Jesus starb für unsere Sünden

Hallo,

ich habe mal gehört, dass der Grundgedanke, dass Jesus für die Sünden der Welt gestorben ist, erst später in den christlichen Glauben aufgenommen wurde. Kann mir jemand sagen, wann und warum dieser Gedanke als Grundsatz aufgenommen wurde?

Opfertod
Hi

… Kann mir jemand sagen, wann und warum dieser Gedanke als Grundsatz aufgenommen wurde?

Die Deutung der Hinrichtung als Opfertod taucht sowohl in den Evangelien, als auch in den Paulusbriefen (vor allem Römerbrief) auf.

Wie es formuliert wird, ist allerdings nicht eindeutig bzw. nicht eineitlich. Und was es genauer damit gemeint ist, ist ein Problem für sich.

Beispiele aus Johannes-Ev.:
[wörtlich]
1.29 Sieh das Lamm des Gottes, das die Verfehlung der Welt aufhebende

zum Ausdruck „Lamm Gottes“ siehe aber:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

ferner:
[mehrere Textvarianten - die älteste lautet wörtlich]
6.51 … und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt

Gruß

Metapher

ich habe mal gehört, dass der Grundgedanke, dass Jesus für die
Sünden der Welt gestorben ist, erst später in den christlichen
Glauben aufgenommen wurde. Kann mir jemand sagen, wann und
warum dieser Gedanke als Grundsatz aufgenommen wurde?

Der Grundgedanke ist sogar älter als das Christentum selbst … oin der jüdischen Tradition finden sich beim sog. Deuterojesaja („zweiter Jesaja“) die Gottesknechtslieder, bei denen im 4. Lied (Jesaja Kap. 53) vom stellvertretenden Leiden des Gottesknechts für die Sünden die Rede ist. Bereits zu jesuanischer Zeit hat man in Jesus von Nazareth diesen Gottesknecht gesehen. Und so glauben es die Kirchen bis heute;

HTH

Täubchen

Hallo Lucutus,

das Opfer nimmt im Judentum eine sehr zentrale Stellung in der Beziehung zwischen Mensch und Gott ein. Es hat ganz allgemein folgende Funktion: Jeder Mensch ist schuldig und hat den Tod verdient; da Gott nach der Sintflut aber versprochen hatte, nicht nochmals die ganze Menschheit auf einen Schlag auszurotten, hat er die Institution des stellvertretenden Opfers (Tieropfer) geschaffen. Das Opferlamm, das geschlachtet wird, trägt also stellvertretend die Schuld des Menschen, der dadurch vorübergehend frei wird. Dazu kannst Du das 2. und 3. Buch Mose lesen - da wird alles erklärt (natürlich gab es da noch viel mehr Opfer-Arten als das Sühneopfer).

Jesus und die ersten Christen sind in dieser Tradition aufgewachsen und haben sie gepflegt. Da Gott sich seit dem Alten Testament nicht verändert hat, hat er seinen Sohn Jesus geschickt als einmaliges und endgültiges Opfer für alle Menschen, die dieses Opfer für sich persönlich in Anspruch nehmen. Dadurch sind die Tieropfer (nicht aber das Judentum!) überflüssig geworden.

Der Gedanke des Opfers war also von Anfang an im Christentum vorhanden und sehr zentral. Die Herkunft aus dem Judentum wird im Neuen Testament im Hebräerbrief sehr gut erklärt - lies einfach mal dort ausführlich weiter.

Herzliche Grüße

Alex

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo.

das Opfer nimmt im Judentum eine sehr zentrale Stellung in der
Beziehung zwischen Mensch und Gott ein.

Zur damaligen Zeit nicht nur im Judentum und schon gar nicht solche Form von menschlichen Opfern.

Es hat ganz allgemein folgende Funktion: Jeder Mensch ist
schuldig und hat den Tod verdient;

Aha. Bist Du dir sicher, dass du hier dich noch im Judentum bewegst?

da Gott nach der Sintflut aber versprochen hatte,
nicht nochmals die ganze Menschheit auf einen Schlag
auszurotten, hat er die Institution des stellvertretenden
Opfers (Tieropfer) geschaffen.

