Japans Erfolg uebertragbar auf Entwicklungslaender

Hallo,
studiere in London und habe einen Pflichtkurs in Vergleichendes Wirtschaftswachstum in Afrika und Asien.
Muss gerade eine Arbeit zum Thema Betrachetn Sie die Hauptaspekte von Paul Kuznets Ostasienentwicklungsmodel und analysiere die Relevanz und Anwendabrkeit anhand Japans Wirtschaftsentwicklung nach dem II Weltkrieg.
Habe es fast fertig geschrieben, haettte aber trotzdem gerne die Meinung anderer zu diesem Thema gehoert:
inwiefern laesst sich der erfolg Japans und der NICs auch auf andere LDC’s anwenden, waren es nur wirtschaftliche Faktoren oder waren es auch nicht wirtschaftliche Faktoren?
Kuznets Model umfasste 5 Faktoren:

  1. hohes Investmentratio
  2. kleiner oeffentlicher Sektor
  3. starke Exportorientierung
  4. Arbeitsmarktwettbewerb
  5. Regierungsinterventionen in die Wirtschaft
    Habe diesen teil bereits fertiggeschrieben, waere aber fuer weitere Kritikpunkte zu diesen 5 Aspekten sehr dankbar, vor allem zu 2. und 4.

Mich freut jede Meinung und Gedanke, auch wenn er nicht mehr in mein Arbeit miteinfliessen kann finde ich es doch wichtig weiter darueber zu reflektieren.
Danke,
Anna

Hi Anna,

Du solltest auf jeden Fall die Situation des Weltmarktes nach WK II und heute betrachten. Damals taten sich gerade neue Marktsegmente auf im Bereich der Konsumgueter, fuer Japans Aufstieg vor allem in der Haushaltselektronik. Neue Maerkte dieser Groessenordnung sind vorlaeufig nicht in Sicht.

Weiterhin ist zu beachten, dass Japan vorher schon mindestens 200 Jahre industrieller Entwicklung gehabt hatte, die Gesellschaft war auf die staerkere Einbindung in den Welthandel vorbereitet, es gab eine fortgeschrittene Infrastruktur bzgl. Recht, Bildung, Kleinbetriebe, Grossstaedte,…

Diese Infrastruktur muesste in den Entwicklungslaendern heute erst in ausreichendem Umfang geschaffen werden.

Ciao Lutz

Hallo Anna,

stabile politische und gesellschaftliche Verhältnisse, ausreichender Bildungsstand der Bevölkerung und eine vorhandene Verkehrsinfrastruktur sind einige elementare Voraussetzungen für den Aufstieg eines Entwicklungslandes. Ausreichend breite Bevölkerungsschichten müssen überhaupt daran gewöhnt sein, einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen.

Schließlich lassen sich die Verhältnisse vor einem halben Jahrhundert nicht mit den heutigen Gegebenheiten vergleichen. Als die Bundesrepublik und Japan langsam anfingen, zu wirtschaftlichen Mächten zu werden, gab es nicht die weltweit verbreiteten Marktsättigungserscheinungen. Industrieproduktion auf beinahe jedem Qualitäts- und Mengenniveau war absetzbar. Landwirtschaftliche Überproduktion mit verfallenden Weltmarktpreisen war auch noch kein Problem.

Wer heute auf den wirtschaftlichen Zug aufspringen will, muß das auf viel höherem Niveau tun als vor 50 Jahren. Oder er muß landesspezifische Vorteile nutzen, die ihn vom Weltmarkt-Wettbewerb teilweise befreien, etwa besondere Bodenschätze fördern und verkaufen. Ansonsten haben die armen Länder eben kein Geld, sondern hauptsächlich Schulden und viele Menschen. Ich denke deshalb, daß diese Länder schlecht beraten sind, den Weg z. B. Japans nachzuahmen. Kapitalintensive Massenproduktion können diese Länder aus eigener Kraft nicht auf die Beine stellen. Sie sollten vielmehr nutzen, was vorhanden ist, nämlich Menschen. Kann nur heißen: Bildung ohne Ende. Intellektuelle Leistungen zu weltmarktfähigen Preisen anzubieten, könnten Entwicklungsländer binnen weniger Jahre zustande bringen, ohne sich weiter zu verschulden und ohne ihre Umwelt weiter zu zerstören.

