Wer war Judas ? Wieso richtet sich der Hass der Christen auf ihn ?
In der Bibel steht nirgends, dass er Jesus von Nazareth verraten haben soll ? Worin lag der Verrat, was gab es zu verraten ?
Ich kenne jemanden der Jouda heisst. Ist er ein Nachkomme von Judas ?
In der Bibel steht nirgends, dass er Jesus von Nazareth verraten
haben soll ?
Stimmt nicht. Hier ein paar Bibelstellen (unvollständige Auswahl):
„Da ging hin der Zwölfe einer, mit Namen Judas Ischarioth, zu den Hohepriestern und sprach: Was wollt ihr mir geben ? Ich will ihn euch verraten. … Unda von da an suchte er Gelegenheit, daß er ihn verriete.“ (Matth 26, 14-16)
„Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten … Der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, der wird mich verraten. Des Menschen Sohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch welchen er verraten wird ! … Da antwortete Judas, der ihn verriet …“ (Matth 26, 20-25)
„Da sah Judas, der ihn verraten hatte … und sprach: Ich habe übel getan, dass ich unschuldig Blut verraten habe.“ (Matth 27, 3-4)
„Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuss ?“ (Joh 22,48)
Worin lag der Verrat, was gab es zu verraten ?
Wenn ich mir die entsprechenden Bibelstellen so ins Gedächtnis rufe, dann ging es wohl in erster Linie darum, dass er die komplikationslose Gefangennahme Jesu ermöglichte, d.h. er führte die Häscher zu Jesus und zeigte ihnen, welcher der Männer Jesus war (die meisten von ihnen dürften Jesus wohl noch nicht persönlich gesehen haben). Natürlich hätte man Jesus auch in aller Öffentlichkeit gefangen nehmen können, aber das hätte wohl mehr Aufruhr verursacht. So ähnlich steht es auch unter Luk 22,6: „Und er sagte es zu und suchte Gelegenheit, dass er ihn überantwortete ohne Lärm.“
das Ganze fällt wohl mehr in die Rubrik Bibelexegese als Geschichte. Die Bibel ist eine religiöse, keine historische Quelle. Quellenkritik der Bibel und ihre Exegese - sei es allegorische, anagogische (oder mit welchen Tricks auch immer gearbeitet wird), gehört IMHO in ein christlich-theologisches Brett, aber nicht hierher.
Warum man zur Festnahme von Jesus jemanden aus seinem engsten Kreis bestechen musste (wo er doch öffentlich auftrat und sich auch nachts nicht in konspirativen Wohnungen versteckte), warum man es sich den Gegenwert eines Grundstücks kosten ließ, den Aufenthaltsort von Jesus festzustellen und ihn zu identifizieren (der Tageslohn eines beschäftigungslosen Eckenstehers hätte ausgereicht), warum in dieser Gemeinschaft von veritablen Heiligen ein korrupter Charakter jahrelang nicht auffiel - das wird wohl für immer ein Mysterium bleiben, aber nicht Gegenstand ernstzunehmender historischer Untersuchungen werden.
„Dass der Name des Apostels, der seinen Herrn verraten hat, sprachlich offenkundig von Judäa, der Heimat der Juden, abgeleitet werden muss, könnte selbstverständlich nur ein zufälliges Zusammentreffen sein. Es ist dies allerdings ein zu bemerkenswertes Zusammentreffen, so dass man sich die Feststellung nicht verkneifen kann, eine ganz bewusste Absicht, die künftig auf dem erwählten Volk liegende Schmach gleichnishaft darzustellen, bilde eine zufriedenstellendere Erklärung für nachdenkliche Menschen …“
Léon Poliakov, Geschichte des Antisemitismus
Mir scheint fast, dies ist ein Nebenkriegsschauplatz des vorvorletzten Threads …
Ich kenne jemanden der Jouda heisst. Ist er ein Nachkomme von
Judas ?
ralf hat ja schon das wesentliche gesagt. juda, yehuda oder wie auch immer man das transkribieren will, ist ein normaler hebräischer name. hunderte heißen so in israel und sind sicher nicht nachkommen von einer neutestamentlichen figur
„ish krayot“ (sg. kiria) heißt „mann aus den dörfern“, wobei „die krayot“ heute die vororte von haifa bezeichnen. mit dem neuen testament hat das allerdings nichts zu tun. das nur nebenbei.
das Ganze fällt wohl mehr in die Rubrik Bibelexegese als
Geschichte. Die Bibel ist eine religiöse, keine historische
Quelle.
Genauso muss man es wohl sehen. Insbesondere auch, da die ganze Geschichte um Jesu Leben und all die Geschehnisse fast ausschließlich aus der Bibel bekannt sind. Einzig bei Flavius Josephus finden sich meines Wissens einige Aussagen zu Jesus. Sonst findet man nichts in der sonst doch recht ausführlichen Geschichtsschreibung bei den Römern. Soll heißen, es kann alles nur pure Dichtung sein. Eine Ansicht, die Rudolf Augstein in seinem Buch „Jesus Menschensohn“ ausfühlich beschreibt und mit der auch gläubige Exegeten seit Jahrzehnten kämpfen.
Das mit Flavius Josephus würde ich mit Vorsicht geniesen, es handelt sich nur um einen kurzen lapidaren Satz der mit großer Wahrscheinlichkeit von Mittelalterlichen Kopisten eingefügt wurde.
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