Gruss an alle Theologiefreunde. Die Frage liegt so nahe, ich kenne die Antwort nicht: Welche Gründe brachten die jüdischen Theologen zu der Ansicht, dass Christus nicht der im Alten Testament angekündigte Messias ist?
Dank für alle Argumente, seien sie sicher oder auch nur zweifelhaft.
Welche Gründe brachten die jüdischen
Theologen zu der Ansicht, dass Christus nicht der im Alten
Testament angekündigte Messias ist?
Hallo Rolf!
Die „Beweislast“ lag (und liegt) ja nicht bei denen, die Jesus nicht für den atl. Messias halten, sondern bei denen, die behaupten, er sei es.
Ein jüdischer Mensch um die Zeitenwende durfte mit Recht annehmen, dass der Messias, wenn er kommt, eindeutig erkennbar sein würde auch und gerade für seine Feinde (wer auch immer das dann wäre). Es gab damals so viele selbsternannte Messiasse. Die klügste Einstellung dazu war die des Gamaliël (Apg. 5, 34-39).
Jesus war/ist nicht eindeutig als Messias erkennbar, nicht einmal im engsten Kreis der Zwölf. Und dass er als Gekreuzigter starb, also gebrandmarkt und gescheitert, machte eine göttliche Bevollmächtigung völlig unwahrscheinlich. Er hatte wunderbare Heilungskräfte (das ist historisch ziemlich unumstritten), aber er hat diese Kräfte nie eingesetzt, um „Ungläubigen“ etwas zu „beweisen“.
Gerade die Eindeutigkeit, die man „haben“ und „wissen“ kann und die die Armut vor Gott und den personalen Akt des Glaubens erspart („Dein Glaube hat dich geheilt“, sagte er regelmäßig), lehnte er ab. Und wenn irgendetwas, dann unterscheidet ihn das von allen selbstgemachten Erlösern.
Gruß,
Pietro
Hallo, Rolf!
Ich stimme Pietro zu. Jesus hat zu keinem Zeitpunkt „bewiesen“, dass er Gottes Sohn sei. Die reine Behauptung (z.B. „… ich und der Vater wir sind eins. …“) oder auch nur die Zustimmung auf eine entsprechende Frage („Du sagst es, ich bin’s“) würden auch heute vor keinem Expertenrat standhalten. (O-Text Jesus: „Wenn des Menschen Sohn wiederkommt …, meinet Ihr, dass er wird Glauben finden …?) - Damals wie heute verbinden sich mit den messianischen Prophezeiungen bestimmte Vorstellungen; wenigstens sollte Jesus mit „Pauken und Trompeten“ auftreten. Statt dessen ein bescheidener Mann ohne jeden Machtanspruch, ohne jeden Glorienschein, der sich noch dazu mit den Ärmsten und Verrufensten seiner Zeit abgab.
Die zeitgenössischen Theologen hätten ihn sicher akzeptiert, wenn er ihren Vorstellungen entsprochen hätte (“… wir dachten, er würde uns vom Joch der Römer befreien …"), und wenn er nicht sie und ihre Lesart der Schriften in Frage gestellt hätte.
Wenn Jesus wie vorhergesagt wiederkommt, dann nach seinen eigenen Worten „wie ein Dieb in der Nacht“, also wieder ohne großes Gepränge. Und seien wir ehrlich: Wenn er die heutigen Kirchenführer nach ihrer Lesart der Schriften, nach ihrem christlichen Lebenswandel beurteilen würde, hätten sie keine allzu großen Chancen dabei gut wegzukommen. Und daraufhin würden ihm auch die heutigen Theologen nicht „glauben“, dass er der Messias sei. Vielmehr würden sie alles menschenmögliche unternehmen, um ihre eigenen Pfründe zu sichern.
So - das waren jetzt zwar keine wissenschaftlichen Erklärungen, aber ich hoffe, dass Dir auch damit gedient ist.
Einen guten Rutsch wünscht
Fr.-Chr.
Dieb und Blitz
Wenn Jesus wie vorhergesagt wiederkommt, dann nach seinen
eigenen Worten „wie ein Dieb in der Nacht“, also wieder ohne
großes Gepränge.
Hallo Franz-Christian,
danke für deine Zustimmung!