Aha, woher weisst Du denn das? Nein, nur ein kleiner Teil der Opfer stehen in Zusammenhang mit Sünden und hier auch im Bereich der Umkehr, welche sie abschliessen. Das Opfer ist als nicht mehr die Entsündung sondern die Hinwendung zu G’tt nach der schon längst erfolgten Umkehr. Ansonsten würde das Opfer auch nicht angenommen werden.

Das Opferlamm, das geschlachtet wird, trägt also
stellvertretend die Schuld des Menschen, der
dadurch vorübergehend frei wird.

Das ist eine rein christliche Sicht und nun wirklich nichts mehr mit den Lehren des Judentums zu tun.

Da Gott sich seit dem
Alten Testament nicht verändert hat, hat er seinen Sohn Jesus
geschickt als einmaliges und endgültiges Opfer für alle
Menschen, die dieses Opfer für sich persönlich in Anspruch
nehmen. Dadurch sind die Tieropfer (nicht aber das Judentum!)
überflüssig geworden.

Dennoch behauptet hier das Christentum das Teile des Judentums ihre Gültigkeit verloren haben oder etwa nicht? So würde kein Jude auf die Idee kommen, dass zum einen Menschen zu opfern wären und zum anderen Opfer jemanden von seinen Sünden befreien. Dieses kann der Betreffende nur selbst und dann auch meistens erst nachdem er sich mit betroffenen Menschen versöhnt hat.

Schalom,
Eli

2 „Gefällt mir“

Hallo Eli,

das Opfer nimmt im Judentum eine sehr zentrale Stellung in der
Beziehung zwischen Mensch und Gott ein.

Zur damaligen Zeit nicht nur im Judentum und schon gar nicht
solche Form von menschlichen Opfern.

Es ist richtig, dass es Opfer auch bei anderen Religionen gibt. Ich habe übrigens nicht behauptet, dass es Menschenopfer im Judentum gab - in meinem Ursprungsposting hatte ich deswegen extra den Zusatz „Tieropfer“ in Klammern angebracht. Das hast Du mir aber nicht zugetraut, Eli, dass ich dem Judentum unterstelle, Menschenopfer vollzogen zu haben…???

Es hat ganz allgemein folgende Funktion: Jeder Mensch ist
schuldig und hat den Tod verdient;

Aha. Bist Du dir sicher, dass du hier dich noch im Judentum
bewegst?

Ja - also wenn ich das Alte Testament so lese (was ich inzwischen zum dritten Mal KOMPLETT tue!), fällt mir ganz deutlich auf, dass der Mensch sich seit dem Sündenfall von Gott deutlich entfremdet hat. Darüber hinaus ist von dieser Schuld des Menschen im AT ständig die Rede und auch davon, dass Sünde grundsätzlich den Tod verdient hat, wenn sie nicht durch ein Opfer gesühnt wird. Soll ich Stellen nennen? Es gab ja auch Beispiele, wo diese Schuld sofort zum Tod geführt hat (die Söhne Aarons usw.). Gleichfalls komplett durch das AT zieht sich die Rede vom gerechten Gott, der seiner nicht spotten lässt.

da Gott nach der Sintflut aber versprochen hatte,
nicht nochmals die ganze Menschheit auf einen Schlag
auszurotten, hat er die Institution des stellvertretenden
Opfers (Tieropfer) geschaffen.

Aha, woher weisst Du denn das? Nein, nur ein kleiner Teil der
Opfer stehen in Zusammenhang mit Sünden und hier auch im
Bereich der Umkehr, welche sie abschliessen. Das Opfer ist als
nicht mehr die Entsündung sondern die Hinwendung zu G’tt nach
der schon längst erfolgten Umkehr. Ansonsten würde das Opfer
auch nicht angenommen werden.

