Jemals wieder Freunde?

Hallo…

Ich bin Türkin und hier geboren.Dann wurde ich mit 12J mit in die Türkei genommen,die Familie war aber trotzdem zerrissen,da mein Vater aus gesundheitlichen Gründen im letzten Moment doch nicht mit uns zusammen zurückgekehrt ist.Der ältere Bruder ist ebenfalls in Deutschland geblieben um später zu uns zurückzukehren.
Ich war innerhalb von einem Jahr mit den Nerven am Ende (mit 13J!) weil ich die Integration nicht so gepackt habe,ausser dass ich mich nur noch angepasst habe um der Gesellschaft.Irgendwann bin ich weder aus dem Haus gegangen noch hatte ich Freunde.Ich saß nur noch in meinem Zimmer und malte,spielte Orgel+Flöte; sprich : irgendwie depressiv…Keiner hat es gemerkt,jeder meinte dass das eine ganz normale Schüchternheit ist die sich legen wird.Sogar das ganz normale Unterhalten viel mir schwer,ich wurde krebsrot vor Scham!
Nun , da ich auch eine sehr vereinnahmende Mutter hatte,die das Ganze nicht besonders positiv beeinflusste,beschloss ich mit 21 nach Deutschland zurückzukehren!Das habe ich auch gemacht und bin seitdem hier.
Nur hatte ich hier,da ich ja fast ganz allein war und mein Vater überwiegend in der Türkei (der ältere Bruder war inzwischen auch aus der Türkei WIEDER zurück!) eine absolute Lebenskrise!!!Krasse Depressionen und sehr sehr isoliert.Ich hatte Angstzustände und musste mein Chemiestudium abbrechen…Ich war nur noch im Teufelskreis drinnen und kreiste nur noch um mich und mein Problem.
Naja dann habe ich ne ordentliche Therapie gemacht,auf Pharmazie gewechselt und jetzt geht es mir prima…
Nur ;ich habe ein Problem immer noch: ich schaffs nicht neue Menschen kennenzulernen.Es ist immer noch eine Hemmung da.Mittlerweile kenne ich so einige Leute,aber so richtig dicke Freunde,mit denen man gemeinsam in den Urlaub geht oder was unternimmt,das fehlt mir.Ich frage mich,ob ich zu spät dran bin…
Schaff ich den Anschluss noch an die Aussenwelt?Ich kreise ja nicht mehr nur um mich…
Ich komme mir innerlich manchmal so alt vor (bin 34J)

Hallo Georgian :smile:

Schaff ich den Anschluss noch an die Aussenwelt?

Warum nicht?
Mag sein das mit Mitte dreissig viele Leute sich primär um Familie und Beruf kümmern müssen und nicht mehr so sehr um die Pflege oder gar den Neuaufbau von Freundschaften.

Aber trotzdem, es gibt viele Menschen die aus den unterschiedlichsten Gründen (berufsbedingter Wechsel des Wohnorts, Scheidung, etc) auch dann auf der suche einen einemj neuen Freundeskreis sind.

Die Ort, wo man auf diese Menschen trifft, sind wohl die selben wie in anderen Alterstufen: Sportverein und andere Vereine, über die eigenen Hobbies etc.

Es ist also erstmal wichtig Gelegenheiten zu schaffen wo du solche Leute kennenlernen kannst; falls bei dir noch irgendwelche hinderlichen Ängst bestehen bist du als therapieerfahrener Mensch ja bestimmt selbst in der Lage wie du mit diesen umgehst bzw. bist in der Lage dir entsprechende Hilfe zu suchen.

Ich jedenfalls wünsche dir, das du tiefe, stabile, freundschaftliche Beziehungen aufbaust :smile:

Alles Gute!

crystalspace

Hallo Georgian,

wenn ich mir so Deine Hobbys ansehe, sind das ja- malen mal ausgenommen- Dinge die man nicht unbedingt alleine macht. Tanzen??
Also, ich vermute mal, es mangelt nicht an Menschen in Deiner Umgebung, sondern es liegt vielleicht an der Schwierigkeit sie anzusprechen?
Oder kämen sie vielleicht nicht in Frage, weil Du glaubst: Die/der will ja doch nichts mit mir zu tun haben? Der/die würde sowieso nicht zu mir passen?