Was die Wiederkunft angeht, steht im Evangelium allerdings etwas anderes. Der Vergleich vom „Dieb in der Nacht“ bezieht sich nur auf den Zeitpunkt (Lk 12, 39f). Von der Art und Weise heißt es dagegen: „Wenn man zu euch sagt: Dort ist er! Hier ist er!, so geht nicht hin, und lauft nicht hinterher! Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen.“ (Lk 17, 23f)
Christen, die die Hoffnung darauf nicht aufgegeben haben, sind also in einer ganz ähnlichen Situation wie die Juden der Zeitenwende (und die religiösen Juden heute).
Gruß,
Pietro
Grüß Dich, Pietro!
Ja, ja - die Interpretation der Prophezeiungen … „Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet …“ kann sich auch darauf beziehen, daß das Kommen Christi alles erhellen wird, was sich noch im Dunkel befindet, bzw. was sich im Dunkeln abspielt. Der Hinweis „… wie ein Dieb in der Nacht“ kann darauf hinweisen, daß er denen, die wider ihn sind, d.h., sich nicht „wachend“ auf sein Kommen vorbereitet haben, ihr Gut und ihre Hoffnung nehmen wird.
Uns armen Menschlein wird (wie üblich) erst im Nachhinein klar werden, wie es gemeint war, und die Art seines Erscheinens können wir uns nicht ausmalen. Trotz der Hinweise in AG 1,11 und Offbg. 1,7: „… wird so wiederkommen, wie Ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen …“ - „… siehe er kommt mit den Wolken …“.
Für interessant halte ich übrigen den 14. Vers im Judasbrief. Hier bezieht sich der Schreiber auf eine Prophezeiung Henochs, die bereits zur Zeitenwende gegolten hat, im Hinblick auf die Wiederkunft Jesu: „Der Herr kommt mit seinen vielen tausend Heiligen …“
Nun fürchte ich nur, dass wir mit unseren Ausführungen keine große Hilfe für Rolf waren. Aber die Thematik ist einfach zu wichtig, um sie nicht zu berühren.
Ich wünsche Dir und allen Lesern ein gesegnetes Neues Jahr!
Franz-Christian
Gruss und Dank an Euch, Pietro und Franz-Christian, für Euere Zuschriften und den zusätzlichen Dialog. Es bleibt wohl die Feststellung, dass kein eindeutiges Ereignis damals zur völligen Hinwendung ohne jedes Hinterfragen geführt hat, die Ablehnung stufenweise bis zur Verurteilung von Jesus war die Folge. Die Eindeutigkeit wird von Dir, lieber Pietro, besonders erwähnt, das Fehlen einer solchen beschäftigt mich und sicher viele andere Menschen gleicherweise, seit ich über das Leben nachdenken kann; wie damals zu Jesus Zeiten fehlt der Engel an der Kirchentüre oder die Stimme aus den Wolken, so bleibt nur das stete Bemühen, den Glauben höher zu stellen als den Zweifel und im Gebet dauernd darum zu bitten, dass dies gelingen möge.
Ich wünsche Euch Gesundheit und Glück im Neuen Jahr. Gruss Rolf.
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Welche Gründe brachten die jüdischen
Theologen zu der Ansicht, dass Christus nicht der im Alten
Testament angekündigte Messias ist?
die frage muss lauten: was brachte christliche theologen dazu zu glauben, ausgerechnet er waere es gewesen? juden sind sich sicher dass er es nicht war. also eruebrigt sich deine fragestellung voellig.
gruesse und
lehitraot.
Hallo Lehitraot,
deine darstellung der frage verstehe ich nicht. welche theologen meinst du?
Gruß
B2
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
deine darstellung der frage verstehe ich nicht. welche
theologen meinst du?
hi b2
keine ahnung. habe einfach die ausgangsfrage ins richtige licht gerueckt, die da lautete: was bringt jued. theologen dazu jesus nicht anzuerkennen?
das klingt ja fast so als fragte man einen buddhisten, beweise mal dass mohammed nicht ein prophet war. warum sollte er? was soll er mit mohammed?
lieben gruss und
lehitraot 
hallo Lehitrot
erst mal ein gutes neues Jahr 2002. Welches schreibt Ihr z.Zt?
Zu Deiner Antwort: das war Rethorik vom feinsten!
Grüße
Raimund
hallo, ein Grund, warum Jesus von den Juden nie anerkannt wurde: er versprach ein Königreich im Jenseits. Die jüdische Mythologie geht aber von einem Königreich im diesseits aus.
Er verjagte als keine Römer oder welche Besatzer auch immer. Er errichtete kein neues Königreich. Er versprach nur.