Da hast Du recht - in dieser Hinsicht war meine Darstellung sehr verkürzt. Ich habe ja versucht, anzudeuten, dass es außer dem Sühneopfer auch noch viele andere Opferarten gab. Natürlich kenne ich diese Arten alle, ich wollte sie aus Platzgründen nur nicht aufzählen. Das Opfer hat sowohl mit Sühne als auch mit der Wiederherstellung der Beziehung zu Gott zu tun. Natürlich schaut Gott zuerst die innere Haltung beim Opfern an, nicht nur das äußerliche Ritual. Ich bin sicher, dass Gott sich das Opfer nie als mechanisches „Sühneableistungsgeschäft“ gewünscht hat, sondern als echte Umkehr des Menschen. Das Opfer ALS Sühne wird übrigens in 2. Mose 30,10 und 3. Mose 16 explizit genannt.

Das Opferlamm, das geschlachtet wird, trägt also
stellvertretend die Schuld des Menschen, der
dadurch vorübergehend frei wird.

Das ist eine rein christliche Sicht und nun wirklich nichts
mehr mit den Lehren des Judentums zu tun.

Meinst Du damit den Begriff „vorübergehend“ oder das stellvertretende Tragen der Schuld? Das stellvertretende Tragen der menschlichen Schuld durch das Opfertier wird durch das Auflegen der Hände des Opfernden auf das Tier symbolisiert (das wird an mehreren Stellen erwähnt). Zu nennen wäre auch das stellvertretende Opfer für das erstgeborene Kind einer Familie, das dafür in der Familie blieb (die Erstgeburt war ja dem Herrn geweiht).
Der Begriff „vorübergehend“ ist schon eine christliche Deutung - aber die Regelmäßigkeit und die ständige Wiederholung der Opfer im Judentum lässt doch darauf schließen, dass keines dieser Opfer endgültig war (so wie dies das NT von Jesus behauptet) - oder nicht?

Da Gott sich seit dem
Alten Testament nicht verändert hat, hat er seinen Sohn Jesus
geschickt als einmaliges und endgültiges Opfer für alle
Menschen, die dieses Opfer für sich persönlich in Anspruch
nehmen. Dadurch sind die Tieropfer (nicht aber das Judentum!)
überflüssig geworden.

Dennoch behauptet hier das Christentum das Teile des Judentums
ihre Gültigkeit verloren haben oder etwa nicht?

Jesus hat das Gesetz nach seiner eigenen Aussage nicht aufgehoben, sondern erfüllt. Im NT wird er als das endgültige und absolut fehlerlose Opferlamm bezeichnet.

So würde kein
Jude auf die Idee kommen, dass zum einen Menschen zu opfern
wären

… da würde auch kein Christ draufkommen, s.o.!

und zum anderen Opfer jemanden von seinen Sünden
befreien. Dieses kann der Betreffende nur selbst und dann auch
meistens erst nachdem er sich mit betroffenen Menschen
versöhnt hat.

Wie bitte? Was ist denn dann der Sinn eines Opfers, wenn es (nach Annahme durch Gott und Aussohnung mit Mitmenschen) nicht den Sünder von Sünden befreit? Ist es etwa nur ein Zeichen? Also dass jemand sich selbst von Sünden befreien kann (durch Aussöhnung mit Mitmenschen) - das habe ich im AT noch nie gelesen, aber so hast Du das auch nicht gemeint - oder? Das Judentum (zumindestens zur Zeit des NT) war doch der festen Überzeugung, dass nur Gott Schuld vergeben kann - oder irre ich mich da?

Herzliche Grüße

Alex

Im NT wird er [jesus} als das endgültige
und absolut fehlerlose Opferlamm bezeichnet.

… da würde auch kein Christ draufkommen

[…]

dass zum einen Menschen zu opfern
wären

 ??? 

(reihenfolge der zitate geändert).

lehitraot.

???

(reihenfolge der zitate geändert).

lehitraot.

Hi Lehi,

naja, ich weiss schon, worauf Du hinauswillst … :smile:

aber mach mal halblang, sonst schütte ich Dich mit Zitaten aus den Makkabäerbüchern zu!

lg
Täubchen

Hallo lehi,

dass zum einen Menschen zu opfern
wären

???

