Hallo!
Lange habe ich darauf gewartet, dass mein Freund endlich den Bescheid bekommt, von seiner Firma übernommen zu werden. Heute war es soweit. Eigentlich hatte ich immer gedacht, wenn die SMS kommt, bin ich vollkommen aus dem Häuschen, aber heute, als sie kam, kam auch die Angst.
Seit zwei Jahren nun lebt mein Freund in Bayern, ich in Sachsen-Anhalt, am Wochenende sehen wir uns dazwischen, in unserer alten Heimat Thüringen. Aber wir haben dort kaum Privatssphäre, da wir immer in seinem oder meinem Elternhaus sind, wobei es bei mir zu Hause doch recht beschaulich zugeht. Sein zuhause ist ein „Problemzuhause“. Sein Vater trinkt, die Mutter erträgt es, mein Freund fühlt sich verantwortlich. Vor kurzem, als wir das Thema zusammen ziehen mal wieder hatten, meinte er, er fühle sich noch zu jung, für immer von zu Hause wegzugehen. Erst nach einigen Gestocher meinte er schließlich, dass er seine Mutter mit der Situation nicht allein lassen wollte und deshalb anstrebt, auch weiterhin jede Woche heim zu fahren. Ich bin der Meinung, irgendwann ist er einfach verantwortlich für sein eigenes Leben, nicht für das seiner Mutter. So etwas nimmt er sehr persönlich, weshalb diese Diskussionen immer wieder in Streit enden. („Du findest meine Familie eh asozial“ etc)
Nun wird er also übernommen, und ich kann meine Sachen packen und zu ihm ziehen (ich studiere). Aber jetzt bekomme ich irgendwie bedenken, dass die Sache mit dem „nach Hause fahren“ noch zwischen uns steht. Ist es denn unnormal, mit fast 21 auf eigenen Beinen stehen zu wollen, ohne jede Woche Mutti um sich zu haben? Ich habe meine Eltern sehr lieb, aber bei uns ist das „frühe“ Ausziehen eigentlich normal. Kann es wirklich nur dieses Verantwortungsgefühl sein, dass er gegenüber seiner Mutter hat? Ich muss wirklich sagen, dass ich mich nicht verantwortlich für einen 50jährigen Mann fühle, der sich nicht unter Kontrolle kriegt, und auch nicht für seine Frau, die keine Konsequenzen daraus ziehen kann. Stehe ich damit alleine da? Sind solche Verhaltensmuster bei solchen „Kindern“ normal?
Liebe Grüße,
die Lydia!
hallo lydia
wenn ich dich wäre, würde ich zuerst mal ein bisschen alleine wohnen, bevor du mit einem mann zusammenziehst. und für deinen freund gilt dasselbe! erst dann werdet ihr merken, was euch wirklich wichtig ist an einem potentiellen zusammenziehen.
gruss
coco
Hallo Lydia.
Wenn du dir sicher bist, dass du zu ihm ziehen willst, dann tu es. Das mit dem Heimfahren seh ich nicht so dramatisch. Mit der Zeit wird sich ein gemeinsamer Freundeskreis aufbauen - irgendwann wird die erste Heimfahrt ausfallen und er wird sich immer mehr abnabeln. Mit 21 bin ich auch jedes Wochenende nach Hause gefahren. Das war eben so…was anderes konnte ich mir da gar nicht vorstellen.
Ich denke, nicht jeder kann sich so schnell frei machen von den persönlichen Bindungen.
Viele Grüße
Tutulla
Hallo!
Wenn du dich danach sehnst, mit ihm zusammenzuziehen, dann tu es. Ich kann deinen Freund verstehen- habe eine Freundin, die auch von zuhause weg ist, aber noch oft nach Hause fährt, weil ihre Mutter starke Probleme hat. Er sollte seine Mutter auch nicht alleine lassen, aber trotzdem sein eigenes Leben aufbauen. MIt 21 ist das doch völlig normal.
Das du dich nicht für seinen Vater verantwortlich fühlst, verstehe ich, aber es sind SEINE Eltern und sein Verantwortungsgefühl ist doch nur verständlich. Stell dir vor, deine Eltern wären so. Würdest du nicht hin und wieder nach dem Rechten sehn. Warte auch mal ab, ob er wirklich jede Woche fährt.
Ich wünsche euch alles Gute!
*Diana
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Huhu!
Wenn du studierst, solltest du wissen, das die meisten Studis am WE nach Hause fahren.
Ich meine, ich bin auch, kurz nachdem ich ausgezogen bin, praktisch jeden Monat einmal nach Essen gefahren (mein Geburtsort).
Jetzt bin ich noch vieleicht alle 2-3 Monate mal da, und rufe auch nicht viel öfter an.
Das gibt sich mit der Zeit, und das mit dem Verantwortungsgefühl auch.
Solche Verhaltensmuster sind bei solchen Kindern mehr oder weniger normal - aber 1. finde ich nicht, das einmal die Woche nach Hause fahren unbedingt pathologisch ist,
2. gibt sich das meistens früher oder später. (Hat es zumindest bei mir. OK, mein Daddy ist inzwischen trocken, aber ich kenne die Situation.)
Also, das mit dem nach Hause fahren wird nur zwischen euch stehen, wenn du wirklich ganz ernsthaft nicht damit klar kommst.
Probierts erstmal aus, danach kannst du immer noch wieder ausziehen.
Grüßlis!
Philipp.
Meine „späte“ Bemerkung dazu:
kannst du sonst an seinem Verhalten irgendwo eine starke Mutterfixierung feststellen?
Kennst Du seine Mutter und Ihr Verhalten?
Es kann durchaus sein, dass er noch in einem Lösungsprozess ist, aber
das kannst Du nur herausfinden wenn Du ihn vor Ort beobachtest.
Er kann natürlich auch ein ausgesprochen positives Sozialverhalten haben, in unserer Ego-Gesellschaft trifft man das selten, aber so etwas gibt es.
Als ich geheiratet habe, (vor zehn Jahren-) redete ich über meine Heiratspläne mit einem guten Freund der jetzt über 70 ist und weit mehr Lebenserfahrung hatte, dessen Rat ich alo vertraute.
Seine Meinung war folgendermaßen:„Schau Dir Deine Schwiergereltern genau an, denn auf eine bestimmte Weise wird Deine Frau so sein wie sie.“
Damals dachte ich , nein sie ist ganz anders und überhaupt fand ich meine Schwiegereltern sehr nett.
Waren Sie auch, bis es Probleme gab…den Rest kann man sich denken.