Job als Müllmann

Hallo…

ähem, entschuldigt die Frage, aber wieso ist der Job als Müllmann ein Sch…Job?

Voriges Posting legte diese These dar. Finde es klasse, dass es Menschen gibt, die so einen Job haben. Habe tiefsten Respekt mit denen und finde es sehr einfallslos, sich darüber negativ zu äußern.

So. Gesundes neues Jahr übrigens…

:wink: Doggy

Hallo,

ähem, entschuldigt die Frage, aber wieso ist der Job als
Müllmann ein Sch…Job?

Ich denke, das gibt die Gesellschaft so vor. Der Mensch produziert unappetitlichen und stinkenden Müll. Er schmeißt ihn daraufhin in die Tonne, die in 3 Wochen bei sommerlichen Temperaturen einen ganz eigenen Charme entwickelt.
Zum einen ist es also eine stinkende und unansehnliche Angelegenheit. Ekel ist sicherlich auch dabei - nun kannst du im Psychologiebrett fragen warum wir Ekel empfinden…
Hinzu kommen noch Faktoren wie Wettereinflüsse und körperliche Anstrengung.
Der Müll hat aber auch eine psychologische Wirkung. Die Arbeit ist - aus Sicht einiger Menschen - eine niedere Tätigkeit… den Müll von anderen Menschen entsorgen.
Das ist zwar eine notwenige Arbeit, aber dafür gibt es keinerlei Anerkennung. Früher hat / hätte man bestimmt Sklaven diese Arbeit verrichten lassen. Schaut man in die Armutsregionen dieser Welt, sieht man Kinder den Müll auf Müllbergen aussortieren. So „arm“ will niemand sein…

Gruß
Tato

Hallo,

ähem, entschuldigt die Frage, aber wieso ist der Job als
Müllmann ein Sch…Job?

Ich habe dies in ernsthaften Diskussionen noch nicht so gehört.

Voriges Posting legte diese These dar. Finde es klasse, dass
es Menschen gibt, die so einen Job haben. Habe tiefsten
Respekt mit denen

naja, das klingt zwar sehr gut, aber ist das nicht stark übertrieben?

und finde es sehr einfallslos, sich darüber
negativ zu äußern.

Wie gesagt, in ernsthaften Diskussionen sind mir derartige Äusserungen noch nicht über den Weg gelaufen.
Ich selbst habe während des Physikstudiums fast ausschliesslich in „einfachen“ Tätigkeiten gejobbt (Putzen, Abfallbeseitigung und Maschinen bedienen).
Rückblickend aus der Ferne war das alles in allem genauso fruchtbar wie C++ Programme schreiben, oder was sonst damals unter Studenten so üblich war.

Gruss,
Thomas

Hi!

ähem, entschuldigt die Frage, aber wieso ist der Job als
Müllmann ein Sch…Job?

Der Job ist wirklich sehr unangenehm. Du musst sehr früh beginnen, bist bei jedem Wetter draussen, Winter wie Sommer, und musst dich mit den Abfällen deiner Mitmenschen herumplagen. Es stinkt, wenns warm ist hats Fliegen und viele Leute treffen auch die Tonnen sehr schlecht, dann liegt das Zeug auch noch drumherum.

Und dann kommt noch die gesellschaftliche Akzeptanz. Mein neuer Freund ist Arzt kommt einfach besser als mein neuer Freund ist Müllmann, oder?

Grüße
Dusan

Hallo!

So schlecht kommt mir das gar nicht vor: Ein sicherer Job im öffentlichen Dienst mit entsprechender Bezahlung und Zusatzversorgung. Wer früh anfängt, hört auch meist früh auf - und hat einen freien Nachmittag. Durch die körperliche Aktivität wird man nicht so schnell fett und kann genug essen :wink:. Meist ist es bei uns recht kühl und der Gestank hält sich in Grenzen. Wer beim Sperrmüll eingesetzt wird, kann evtl. noch ein paar guterhaltene Teile behalten und verkaufen. Nach Veranstaltungen kann man die Pfandflaschen gesondert einsammeln und abgeben (je nach Sammelfahrzeug). Dienstkleidung wird gestellt und man muss keine teuere Kleidung für den Job anschaffen. Man lernt seine Umgebung richtig gut kennen, kommt herum und sieht täglich etwas anderes. Dazu kommt, dass man wirklich etwas Sinnvolles macht. Und am Jahreswechsel gibt es Trinkgeld.

Gut, das Image könnte noch verbessert werden. Aber daran arbeiten wir ja gerade :wink:.

Viele Grüße

Anne

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi!

Ich entnehme deinen Zeilen dass du bei einer Gemeinde oder Magistrat arbeitest, die sich mit der Müllentsorgung befasst.

Sicherlich gibt es keinen Nachteil ohne Vorteil, ich will den Job auch nicht schlecht machen, für meine Kinder würde ich mir aber trotzdem was anderes wünschen.

Vor allem deswegen, weil dieser Bereich auch mehr und mehr privatisiert wird. Da schauts dann wieder etwas anders aus, wer früh anfängt kann bis spät arbeiten und glaub mir eins, die tägliche neue Gegend ist nach einer Woche Routine. Kein vernünftiger Disponent würde zu sehr die Routen wechseln, schliesslich sind die Männer mit den Standplätzen vertraut. Ich war bei einer Spedition, wo Glas und Dosen gesammelt wurden. Dosen sind bei uns kein Pfandgut. Vor allem die Glasfahrer sind oft bis zu 15 Stunden im Tag im Einsatz.

