'jemanden die Stange halten' - für Fritz

Hallo!

Ja, das gibt es wirklich. So stands heute auf einer bei Galileo/Pro 7 eingeblendeten Tafel und so sprach es auch der Moderator: Woher kommt die Redewendung „Jemande n die Stange halten?“

Da schmeiße ich mich doch lieber ins Zeug bzw. weg - und zwar vor lachen und weinen - gleichzeitig.

Gruß,
Christian

hast du denn ne idee? *g* (o.w.t.)
:smiley:

na logisch
Die Redewendung, wenn sie richtig wiedergegeben wird, geht auf das Mittelalter zurück. Ein Sekundant trennte zwei Duellanten im Notfall mit einem Stab/einer Stange.

Gruß,
Christian

anders, aber auch logisch
Hallo Christian,

Ein Sekundant trennte zwei Duellanten im Notfall mit einem Stab/einer Stange.

Ich kenne eine andere Erklärung:
Stange = Turnierstange, die in den Kampfpausen von den Freunden des Kämpfers gehalten wurde (oder: die der Turnierwart zum Schutz des stürzenden Kämpfers bereithielt).

Quelle: Mackensen: 10.000 Zitate, Redensarten

Gruß Gudrun

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Du bist nahe dran, Christian! :wink:

So ein alter Rittersmann hatte recht viel Eisen an, deshalb hatte er in manchen notdürftigen Situationen es nicht leicht, sich Zugang und Zugriff zu verschaffen.
Also brauchte er jemanden, der ihm die „Stange“ hielt, damit er sich nicht selbst besudelte.
* rofl * Verzeih den Ulk!

Und jetzt ernsthaft! Hier:

_ Stange

Einem die Stange halten: jemanden in Schutz nehmen, für jemanden eintreten, seine Partei ergreifen, sich zu ihm bekennen, ihm treu sein.
Diese Redensart ist dem mittelalterlichen Rechtsleben entnommen. Das Landrecht des ‚Schwabenspiegels‘ kennt die Verordnung: »Ir ietwederm sol der rihter einen man geben, der ein stange trage, die sol der über den haben, der da gevellet«. Jedem Kämpfer steht im gerichtlichen Zweikampf also eine Art Sekundant zur Seite, der mit Hilfe einer Stange notfalls eingreifen kann, wenn die Kampfregeln es fordern. Die entsprechende Stelle lautet im ‚Sachsenspiegel‘: »Irme iowelkeme sol die richtêre einen man geben, der sinen boum trage; der ne sol sie nichtes irren, wan ob ir einir valt, daz her den bôm under steke, oder ob her gewunt wert oder des bômes bedet; des selben ne mut her nicht tun, her ne habes orloph von deme richtêre« (Landrecht I, 63 § 4).
Im Turnier hatte der Grieswart, auch ‚Stanger‘ oder ‚Stängler‘ genannt, diese Aufgabe zu erfüllen, nämlich demjenigen mit der Stange beizuspringen, der die Stange begehrte und sich damit für überwunden erklärte. Auch diese Redensart hat sich lange gehalten, trat jedoch später hinter der erstgenannten zurück und ist heute kaum noch bekannt. Sebastian Franck gebraucht sie noch in seiner ‚Chronik‘ von 1531: »das der erstgemelt künig Ascalonitarum, ward mit drey streyten vermuedet, das sy wie das vihe gemetziget wurden und zu letst der stang begerten«._

