Japanreise

Liebe Wer-weiss-wasler,
hier zwei Fragen zu meiner Japanreise.
Hat jemand von euch Erfahrungen mit bezahlbaren Unterkünften in Kyoto bzw. im direkten Umland? Gerne ein Ryokan oder ein Gästehaus. Mit bezahlbar meine ich um die 80 Euro für ein Doppelzimmer (also für zwei Leute), evtl. mit Frühstück. Ich möchte mich gerne im Ost-TEil von Kyoto niederlassen, las im „Lonely Planet“ aber auch von zwei kleinen Ortschafen im Norden von Kyoto (Kibune und Kurama), in den Bergen gelegen. Wir möchten gerne nach unserer beruflichen Reise einige Tage etwas Ländliches, in der Natur sehen und dort auch übernachten. Es sollte aber nicht weiter als 2 Stunden mit dem Zug von Kyoto entfernt sein.
Das Ganze findet Anfang September statt.
Danke für eure Hilfe
Kerstin
www.k-kilanowski.de

Hallo,

wie ich dich beneide (und auch wieder nicht). Japan ist klasse, Kyoto noch viel mehr. Leider ist die Zeit nicht so günstig und Du wirst Dich vermutlich ständig wie in einer gut geheizten Sauna fühlen, bei der ständig jemand Wasser auf den Ofen gießt.

Habe gerade versucht den Ryokan ausfindig zu machen, in dem ich vor einigen Jahren gewohnt habe, bin bislang aber noch nicht fündig geworden. Wir hatten die Adresse damals von der Tourist-Information am Hauptbahnhofvon JR. Die waren unheimlich nett und bemüht, und der empfohlene Laden war zwar sehr einfach, aber wenigstens noch bezahlbar (was in Japan ein Grundproblem ist). Leider gab es zum Frühstück nur einen Toast und Marmelade, während wir sonst ein volles japanisches Frühstück gewohnt waren. Wenn ich noch fündig werde, melde ich mich noch mal. Aber wenn Du Kyoto und Ryokan bei Google durchlaufen lässt bekommst Du auch jede Menge schöne Angebote.

Gruß vom Wiz

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Hallo Joerg,
danke für Deine Rückmeldung. Ich weiß, daß es schwül ist um diese Jahreszeit, macht aber nicht wirklich was…
Schade, daß Dir Dein Ryokan nicht mehr einfällt. Ich habe jetzt piemaldaumen was versucht übers Internet zu buchen. Manche Übernachtungen in meiner Preisklasse sehen ja gotterbärmlich aus.
Wieso „beneidest“ Du mich? Erzähl von Deinen schönen Erfahrungen!
Es ist mein erstes Mal in Japan, obwohl ich in der Welt aus professionellen Gründen schon viel rumgekommen bin.
Viele Grüße von Kerstin
www.k-kilanowski.de

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Hi Kerstin,

nur schnell ein Tipp für die Tage nach der Arbeit. Takayama ist ein richtig nettes kleines Städtchen in den Bergen (Gifu prefecture). Da gibt es superschöne Onsen und Rotenburo, gemütliches japanisches Kleinstadtleben und ist genau das Richtige nach ein paar Tagen im heissen quirligen Kyoto. Nur die Bahnfahrt von Tokyo dauert länger als zwei Stunden … eher einen halben Tag, wenn ich mich recht entsinne. Dafür ist diese Fahrt mit einem kleinen Bummelzug rauf in die Berge auch schon selbst sehr schön. Ist ganz was anderes als mit dem Shinkansen … Von Kyoto müsstest Du erst mit dem Shinkansen nach Nagoya und da in die kleine Bahn nach Takayama umsteigen.

Ein schoener Halbtagesausflug von Kyoto ist zum Shingo-Zi (also Shingo-Tempel). Liegt auf einem Berg ueber einem Fluss und hat eine sehr schoene Aussicht. Man kommt mit dem Bus von Kyoto hin und kann danach entlang des Flusses zu einem Bahnhof wandern, von wo aus man mit der Bahn wieder zurück nach Tokyo fahren kann.

Viel Spass wünscht Panther !

Hallo,

danke für Deine Rückmeldung. Ich weiß, daß es schwül ist um
diese Jahreszeit, macht aber nicht wirklich was…

Du kennst schwül im Sinne von schwül in Japan oder den Tropeb? Oder meinst Du schwül im Sinne von schwül in Deutschland? Mir hat es so die Farbe aus einem Ledergürtel rausgeschwitzt, dass sie hinterher nicht mehr aus der Anzughose rauszubekommen war (und beides war zuvor monatelang problemlos zusammen schon im Einsatz gewesen). Wir hatte damals Tage, an denen wir zur Mittagszeit nur im Häuserschatten von Getränkeautomat zu Getränkeautomat gezogen sind. Mag aber natürlich sein, dass ich damals nur ein besonders schlimmes Jahr erwischt habe.

Schade, daß Dir Dein Ryokan nicht mehr einfällt. Ich habe
jetzt piemaldaumen was versucht übers Internet zu buchen.
Manche Übernachtungen in meiner Preisklasse sehen ja
gotterbärmlich aus.

