المجوس - al-maǧūs wurde später auch auf andere Gruppen bezogen.
grüße, sober
Grüße Aqib