Ich habe mal eine Frage:
Wieso haben die deutschen Feldjäger immer noch als Sinnspruch „jedem das seine“, welcher ja bekanntlichermassen die auf dem Eingangstor des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald stand.
Und warum ist dieser Spruch nicht genauso berechtigterweise ein Un-Satz wie „Arbeit macht frei“?
Ich habe da eine Diskussion mit einer Person, die diesen Satz in ihrer Signatur führt.
Hallo,
was ist daran schädlich?
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Weil dies ein zynischer Kommentar in Richtung Insassen des KZs war „Jedem das Seine“, sprich: jedem das, was er verdient. Damals: „Den Juden das Gas“
Weil dies ein zynischer Kommentar in Richtung Insassen des KZs
war „Jedem das Seine“, sprich: jedem das, was er verdient.
Damals: „Den Juden das Gas“
Hallo Peer,
du hast ja recht, ich würde dies aber trotzdem nicht dramatisieren. es gibt viele sprüche oder sätze, die bestimmt auch von verbrecherregierungen benutz wurden und wir sagen sowas heute noch, ohne das uns das bewußt ist.
du hast ja recht, ich würde dies aber trotzdem nicht
dramatisieren. es gibt viele sprüche oder sätze, die bestimmt
auch von verbrecherregierungen benutz wurden und wir sagen
sowas heute noch, ohne das uns das bewußt ist.
ich finde es nur schade, dass sich leute selbst nach aufklärung halt nicht dazu entscheiden können, sowas aus ihrer Signatur zu streichen, wie in einem Forum geschehen, welches ein milit. Spiel zum Inhalt hatte.
Hi Peer,
ich würde das nicht so verkniffen sehen. Begründung: In allen „großen alten Büchern“ gab´s für jede Situation je einen Spruch DAFÜR und einen DAGEGEN. Das macht Sinn, denn das erhält die Macht dieser Bücher und derer, die aus diesen Büchern zitieren. Sprüche solcher Art sind von fast allen organisierten Verbrechern (besonders Königen und Politikern) schon benutzt worden. Würden wir die aus unserem Gebrauchs-Wortschatz streichen, müssten wir uns auf eine lautlose Kommunikation einstellen.
Gruß
Pat
Hallo Peer,
ich denke Du hast recht was Du schreibst. Wenn wir mal so recht überlegen, wieviel Dinge sagen wir am Tag zu anderen, ohne uns darüber im klaren zu sein, ob wir andere Menschen damit verletzen? Genauso sehe ich das mit der Signatur.
Gruß
Markus
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Hallo Markus,
eben das ist ja das problem, wir überlegen zu wenig.
Denn genau genommen kann ich dem Spruch eigentlich gar nichts abgewinnen.
Jedem das Seine - wenn das heißt, jeder bekommt, was er verdient, denn klingt das für mich zum Beispiel in Bezug auf Krankheiten oder behinderungen einfach nur zynisch. Und das der Spruch zudem am Eingangstor von Buchenwald steht, macht ihn auch nicht gerade besser…
Gernot Geyer
Hallo
Wieso haben die deutschen Feldjäger immer noch als Sinnspruch
„jedem das seine“, welcher ja bekanntlichermassen die auf dem
Eingangstor des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald
stand.
Weil die deutsche Bundeswehr immer noch eine ARMEE ist und in einer Armee es darum geht, durch tradierte Umgangsformen und Verhaltensweisen Gehorsam zu erzwingen. So werden auch noch Generäle aus dem zweiten Weltkrieg geehrt und Lieder gesungen, bei denen man zweifeln könnte, was denn so grundgesetzlich an ihnen ist (nicht vollständig, eben in der Grauzone).
Ich habe in meiner Wehrpflichtzeit (ist allerdings 20 Jahre her), jede Menge solcher Anachronismen gesehen und über den „Staatsbürger in Uniform“ als Treppenwitz des Jahrhunderts gelacht. Ich sehe heute traurig ein, daß eine Armee notwendig ist, aber die Verhaltensweisen und Mechanismen innerhalb solcher Organisationen sind dieselben wie vor 2000 Jahren.