Solche Gedankenansätze kann man hier nur streifen. Angesichts vorherrschender Denkrichtungen, die sich mit einem Brunnen, einem Buschkrankenhaus, industrieller Billigproduktion und Landwirtschaft beschäftigen, müssen andere Ziele zu visionär erscheinen.

Gruß
Wolfgang

Hallo Lutz und Wolfgang,
danke euch beiden dass ihr eure Gedanken und Ansicht mit mir geteilt habt. Ich hoffe das mir eure Denkanstoesse weiterhelfen, wenn nicht beim fast fertigen Essaz, dann vielleicht wichtiger beim Verstehen und Denken und Lernen.
Danke,
Anna

[Zustimmung]

Ich denke deshalb, daß diese Länder schlecht
beraten sind, den Weg z. B. Japans nachzuahmen.
Kapitalintensive Massenproduktion können diese Länder aus
eigener Kraft nicht auf die Beine stellen. Sie sollten
vielmehr nutzen, was vorhanden ist, nämlich Menschen. Kann nur
heißen: Bildung ohne Ende. Intellektuelle Leistungen zu
weltmarktfähigen Preisen anzubieten, könnten
Entwicklungsländer binnen weniger Jahre zustande bringen, ohne
sich weiter zu verschulden und ohne ihre Umwelt weiter zu
zerstören.

Ob das aber geht? Auf der Suche nach neuen Vermarktungsmoeglichkeiten sind wir inzwischen beim „geistigen Eigentum“ (der Abstraktion der Abstraktion) angekommen, bzw. Deinen „intellektuellen Leistungen“ als Ware. Bildung, zumal auf hoechstem Niveau, wird zunehmend teurer (man nehme nur die wiss. Zeitschriften, Lehrer muessen auch bezahlt werden). Deshalb ist man ja auch in den „reichen“ Industrienationen so erpicht auf Drittmittel aus der Wirtschaft. Ohne diese koennen Bibliotheken nicht auf den aktuellen Stand gebracht werden, Forschung, internationaler Austausch findet nur eingeschraenkt statt… Nur dazu braucht es eine funktionierende Wirtschaft.

Und ob fuer den Menschenexport ein genuegend grosser Markt vorhanden ist? Die aktuellen Debatten klingen nicht so.

Ciao Lutz

Und ob fuer den Menschenexport ein genuegend grosser Markt
vorhanden ist? Die aktuellen Debatten klingen nicht so.

Hallo Lutz,

dabei dachte ich nicht an den „Export von Menschen“, sondern an Dienstleistungen, die im Lande für ausländische Kunden erbracht werden. Das reicht vom Übersetzungsservice über Entwicklungsarbeiten bis zur Software.

Natürlich kann davon kein Land existieren und so läßt sich auch kein inländischer Bedarf befriedigen. Aber an irgend einer Stelle braucht man die Initialzündung, die baldigst zu wettbewerbsfähigen Leistungen führt. Über wettbewerbsfähige Leistungen kommr auch das Geld ins Land, mit dem andere lebenswichtige Dinge bezahlt werden können.

Aber mir ist klar, daß es Gedankenspiele sind. Eher produzieren die Leute noch billigeren Spielzeugramsch als die Chinesen und beschaffen für die mageren Erlöse umgehend Kalaschnikows. Sowas braucht man eben.

Gruß
Wolfgang

Und ob fuer den Menschenexport ein genuegend grosser Markt
vorhanden ist? Die aktuellen Debatten klingen nicht so.

Hallo Lutz,

dabei dachte ich nicht an den „Export von Menschen“, sondern
an Dienstleistungen, die im Lande für ausländische Kunden
erbracht werden. Das reicht vom Übersetzungsservice über
Entwicklungsarbeiten bis zur Software.

Hi,

Du hast den eigentlichen Teil weggelassen und auf die eher ironische Bemerkung (verdammt, muss man das wirklich immer kennzeichnen) ernsthaft geantwortet. Also denke ich, dass Du das oekonomische Problem der Finanzierung der Bildungsinitialzuendung auch siehst.

Und die angesprochenen Dienstleistungen werden auch ueberwiegend in den industriellen Zentren erbracht, die schon zu Kolonialzeiten existierten. Man denke nur an Softwareentwicklung, industrielle Produktion gar, in Zentralafrika, etwa da, wo vor kurzem der Vulkan ausgebrochen ist und vor etwas laengerer Zeit jeder seinen Nachbarn umbrachte, weil er ihn fuer die unmittelbare Ursache seines Elends ansah.

