Jüdischer Glauben?

Wie werde ich Jude? bzw.
Wie kann ich der jüdischen Glaubensgemeinschaft beitreten?

Hallo Philip,

lies mal hier, da steht etwas zur sogenannten „Konversion“ (Übertritt zum Judentum):

http://liberale-juden.de/de/leben014.htm
http://israel-live.de/bet-debora/2001/juedische-fami…

Der erste Link spiegelt wohl die Sicht der Reformjuden wider; wie es bei den Orthodoxen aussieht, weiß ich nicht. Am besten wendest Du Dich einmal an eine Jüdische Gemeinde in Deiner Nähe und sprichst mit dem Rabbiner dort. Der kann es Dir am besten erklären.

Herzliche Grüße

Alex

Wie werde ich Jude? bzw.
Wie kann ich der jüdischen Glaubensgemeinschaft beitreten?

Wie werde ich Jude?

Entweder durch Geburt oder durch Beitritt. Beitritt läuft kurz gesagt so: Studium (meistens mehrere Jahre), praktisches Lernen, oft Kurse, dann ein Termin an einem Rabbinatsgericht, ein Schwur daß du von nun an so und so leben willst, du suchst dir einen jüfischen Namen aus, und dann ein Untertauchen in einem speziellen Bad.

Wie kann ich der jüdischen Glaubensgemeinschaft beitreten?

Es gibt keine „jüdische Glaubensgemeinschaft“, sondern nur ein jüdisches Volk.

Gruß
datafox

Zusatzfrage
Hallo an alle!

Ich habe in verschiedenen Filmen über Konzentrationslager gesehen, daß es für Mitglied des jüdischen Volkes offenbar ein Problem, um nicht zu sagen eine Strafe darstellt, wenn sie (christlich) getauft wurden.
Habe ich da etwas falsch verstanden, oder müßte es dann für einen konvertierten Christen nicht das gleiche Problem darstellen (, da er ja getauft ist)?

fragt

Gollum

Hallo Philip,

einen Beitritt zu einer „jüdischen Glaubensgemeinschaft“ gibt es nicht.
Erst einmal wäre es wichtig, dass Du jüdisches Leben in seinen unterschiedlichen Ausprägungen kennenlernst um einschätzen zu können, was Deine Vorstellungen mit der Realität zu tun haben.

Je nachdem, ob und wieweit Du jüdisches Leben schon kennengelernt hast, würde der nächste Schritt aussehen. Welche Aktivitäten gibt es an Deinem Wohnort, an denen Du teilnehmen könntest um jüdisches Leben von der praktischen Seite mitzubekommen.

Bei http://www.hagalil.com und http://www.talmud.de findest Du vielfältige Infos zum jüdischen Leben in Deutschland und auch die Anschriften der jüdischen Gemeinden.
Bei talmud.de gibt es auch eine Mailingliste zum Thema Übertritt (Giur).

Viele Grüße

Iris

Hallo Gollum,

Ich habe in verschiedenen Filmen über Konzentrationslager
gesehen, daß es für Mitglied des jüdischen Volkes offenbar ein
Problem, um nicht zu sagen eine Strafe darstellt, wenn sie
(christlich) getauft wurden.

Ins Konzentrationslager kamen sie alle, weil Jude sein nach Nazikategorien rassistisch definiert war. So fanden sich viele als Juden definiert, die damit möglicherweise schon seit Generationen nichts mehr am Hut hatten.

Da ich nicht weiß, auf welchen Film Du Dich beziehst, ist die Antwort etwas schwierig.
Im KZ Westerbork gab es z.B. eine sogenannte „Getauftenbaracke“. Die Situation für die dort Gefangenen war insofern extrem schwierig, weil sie nicht wußten, wie lange der Taufschein helfen würde, sie von der Deportation zurückzustellen.

Unter den dortigen Leuten waren solche, die ganz überzeugte Christen seit Kindertagen waren. Andere hatten sich während der Nazizeit taufen lassen, weil sie so hofften der Verfolgung zu entgehen.
Gerade die standen zwischen Baum und Borke. Mit denen, die aus Überzeugung immer christlich gelebt hatten, konnten sie nicht viel anfangen. Von den Juden, die nicht in der Getauftenbaracke waren, wurden sie als Opportunisten verachtet.

