Juden in der Wehrmacht - wie konnte das sein?

Helmut Schmidt, der ja
Hauptmann in der Wehrmacht war

Oberleutnant

Gruß,
Ralf

Hallo Iris,

Sie fühlten sich nicht als Juden sondern als Deutsche.

Hier konstruierst Du einen Gegensatz zwischen jüdisch sein und
deutsch sein. Deutsche Juden - auch wenn sie nicht
assimiliert, sondern orthodox oder liberal oder was auch immer
waren - sahen sich als Deutsche.

Du hast Recht, da habe ich ziemlich schlecht formuliert (und so spät war es doch gar nicht). Natürlich sind jüdisch und deutsch keine konkurrierenden Begriffe. Die Beschränkung auf entweder das eine oder das andere wäre fast schon Nazi-Denken.

Ich hätte schreiben sollen:
„Bei vielen trat das Zugehörigkeitsgefühl zum Judentum verglichen dem deutschen Nationalgefühl sehr in den Hintergrund, bei nicht wenigen bis zum Verschwinden.“
Einverstanden?

Aber du hast bereits den Satz erwähnt „Wer ein Jud’ ist,
bestimme ich“ (ursprünglich von Karl Lueger, von Göring
lediglich recycelt).

Wobei viele Menschen als Juden verfolgt wurden, die weder nach
dem jüdischen Religionsgesetz noch nach ihrem eigenen
Selbstverständnis Juden waren. Die Rassegesetze der Nazis
waren eine merkwürdige Mischung aus unterschiedlichen
Kriterien (Religion, Rasse, Vorfahren).

Genau das wollte ich ausdrücken, danke für die Präzisierung.

Der Nationalsozialismus hat in dieser
Beziehung viele Männer und Frauen grausam verfolgt, die
tatsächlich national gesinnt waren und sich in keinster Weise
als Juden sahen.

Auch viele deutsche Juden waren national gesinnt und haben
sich nicht vorstellen können, was auf sie zukommen würde.

Ich denke die überwiegende Mehrheit der deutschen Juden war national gesinnt. Fraglos eine Katastrophe, wenn dann das verehrte Vaterland plötzlich mit blutigem Bestienmaul nach ihnen schnappt. Vielleicht ist es eine müßige Frage, ob die Katastrophe dann noch größer ist, wenn man als Jude verfolgt wird, obwohl man de facto gar keiner ist oder sich nicht (oder kaum) mehr als einer empfindet…

Gruß
Hardey

BS"D

Hallo Jasper.

Und zwar Juden, von denen ausdrücklich
bekannt
war, dass sie Juden waren.

Es wurde ja schon nebenbei ausgeführt, dass eben genau diese Annahme von dir falsch ist. In der Studie ging es eben gerade NICHT um Juden, sondern um Menschen deren Urvorfahren einmal jüdisch waren. Dieses wurde dann auch entsprechend erfasst und hatte dann auch Einschränkungen bzw. besondere Überwachung zur Folge, aber eben noch keine Verfolgung oder Ausrottung.

Darum war es dann auch möglich, dass Menschen mit diesem Status in der Wehrmacht dienten und auf der anderen Seite Juden aus Deutschland flohen.

Gruss,
Eli

BS"D

Hallo Andreas.

Das heißt, die deutschen Juden waren Deutsche.

Wobei deine erste Erklärung hierzu nicht im Widerspruch steht, sondern davon völlig unabhängig war/ist. So haben Juden damals sich ebenso nach deiner ersten Definition als Juden, als Angehörige des jüdischen Volkes gesehen. Damals assimilierte Juden waren meistens schon zum Christentum konvertiert und verstanden sich selber nicht mehr als Juden.

Und damit bin ich wieder bei meiner Anfangskritik: genau diese
Diktion haben wir immer noch. „Wir“ (Deutsche) haben „die“
(Juden) verfolgt. Dass es bis 1939 die eigenen Landsleute
waren, die da entrechtet wurden, diese Idee der Emanzipation
haben die Nazis sehr erfolgreich ausgetrieben.

Oh, hier musst du aufpassen, da ja nicht nur deutsche Juden, sondern alle Juden in Europa verfolgt und versucht wurden, zu vernichten. In diesem Sinne ist die Aussage schon richtig, auch wenn dabei zu oft und schnell vergessen wird, dass dieses ebenso Deutsche mit einschliesst.

Ansonsten ist die Aussage ja auch in anderer Richtung falsch, da ja nicht nur Deutsche die Juden damals versuchten zu vernichten, sondern fast alle Völker in Europa sich dem willentlich anschlossen, so ja auch das von dir mehrmals angesprochene Österreich.

Gruss,
Eli

BS"D

Hallo Jasper.

Stimmt das denn so pauschal?

Was stimmt schon pauschal?! Allgemein kann die Aussage aber sehr wohl belegt und begründet werden. In diesem Sinne kann ich hier Iris nur zustimmen mit ihrer Anmerkung.

Gruss,
Eli

Etwas ot: Der Walzerkönig Johann Strauss
Hallo,

etwas ot, aber nicht uninteressant (gehört vor einigen Jahren im Radio):
Ausgerechnet der lieblingskomponist von Hitler war Achtel-Jude. Das durfte natürlich nicht sein. Also tauchten eines Tages ein paar Leute im Archiv (Wien?) auf und forderten die Herausgabe der Strauss-Akten. Nach einigen Tagen kamen sie damit zurück: Die entsprechenden Stellen waren geschwärzt oder anderswie unkenntlich gemacht …

Gruss
Laika