Es gibt Menschen, die vermasseln sich die besten Chancen Leute kennenzulernen selbst, weil sie sich selbst im Weg stehen- ich meine so Situationen, in denen Du jemanden anprechen könntest, es aber nicht tust, weil Dir im Hinterkof der Gedanke rumschwirrt: Was wird der wohl denken, wenn ich das jetzt sage…Was werden die wohl über mich denken, wenn ich jetzt dies und das mache?

Die Kunst liegt im gesunden Selbstvertrauen- Vertrauen in mein Handeln und meinen Entscheidungen. Auf Grund Deiner Lebensgeschichte könnte ich mir gut vorstellen, dass Du vieles mehrmals überdenkst, bevor Du Dich entscheidest- verständlich.

Ich darf mich nicht beklagen, wenn ich alleine bin. Es wird kein Wunder geschehen und Leute klingeln an meiner Tür, um mich kennenzulernen. Ich muss aus der Deckung kommen und die Leute ansprechen. Du wirst Erfolg haben, wenn Du Dich frei machen kannst von dem „was wird der wohl denken“ Vielleicht kannst Du es ersetzen durch „mehr als einen Korb kann ich nicht bekommen, also es kann ja nicht schlimmer werden, als es schon ist…“

Selbstvertrauen wächst durch Erfolgserlebnisse und die muss ich mir BESORGEN- die fallen auch nicht vom Himmel. Du hast es geschafft eine Therapie anzuleiern- Respekt und alle Achtung- nun geht die Arbeit noch ein wenig weiter: Du erarbeitest Dir Stück für Stück Dein Selbstvertrauen.

Wieviele Freunde/Bekannte ich habe, liegt ganz alleine an mir und ich bestimme, wen ich in mein Leben lasse!

Tja, und dann ist da noch die andere Seite: Wer einsam ist der hat es gut, weil niemand da, der ihm was tut! Die richtig dicken Freunde können einen manchmal ganz schön fordern.

Liebe Grüße

Frank

Hi…

ich danke euch beiden…

es stimmt: oft denk ich mir dass die Personen mich ablehnen würden.Ich bin halt,durch die lange lange isolierte Phase im Umgang mit der Welt auch noch nicht so auf der Höhe und wirke manchmal unsicher.Lerne gerade vieles erst neu: zu Reisen z.B…
Und oft denke ich sehr sehr naiv,was auch für Spott sorgt.Nun gut: ich mache mir mittleweile nix mehr draus und kommunizieren kann ich mittlerweile gut.Aber es geht halt nicht so voran,wie ich es mir vorstelle.Wenn ich in einem Cafe sitze und daneben grüppchenweise befreundete Leute sehe,dann denk ich mir :„oh schön…sowas hät ich auch gerne…“

Ich nochmal :smile:

Und oft denke ich sehr sehr naiv

Jede medaille hat ja bekanntlich zwei Seiten, und du guckst gerade auf die negative Seite.

Ich kann mir auch vorstellen dass das Verhalten, was du als „naiv“ bezeichnest auch als „unvoreingenommen“ oder sogar als „kreativ“ bezeichnet werden kann. Deine von dir so wahrgenomme Schwäche kann auch eine Stärke sein, die dich individuell macht und als guten Freund auszeichnet.

Aber es geht halt
nicht so voran,wie ich es mir vorstelle.Wenn ich in einem Cafe
sitze und daneben grüppchenweise befreundete Leute sehe,dann
denk ich mir :„oh schön…sowas hät ich auch gerne…“

Persönlich hab ich so eine 10:1-Regel, d.h. von zehn Leuten, die ich kennenlerne, ist eine dabei, wo wir uns gegenseitig wünschen, das ein engere Kontakt entsteht. Freunde kann man sich halt nicht machen, sowas muss wachsen und das dauert halt seine Zeit. Wichtig ist nur das du dich von Rückschlägen eben nicht ins Bockshorn jagen lässt und dich wieder zurückzuiehts, sondern halt weitermachst; auch wenns frustrierend ist.

Und es ist ja auch nicht immer notwendig das man als Freund superselbstbewußt und sozial kompetent auftritt, andere Eigenschaften, die du sicherlich auch hast, wie gut zuhören können, einfühlsam sein, da sein, all die sind viel wichtiger als ein weltgewandtes Erscheinen.

dir alles Gute!

christian

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Hi Christian…

Du hast völlig recht…Bis vor 3 Jahren saß ich noch depressiv rum.Jetzt tut sich so viel eigentlich…
Ich sollte mal wieder zurückblicken und dankbar sein…

danke!!!