Liebe Babylonier,
hier ist mir ein Satz aus einem Theaterstücklein Anfang XX. Jahrhundert untergekommen, ein Hausierer aus Lodz ruft aus:
„Ach verkoif Nadeln, Zwern in Loitzicker“.
Nun ist dieser Text von einem Franzosen transskribiert, was den Begriff „Loitzicker“ nicht unbedingt deutlicher macht.
Was kann das Wort bedeuten?
Schöne Grüße
MM
Transkriptionsfehler?
Hallo Martin,
leider erwähnst Du nicht den Kontext, aber ich könnte mir vorstellen, daß es nicht ‚in Loitzicker‘ sondern ‚an Leipziger‘ heißt (Jiddisch ist manchmal nicht ganz einfach zu verstehen)… Łódź und Leipzig waren bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts - durchaus konkurrierende - Hochburgen der Textilindustrie (Tuchfabriken, etc.) und - logo! - Sitz der angesehensten Maßschneider.
Wenn der Hausierer es also ausruft, dann geht ihm offenbar jemand auf die Nerven… Nun gibt es mehrere Deutungsvarianten, die vom Kontext abhängig sind:
„Ach verkoif Nadeln, Zwern in Loitzicker“.
=> ‚Ach, geh doch zum Teufel.‘
=> ‚Geh und brich dir mit diesem Geschäft (mit der Konkurrenz) das Genick.‘
=> ‚Na dann trag doch die Eulen nach Athen!‘
Passt etwas?
Grüße
Renee
Servus Tessa Renee B,
leider erwähnst Du nicht den Kontext,
hier ein bissel mehr Text (das ist so viel, wie ich auch bekommen habe):
„Wus kennt ihr gebrouchen, ach miss eppes handeln, mai Mann is toit, finf Kinder schraien nach Broit. Ach verkoif Nadeln, Zwern in Loitzicker!“
Also bloß die allgemeine Vorstellung einer Hausiererin beim Auftritt, ohne bedeutenderen Inhalt.
Alldieweil im polnischen Jiddisch öfter mal ein deutsches „u“ zu „i“ wird (Tate Blimefeld aus dem Lied wird nie ohne e fajnen polnischen Hit gesehen), hab ich an Leut(er)zucker gedacht, als ein Industrieprodukt, welches auch auf dem Land hausierbar ist, aber auf dem im Gegensatz zum Salz keine Akzisen sind.
Könnte das passen?
Schöne Grüße
MM
Variante 3+
Hallöchen noch einmal,
meine Granny frage ich gar nicht erst (die verstand früher richtig gut Jiddisch - inzwischen ist sie aber zu einer echten Rassitin geworden *schäm*), deshalb aus dem Stegreif:
=>Eulen nach Athen tragen
im Sinne von
‚Um meine Kinder satt zu kriegen, würde ich sogar Nadeln und Zwirn in Leipzig (respektive an die Leipziger) verkaufen.‘
IMHO passt es schon… 
LG
Renee
‚Ach‘ heißt doch wohl eher ‚Ich‘, oder? (owt)
Hallo Martin,
ich glaube auch, dass man das „in“ als „und“ verstehen
sollte und das Wort „Loitzicker“ irgendeinen Gebrauchsgegenstand
beschreibt. (mir fiel Lötzinn ein, aber das ist sicher
Blödsinn). Zucker wäre vom Gefühl her gar nicht so falsch.
Gruß
Elke
Ich hab das Wort mal auseinandergenommen…
also Loit heißt soviel wie „zufolge von…“, „laut jmd…“ also „was jemand sagt“
Was Zickerl heißt weiß ich allerdings nicht und habe es auch nicht rausfinden können.
Das ist jetzt natürlich sehr interpretiert, aber in meinem Deutsch LK wurde u.a. gelehrt, das Handelspersonen in Theaterstücken oft für die Nachrichtenverbreitung da sind (neben tatsächlichen Boten), also könnte (!) es ggf. heißen, dass sie Nadeln, Zwirn und Gerüchte verkauft.
Ins Blaue…
„Wus kennt ihr gebrouchen, ach miss eppes handeln, mai Mann is
toit, finf Kinder schraien nach Broit. Ach verkoif Nadeln,
Zwern in Loitzicker!“
Vielleicht sind „Litzen“ gemeint. (Bunte) Bänder, mit denen früher Kleider (und auch Uniformen) verziert wurden?
Ist aber nur geraten.