(reihenfolge der zitate geändert).

wie war das mit Avraham und Jizhak? (Bereschit 22)

Außerdem hat niemand Jeschua geopfert. Er gab sich selbst als Opfer hin.

Gruss Harald

wie war das mit Avraham und Jizhak? (Bereschit 22)

der ist eben NICHT geopfert worden, zur verwunderung von a., in dessen näherer umgebung es von menschenopfernden und ähnlichen kulten gewimmelt haben soll. das ist ja grad der witz der story.

Er gab sich selbst als Opfer hin.

als einzigen hinweis nahm ich das posting weiter oben, wo „opferlamm“ als vergleich stand. und opferlämmer geben sich nicht selber hin, sondern werden geschlachtet! ok, ist aber auch egal, ich gebe hiermit ab, und räume ein, es eben nicht verstanden zu haben und es so hinzunehmen :smile:

grüße
lehitraot.

Verständnis von Opfer im Judentum - etwas länger
Hallo Alex,

ich hoffe, daß der Text unten einiges klärt.

Schönen Sonntag noch und viele Grüsse

Iris

Wenn wir heute von „Opfer" sprechen, dann ist damit gemeint, daß wir uns in irgendeiner Form einschränken um eines höheren Wertes willen, z.B. opfern Leute einen Teil ihres Urlaubs um ein soziales Projekt in einem Krisengebiet durch ihren persönlichen Einsatz zu unterstützen.

  1. Konzepte von „Opfer" in der Antike

Unser heutiges Verständnis von „Opfer" ist anders als das der Menschen in der Antike. Für sie war es ein religiöser Ritus - meistens ein freudiger. Die Größe und der Umfang des Opfers hing von den Lebensbedingungen / sozialen Status / finanziellen Verhältnissen des Opfernden ab. Das Opfer bezog sich immer auf ein/e göttliche/s Wesen oder Kraft. Opfer wurden auch gebracht um sich Gunst einer Gottheit zu sichern oder um befürchtetes Unheil abzuwenden oder um Reinigung zu erhalten. Aber genauso oft - möglicherweise noch öfter - war es Zeichen der Dankbarkeit und / oder Ehrerweisung.

Die Institution des Opfers ist universell und geht weiter zurück als Geschichte aufgeschrieben wurde und findet sich in einigen Kulturen noch heute. Die Theorien sind vielfältig und spekulativ. Opfer haben viele Formen, die sich unterschiedlich entwickelt haben und aus verschiedenen Motiven speisen. Es gab Gemeinschafts-, Familien- und individuelle Opfer, manche waren verpflichtend und zu bestimmten Zeitpunkten /Anlässen fällig - andere waren freiwillig. Gewöhnlich bestanden Opfer aus Speisen und Getränken, aber auch aus Düften, Räucherwerk und dergleichen (Brot, Milch, Korn, Wein …) aber meist waren es Tieropfer.

Dahinter stand die Grundannahme, daß die übernatürlichen Kräfte (Geister der Toten, Dämonen, Götter) dieselben materiellen Bedürfnisse haben wie wir und sie günstig gestimmt werden können, wenn ihre Bedürfnisse befriedigt werden.

  1. Konzepte von „Opfer“ in der Bibel

Unterschiede und Gemeinsamkeiten
mit Umgebungskulturen

Es ist nicht leicht, festzustellen, ob die biblischen Autoren davon ausgingen, daß solche Ausdrucksformen wörtlich zu nehmen seien. Es finden sich im Tanach (Altes Testament) immer wieder Proteste gegen eine solche Grundeinstellung:

„Mein ist das Festland und was es erfüllt. Eß ich das Fleisch der Großstiere? Das Blut der Böcke, trink ichs? So schlacht es Gott zur Huldigung und zahl dem Höchsten, was du ihm gelobt. Und ruf mich an am Tag der Not, ich rette dich, du wirst mich ehren"
(Psalm 50,13-15)

Wahrscheinlich blieben alte Formen und Sätze erhalten, ohne daß man sich klar über ihre ursprüngliche Bedeutung war - so wie wir auch heute bei Lebensübergängen (Heirat / Begräbnis) Rituale haben ohne uns der dahinterstehenden „primitiven" Konzepte bewußt zu sein und diesen zuzustimmen. (Reis werfen als Glückssymbolik, Erde aufs Grab schaufeln um u.a. böse Geister zu vertreiben etc.)

