Jelzin vs Gorbatschow

Noch gut in Erinnerung ist mir, als Boris Jelzin Michael Gorbatschow vor alle
Augen demütigte, in dem er ihn zwang, einen Zettel vorzulesen. Das war der
Augenblick, in dem die ehemaligen Staaten der UdSSR ihre Unabhängigkeit
verlangten. Bis auf Tschetschenien klappte die auch. Warum will Russland dieses
Land um allen Umständen behalten?
Alexander

… in dem die ehemaligen Staaten der UdSSR ihre
Unabhängigkeit
verlangten. Bis auf Tschetschenien klappte die auch. Warum
will Russland dieses
Land um allen Umständen behalten?

Hallo Alexander,

Die Sowjetunion war eine ursprünglich als föderaler Staatenbund gedacht. Jede der 15 Sowjetrepubliken hatte das in der Verfassung festgeschriebene Recht, die Union zu verlassen. De facto wurde allerdings die Union durch die Russische SFSR dominiert. Nach dem Zusammenbruch der Zentralgewalt nahmen die Sowjetrepubliken einfach das verbriefte Recht wahr.

Tschetschenien war keine Sowjetrepublik, sondern ist eine von 21 Republiken innerhalb Russlands (genauer der Russischen Förderation), dem Nachfolgerstaat der RSFSR. Meines Wissens ist ein Austritt von Republiken aus der Russischen Förderation laut Verfassung nicht vorgesehen.

Russland hat Bedenken, dass bei einer Entlassung Tschetscheniens in die Unabhängigkeit im Dominoeffekt all die anderen kaukasischen Republiken das gleiche Recht beanspruchen und ebenfalls die Russische Förderation verlassen.

Gruß
Hardey

Meine Frage: Was musste da Gorbatschow vorlesen?

Meine Frage: Was musste da Gorbatschow vorlesen?

Deine einzige Frage betraf Tschetschenien!

Hallo Conrad,

Deine einzige Frage betraf Tschetschenien!

Tatsächlich! Mea maxima culpa. Doch hier meine Frage, die mich umtreibt: Ich
erinnere mich noch an die Szene im Fernsehen, Boris Jelzin zwang Michael
Gorbatschow vorzulesen, was er abzuwimmeln versuchte. Doch was stand auf dem
Zettel?
Alexander

Hallo Alexander

Doch hier meine Frage, die mich
umtreibt: Ich
erinnere mich noch an die Szene im Fernsehen, Boris Jelzin
zwang Michael
Gorbatschow vorzulesen, was er abzuwimmeln versuchte. Doch was
stand auf dem
Zettel?

Nicht ganz leicht, da du mit näheren Informationen sehr sparsam umgehst. Wie sah der „Zwang“ aus? Wo und in welchem Rahmen trug Gorbatschow den Text des „Zettels“ vor?

Spontan würde mir das Verbot der KPdSU einfallen, dies hat Gorbatschow bestimmt nicht gerne verkündet.
Oder aber die Gründung der GUS, die Nachfolgekrücke der UdSSR.

Gruß
Hardey

Meine Frage: Was musste da Gorbatschow vorlesen?

Ich habe das etwas anders in Erinnerung. Gorbatschow, der eine Säuberung der KPdSU von den Putschisten und ihren Anhängern versprochen hatte, sprach gerade vor dem Parlament der Russischen Föderation in einer Sondersitzung am 23. August 1991, als er von Jelzin unterbrochen wurde, der die Suspendierung jeglicher Tätigkeit der KP der RSFSR (also des russischen ‚Landesverbandes‘ der KPdSU) verkündete. Gorbatschow, der ja immer noch Generalsekretär der KPdSU war, war offensichtlich völlig überrumpelt.

Am nächsten Tag (dem 24.08.) trat Gorbatschow als Generalsekretär der KPdSU zurück. Am 29.08. folgten das offizielle Verbot und die Auflösung der Partei (KP der RSFSR) per Dekret Jelzins. Am 6.11. wurde dieses Dekret nochmals bestätigt und ausdrücklich auf die gesamte KPdSU ausgedehnt. Nachdem am 8.12. die Auflösung der SU beschlossen war, trat Gorbatschow am 25.12. auch als Präsident der SU zurück.

Hier das Photo zum Vorgang: http://einestages.spiegel.de/static/document/4405/go…

Freundliche Grüße,
Ralf

1 „Gefällt mir“

Hallo
Zuerst vielen herzlichen Dank für die Bildadresse.

Ich habe das etwas anders in Erinnerung.

Genau das war die Szene: Jelzin zwang Gorbatschow, den Zettel vorzulesen. Danach
Brach das Sowjetreich zusammen. Gerade lese ich Erhard Stölting: Eine Weltmacht
zerbricht und "The Collaps of A Superpower.
Thnx for helping. Alexander

Hallo Alexander,
Dein Erinnerungsvermögen scheint besser zu sein als meines. Ich habe noch etwas recherchiert - das Foto dokumentiert offensichtlich diese Szene:

_Mr. Yeltsin, who was in charge of the parliamentary session, repeatedly called attention to his role in saving Mr. Gorbachev from the Kremlin plotters. He even interrupted the Soviet President, demanding that Mr. Gorbachev read aloud some evidence of how most of his own Cabinet failed to object to the coup and his arrest in a private session on Monday. ‚Let Me Finish‘

„Here, read this out,“ the Russian republic’s President boomed at Mr. Gorbachev’s shoulder.

„I will do this,“ replied Mr. Gorbachev, seeking to hold his own in this nationally televised tableau of their long-running rivalry. „I’ll read it. Let me finish.“

(Francis X. Clines, New York Times 24.08.1991)

After meeting on Friday, Gorbachev and Yeltsin strode into the Russian parliament chamber together. From the moment they entered, Yeltsin seemed to loom commandingly over the Soviet President. Yeltsin made no secret of his conviction about who owed what to whom. Gorbachev began his speech like an unpopular child reading a book report before his classmates. Heckling grew so loud that he complained, „My situation is bad enough. Don’t complicate it.“

The classroom impression was heightened when Gorbachev announced a list of new ministers in the central government; it read as if it had been drafted by Yeltsin. The new KGB chief, Vadim Bakatin, a former Interior Minister ousted at the instigation of the hard-liners last year, had been one of the first to denounce the coup committee and come to Yeltsin’s side. The next Minister of Defense, General Yevgeni Shaposhnikov, was the head of the air force last week when he refused to support the coup. Yeltsin’s own interior minister, Viktor Barannikov, became national Interior Minister, the Soviet chief of police, replacing Boris Pugo.

Gorbachev also announced that he had dismissed his Foreign Minister, Alexander Bessmertnykh, who had developed a case of „coup flu“ when the putsch was launched. Then Gorbachev suggested that some of his ministers had not gone along with the plot. Yeltsin promptly handed him a report on a meeting of the Cabinet of Ministers on the first night of the coup and said, „Read it.“ Gorbachev read aloud that all but two of some 20 ministers named had backed the junta or did not oppose it.

(Bruce W. Nelan, Time Magazine 24.06.2001)_

Freundliche Grüße,
Ralf

1 „Gefällt mir“