Und einige Zusätze;
Die Redensart ‚einem die Stange halten‘ wird etwa seit der Mitte des 17. Jahrhunderts auch in einer zweiten Bedeutung verwendet: jemandem gewachsen sein, es mit jemanden aufnehmen. Dafür sind viele Erklärungen gesucht und gefunden worden. Vielleicht handelt es sich hier um die bekannte Erscheinung, daß einer nicht mehr verstandenen Redensart ein neuer Sinn beigelegt wird. Mit dem Wissen von gerichtlichen Zweikämpfen und Turnieren schwindet das Wissen um den Hintergrund und den Sinn der Redensart, und zu dem Wort ‚halten‘ gesellen sich Assoziationen wie ‚festhalten‘, ‚entgegenhalten‘, ‚abhalten‘ und so weiter
R. Sprenger zitiert eine Stelle aus Uhlands Ballade ‚Junker Rechberger‘:
Um Mitternacht an Junkers Grab,
Da stieg ein schwarzer Reitknecht ab,
Einem Rappen hält er die Stangen;
Reithandschuh am Sattel hangen.
Hier sind mit den ‚Stangen‘ der Teil des Zaumzeuges gemeint, der Zügel und Wagen miteinander verbindet. Obwohl Sprenger diese Wendung in direktem Zusammenhang mit der oben aufgeführten Redensart (jemandem die Stange halten) sieht, hat diese Stelle mit der Bedeutung der Redensart nichts zu tun. Allerdings gibt es im Pferdesport folgende Redensart: Einem Pferd die Stange geben: beim Trabrennen dem Pferd im Endspurt freien Lauf lassen.
Bei der Stange bleiben: bei jemandem oder bei einer Sache standhaft ausharren, eine einmal angefangene Tätigkeit fortführen, treu bleiben. Die Redensart geht wahrscheinlich auf die Fahnenstange zurück, an der der kämpfenden Truppe das Feldzeichen vorangetragen wurde, nach welchem man sich ausrichtete und um das man sich immer wieder sammelte (vgl. ‚Bei der Fahne bleiben‘ und ‚Bei der Standarte bleiben‘, Fahne; vgl. dagegen die vom Fechten hergenommene Redensart ‚Bei der Klinge bleiben‘). Entsprechend gilt auch die Wendung Jemanden bei der Stange halten: jemanden zu folgerichtigem Handeln anhalten, nicht ausweichen oder abweichen lassen. Dagegen im Französischen: ‚ne pas en fiche une rame‘ (wörtlich: keine Stange tun, im Sinne von: müßig bleiben).
Das kostet eine Stange Geld: das ist sehr teuer, die junge Redensart ist hergeleitet von den stangenförmigen Rollen, in die Geldstücke verpackt sind.
‚Auf feurigen Kohlen sitzen‘).
Erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es die Redensart Eine Stange (eine Stange Wasser) in die Ecke stellen: stehend urinieren. Etwa 1914/18 ist sie im Sprachgebrauch der Kriegsmarine nachweisbar. Die Redewendung wird heute vorwiegend von Schülern und Studenten benutzt. In der vulgären Umgangssprache ist Stange auch ein Ausdruck für den erigierten Penis; entsprechend ‚Eingerostete Stange‘, schlaffer Penis. Dazu Redensarten wie: ‚Einem Mann die Stange halten‘, ihn masturbieren; ‚Eine Stange angeben‘, mit seinen Genitalien prahlen (Borneman: Sex im Volksmund).
Mit der Stange im Nebel herumfuchteln (herumstochern): etwas Sinnloses tun.
Ebenso jung ist die Redensart Etwas von der Stange kaufen: Konfektionsware kaufen. Sie leitet sich her von den Stangen, an denen in Bekleidungsgeschäften Anzüge und andere Kleidungsstücke zum Verkauf hängen. Dabei handelt es sich im Gegensatz zur Maßbekleidung um Massenware. Daher kann man heute allgemein alles Nichtindividuelle oder Massengefertigte und jedem Zugängliche als ‚von der Stange‘ bezeichnen, so zum Beispiel Möbel von der Stange, Gesellschaftsreisen, Freizeit, Haus von der Stange, aber auch: Kultur, Geschmack, Liebe, Gesundheit, Überzeugung von der Stange; ein Durchschnittsmann individuelle Züge kann als ‚Mann von der Stange‘ gekennzeichnet werden. Freilich handelt es sich bei solchen Sprachkombinationen meist um intellektuelle Einzelleistungen, die kaum volksläufig werden.
In ganz anderem Zusammenhang wird Stange in einer rheinhessischen Redensart gebraucht; dort sagt man von einem erfolglosen Projektemacher, er habe ‚Mehr Stangen als Hinkel‘.
Eine lange (dürre) Stange (auch Hopfenstange) nennt man eine lange, schmächtige Person; vgl. französisch ‚un échalas‘.
R. SPRENGER: Einem die Stangen halten, in: Zeitschrift für den deutschen Unterricht 7 (1893). S. 564; F. KUNTZE: Einem die Stange halten, in: Zeitschrift für den deutschen Unterricht 11 (1897), S. 807.
[Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Stange, S. 5. Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 6156 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 5, S. 1527) © Verlag Herder]