Wenn jemand aus einer orthodoxen jüdischen Familie konvertiert wie z.B. Edith Stein, dann ist das für die Familie sehr schwierig.

Habe ich da etwas falsch verstanden, oder müßte es dann für
einen konvertierten Christen nicht das gleiche Problem
darstellen (, da er ja getauft ist)?

Ich denke, dass Konversion immer ein schwieriger und längerer Prozesws ist, weil es um Integration in eine neue Gruppe geht und die Frage entsteht, wie man es mit der Herkunftskultur hält.
Wie geht jemand, der zum Judentum konvertiert ist, mit Weihnachten um - mit den Wünschen und Gepflogenheiten der Herkunftsfamilie.

Verstanden habe ich das mit der Strafe nicht. Wer soll von wem bestraft werden?

Viele Grüsse

Iris

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Hallo nochmal,

ich habe dein Posting total falsch verstanden und meine Antwort gelöscht. Iris hat ja schon das Wichtigste gesagt.

Habe ich da etwas falsch verstanden, oder müßte es dann für
einen konvertierten Christen nicht das gleiche Problem
darstellen (, da er ja getauft ist)?

Ich denke nicht, da er ja nicht als Jude getauft worden ist sondern als Nichtjude. Aber Taufe spielt eigentlich sowieso keine Rolle, weil das Ritual ja nicht zum Judentum gehört. Normalerweise ist es relativ egal, ob man getauft worden ist oder nicht. Niemand fragt danach. Die Probleme sind eher praktischer Natur, denn man hat zwei Familien unter einen Hut zu kriegen, die neue jüdische und die eigene, die christlich ist. Man will niemanden verletzen und weiß aber wo man hingehört - das ist oft schwierig und verlangt Einfühlungsvermögen von allen Beteiligten.

Gruß
datafox

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Wie werde ich Jude? bzw.
Wie kann ich der jüdischen Glaubensgemeinschaft beitreten?

Hi

Mal nur so aus Neugier, was bewegt dich dazu zum Judentum zu konvertieren??

Gruss

Talwyn

Hallo Gollum,

Ich habe in verschiedenen Filmen über Konzentrationslager
gesehen, daß es für Mitglied des jüdischen Volkes offenbar ein
Problem, um nicht zu sagen eine Strafe darstellt, wenn sie
(christlich) getauft wurden.

dass es während der Nazizeit oder in Konzentrationslagern zu Zwangstaufen gekommen wäre, ist mir nicht bekannt. Kann es sein, dass du da etwas verwechselst? Zwangstaufen gab es zu Zeiten der spanischen Inquisition und in grosser Zahl in Deutschland während der Kreuzzüge. Tatsächlich haben z. B. in Mainz und Worms hunderte Juden Selbstmord begangen, um der Zwangstaufe zu entgehen.

Habe ich da etwas falsch verstanden, oder müßte es dann für
einen konvertierten Christen nicht das gleiche Problem
darstellen (, da er ja getauft ist)?

Nicht die Taufe an sich ist das Problem, sondern der Zwang, seinen Glauben aufgeben zu müssen. Dass so etwas für einen gläubigen Menschen gleich welcher Religion ein Problem darstellt, ist wohl leicht vorstellbar.

Gruss,
Schorsch

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Noch 'ne Zusatzfrage …

Es gibt keine „jüdische Glaubensgemeinschaft“, sondern nur ein
jüdisches Volk.

Es gibt keine „deutsche Glaubensgemeinschaft“, sondern nur ein deutsches Volk.
Wenn das so ist, können dann Juden Deutsche sein oder nicht?

