Hallo!
Hi!
Ich entnehme deinen Zeilen dass du bei einer Gemeinde oder
Magistrat arbeitest, die sich mit der Müllentsorgung befasst.
Nein, keineswegs.
Sicherlich gibt es keinen Nachteil ohne Vorteil, ich will den
Job auch nicht schlecht machen, für meine Kinder würde ich mir
aber trotzdem was anderes wünschen.
Vor allem deswegen, weil dieser Bereich auch mehr und mehr
privatisiert wird. Da schauts dann wieder etwas anders aus,
wer früh anfängt kann bis spät arbeiten und glaub mir eins,
die tägliche neue Gegend ist nach einer Woche Routine. Kein
vernünftiger Disponent würde zu sehr die Routen wechseln,
schliesslich sind die Männer mit den Standplätzen vertraut.
Ich war bei einer Spedition, wo Glas und Dosen gesammelt
wurden. Dosen sind bei uns kein Pfandgut. Vor allem die
Glasfahrer sind oft bis zu 15 Stunden im Tag im Einsatz.
Grüße
Dusan
Wenn Dosen bei Euch kein Pfandgut sind, wohnst Du vermutlich im schönen Ausland und die Situation sieht bei Euch etwas anders aus.
Wer wie ich mal zu den Langzeitarbeitslosen gehört hat, sieht manche Jobs ganz anders als früher. Mir persönlich erschien früher, als ich noch meinen alten Bürojob hatte, der Job als Müllmann auch nicht sehr erstrebenswert. Obwohl mir dieser Aspekt, draußen zu sein, ab und zu etwas anderes sehen, Bewegung zu haben auch damals schon - zumindest bei schönem Wetter - beneidenswert erschien. Mein Büro war schon ziemlich eintönig!
Bei dem Klima der letzen Jahre in Deutschland, ist aber ein Job im öffendlichen Dienst vom leicht belächelten Fast-Beamten-Posten beinahe zum erstrebenswerten Traumjob geworden. Leute, die früher ihre zum Lehrer gewordenen Studienkollegen belächelt hatten und in der Wirtschaft ein Mehrfaches verdient hatten, sind heute arbeitslos oder davon bedroht und sehen die Situation oft anders als früher.
Aber diese Leute sind nicht der Maßstab. Wer aber früher ein Kandidat für einfache Industriejobs war, hat es heute verdammt schwer. Selbst Facharbeiter finden nicht immer angemessene Posten mit einer gerechten Bezahlung. Und wer keinen Job mehr als Schweißer oder Zerspanungsmechaniker findet (bei denen es auch schmutzig zugehen kann), mag einen Job als Müllmann im öffentlichen Dienst als sehr gute Alternative sehen.
Und was die Privatisierungen angeht: In unserer Stadt wollte man das auch machen. Aber dann haben kluge Leute das mal durchgerechnet. Ergebnis: Die städtische Stadtreinigung macht es günstiger! Also wird der Normalmüll weiterhin von ihnen abgeholt. Nur die Wertstoffsammlung ist privat.
So kann bei uns ein Bewerber für die Müllabfuhr davon ausgehen, dass die Arbeitszeiten im Normalbereich liegen und Überstunden (bei Veranstaltungen, Karneval) bezahlt werden und sich in Grenzen halten.
Oft ist es auch so, dass jemand, der einmal bei der Stadt angestellt ist, da meist auch dann bleibt, wenn der konkrete Job wegfällt. So habe ich z.B. einen, der früher im Schwimmbad arbeitete im Eisstadion wiedergetroffen. Arbeiter aus dem Eisstadion standen plötzlich auf dem Sportplatz vor mir und Leute vom Friedhof fanden ein neues Arbeitsgebiet in der Eishalle. Bist Du einmal drin und fällst nicht unangenehm auf, geht es irgendwie immer weiter.
Dazu noch ein ganz privater Gedanke: Bevor ich selbst einen Job im Altenheim mit Altenpflege und Schichtbetrieb annehmen würde, nähme ich lieber den Job bei der Müllabfuhr, selbst wenn der noch 100 Euro weniger einbringen würde. Anstrengend ist beides, eklig u.U. auch. Aber beim Müll wird kein Einfühlungsvermögen verlangt, man muss sich kein Elend angucken und es stirbt auch keiner. Kurz, es ist emotional viel weniger belastend. Stattdessen kann man mit anderen Müllwerkern scherzen und lachen und auch mal grenzwertige Witze reißen und laut sein. Bei dem Job gibt es doch viel weniger Chancen, in ein Fettnäpfchen zu treten. Dazu kommen relativ regelmäßige Arbeitszeiten und freie Zeit am Nachmittag.
Mir würde das wesentlich leichter fallen und ich würde dabei auch fröhlicher sein.
Für seine Kinder wünscht man sich sowieso immer das Beste. Die meisten landen aber in Berufen, die sich kaum jemand wirklich erträumt hat, sondern in ganz gewöhnlichen.
Viele Grüße
Anne