Ja, die Kosten in Japan können einem schon die Tränen in die Augen treiben, und gerade Unterkunft nach westlichen Standards ist richtig teuer bzw. der japanische Standard in bezahlbaren Preisregionen entspricht nicht unbedingt so ganz unseren Vorstellungen. Trotzdem habe ich damals auch die Tage in dem Ryokan in Kyoto sehr genossen, weil sie doch schon ziemlich nahe am Original waren, also ein recht unverfälschtes Bild der japanischen Lebenswirklichkeit breiter Schichten wiederspiegelte.

Wieso „beneidest“ Du mich? Erzähl von Deinen schönen
Erfahrungen!

Also gerade Kyoto ist eine Ansammlung von sehenswerten Dingen, Du kannst gegenüber vom Bahnhof die Hügelkette hochgehen und quer zum Hang stolperst Du vom einen Tempel gleich in den nächsten. Und auch der gewaltige Kaiserpalast ist sehr beeindruckend.

Aber auch Tokyo hat viel zu bieten. Einerseits die Hektik der Großstadt, andererseits viel traditionelles Handwerk, Kunst und Geschichte. Auch die moderne japanische Architektur hat mich sehr beeindruckt. Interessant auch die aus unserer Sicht massive Diskrepanz zwischen hohen ethischen Werten und unglaublicher Prüderie einerseits und Automaten für getragene Höschen und Träger mehr als eindeutiger Werbeschilder andererseits. Und so schlendert die offensichtlich reiche, gebildete und traditionelle japanische Frau im sicherlich unbezahlbaren Rohseidenkimono vollkommen unbeeindruckt an dem Typen vorbei, der zur besten Shoppingzeit mit einem großen Transparent das Angebot von Analsex im Schmuddelpuff im Hinterhof bewirbt (kein schlechter Scherz, sonder selbst erlebt und müsste sogar noch auf einem Dia belegt sein).

Shopping ist zwar nahezu unbezahlbar, aber lohnt sich trotzdem immer. Die unglaublich zuvorkommend freundliche Bedienung, der getriebene Aufwand und die riesige Auswahl suchen wirklich ihres Gleichen. Einfache Plastikessstäbchen wurden mir gleich nach Auswahl noch am Regal abgenommen und für mich zur Kasse getragen, dort aus der Verpackung genommen und von allen Aufklebern befreit und gereinigt und dann in eine neue Tüte gesteckt. Alle zusammen kamen dann in eine aufwändige Einkaufstasche, die vermutlich mehr wert war als der Inhalt und diese wurde dann mit devoter Geste überreicht.

Als Foody fand ich besonders die Lebensmittelabteilungen der großen Kaufhäuser grandios. Grundsätzlich zwei Stockwerke. Eine Etage nur für Lebensmittel zum Verschenken (sündhaft teure Melonen die man statt Blumen mitbringt und die dann wie eine solche aufgestellt, nicht aber gegessen werden, feinste Kuchen, die nur scheibchenweise verkauft werden, …) und eine Etage für Lebensmittel des täglichen Bedarfs. Teilweise Abteilungen mit Frischfisch, wo ganze Tunfische im Laden verarbeitet werden, und die eine unvorstellbare Auswahl skurilster Dinge bieten.

Und was mich ganz besonders beeindruckt hat war, dass ich als erwachsener Mensch mich alleine in einer solchen Stadt bewegen musste ohne in der Lage zu sein auch nur ein Straßenschild lesen zu können (Zweisprachige Schilder beschränken sich auf einen kleinen Kernbereich der Stadt). Dazu die Herausforderung, dass zwar fast alle Japaner in der Schule Englischunterricht haben, dieser aber auf das Pauken von Vokabeln und Grammatik beschränkt ist. D.h. kaum jemand ist in der Lage auf einfache Fragen Antworten geben zu können.

Also ich will unbedingt mal wieder hin.

Gruß vom Wiz

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Hallo Wiz,
danke für Deine lange und informative Antwort! Thema „schwül“ - ich weiß schon… war im Frühjahr beruflich in Kuba und zwar in Santiago.
Man hätte schon um 10 Uhr morgens alles an die Wand werfen können…
Ich habe inzwischen im Internet ein bezahlbares Ryokan gefunden, 8000 fürs Doppelzimmer, alles klein und einfach, aber wohl ganz schön gelegen, östlich vom Fluß, in der Nähe des Nationalmuseums.
Das hört sich wirklich unglaublich an, was Du über diese Widersprüchlichkeiten erzählst! Prüderie und Krudheiten, Tradition und Ultramoderne… In Tokyo bin ich zum Glück mit einer Reisegruppe unterwegs, über die ich eine Reportage mache(bin Journalistin). Denn daß ich mich nicht verständigen kann, ist für mich relativ neu und ungewöhnlich, weil ich ein paar Sprachen kann, japanisch natürlich nicht. Schöner Tip, direkt vom Bahnhof/Kyoto in die Hügel zu stolpern.
Der werweisswasler „Panther“ hat auch einen guten Beitrag geschrieben, für einen Ausflug in den Norden. Da ich aber von Kyoto aus starte, wird es zu weit sein.
Also bis ein anderes Mal und viele Grüße
Kerstin
www.k-kilanowski.de