Viele Völker glaubten, daß Opfer nicht nur da waren um die Gottheit gnädig zu stimmen sondern auch unerläßlich waren um die Vitalität der Gottheit aufrechtzuerhalten. Der Tanach (hebräische Bibel) geht an keiner Stelle davon aus, daß Gott Opfer braucht, sondern besteht wiederholt auf dem Gegenteil.

Es war übliche Praxis, Zukunftsweisagungen mit Opfern zu verknüpfen. Die Babylonier haben eine ganze Wissenschaft daraus gemacht und z.B. vom Zustand bestimmter Organe des Opfertiers auf eintretende Ereignisse geschlossen. Vor geplanten wichtigen Schlachten gingen Römer und Griechen ebenso vor. Nichts davon findet sich in der Praxis des jüdischen Volkes.

In vielen Kulturen war der Opferkult ALLEINIGE Angelegenheit einer priesterlichen Elite und des Herrschers (Mesopotamien). Otto Normalverbraucher hatte nichts damit zu tun.
Der Opferkult in der Bibel war eine mehr demokratische Angelegenheit. Es wurde Vorsorge getroffen, daß sich auch die Armen Opfer leisten konnten.
Solche demokratischen Tendenzen finden sich auch in der Entwicklung von Opferritualen bei Griechen und Kartagern.

Babylonische und ägyptische Dokumente bezeugen, daß bei der Durchführung von Opfern liturgische Texte rezitiert werden MUSSTEN. In biblischen Texten finden wir keine Hinweise auf solche fest vorgeschriebenen Texte. Wir wissen aber, daß Opferrituale oft musikalisch begleitet wurden und Psalmen für den Gebrauch im Tempel geschrieben wurden. Was die Priester betraf, gab es sehr detaillierte Vorschriften.

Durch den ganzen Tanach hindurch wird Opfer als normales Element persönlichen, familiären und öffentlichen Lebens betrachtet. Das erste Opfer, über das berichtet wird, war das von Kain und Abel. Biblische Opfer waren sowohl gemeinschaftlich-öffentlich als auch individuell. Die gemeinschaftlichen - öffentlichen Opfer waren fast alle verpflichtend - einige von den individuellen Opfern auch (Reinigungsrituale z.B.). Die meisten individuellen Opfer waren aber freiwilliger Art.

Immer wieder haben sich Propheten dazu geäußert, daß ethisches Verhalten Vorrang hat vor Opferritualen, teilweise in ziemlich extremer Art:

„Ich hasse, ich verwerfe eure Feste und will nicht riechen eure Feieropfer. Wenn ihr Hochopfer mir bringt und Mehlopfer von euch, ich will sie nicht und eure Hochrinder als Opfermahl sehe ich nicht an… Soll nur gleich Wasser Recht fließen und die Gerechtigkeit wie starker Strom"
(Amos 5,21 ff).

Jüdische Tradition geht davon aus, daß diese Ausführungen sich nicht gegen Opfer als solches richten, sondern gegen die Tendenz durch Opfer moralisch-ethisches Verhalten ersetzen zu wollen. Opfer sind o.k., wenn sie mit reinem Herzen in der richtigen Motivation gebracht werden.

Menschenopfer im Judentum

Jedes Jahr an Rosch haSchanah (jüdisches Neujahrsfest) wird in allen Synagogen gelesen, wie G-tt Abraham aufforderte ihm Isaak auf dem Berg Moriah zu opfern (1 Mose 22). Im entscheidenden Moment rief Gott Abraham zu: „Stop! Lege Deine Hand nicht auf den Jungen und tu ihm nichts zuleide". Die jüdische Tradition geht davon aus, daß keine wahre Religion ein Menschenopfer erfordert in SEINEM - G-ttes - Namen. Wir lernen daraus auch, daß ein Menschenopfer G-tt, verhaßt ist.