Gruß Fritz

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*LOL* Aber Fritz!

So ein alter Rittersmann hatte recht viel Eisen an, deshalb
hatte er in manchen notdürftigen Situationen es nicht leicht,
sich Zugang und Zugriff zu verschaffen.
Also brauchte er jemanden, der ihm die „Stange“ hielt, damit
er sich nicht selbst besudelte.
* rofl * Verzeih den Ulk!

So, mein Bester, jetzt darfst Du die Sauerei von meinem Monitor wischen und mein Make Up restaurieren…

Lachtränen wegwischend grüßt

Renee

Hallo, Gudrun:smile:
auch mir wurde im Grazer Zeughaus, das eine ziemlich berühmte rüstungssammlung hat - und wo mir der museumsleiter eine sehr amüsante etymologische abhandlung hielt, was alles wir auch heute noch aus der sprache der *alten rittersleut* gebrauchen (z.B. *ein Auge riskieren*) - genau das erklärt: dass nämlich die ritter, die schon genug damit zu tun hatten, in voller rüstung aufs pferd gehievt zu werden, jemanden brauchten, der ihnen *die (turnier)stange (hin)hielt*.

zitat: Selbst Giganten, die in Phlegra mit den Göttern kämpften, hätten, wären sie noch am Leben, diese Stangen nicht mit beiden Händen in der Luft halten können. Auf der Rüstung, unter dem rechten Arm, ist ein anderthalb Spannen langes Eisen angebracht, auf dem die Stange ruht, ohne daß der Ritter sie halten muß, und ehe das Pferd losrennt, hieven zwei Knechte diese dicke Stange mit aller Kraft und Geschicklichkeit auf diesen Rüsthaken.

aus:http://www.notthafft.de/personen/caspar-iii-notthaff…

Wobei mir Fritzens ausführungen alle - inklusive der übermütigen - ebenfalls durchaus einleuchtend erscheinen.

lieben gruss aus wien
jenny

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Anja!!
Pfui! Auss!! Das ist nicht die Stange, sondern das Stangerl!

zur Etymologie von Stangerl:

_Der [bitte im Versmaß Passendes einsetzen], der kennt ein Engelchen,
das zwiebelt gern sein Stengelchen.

Verfasser unbekannt; Vermutung: Gernhardt oder drambeldier._

wie heiß ich?
„anja“?
und das von dir? :,-(

da kann ich nur sagen:

Pfui! Auss!!

haareraufenden gruß
ann

nicht nur die alten rittersleut oder studentenvolk
huhu fritz,

in china (in hotels der gehobenen klasse) ist das wohl heute noch üblich:
sowohl trpm als auch ein kollege haben mir unabhängig voneinander aber übereinstimmend von dem schock berichtet, der sie einst ereilte, als auf der herrentoilette ein freundlich lächender chinese mit einer servierte herbeisprang, sobald sie den reißverschluß geöffnet hätten, um ihnen die schwere last (rofl) abzunehmen.

gruß
ann

na ja - Ann, ja? Na? *SCNR*
Gruß kw