Gruß, Stucki

Hallo Gollum,

Ich habe in verschiedenen Filmen über Konzentrationslager
gesehen, daß es für Mitglied des jüdischen Volkes offenbar ein
Problem, um nicht zu sagen eine Strafe darstellt, wenn sie
(christlich) getauft wurden.

dass es während der Nazizeit oder in Konzentrationslagern zu
Zwangstaufen gekommen wäre, ist mir nicht bekannt. Kann es
sein, dass du da etwas verwechselst? Zwangstaufen gab es zu
Zeiten der spanischen Inquisition und in grosser Zahl in
Deutschland während der Kreuzzüge. Tatsächlich haben z. B. in
Mainz und Worms hunderte Juden Selbstmord begangen, um der
Zwangstaufe zu entgehen.

Durchaus möglich, ich weiß nicht mehr, welcher Film das war. Aber daß Zwangstaufen für manche ein Problem waren, die sogar zu Selbstmorden führten, glaubte ich mich zu erinnern.

Habe ich da etwas falsch verstanden, oder müßte es dann für
einen konvertierten Christen nicht das gleiche Problem
darstellen (, da er ja getauft ist)?

Nicht die Taufe an sich ist das Problem, sondern der Zwang,
seinen Glauben aufgeben zu müssen. Dass so etwas für einen
gläubigen Menschen gleich welcher Religion ein Problem
darstellt, ist wohl leicht vorstellbar.

Ich dachte, niemand würde ihn daran hindern können, trotzdem im Sinne des jüdischen Glaubens zu leben, auch wenn er am Papier konvertiert ist.

Gruss,
Schorsch

Danke für die Antwort!

Grüße

Gollum

Hallo Datafox!

ich habe dein Posting total falsch verstanden und meine
Antwort gelöscht. Iris hat ja schon das Wichtigste gesagt.

Irgendwie neigen wir beide dazu, einenander falsch zu verstehen.

Habe ich da etwas falsch verstanden, oder müßte es dann für
einen konvertierten Christen nicht das gleiche Problem
darstellen (, da er ja getauft ist)?

Ich denke nicht, da er ja nicht als Jude getauft worden ist
sondern als Nichtjude. Aber Taufe spielt eigentlich sowieso
keine Rolle, weil das Ritual ja nicht zum Judentum gehört.
Normalerweise ist es relativ egal, ob man getauft worden ist
oder nicht. Niemand fragt danach. Die Probleme sind eher
praktischer Natur, denn man hat zwei Familien unter einen Hut
zu kriegen, die neue jüdische und die eigene, die christlich
ist. Man will niemanden verletzen und weiß aber wo man
hingehört - das ist oft schwierig und verlangt
Einfühlungsvermögen von allen Beteiligten.

Das habe ich gemeint, es müßte eigentlich egal sein, weil Ihr ja die Taufe nicht anerkennt. Aber Schorsch hat mir das schon sehr gut erklärt.

Danke für die Antwort!

Grüße

Gollum

Hi,

Wenn das so ist, können dann Juden Deutsche sein oder nicht?

Natürlich. Wieso schließt sich das aus?

datafox

Hallo,

Ich dachte, niemand würde ihn daran hindern können, trotzdem
im Sinne des jüdischen Glaubens zu leben, auch wenn er am
Papier konvertiert ist.

Ja, aber der Akt der Taufe selbst wäre Gotteslästerung. Mit dieser Übertretung darf man nicht mal sein Leben retten, wie bei Mord. Deshalb sind viele lieber gestorben als sich taufen zu lassen (im Mittelalter).

datafox

Hallo Iris!

Ich habe in verschiedenen Filmen über Konzentrationslager
gesehen, daß es für Mitglied des jüdischen Volkes offenbar ein
Problem, um nicht zu sagen eine Strafe darstellt, wenn sie
(christlich) getauft wurden.

Ins Konzentrationslager kamen sie alle, weil Jude sein nach
Nazikategorien rassistisch definiert war. So fanden sich viele
als Juden definiert, die damit möglicherweise schon seit
Generationen nichts mehr am Hut hatten.

Da ich nicht weiß, auf welchen Film Du Dich beziehst, ist die
Antwort etwas schwierig.