Gruß
Thomas
Hallo Gernot,
genau da hast Du recht. Wenn man genau überlegt und zum Beispiel sich Gedanken darüber macht, was man den ganzen Tag alleine im Berfusleben so alles für einen Schwachsinn getrieben hat, beginnt man nachzudenken, sollte man zumindest. Wir beide haben doch Erfahrung darin.
Lieben Gruß
Markus
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Lieber Peer,
auch dieser Satz wurde von den Machthabern des 3. Reiches - wie vieles andere auch - instrumentalisiert, um ihren Ansichten einen Anstrich von Seriosität, Allgemeingültigkeit und geschichtlicher Kontinuität zu verleihen.
„Suum Cuique“: Dieser Ausspruch stammt von dem großen altrömischen Politiker, Schriftsteller und Redner
Marcus Tullius CICERO (03.01.106 - 07.12.43 v. Chr.).
Cicero sagte: „Justitia in suo cuique tribuento cernitur“.
„Die Gerechtigkeit erkennt man daran, daß sie jedem das seine zuerteilt.“
Friedrich I., König von Preußen, wählte „Suum Cuique“ als Inschrift für viele Medaillen und Münzen und zum Motto für den am 17.01.1701 gestifteten „Orden vom preußischen Adler“. Seit dieser Zeit blieb „Suum Cuique“ Preußens Wahlspruch.
Ich bin der Ansicht, dass dieser Ausspruch nicht dadurch entwertet wird, dass er in dubiosem Zusammenhang verwendet wurde.
Gruß Eckard.
Bisher ist in der Diskussion noch niemand auf die Herkunft dieses Wortes eingegangen. Gleich wird aber hoffentlich deutlich, dass dieses Wort auch heute noch benutzt werden kann.
„Suum cuique“ war auf dem von Friedrich II. gestifteten Schwarzer-Adler-Orden, der höchsten preußischen Auszeichnung eingeprägt. Von dort aus wurde er Wahlspruch Preußens und ist mitnichten ein Nazispruch. Leider haben einige Diskussionsteilnehmer - sicher unfreiwillig - das Suum Cuique genau im Nazisinne interpretiert: jeder bekommt das, was er verdient, im schlimmsten Fall den Tod.
Das ist aber so nicht gemeint. Vielmehr ist dieser Spruch Aufklärung par exellence. Jedem Menschen steht das zu, was ihm gebürt: die Freiheit seiner Gedanken, die materiellen Grundlagen seines Lebens, einfach die Möglichkeit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Der (preußische) Staat hat dazu „nur“ die rechtlichen Grundlagen zu schaffen und zu schützen. So gesehen ist „Suum cuique“ eine andere Wendung für Friedrichs berühmte Anmerkung, dass in seinem Staat jeder nach seiner Facon selig werden soll. „Suum cuique“ ist die Absage an den toalen Staat.
Die Nazis haben hier also wieder mal eine Idee geklaut und sich zurecht gebogen. Man kann natürlich darüber diskutieren, ob jede Idee, jeder Begriff, den die Nazis für sich nutzen, auch danach kontaminiert bleibt. Meine Einstellung dazu ist, dass ich mir von den Nazis nichts bestimmen lasse. Für mich bleibt „Suum cuique“ eine positive Aussage, von deren Pervertierung ich aber weiß.
Gruß,
Andreas
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richtig: Friedrich I.
Wegen des aufklärerischen Hintergrunds habe ich den Spruch Friedrich II. zugetraut. Aber es stimmt, der Orden ist älter.
Ansonsten sind wir wohl einer Meinung.
Gruß,
Andreas
was ich hier gut finde ist, dass hier eine sinnvolle Diskussion zum Thema stattfindet- in dem Ursprungsforum wurde man nur persönlich angegriffen, als Verräter der deutschen Sprache gebrandmarkt und als linksextremist abgetan. Ich habe direkt bei einigen Juden gefragt, und sie können den Satz seit dem Holocaust nicht mehr ertragen