Hallo Wiz,
da hast du einerseits Recht und andererseits doch nicht, denn
man muss die Risiken natürlich gewichten.
Wohl wahr. Mein Ansatz ist aber ein etwas anderer. Denn
- macht Kleinvieh auch Mist, und zwar in durchaus
beachtlicher Menge.
Na ja, da muss man sich dann aber einmal ganz genau die Dimensionen ansehen. Es geht hier oft um Unterschiede hoher Zehnerpotenzen, insbesondere wenn man nicht nur ein Erkrankungsrisiko an sich, sondern einen bestimmten Infektionsweg betrachtet.
Natürlich kann ich auch die DTAG aufkaufen, indem ich jeden Monat bei den momentanen Spottpreisen eine handvoll Aktien kaufen würde. Allerdings ist die Gesamtsumme der Aktien so unvorstellbar groß, dass ich auch mit 100 Jahren so noch nicht einmal eine auch nur annähernd merkliche Beteiligung erreichen werde.
Und genau in der Außerachtlassung dieser unvorstellbaren Verhältniszahlen liegt das Problem. Wenn ich 100 Risiken vermeide, die sich jedes im Bereich von 10^-5 bewegen, dann habe ich meine Gesamtrisikobilanz gerade mal um einen Faktor von 10^-3 verbessert (Juristen können bekanntlich nicht rechnen, also nicht böse sein, wenn ich mich da um eine Potenz vertan haben sollte). Und viele der angeblichen in den Medien immer gerne verbreiteten Risiken im Zusammenhang mit bestimmten Lebensmitteln bewegen sich eben tatsächlich in diesen Größenordnungen. Man muss sich also jedes Risiko wirklich anhand der entsprechenden Dimension verdeutlichen.
Schon das BSE-Risiko an sich ist immer ziemlich gering gewesen. Dann kamen die ganzen Kontrollen und der Verzicht auf bestimmte Risikolebensmittel hinzu und haben dieses Risiko weiter ganz deutlich abgesenkt. Jetzt nimmt man noch hinzu, dass in vielen Fällen wo Gelatine als Zutat angegeben wird reine Schweinegelatine enthalten ist. Von der Rindergelatine ist nach den ganzen Kontrollen nur noch ein vermutlich schon jenseits jeglicher Erfassungsmöglichkeit liegender minimaler Anteil tatsächlich belastet. Dann sind die aufgenommenen Mengen für BSE offenbar von Bedeutung und die mögliche Aufnahmemenge belasteter Gelatine ist ja wirklich jenseits von Gut und Böse, letztenendes Erkrankt ja auch nur ein kleiner Teil der mit kontaminierten Produkten Ernährten, und da liegen wir dann wirklich in Größenordnungen, die mit keinem Risiko welches tatsächlich eine Bedeutung hat mehr mithalten können.
Punkt 2.
Und jetzt kommt ein ganz wichtiger Punkt zum Thema
Lebensqualität dazu: Wieviel Lebensqualität verliere ich durch
den Verzicht auf ein gewisses Risiko?
Das, lieber Wiz, ist ausgerechnet der Punkt, der sich am
allerwenigsten verallgemeinern läßt. Die Gewichtung der
Risiken im Hinblick auf die Lebensqualität ist eine rein
subjektive ANgelegenheit.
Natürlich, wenn du es denn anders siehst, mach es! Nur darf man eben den objektivierbaren Anteil nicht vergessen, und der liegt in den hübschen Potenzen. Und wenn ein Risiko so dermaße gering ist, dann ist es für mich jedenfalls keiner Betrachtung und damit auch überhaupt keine Einschränkung meiner Lebensqualität mehr wert. Oder um es anders zu sagen, die Entscheidung zugunsten der Lebensqualität fällen wir täglich in Bezug auf entscheidende Risiken vollkommen unbewusst dahingehend, dass wir recht hohe Risiken trotz geringem Zuwachs an Lebensqualität hinnehmen. Und wenn wir bei den großen Risiken schon so großzügig sind, dann spielen die anderen wirklich überhaupt keine Rolle mehr. Jede einzelne Zigarette, jedes einzelne Glas Bier, der Gang auf die Straße ohne Schutzhelm und Ganzkörperrüstung bergen um Diemensionen höhere Risiken als die gesamte Gelatinefutterei über ein ganzes Leben. Und wenn ich täglich eine Zigarette rauchen würde (was ich nicht tue), oder einmal in der Woche mehr als meine WHO empfohlenen zwei Gals Bier trinke (was ich tatsächlich tue), dann war es das schon mit den ganz kleinen Risiken.
Ich bewundere Leute, die so etwas konsequent für sich
durchziehen.
Da bin ich geteilter Meinung. Ja, ich bewundere auch Leute, die verantwortungsvoll mit ihrer Gesundheit umgehen, mäßig trinken, nicht rauchen, sich regelmäßig angemessen bewegen, ausgewogen und nicht zuviel gesunde Sachen essen, etc. und dabei wirklich glücklich sind. Kein Verständnis habe ich aber für die hageren Hungerhaken, von denen ich leider auch einige kenne, die sich in asketischer Form ständig selbst in Hinblick auf ein langes Leben eigentlich jeden Spaß versagen, mir ständig in Detail vorheulen, was sie ja alles machen müssen, bzw. nicht machen dürfen, dann aber andererseits sich über andere erheben und in missionarischem Eifer den Gesundheitsapostel spielen.
Ich denke, ich lebe auch sehr bewusst, weiß bei jedem Essen, was wofür oder wogegen gut ist, würde mich gerne mehr bewegen, trinke mir sicher keine Säuferleber an, akzeptiere aber auch für eine gewisse Lebensqualität kleine und größere Risiken. Und wenn es mich morgen in den nächsten Brückenpfeiler hat (bei täglich 50 Km Autobahn ein recht hohes Risiko), dann hat es bis hierhin wenigstens Spaß gemacht.
Gruß vom Wiz