Es entsprach ganz einfach dem gleichem, als wenn Du morgen auf die straße gehst und behauptest: mich bin der neue Messias. Die Wunder, die er gemacht haben soll, sind reine Erzählungen, ohne geschichtlichen Nachweis. Sie könnten genauso von seinen Anhängern erfunden worden sein, um einen „Beweis“ seiner göttlichkeit zu haben. Und die Geschichte lehrt uns, dass sie damit recht hatten.
Das gesamte NT ist bis auf einige geschichtliche Hintergründe auf Erzählungen von Anhängern späterer Zeit aufgebaut.
Genauso könnten die Sientologen von sich behaupten, dass sie recht haben, denn Hubbert hat es aufgeschrieben.
Grüße
Raimund
Die Frage liegt so nahe, ich kenne die Antwort nicht: Welche Gründe brachten die jüdischen Theologen zu der Ansicht, dass ::Christus nicht der im Alten Testament angekündigte Messias ist?
Hallo Rolf,
zu dieser Fragestellung gibt es einen Artikel von Rabbiner Stephen Fuchs:
„Sollen Christen Juden bekehren?“
http://www.hagalil.com/archiv/2001/04/christentum.htm
weil diese Fragestellung oft im Umfeld der Diskussion über Judenmission auftaucht.
Viele Grüsse
Iris
hey raimund!
erst mal ein gutes neues Jahr 2002.
danke, dir auch gleich mal.
Welches schreibt Ihr z.Zt?
auch 2002, im täglichen leben
nur der festkalender geht in israel nach dem hebräischen, dort ist es das jahr 5762. wie bei raumschiff enterprise, nicht wahr.
Zu Deiner Antwort: das war Rethorik vom feinsten!
wirklich? nehm ich mal als kompliment 
grüße und
lehitraot 
die Ablehnung stufenweise bis zur Verurteilung von Jesus war
die Folge.
du machst den fehler, deine persönliche sicht einer bestimmten person als etwas einzigartiges und besonderes auf alle menschen auszudehnen.
es gab und gibt in der geschichte der jüdischen religion zig, wenn nicht hunderte, von personen, die von ihren anhängern als messias verehrt wurden. und es gab zig, wenn nicht hunderte, von politischen morden und hinrichtungen im römischen reich.
wenn man die frage hört „was bringt dich dazu jesus abzulehnen“, kommt mir das eigenartig vor. als wenn mich ein mark-knopfler-fan fragen würde, „was bringt dich dazu, mark knopfler als größten gitarristen aller zeiten abzulehnen?“ - naja, vielleicht interessiert mich der gar nicht so?
sollte jetzt keine beleidigung sein… vielleicht wirds dadurch nur etwas klarer.
lieben gruß und
lehitraot 
Hallo lehitraot,
hab dank für deine antwort. habe verstanden. der versuch der beantwortung der fragen wäre sicherlich interessant, würde aber sicherlich hier den rahmen sprengen und tief in religiösen auffassungen gehen.
Gruß
B2
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Hallo Rolf,
zu dieser Fragestellung gibt es einen Artikel von Rabbiner
Stephen Fuchs:„Sollen Christen Juden bekehren?“
http://www.hagalil.com/archiv/2001/04/christentum.htmweil diese Fragestellung oft im Umfeld der Diskussion über
Judenmission auftaucht.Viele Grüsse
Iris
Vielen Dank Dir, Iris, für den Hinweis auf die Adresse, die Ausführungen von Rabbi Stephen Fuchs sagen einiges zu meiner Frage, freilich werden eigentlich nur „weltliche“ Geschehnisse als Erwartung angeführt.
Eine eindeutige Antwort wird es wohl nicht geben. Gruss und viel Gutes im Neuen Jahr! Rolf .
Hallo Rolf.
freilich werden eigentlich nur „weltliche“
Geschehnisse als Erwartung angeführt.
Was hast Du erwartet?
Schalom,
Eli
jd.Messias ein rein weltlicher Zampano,chrstl. nie
Jeder echte Christ baut ausschließlich auf geistige Ereignisse.
Denn die weltlichen - sind ein Gleichnis und korrespondieren mit Ereignissen in der Geisteswelt.
Aber, es ist schon gut, daß Jesus damals sagte, daß das nur die
unmündigen Kindlein Gottes verstehen, die Rabbis und Schriftge-leerten nimmermehr. Und Jesus pries Gott darob. Und ich dito.
Amen.
Dein Norbert.