Ciao Lutz

Hallo Wolfgang,

dabei dachte ich nicht an den „Export von Menschen“, sondern
an Dienstleistungen, die im Lande für ausländische Kunden
erbracht werden. Das reicht vom Übersetzungsservice über
Entwicklungsarbeiten bis zur Software.

z.B. Computer_Inder die in Bombay für internat. Banken z.B. dt. entwickeln ?

Tschuess Marco

z.B. Computer_Inder die in Bombay für internat. Banken z.B.
dt. entwickeln ?

Hallo Marco,

ja, auch das.

2.30 Uhr. Sorry, es ist mir jetzt einfach zu spät, um weitere Gedanken dazu aufzuschreiben. Nur dies: Ich sehe in Bildung für breite Bevölkerungsschichten die Lösung für viele Probleme, angefangen vom reinen Gelderwerb, über den Abbau von Frauendiskriminierung, Geburtenkontrolle bis hin zur politischen Stabilität.

Gruß
Wolfgang

Nur dies: Ich sehe in Bildung
für breite Bevölkerungsschichten die Lösung für viele
Probleme, angefangen vom reinen Gelderwerb, über den Abbau von
Frauendiskriminierung, Geburtenkontrolle bis hin zur
politischen Stabilität.

Sicher ist die Bildung eine Voraussetzung fuer die Loesung der Probleme. Aber oekonomische Probleme, die Frage nach dem taeglich Brot, koennen nur oekonomisch geloest werden. Und solange das Ueberleben in Frage steht, wirst Du mit unseren spaetdemokratischen Forderungen nicht allzuviel Anklang finden.

„Fressfreiheit statt Pressfreiheit“ (stammt aus deutschen Landen)

Ciao Lutz

Sicher ist die Bildung eine Voraussetzung fuer die Loesung der
Probleme. Aber oekonomische Probleme, die Frage nach dem
taeglich Brot, koennen nur oekonomisch geloest werden. Und
solange das Ueberleben in Frage steht, wirst Du mit unseren
spaetdemokratischen Forderungen nicht allzuviel Anklang
finden.

„Fressfreiheit statt Pressfreiheit“ (stammt aus deutschen
Landen)

Hallo Lutz,

selbstverständlich ist akut hungernden Analphabeten nicht zu helfen, indem man eine Universität zwischen die Lehmhütten baut. Die erste Hilfe kann nur Hilfe zum nackten Überleben sein. Es geht darum, ob solche Länder gut beraten sind, industrielle Massenproduktion für den Weltmarkt anzustreben, also den Weg z. B. Japans nachzuahmen. Dabei haben sich nach meiner Ansicht die Rahmenbedingungen so verändert, daß dieser Weg heute nicht mehr erfolgreich kopierbar ist.

Gruß
Wolfgang

also den Weg z. B. Japans nachzuahmen. Dabei haben sich nach
meiner Ansicht die Rahmenbedingungen so verändert, daß dieser
Weg heute nicht mehr erfolgreich kopierbar ist.

Mit dieser Ansicht stehst Du nicht allein, nur bring das mal den VWL-Glaeubigen bei, fuer die sich die Marktwirtschaft nie aendert und schon zu Zeiten von Smith und Say so aussah wie heute.

Andererseits, was soll sonst gemacht werden? Ueberleben ist in der 3. Welt weder mit noch gegen den Weltmarkt moeglich. (Jeder, der eine systemkonforme praktikable Antwort hat, ist Kandidat fuer den Nobelpreis.)

Ciao Lutz

Zu platt!
Hallo Lutz,

Mit dieser Ansicht stehst Du nicht allein, nur bring das mal
den VWL-Glaeubigen bei, fuer die sich die Marktwirtschaft nie
aendert und schon zu Zeiten von Smith und Say so aussah wie
heute.

zustimm!