Grüße
Dusan

OWT: Besser als gar kein Job

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo!

Hi!

Ich entnehme deinen Zeilen dass du bei einer Gemeinde oder
Magistrat arbeitest, die sich mit der Müllentsorgung befasst.

Nein, keineswegs.

Sicherlich gibt es keinen Nachteil ohne Vorteil, ich will den
Job auch nicht schlecht machen, für meine Kinder würde ich mir
aber trotzdem was anderes wünschen.

Vor allem deswegen, weil dieser Bereich auch mehr und mehr
privatisiert wird. Da schauts dann wieder etwas anders aus,
wer früh anfängt kann bis spät arbeiten und glaub mir eins,
die tägliche neue Gegend ist nach einer Woche Routine. Kein
vernünftiger Disponent würde zu sehr die Routen wechseln,
schliesslich sind die Männer mit den Standplätzen vertraut.
Ich war bei einer Spedition, wo Glas und Dosen gesammelt
wurden. Dosen sind bei uns kein Pfandgut. Vor allem die
Glasfahrer sind oft bis zu 15 Stunden im Tag im Einsatz.

Grüße
Dusan

Wenn Dosen bei Euch kein Pfandgut sind, wohnst Du vermutlich im schönen Ausland und die Situation sieht bei Euch etwas anders aus.

Wer wie ich mal zu den Langzeitarbeitslosen gehört hat, sieht manche Jobs ganz anders als früher. Mir persönlich erschien früher, als ich noch meinen alten Bürojob hatte, der Job als Müllmann auch nicht sehr erstrebenswert. Obwohl mir dieser Aspekt, draußen zu sein, ab und zu etwas anderes sehen, Bewegung zu haben auch damals schon - zumindest bei schönem Wetter - beneidenswert erschien. Mein Büro war schon ziemlich eintönig!

Bei dem Klima der letzen Jahre in Deutschland, ist aber ein Job im öffendlichen Dienst vom leicht belächelten Fast-Beamten-Posten beinahe zum erstrebenswerten Traumjob geworden. Leute, die früher ihre zum Lehrer gewordenen Studienkollegen belächelt hatten und in der Wirtschaft ein Mehrfaches verdient hatten, sind heute arbeitslos oder davon bedroht und sehen die Situation oft anders als früher.

Aber diese Leute sind nicht der Maßstab. Wer aber früher ein Kandidat für einfache Industriejobs war, hat es heute verdammt schwer. Selbst Facharbeiter finden nicht immer angemessene Posten mit einer gerechten Bezahlung. Und wer keinen Job mehr als Schweißer oder Zerspanungsmechaniker findet (bei denen es auch schmutzig zugehen kann), mag einen Job als Müllmann im öffentlichen Dienst als sehr gute Alternative sehen.

Und was die Privatisierungen angeht: In unserer Stadt wollte man das auch machen. Aber dann haben kluge Leute das mal durchgerechnet. Ergebnis: Die städtische Stadtreinigung macht es günstiger! Also wird der Normalmüll weiterhin von ihnen abgeholt. Nur die Wertstoffsammlung ist privat.

So kann bei uns ein Bewerber für die Müllabfuhr davon ausgehen, dass die Arbeitszeiten im Normalbereich liegen und Überstunden (bei Veranstaltungen, Karneval) bezahlt werden und sich in Grenzen halten.

Oft ist es auch so, dass jemand, der einmal bei der Stadt angestellt ist, da meist auch dann bleibt, wenn der konkrete Job wegfällt. So habe ich z.B. einen, der früher im Schwimmbad arbeitete im Eisstadion wiedergetroffen. Arbeiter aus dem Eisstadion standen plötzlich auf dem Sportplatz vor mir und Leute vom Friedhof fanden ein neues Arbeitsgebiet in der Eishalle. Bist Du einmal drin und fällst nicht unangenehm auf, geht es irgendwie immer weiter.

Dazu noch ein ganz privater Gedanke: Bevor ich selbst einen Job im Altenheim mit Altenpflege und Schichtbetrieb annehmen würde, nähme ich lieber den Job bei der Müllabfuhr, selbst wenn der noch 100 Euro weniger einbringen würde. Anstrengend ist beides, eklig u.U. auch. Aber beim Müll wird kein Einfühlungsvermögen verlangt, man muss sich kein Elend angucken und es stirbt auch keiner. Kurz, es ist emotional viel weniger belastend. Stattdessen kann man mit anderen Müllwerkern scherzen und lachen und auch mal grenzwertige Witze reißen und laut sein. Bei dem Job gibt es doch viel weniger Chancen, in ein Fettnäpfchen zu treten. Dazu kommen relativ regelmäßige Arbeitszeiten und freie Zeit am Nachmittag.

Mir würde das wesentlich leichter fallen und ich würde dabei auch fröhlicher sein.

Für seine Kinder wünscht man sich sowieso immer das Beste. Die meisten landen aber in Berufen, die sich kaum jemand wirklich erträumt hat, sondern in ganz gewöhnlichen.

Viele Grüße

Anne