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Hallo Panther,
danke für Deine informative Mail! Ja, von Takayama hatte ich im Lonely Planet-Reiseführer auch schon Gutes gelesen. Da ich aber von Kyoto aus starte, wird es vielleicht zu weit sein. Denn ich muß ja wieder nach Osaka zum Flughafen zurück und von dort nach Tokyo für den Rückflug.
Und wir haben für den Ausflug nur 4 Tage…
Aber ich rechne noch mal nach.
Den Halbtagesausflug nach Kyoto machen wir bestimmt! Ich möchte unbedingt was von der Natur sehen.
Danke noch mal und viele Grüße
Kerstin
www.k-kilanowski.de

Hi Kerstin,

nur schnell ein Tipp für die Tage nach der Arbeit. Takayama
ist ein richtig nettes kleines Städtchen in den Bergen (Gifu
prefecture). Da gibt es superschöne Onsen und Rotenburo,
gemütliches japanisches Kleinstadtleben und ist genau das
Richtige nach ein paar Tagen im heissen quirligen Kyoto. Nur
die Bahnfahrt von Tokyo dauert länger als zwei Stunden …
eher einen halben Tag, wenn ich mich recht entsinne. Dafür ist
diese Fahrt mit einem kleinen Bummelzug rauf in die Berge auch
schon selbst sehr schön. Ist ganz was anderes als mit dem
Shinkansen … Von Kyoto müsstest Du erst mit dem Shinkansen
nach Nagoya und da in die kleine Bahn nach Takayama umsteigen.

Ein schoener Halbtagesausflug von Kyoto ist zum Shingo-Zi
(also Shingo-Tempel). Liegt auf einem Berg ueber einem Fluss
und hat eine sehr schoene Aussicht. Man kommt mit dem Bus von
Kyoto hin und kann danach entlang des Flusses zu einem Bahnhof
wandern, von wo aus man mit der Bahn wieder zurück nach Tokyo
fahren kann.

Viel Spass wünscht Panther !

Hallo Kerstin,

hatte noch nen sehr schönen Ausflug in der Kyoto-Region vergessen: Der Tempelkomplex auf dem Koya-san. Dies ist der Ursprung und die Heimat der Shingon-Sekte, einer der bedeutenden Strömungen des Buddhismus. Die Anlage ist sehr schön in den Bergen gelegen. Einige der Tempel nehmen Besucher über Nacht auf und lassen sie auch zum Teil am buddhistischen Leben im Tempel teilnehmen. Ich fand das ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Koya-san ist von Kyoto über Osaka mit der normalen Bahn und zum Schluss mit einer seilgezogenen Bergbahn recht schnell zu erreichen. Zwei Stunden könnten für die Anreise fast reichen. Aber auch hier ist die Anreise - grade der Teil mit der Bergbahn - schon Teil des Erlebnisses. Wenn Ihr Euch ein Auto mietet, könnt ihr auch hinfahren. Dann könntet ihr den Ausflug mit einer Rundfahrt zu einigen Onsen entlang der Küste südlich von Osaka verbinden. Ihr solltet nämlich Japan nicht verlassen, ohne zumindest ein Onsen oder Rotenburo besucht zu haben …

Viel Spass,
Panther

Hallo Panther,
vielen Dank für diese Information. Ich hatte auch schon in meinem Lonely Planet von Koya-San gelesen, fragte mich aber, ob es vielleicht zu touristisch ist, d.h. daß dort mehr Besichtigungsbusse als Mönche/Nonnen zugegen sind. Fein, ich glaube, das genau werde ich nun auch machen, weil Du meine Erwartungen bestätigst.
Viele Grüße Kerstin
www.k-kilanowski.de

Hallo Kerstin,

hatte noch nen sehr schönen Ausflug in der Kyoto-Region
vergessen: Der Tempelkomplex auf dem Koya-san. Dies ist der
Ursprung und die Heimat der Shingon-Sekte, einer der
bedeutenden Strömungen des Buddhismus. Die Anlage ist sehr
schön in den Bergen gelegen. Einige der Tempel nehmen Besucher
über Nacht auf und lassen sie auch zum Teil am buddhistischen
Leben im Tempel teilnehmen. Ich fand das ein sehr
beeindruckendes Erlebnis. Koya-san ist von Kyoto über Osaka
mit der normalen Bahn und zum Schluss mit einer seilgezogenen
Bergbahn recht schnell zu erreichen. Zwei Stunden könnten für
die Anreise fast reichen. Aber auch hier ist die Anreise -
grade der Teil mit der Bergbahn - schon Teil des Erlebnisses.
Wenn Ihr Euch ein Auto mietet, könnt ihr auch hinfahren. Dann
könntet ihr den Ausflug mit einer Rundfahrt zu einigen Onsen
entlang der Küste südlich von Osaka verbinden. Ihr solltet
nämlich Japan nicht verlassen, ohne zumindest ein Onsen oder
Rotenburo besucht zu haben …

Viel Spass,
Panther