Die Torah sagt, daß jeder, der die Abscheulichkeit eines Menschenopfers begeht, sich unwiderruflich vom jüdischen Volk abschneidet (3 Mose 20,2 ff).

  1. Talmudische Sichtweisen

Im ersten Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung ging die religiöse Führerschaft weitgehend vom erblichen Priestertum auf eine Gruppe gelehrter Laien (Pharisäer) über, die eine große öffentliche Unterstützung hatten. Deswegen war es ihnen möglich, einige Änderungen bei den Abläufen im Tempel einzuführen. Das war auch Ausdruck eines sich ändernden religiösen Verständnisses und eines mehr „demokratischen" Verständnisses.

Im Jahr 70 u.Z. zerstörten die Römer den Tempel und gestatteten nicht ihn wieder aufzubauen. So kam der Opferkult zum Ende. Zu dieser Zeit war die Synagoge als Ort des Betens und Lernens entwickelt und traf auch die Bedürfnisse der Juden in Palästina aber auch in der Diaspora. Doch der Verlust des Tempels als zentrales Heiligtum ging tief. Nirgends anders konnten nach allgemeinem Verständnis Opfer durchgeführt werden. So wurden Bitten um den Wiederaufbau des Tempels und die Wiederherstellung des Opferkults den synagogalen Gebeten hinzugefügt.

Die Rabbinen - Nachfolger der Pharisäer - führten eine Reihe von Praktiken in den Gottesdienst und das Alltagsleben ein, die mit den Tempelopfern bzw. Tempelritualen in Verbindung gebracht wurden:

Challe nehmen: Beim Backen der Schabbatbrote (Challot) und bei jedem Teig, der schwerer als 1330 g ist, wird „Challe genommen“: Man nimmt ein Teigstück in der Größe einer Olive und spricht den Segensspruch.
Das Challe nehmen erinnert an die Tempelopfer

Das Zünden der Schabbatkerzen erinnert an die Leuchter im Tempel

Tahara haMischpacha (Familienreinheit) erinnert an die besonderen Reinheitsgebote, die für die Priesterschaft galten.

Die besondere Verantwortlichkeit für diese drei Bereiche liegt bei den Frauen. Ihre wichtige Stellung in der Familie („Priesterin des Hauses“) wird damit deutlich.

Die Rabbinen unternahmen aber keine Anstrengungen, um so eine Art „Zwischenopfer" einzuführen, bis wieder ein Tempel da sein würde. Dies wäre durchaus möglich gewesen, denn dafür gab es außerhalb von Jerusalem durchaus potentielle Vorbilder trotz der Verbote in 5 Mose 12,5-6.

Im 5. Jahrhundert v.d.Z. hatte eine jüdische Militärkolonie in Ägypten einen Tempel. Außerdem gab es einen Tempel im ägyptischen Leontopolis, der vom Hohenpriester Onias IV 170 v.d.Z. eingerichtet wurde. Dieser Tempel existierte bis ihn die Römer nach dem Fall von Jerusalem schlossen. Die Rabbinen haben niemals seine Legitimität anerkannt, aber andererseits ihn niemals als völlig sündig kritisiert.

Sie haben auch niemals den Wert des Tempelkultes in Frage gestellt. Sie beteten für seine Wiederherstellung und diskutierten die Abläufe und Notwendigkeiten des Tempelrituals bis ins kleinste Detail. Sie erklärten auf diese Situation bezogen, daß das Studium der Opfergesetze für Gott genauso akzeptabel sei wie die Durchführung des Opfers. (Dieser Gedanke ist nur sinnvoll und logisch, wenn man davon ausgeht, daß Gott keine Opfer braucht).