Andererseits, was soll sonst gemacht werden? Ueberleben ist in
der 3. Welt weder mit noch gegen den Weltmarkt moeglich.
(Jeder, der eine systemkonforme praktikable Antwort hat, ist
Kandidat fuer den Nobelpreis.)

aber diese Aussage ist eindeutig zu platt:
Sicher gibt es einige Mio. hungernde weltweit, aber dies sind IMHO vielleicht 5 % der in der dritten Welt lebenden (mehr als 3,5 Mill. Menschen, davon 1,3 Mill. China, 1 Mill. Indien, 0,8 Mill. Indonesien, der Rest kommt zwischen Phillipinen über Afrika und Südamerika sicher auch noch zusammen).
Sicher leben die meisten unter Bedingungen wie in D vor 200 Jahren (abgesehen von Moped + Radio), aber sie leben. Sicher haben sie das Bedürfnis wie in Westeuropa zu leben.

Zum Thema Nobelpreis und Lsgansätze:
Vordrei oder vier Jahren bekam tatsächlich ein Mensch den Wiwi-Nobelpreis, der sich mit dem Thema Armut und Reichtum in Volkswirtschaften beschäftigt hat. Eine Aussage seiner Untersuchungen war:
Hungerkatastrophen haben ihre Ursachen in der mangelnden sozialen ökon. und techn. Infrastruktur, die Missernte selbst ist nur der Auslöser. Also das Problem sind u.a. Bürgerrkriegswirren, fehlender (regionaler) Handel, fehlende Strassen …
Meine Meinung zum Thema der dritten Welt helfen: Hilfe zur Selbsthilfe- Projekte unterstützen. Dabei sollte die Konzeption und Ausführung vor Ort von Einheimischen erfolgen, aus D kommt ´Geld und (Spezial-)Know-how.

Tschuess Marco.

die frage ist …

hallo ersteinmal,

„was ist erklärtes ziel in gesellschaft, wirtschaft etc.?“

wenn jeder kleinstafrikanische staat ein ziel vor augen hat, einen staat, eine wirtschaft, einen entwicklungsstand wie sagen wir die südeuropäer zu haben, dann ist es m.E. schon der falsche ansatz.

hilfe zur selbsthilfe fiel schon mal, das ist m.E. der ansatz. hinzu kommt, das westeuropa und nordamerika (und japan ggf.) als vorbild und leitmotiv anzusehen sind bei der entwicklung von 3. welt staaten. realität und traum klaffen selbst in 2. welt ländern wie argentinien oder mexico weit auseinander, wie soll dann nigeria oder zaire das machen?

hier muss erkannt werden (auch von den einheimischen dort), das entwicklung insgesamt lange dauert und ein ziel nicht lokalisierbar ist. was in deutschland 1890 das mittel war, ist es im deutschland des beginnenden 3. jahrtausends halt nicht mehr. ebensowenig kann eine entwicklung historisch betrachtet wiederholt werden.

vielleicht haben gerade die afrikanischen staaten die chance des jahrtausends mehr aus ihren laendern zu machen als zubetonierte und umweltvergiftete landstriche. hochindustrie und high-tech branchen sind nicht unbedingt ein erstrebenswertes ziel, sie sind allerhöchstens und vielleicht ein mittel zum zweck…

solange jedoch in afrika mit waffen des 20. jahrhunderts kriege geführt werden auf dem niveau des europäischen 18. jahrhunderts kann es noch dauern. solange stamm x und y nicht an einem strang ziehen, solange kann man auch nicht die entwicklung positiv beeinflussen…

schweres thema und ein wichtiges obendrein.

findet jedenfalls

der showbee

Hi,

Sicher leben die meisten unter Bedingungen wie in D vor 200
Jahren (abgesehen von Moped + Radio), aber sie leben. Sicher
haben sie das Bedürfnis wie in Westeuropa zu leben.

Nein. Sie leben in dieser Welt und in dieser Zeit. Es mag sein, dass in Doerfern im Sueden Afrikas der Lebensstil im Norden Afrikas voellig unbekannt ist, aber dass man in Europa sehr viel besser lebt, duerfte auch dort schon durchgedrungen sein, und sei es total verzerrt in SitComs.

Zum Thema Nobelpreis und Lsgansätze:
Vordrei oder vier Jahren bekam tatsächlich ein Mensch den
Wiwi-Nobelpreis, der sich mit dem Thema Armut und Reichtum in
Volkswirtschaften beschäftigt hat. Eine Aussage seiner
Untersuchungen war:
Hungerkatastrophen haben ihre Ursachen in der mangelnden
sozialen ökon. und techn. Infrastruktur, die Missernte selbst
ist nur der Auslöser.