Ich dachte, es war „Schindler’s List“, aber Schorsch hat mir schon die Antwort gegeben, es dürfte in dem Buch „Pforten der Nacht“ von Brigitte Riebe vorgekommen sein (übrigens ein sehr gutes Buch).

Im KZ Westerbork gab es z.B. eine sogenannte
„Getauftenbaracke“. Die Situation für die dort Gefangenen war
insofern extrem schwierig, weil sie nicht wußten, wie lange
der Taufschein helfen würde, sie von der Deportation
zurückzustellen.

Unter den dortigen Leuten waren solche, die ganz überzeugte
Christen seit Kindertagen waren. Andere hatten sich während
der Nazizeit taufen lassen, weil sie so hofften der Verfolgung
zu entgehen.
Gerade die standen zwischen Baum und Borke. Mit denen, die aus
Überzeugung immer christlich gelebt hatten, konnten sie nicht
viel anfangen. Von den Juden, die nicht in der
Getauftenbaracke waren, wurden sie als Opportunisten
verachtet.

Wenn jemand aus einer orthodoxen jüdischen Familie konvertiert
wie z.B. Edith Stein, dann ist das für die Familie sehr
schwierig.

Habe ich da etwas falsch verstanden, oder müßte es dann für
einen konvertierten Christen nicht das gleiche Problem
darstellen (, da er ja getauft ist)?

Ich denke, dass Konversion immer ein schwieriger und längerer
Prozesws ist, weil es um Integration in eine neue Gruppe geht
und die Frage entsteht, wie man es mit der Herkunftskultur
hält.
Wie geht jemand, der zum Judentum konvertiert ist, mit
Weihnachten um - mit den Wünschen und Gepflogenheiten der
Herkunftsfamilie.

Das kann ich verstehen.

Verstanden habe ich das mit der Strafe nicht. Wer soll von wem
bestraft werden?

Es gab damals viele Selbstmorde um einer Taufe zu entgehen.

Danke für die Antwort

Gollum

falsch
Hallo Stucki,

Deutscher ist, wer deutscher Staatsbürger ist - und das ist keine völkische Definition. Welche Herkunft und Religion du hast, aus welcher Familie du stammst, hat keinen Einfluss auf die Legitimität deiner deutschen Staatsangehörigkeit.

grüße,

Barbara

Es gab damals viele Selbstmorde um einer Taufe zu entgehen.

Hallo Gollum,

in der Nazi-Zeit gab es viele Selbstmorde unter Juden um der Deportation zu entgehen, z.B. Martha Liebermann, die Ehefrau des berühmten Malers.

Wenn die jüdische Gemeinde einen Transport von 1000 Menschen zusammenstellen sollte, dann mußten sich 1200 im Sammellager einfinden, weil man schon den Erfahrungswert hatte, dass 20 % durch Selbsttötung sich der Deportation entzogen.

Viele Grüsse

Iris

Hallo Barbara,

Deutscher ist, wer deutscher Staatsbürger ist - und das ist
keine völkische Definition. Welche Herkunft und Religion du
hast, aus welcher Familie du stammst, hat keinen Einfluss auf
die Legitimität deiner deutschen Staatsangehörigkeit.

Das verwirrt mich alles ein bisschen: Jude sein ist also eine „völkische Definition“!? Wie ist denn dann „Volk“ definiert?

Schönen Abend noch
Stucki

Hi zurück,

Wenn das so ist, können dann Juden Deutsche sein oder nicht?

Natürlich. Wieso schließt sich das aus?

Weil Du den ersten Teil, meine Voraussetzung weggelassen hast:
Es gibt keine „deutsche Glaubensgemeinschaft“, sondern nur ein deutsches Volk.
Wenn das so ist, können dann Juden Deutsche sein oder nicht?
Aber wie Barbara sagte, gibt es kein „deutsches Volk“. Dann stimmt natürlich die Voraussetzung nicht.

Gruß, Stucki

Hallo stucki,

ich habe mich auf folgendes Zitat von dir bezogen:

Es gibt keine „deutsche Glaubensgemeinschaft“, sondern nur ein deutsches Volk

grüße,

barbara