Kurz nach der Zerstörung des Tempels ging Rabbi Jochanan Ben Zakkai mit seinen Schülern zu den Ruinenresten. Einer der Schüler beklagte das Ende der Riten für die Vergebung der Sünden. Jochanan ben Sakkai antwortete ihm „Klage nicht, mein Sohn. Wir haben ein Mittel, das dem Opfer gleichwertig ist: Das Ausführen guter Taten (Mizwot)".
Einige Jahrhunderte später erklärte Rabbi Isaak, daß das Gebet Vorrang hat vor Opfern.

  1. Mittelalter

Moses Maimonides (1135-1204) ging davon aus, daß der Opferkult ein Zugeständnis an die Schwäche des Menschen war. In einer antiken Gesellschaft war ein Leben ohne Opferkult nicht vorstellbar. Ohne Opfer hätte die Gefahr bestanden, daß sonst anderen Göttern geopfert worden wäre. Der biblische Opferkult war also das Mittel, sie von Häresie abzuhalten.
Die Tierarten, die als Opfertiere genommen wurden waren solche, die bei den Hindus, Ägyptern u.a. Völkern als heilig galten und von ihnen nie als Opfertiere verwendet worden wären. Damit beinhalten die biblischen Opfer eine Zurückweisung heidnisch-abergläubischer Praktiken.
(Interessanterweise sind viele Tiere, die als nicht koscher gelten solche, die in den Umweltkulturen Israels für Opfer benutzt wurden!!!)

Ein Jahrhundert vor Maimonides hat Juda Halevi argumentiert, daß der Tempel und die Opfer unerläßlich sind für die Wiederherstellung einer vollständigen Beziehung zwischen Gott und Israel - und durch Israel, zwischen Gott und der Menschheit.

  1. Moderne

Mit dem Aufstieg des Reformjudentums in Deutschland am Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Konzept, daß der Opferkult wiederhergestellt würde, aufgegeben. Die Reformer gingen davon aus, daß zu welchem Zweck auch immer das Opfer früher gedient hätte, dieser Zweck jetzt hinfällig geworden sei und keine Bedeutung für die Zukunft habe.
Deshalb wurden aus den Gebetbüchern alle Passagen, die sich auf die Wiederherstellung des Opferkultes bezogen, herausgenommen. Auch die konservativen und die rekonstruktionistischen Juden gehen nicht von einer Rückkehr zu Tempelopfern aus.

Ich hoffe, daß deutlich geworden ist, wie einschneidend die Entwicklung vom Opferkult zum Gebet / Lernen gewesen ist. Es war - aus meiner Sicht - eine revolutionäre Leistung der Rabbinen. Außerdem ging es darum, den Fortbestand des jüdischen Volkes - das in die Länder zerstreut war - zu sichern und das ohne eigenes Land und ohne zentrales Heiligtum.

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Hallo lehi,

wie war das mit Avraham und Jizhak? (Bereschit 22)

der ist eben NICHT geopfert worden, zur verwunderung von a.,
in dessen näherer umgebung es von menschenopfernden und
ähnlichen kulten gewimmelt haben soll. das ist ja grad der
witz der story.

ich seh die Besonderheit dieser Geschichte eigentlich woanders.
Avraham war bereit seinen Sohn zu opfern, obwohl er doch wußte, dass das sein einziger Erbe ist. Das hätte der Verheissung widersprochen, ein grosses Volk zu werden.

Es war aber nur eine Prüfung des Glaubens und des Gehorsams. Und Avraham hat diese Prüfung hervorragend bestanden.
Aber auch Jizhak hat sich bewährt. Er vertraute seinem Vater und hätte widerspruchslos seinen Tod erduldet. Und das macht ihn (für uns Christen) zum Vorbild für Jeschua, der ohne Gegenwehr in den Tod ging.

Er gab sich selbst als Opfer hin.

als einzigen hinweis nahm ich das posting weiter oben, wo
„opferlamm“ als vergleich stand. und opferlämmer geben sich
nicht selber hin, sondern werden geschlachtet!

Du hast Recht, hier hinkt der Vergleich.

Gemäss 3.Mose 17,11 „denn das Blut erwirkt Sühne an der Seele“ steht das Blut Jesu anstelle des Blutes der Opfertiere.

Gruss Harald