Ich finde diese Erkenntnis total cool. Zumal diese Mechanismen schon 100 Jahre vorher beschrieben wurden (z.B. englische Tuchindustrie vs. indische Weber). Wenn Europa/Nordamerika den Markt in der 3. Welt mit Billig-Nahrungsmitteln „ueberschwemmt“, koennen die dort ansaessigen Bauern auf dem Markt kaum was absetzen, werden also in die reine Selbstversorgung gedraengt. Bzw. sie muessen ihre Produkte zu einem Preis verkaufen, der nicht zur aufgebrachten Arbeit equivalent ist, um sich Radio und Moped leisten zu koennen (von Landmaschinen ganz zu schweigen). Es kann sich unter diesen Umstaenden einfach keine leistungsfaehige Landwirtschaft entwickeln.

Also das Problem sind u.a.
[] fehlende:Strassen …

Wer soll die bezahlen? Ich denke, wir reden hier beide von einem leistungsfaehigen Transportnetz, welches bis ins letzte Dorf reicht.

Meine Meinung zum Thema der dritten Welt helfen: Hilfe zur
Selbsthilfe- Projekte unterstützen.

Sicher. Nur damit das funktioniert, muss eine minimale Infrastruktur dasein. Was hilft es, Brunnen zu bohren, wenn keiner da ist, der die Pumpen reparieren kann, wenn Strom/Benzin nicht stabil zur Verfuegung stehen, wenn die Gemeinde die Kosten dafuer nicht aufbringen kann?

Dabei sollte die
Konzeption und Ausführung vor Ort von Einheimischen erfolgen,
aus D kommt ´Geld und (Spezial-)Know-how.

Know-How aus D oder EU oder USA setzt immer schon eine entwickelte Infrastruktur voraus. Diese ist aber teuer und ueberhaupt nicht profitabel, wie an der aktuellen Spardebatte in D leicht festzustellen ist. Alles andere ist klein-klein-Flickschusterei, mit der man gerade die schlimmsten Missstaende beseitigen kann. Das ist notwendig, aber keine "Entwicklungs"hilfe.

Ciao Lutz

Hallo Lutz,

Nein. Sie leben in dieser Welt und in dieser Zeit. Es mag
sein, dass in Doerfern im Sueden Afrikas der Lebensstil im
Norden Afrikas voellig unbekannt ist, aber dass man in Europa
sehr viel besser lebt, duerfte auch dort schon durchgedrungen
sein, und sei es total verzerrt in SitComs.

zustimm (contra ging v.a. gegen nicht leben können in 3. Welt)

Ich finde diese Erkenntnis total cool. Zumal diese Mechanismen
schon 100 Jahre vorher beschrieben wurden (z.B. englische
Tuchindustrie vs. indische Weber).

Für mich war der Ansatz bzgl. Hungerkatastrophen neu. Ich dachte immer, die Missernte ist die alleinige Ursache.

Also das Problem sind u.a.
[] fehlende:Strassen …

Wer soll die bezahlen? Ich denke, wir reden hier beide von
einem leistungsfaehigen Transportnetz, welches bis ins letzte
Dorf reicht.

so etwas kann nur Stück für Stück gehen

Meine Meinung zum Thema der dritten Welt helfen: Hilfe zur
Selbsthilfe- Projekte unterstützen.

Sicher. Nur damit das funktioniert, muss eine minimale
Infrastruktur dasein. Was hilft es, Brunnen zu bohren, wenn
keiner da ist, der die Pumpen reparieren kann, wenn
Strom/Benzin nicht stabil zur Verfuegung stehen, wenn die
Gemeinde die Kosten dafuer nicht aufbringen kann?

Ich habe engen Kontakt mit Leuten aus einem Kamerun- Projekt.Sie meinten z.B. das Geld im Sinne eines Jahreseinkommens nicht das drängnste Problem ist, sondern das dort keine Sparwirtschaft existiert. Soll heissen, die Leute gehen auf den Markt verkaufen ihr Zeugs (Kaffee/Kakao) und geben das Geld sofort wieder aus, statt sich einen Teil der Summe für Reparaturen/Ersatzteile … aufzuheben. So ist dann, wenn was ist, kein Pfennig da und das Teil vergammelt.

Dabei sollte die
Konzeption und Ausführung vor Ort von Einheimischen erfolgen,
aus D kommt ´Geld und (Spezial-)Know-how.

