Hi,
Sicher leben die meisten unter Bedingungen wie in D vor 200
Jahren (abgesehen von Moped + Radio), aber sie leben. Sicher
haben sie das Bedürfnis wie in Westeuropa zu leben.
Nein. Sie leben in dieser Welt und in dieser Zeit. Es mag sein, dass in Doerfern im Sueden Afrikas der Lebensstil im Norden Afrikas voellig unbekannt ist, aber dass man in Europa sehr viel besser lebt, duerfte auch dort schon durchgedrungen sein, und sei es total verzerrt in SitComs.
Zum Thema Nobelpreis und Lsgansätze:
Vordrei oder vier Jahren bekam tatsächlich ein Mensch den
Wiwi-Nobelpreis, der sich mit dem Thema Armut und Reichtum in
Volkswirtschaften beschäftigt hat. Eine Aussage seiner
Untersuchungen war:
Hungerkatastrophen haben ihre Ursachen in der mangelnden
sozialen ökon. und techn. Infrastruktur, die Missernte selbst
ist nur der Auslöser.
Ich finde diese Erkenntnis total cool. Zumal diese Mechanismen schon 100 Jahre vorher beschrieben wurden (z.B. englische Tuchindustrie vs. indische Weber). Wenn Europa/Nordamerika den Markt in der 3. Welt mit Billig-Nahrungsmitteln „ueberschwemmt“, koennen die dort ansaessigen Bauern auf dem Markt kaum was absetzen, werden also in die reine Selbstversorgung gedraengt. Bzw. sie muessen ihre Produkte zu einem Preis verkaufen, der nicht zur aufgebrachten Arbeit equivalent ist, um sich Radio und Moped leisten zu koennen (von Landmaschinen ganz zu schweigen). Es kann sich unter diesen Umstaenden einfach keine leistungsfaehige Landwirtschaft entwickeln.
Also das Problem sind u.a.
[] fehlende:Strassen …
Wer soll die bezahlen? Ich denke, wir reden hier beide von einem leistungsfaehigen Transportnetz, welches bis ins letzte Dorf reicht.
Meine Meinung zum Thema der dritten Welt helfen: Hilfe zur
Selbsthilfe- Projekte unterstützen.
Sicher. Nur damit das funktioniert, muss eine minimale Infrastruktur dasein. Was hilft es, Brunnen zu bohren, wenn keiner da ist, der die Pumpen reparieren kann, wenn Strom/Benzin nicht stabil zur Verfuegung stehen, wenn die Gemeinde die Kosten dafuer nicht aufbringen kann?
Dabei sollte die
Konzeption und Ausführung vor Ort von Einheimischen erfolgen,
aus D kommt ´Geld und (Spezial-)Know-how.
Know-How aus D oder EU oder USA setzt immer schon eine entwickelte Infrastruktur voraus. Diese ist aber teuer und ueberhaupt nicht profitabel, wie an der aktuellen Spardebatte in D leicht festzustellen ist. Alles andere ist klein-klein-Flickschusterei, mit der man gerade die schlimmsten Missstaende beseitigen kann. Das ist notwendig, aber keine "Entwicklungs"hilfe.
Ciao Lutz