Gruß
Uschi
Liebe Babylonier,
hier ist mir ein Satz aus einem Theaterstücklein Anfang XX.
Jahrhundert untergekommen, ein Hausierer aus Lodz ruft aus:
„Ach verkoif Nadeln, Zwern in Loitzicker“.
Nun ist dieser Text von einem Franzosen transskribiert, was
den Begriff „Loitzicker“ nicht unbedingt deutlicher macht.
Was kann das Wort bedeuten?
Servus Martin,
jetzt will ich es auch einmal mit raten versuchen:
Ach= ich
verkoif Nadeln = verkaufe Nadeln
Zwern = Zwirn (Kleiderstoff, der manchmal umgangssprachlich als ‚Zwirn‘ bezeichnet wird, würde an dieser Stelle wohl ‚Peluche‘ (für Plüsch) heißen.
Bei ‚Loitzicker‘ fällt mir ein, daß man in alten Rezepten manchmal den Begriff ‚Läuterzucker‘ für Raffinade findet, also im Gegensatz zu Rohrzucker.
Plausibel?
Kai
„Ach verkoif Nadeln, Zwern in Loitzicker“.
jetzt will ich es auch einmal mit raten versuchen:
Ach= ich
verkoif Nadeln = verkaufe Nadeln
Zwern = Zwirn (Kleiderstoff, der manchmal umgangssprachlich
als ‚Zwirn‘ bezeichnet wird, würde an dieser Stelle wohl
‚Peluche‘ (für Plüsch) heißen.
Hallo Kai und die anderen,
volle Zustimmung bis hierher!
Zu Loitzicker kann ich wirklich nur raten.
Könnt es was mit Lois/Läus zu tun haben und mit „ziehen“?
So dass es dann eine Läusekamm wäre oder etwas dergleichen? 
Oder ein Zusammenhang mit „Zick“ für „Natronsalz“;
hat man Natronlauge zum Loitern/Läutern von Flüssigkeiten oder zum Reinigen von Wolle oder Leder verwendet?
Gruß!
H.
Gruß!
H.
Ja, in der Tat.
Der einzige Begriff, der mir nicht klar ist, ist „Loitzicker“ - wie ich bereits schrub (Copyright by Eilicht z.V.)
Schönen Dank dennoch
MM
Servus Elke,
„in“ = „und“ schien mir auch soweit klar - es ist nicht, daß man mit einer houwelouischen Nahne schon das halbe Jiddisch in der Tasche hätte, aber einiges davon schon. Wenn man zum fränkisch weggefallenen Ablaut d noch u >> i von Salcia Landmann borgt, kommt das ziemlich genau auf „und“.
Daher bin ich auch mit „an Leipziger“ und „in Leipzig“ nicht so glücklich, obwohl die Zeugnisse von Renee Bernadette als indirekt mit Mameloschen in Berührung gekommene und Eckard als anerkannt Polyglottem nicht so eben wegwischbar sind.
Zum Lötzinn - zu dem mit einiger Wahrscheinlichkeit im Ostjiddischen ein ganz anderer, wohl eher von den polnischen Kesselflickern übernommener Begriff gehört - bin ich genauso spekulativ woanders hin gekommen: Nämlich zu tschechisch „Loizik“ für „Louis“ - bin dann aber nicht weiter vorgedrungen, weil das Hausieren von Frommsen durch eine Frau wohl nicht so das Richtige wäre.
Schöne Grüße
MM
Servus Uschi,
das ist eine neue Fährte - es könnte irgendein k.u.k. Austriazismus sein?
Schöne Grüße
MM
Servus Kai,
Bei ‚Loitzicker‘ fällt mir ein, daß man in alten Rezepten
manchmal den Begriff ‚Läuterzucker‘ für Raffinade findet, also
im Gegensatz zu Rohrzucker.
das kommt mir ziemlich wahrscheinlich vor: Zucker >> Zicker ist analog zu Hut >> Hit etc. Dazu die Vorstellung der sehr wenigen Waaren, die in ländlichen Haushalten überhaupt zugekauft wurden.
Wenns jetzt noch epper wüßte…
Schöne Grüße
MM
Hi,
mein Post bezog sich auf Renee’s Antwort, deren Vorschlag in die Richtung von „Ach, verkauf doch Deinen Scheiß woanders“ oder so ähnlich ging…
Was der/die/das Loitzicker angeht: Der ansonsten sehr gründliche Leo Rosten („Jiddisch: Eine kleine Enzyklopädie“) hat dazu leider auch keine Meinung…
Tom
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