Know-How aus D oder EU oder USA setzt immer schon eine
entwickelte Infrastruktur voraus. Diese ist aber teuer und
ueberhaupt nicht profitabel, wie an der aktuellen Spardebatte
in D leicht festzustellen ist. Alles andere ist
klein-klein-Flickschusterei, mit der man gerade die
schlimmsten Missstaende beseitigen kann. Das ist notwendig,
aber keine "Entwicklungs"hilfe.

Das sehe ich etwas anders. Z.B. werden Schmiedewerkstücke (z.B. einfache Handwagen) in Kamerun aus Japan/Südkorea importiert, weil das Know-how zum Selbermachen nicht vorhanden ist. Für solchen Schrott gehen also kostbare Devisen drauf, die für Computer und Bücher fehlen (mal platt gesagt).

Tschuess Marco.

Ich finde diese Erkenntnis total cool. Zumal diese Mechanismen
schon 100 Jahre vorher beschrieben wurden (z.B. englische
Tuchindustrie vs. indische Weber).

Für mich war der Ansatz bzgl. Hungerkatastrophen neu. Ich
dachte immer, die Missernte ist die alleinige Ursache.

Ich wusste von den frueheren Ueberlegungen auch erst vor kurzem (zu lesen in einer „Kritik der politischen Oekonomie“). Aber z.B. der Aufstand der schlesischen Weber und seine oekonomischen Hintergruende sind Schulstoff.

Wer soll die bezahlen? Ich denke, wir reden hier beide von
einem leistungsfaehigen Transportnetz, welches bis ins letzte
Dorf reicht.

so etwas kann nur Stück für Stück gehen

Aber bleibt es nicht meist stecken, weil das erste Stueck nicht genuegend gewartet werden kann?

Meine Meinung zum Thema der dritten Welt helfen: Hilfe zur
Selbsthilfe- Projekte unterstützen.

Sicher. Nur damit das funktioniert, muss eine minimale
Infrastruktur dasein. Was hilft es, Brunnen zu bohren, wenn
keiner da ist, der die Pumpen reparieren kann, wenn
Strom/Benzin nicht stabil zur Verfuegung stehen, wenn die
Gemeinde die Kosten dafuer nicht aufbringen kann?

Ich habe engen Kontakt mit Leuten aus einem Kamerun-
Projekt.Sie meinten z.B. das Geld im Sinne eines
Jahreseinkommens nicht das drängnste Problem ist, sondern das
dort keine Sparwirtschaft existiert. Soll heissen, die Leute
gehen auf den Markt verkaufen ihr Zeugs (Kaffee/Kakao) und
geben das Geld sofort wieder aus, statt sich einen Teil der
Summe für Reparaturen/Ersatzteile … aufzuheben. So ist dann,
wenn was ist, kein Pfennig da und das Teil vergammelt.

Das wuerde bedeuten, dass das Einkommen nicht zur Befriedigung der allgemeinen Beduerfnisse ausreicht. Wobei „Beduerfnisse“ durch Werbung massiv verzerrt sein koennen, z.B. Fanta als die bessere Babynahrung.

Andererseits: Geld ist eine ziemlich abstrakte Einrichtung. Ueberleg mal, welch eine Glaubens"leistung" und stabilen Strukturen dazugehoeren, ein paar Bits in einem Bankcomputer als materielle Verkoerperung Deines Reichtums zu denken. In einer Situation ohne solch stabile Institution und staendig drohender Hyperinflation ist es verstaendlich, dass dieser abstrakte Reichtum sofort wieder in materiellen Reichtum umgesetzt wird.

Dabei sollte die
Konzeption und Ausführung vor Ort von Einheimischen erfolgen,
aus D kommt ´Geld und (Spezial-)Know-how.

Know-How aus D oder EU oder USA setzt immer schon eine
entwickelte Infrastruktur voraus. Diese ist aber teuer und
ueberhaupt nicht profitabel, wie an der aktuellen Spardebatte
in D leicht festzustellen ist. Alles andere ist
klein-klein-Flickschusterei, mit der man gerade die
schlimmsten Missstaende beseitigen kann. Das ist notwendig,
aber keine "Entwicklungs"hilfe.

Das sehe ich etwas anders. Z.B. werden Schmiedewerkstücke
(z.B. einfache Handwagen) in Kamerun aus Japan/Südkorea
importiert, weil das Know-how zum Selbermachen nicht vorhanden
ist. Für solchen Schrott gehen also kostbare Devisen drauf,
die für Computer und Bücher fehlen (mal platt gesagt).

Aber dieser Schrott ist auf kurze Sicht billiger als die Anschaffung der Einrichtung einer Schmiede (und Ausbildung des Schmieds). Und nach obigem muesste der Schmied (fast) in Naturalien bezahlt werden. Ich weiss nicht, ob die Produktivitaet des Schmiedes hoch genug waere, um das Verhaeltnis Naturalien"Schrott" aus Fernost zu schlagen.

Ciao Lutz

Hallo Lutz,

Meine Meinung zum Thema der dritten Welt helfen: Hilfe zur
Selbsthilfe- Projekte unterstützen.

Sicher. Nur damit das funktioniert, muss eine minimale
Infrastruktur dasein. Was hilft es, Brunnen zu bohren, wenn
keiner da ist, der die Pumpen reparieren kann, wenn
Strom/Benzin nicht stabil zur Verfuegung stehen, wenn die
Gemeinde die Kosten dafuer nicht aufbringen kann?

Ich habe engen Kontakt mit Leuten aus einem Kamerun-
Projekt.Sie meinten z.B. das Geld im Sinne eines
Jahreseinkommens nicht das drängnste Problem ist, sondern das
dort keine Sparwirtschaft existiert. Soll heissen, die Leute
gehen auf den Markt verkaufen ihr Zeugs (Kaffee/Kakao) und
geben das Geld sofort wieder aus, statt sich einen Teil der
Summe für Reparaturen/Ersatzteile … aufzuheben. So ist dann,
wenn was ist, kein Pfennig da und das Teil vergammelt.

Das wuerde bedeuten, dass das Einkommen nicht zur Befriedigung
der allgemeinen Beduerfnisse ausreicht. Wobei „Beduerfnisse“
durch Werbung massiv verzerrt sein koennen, z.B. Fanta als die
bessere Babynahrung.

Es war etwas undeutlich ausgedrückt von mir:
Sie kaufen sich teilweise ‚Ramsch‘ wie schöne bunte T-Shirts aus EU, Fanta, also Artikel, die man unte Luxus subsumieren kann, da sie nicht notwendig sind

Andererseits: Geld ist eine ziemlich abstrakte Einrichtung.
Ueberleg mal, welch eine Glaubens"leistung" und stabilen
Strukturen dazugehoeren, ein paar Bits in einem Bankcomputer
als materielle Verkoerperung Deines Reichtums zu denken. In
einer Situation ohne solch stabile Institution und staendig
drohender Hyperinflation ist es verstaendlich, dass dieser
abstrakte Reichtum sofort wieder in materiellen Reichtum
umgesetzt wird.

Dies ist gerade in Kamerun (und anderen Westafrikanische Staaten) kein Problem, da der kamerunische Franc (CFA) am Franz. Franc (nun EUR) hängt, d.h. diese Staaten keine eigene Währungspolitik machen und somit das Geld stabil ist. Dies ist nicht mit Argentinien und seiner Dollarisierung zu vergleichen, da dieser Zustand (meines Wissens) seit der Unabhängigkeit so ist, d.h. es gab nie eine eigen Währungspolitik in Kamerun.

Aber dieser Schrott ist auf kurze Sicht billiger als die
Anschaffung der Einrichtung einer Schmiede (und Ausbildung des
Schmieds).

Richtig, hier kann eine einmalige Investition dieses Kurzfristdenken durchbrechen. Mit der Massgabe, durch Gebühren
(als eine Art Kreditzinsen) die Erhaltung der Investition und
weitere Projekte (z.T. anderer Art) zu realisieren, kommt ein Wirtschaftskreislauf in Gang.

Und nach obigem muesste der Schmied (fast) in
Naturalien bezahlt werden.

Warum ? Es gibt doch Märkte, so dass die Geld-Ware Beziehung funktioniert.

Ich weiss nicht, ob die Produktivitaet des Schmiedes hoch genug
waere, um das Verhaeltnis Naturalien"Schrott" aus Fernost zu
schlagen.

Bei den Preisen für Naturalien z.Zt. (extrem niedrig für Kaffee s. Artikel in FASZ vom 27. Jan)

Tschuess Marco.